Hat die literarische Kunst ausgedient?

Lesende Frau (Ölgemälde von Jean-Honoré Fragonard, 1770/72) – Gemeinfrei

Je weniger Künste gesellschaftlich noch eine Rolle spielen, um so mehr ist von Kultur, Events und Streams zu lesen. In den letzten Jahren hat die öffentliche Marginalisierung besonders die zeitgenössische klassische Musik als auch den avancierten Jazz getroffen, und die belletristische Literatur.

Der Börsenverein des deutschen Buchhandels hat eigens Kampagnen entstehen lassen, wie z.B. „Vorsicht Buch“ oder „Buy local“, um Büchern und Händlern mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Ich erinnere mich sogar an ein auf Facebook präsentiertes Ladenfensterbild, das mit erotischen Buchumschlägen gefüllt war! Ein Engagement für die Belletristik war und ist jedoch nicht zu erkennen. Um so nachdrücklicher wird politisch vom „Kulturgut Buch“ gespochen! Aber es bleibt kaum mehr als eine sonderbare Metapher, die sich primär auf die Ladenkassen zu beziehen scheint. Belletristik, so ließe sich interpretieren, ist längst abgeschrieben!

Die fatale Entwicklung betrifft auch das traditionelle Feuilleton und das Fernsehen. Helmut Böttiger hat anlässlich der Neukonzeptionierung des Literarischen Quartetts  getitelt (ZEIT): „“Muppet Show“ statt Literaturkritik“, und Ekkehard Knörer greift eine unlängst im Literaturbetrieb begonnene Diskussion auf (Merkur), um besonders auf die veränderten Arbeitsbedingungen von Literaturkritikern hinzuweisen. Kritik ist zu einer Randerscheinung geworden, der kaum noch jemand gerecht werden kann. In einer solchen Zeit ist es sogar schwierig geworden, sich mit den Kriterien von Kritik auseinanderzusetzen, wie einem mehrteiligen (literarischen) Gespräch einiger Autoren aus dem AutorenVerlag Matern zu entnehmen war (Freitag) und das später in „Analytische Belletristik“, hg. von Mark Ammern, gemeinsam mit anderen Texten veröffentlicht wurde.

Jan Drees, u.a. Literaturwissenschaftler, ist in seinem Blog (Lesen mit Links) angesichts der miserablen Situation für Literaturblogs eingetreten. Dem kann grundsätzlich nichts entgegengehalten werden, zumal die Spannweite dieser Blogs auch qualitativ sehr breit ist. Doch gesellschaftlich bleibt ein Verlust, und der lässt sich durch den einen oder anderen Blog auch nicht ausgleichen. Die Ansprüche, soweit ich dies beurteilen kann, sind in den qualitativ hochwertigen Blogs jedoch überwiegend konventionell. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: von literarischer Kunst hat man sich auch dort verabschiedet.

Ich persönlich betrachte die ‚kulturelle‘ Entwicklung als eine zur Gefälligkeit, die durchaus marktkonform ist, mich aber in keiner Weise reizt, am wenigsten intellektuell.

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