
Der seit 1989 im Iran herrschende Ayatollah Khamenei ist tot – und das könnte zu einer weiteren tektonischen Verschiebung im globalen Machtgefüge führen. Von unserem Gastautor Seok-Hwan Hong.
Wird es im Iran einen echten Regime-Change mit einer demokratisch organisierten Machtverteilung geben oder eine neue Militärdiktatur durch die Revolutionsgarden und ihre Basij-Milizen?
Was könnte der Zusammenbruch des Islamischen Regimes für den globalen Islamismus bedeuten? Wird es eine langfristige Schwächung islamistischer Bewegungen geben oder eine Radikalisierung verschiedener
dschihadistischer Gruppen?
Das entstehende Machtvakuum im Mittleren Osten wird offensichtlich bereits engagiert von Erdogan ausgefüllt.
Der ehemalige israelische Verteidigungsminister Galant veröffentlichte hierzu die Einschätzung, dass es auf absehbare Zeit eine verstärkte regionale Auseinandersetzung Israels mit der Türkei geben wird, die ja wiederum als Akteur anders funktioniert als der Iran (Stichwort: zweitgrößte NATO-Armee).
Und dann die Frage, wie sich die heutigen Ereignisse für Russland und sicherlich auch für China darstellen. Immerhin ist die „Achse“ Venezuela-Russland-Iran-Nordkorea so gut wie zerbrochen. Kommt es zu einer relevanten politischen Schwächung Putins? Wie verändern sich in dem Zusammenhang die globalen Zugänge zum Öl, nachdem die USA Zugriff auf venezolanische Quellen haben und wahrscheinlich bald auch auf iranische Quellen? Global durchgesetzte Sanktionen auf russisches Öl (die Haupteinnahmequelle für die Kriegswirtschaft Putins) in Verbindung mit bald in großen Mengen günstig verfügbarem Öl könnten Russland mittelfristig in den Staatsbankrott treiben (siehe hierzu das Ende der UdSSR).
Ich denke, hier ist die „Messe noch nicht gelesen“.
Interessant sind auch die innenpolitischen Implikationen in den USA. Was heißt das für Trump, wenn der heutige Einsatz als Erfolg bewertet wird? War das am Ende doch ein genialer Coup? Ist die von Bush so genannte „Achse des Bösen“ jetzt erledigt?
Übrigens: Europa spielt hier keine Rolle. Es sollte sich meiner Meinung nach mehr auf die Unterstützung der Ukraine konzentrieren. Und: Es kann froh sein, wenn gut ausgebildete Exil-Iranerinnen weiterhin hier leben.
Wie auch immer. Ich finde, heute ist ein besserer Tag als gestern. Die Zeiten bleiben weiterhin aufregend.
