Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse…

Am Samstag war ich mir ziemlich sicher, dass die SPD die Kommunalwahl verliert.

Ich bin mit einem Freund auf der Suche nach dem mächtigen Schneeleoparden über die Bochumer Fußgängerzone geschlendert.  Irgendwann kamen wir am SPD-Stand vorbei. Gottlieb Wendehals dröhnte aus allen Lautsprechern: "Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse und dann geht sie los unsre Polonäse…"

Ich war mir sicher: Wer mit Billig-Schlager aus den 70ern versucht, Wahlen zu gewinnen, wird scheitern. Auf jeden Fall in Bochum. Die Stadt hat eine Universität, vier Fachhochschulen, ein Schauspielhaus, will ein Konzerthaus bauen…

Es war egal. Nach 15 Jahren, in denen die Politik im Ruhrgebiet ein wenig Offenheit versprach, in denen Politikwechsel möglich und alte Filzstrukturen aufzubrechen schienen, sind wir wieder am Ausgangspunkt angekomen: Im Ruhrgebiet wird jeder Besenstil gewählt, wenn er nur rot ist. Das Ruhrgebiet hat sich gestern für die Vergangenheit entschieden. Und nun alle zusammen: "… und Dieter packte der Heidi von hinten an die …"

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SvenMinden
14 Jahre zuvor

Nicht anders sieht es im ostwestfälischen Kreis Minden-Lübbecke aus. Das Volk will es scheinbar nicht anders. Wer nicht hören will, muss fühlen.

Claudia
Claudia
14 Jahre zuvor

„Im Ruhrgebiet wird jeder Besenstil gewählt, wenn er nur rot ist.“ Warum beleidigst Du so dermassen die Menschen, die im Ruhrgebiet zur Wahl gehen? Viele sind nicht mal hingegangen, und die, die gewählt haben, sind für Dich alle Idioten?
Sorry, auch wenn ich bissige Kommentare zu schätzen weiss, aber hier schiesst Du weit über das hinaus, was kritischer Journalismus ist. Vielleicht solltest Du mal ernsthaft hinterfragen, warum in den großen Städten so viele Menschen rot-grün gewählt haben. Und vielleicht gibt es darauf auch Antworten, die durchaus einen Sinn ergeben.

Elmar
Elmar
14 Jahre zuvor

Brilliante Analyse, kicher.
Nebenbei ist Dein Text aus dem Lied auch noch falsch (Erwin, nicht Dieter – oder ist das eine versteckte Anspielung auf Düsseldorf?) . Und wenn Du den Schneeleoparden auf der Fußgängerzone suchst, statt ihn Dir bei Gravis nebenan zu besorgen ist das ungefähr genau so eine gute Idee, wie den Erfolg der SPD in Bochum auf das ganze Ruhrgebiet zu übertragen.
Wobei mich die Geschichte mit dem Besenstiel und der Oberbürgermeisterin dann doch wieder interessieren würde…
Grüße, Elmar

christian
christian
14 Jahre zuvor

Leider fehlte in Bochum die wählbare Alternative! So haben die Grünen und die Linken keine eigenen Kandidaten für die Bürgermeisterwahl aufgestellt und somit der angeschlagenen Ottilie kampflos das Feld überlassen 🙁

Simone
Simone
14 Jahre zuvor

Und „Alte Besen kehren gut“ möchte man antworten – lässt es aber dann doch lieber.
Wenn Wählerbeschimpfung das einzige ist, was Kritikern der (u.a. Bochumer) Politik zum Ergebnis der Kommunahlwahl einfällt, ja, dann bin ich über das Ergebnis der Wahlen sehr, sehr froh.

Martin Budich
Martin Budich
14 Jahre zuvor

@Stefan
Da hast Du aber einen ziemlich unreflektierten Bauch-Kommentar abgegeben, ohne Dir die Fakten anzusehen.
Im Jahr 1975 gab es bei der Kommunalwahl in Bochum eine Wahlbeteiligung von 87,7 %. Die SPD erreichte 57,4 % der Stimmen. Jetzt sackte die Wahlbeteiligung unter 50 % (49,48) und die SPD holte ihr schlechtestes Ergebnis überhaupt und fiel unter 40 % (38,92).
Die SPD hat in den letzten 30 Jahren mehr als 60 Prozent ihrer WählerInnen verloren.
Die SPD hat also ihren verdienten Abwärtstrend konsequent fortgesetzt.
Das Problem ist nur, dass die übrigen Parteien keine interessante Alternative für die mittlerweile Mehrheit der Wahlberechtigten darstellen, die nicht mehr zur Wahl gehen.

Christian S.
14 Jahre zuvor

Wählerschelte. Das ist peinlich. Haben die dummen Wähler tatsächlich nicht so gewählt, wie es die Ruhrbarone wollten. Gemein.

Jens Matheuszik
14 Jahre zuvor

@Stefan:
Also der Kommentar klingt ja fast so als wäre er aus dem Shop geschrieben worden, sorry, wenn ich das mal so sage. Es gibt gute Gründe die SPD in Bochum zu wählen und das solltest auch Du wissen.

Jens Matheuszik
14 Jahre zuvor

@Stefan (10):
Ich kenne die Situation in Marl nicht genau, aber gerade Marl ist doch ein absolutes Zeichen für Veränderung. Oder wer hat da von welcher Partei (am Anfang bzw. am Ende) den Job im Rathaus gemacht?

Es geht übrigens nicht um Erbhöfe, sondern um vernünftige Politik. Und wenn die Wählerinnen und Wähler im Ruhrgebiet das primär der SPD zutrauen dann ist das doch kein Grund die Wähler zu beschimpfen.

Christian S.
14 Jahre zuvor

Natürlich kann man sich über ein Ergebnis ärgern. Aber wenn es in Wählerbeschimpfung ausartet, dann ist eine Grenze überschritten.

Christian S.
14 Jahre zuvor

Und was soll überhaupt heißen, man „teilt ein Ergebnis nicht“? Nächstes Mal fragen die Wähler am besten vor ihrer Stimmabgabe Stefan Laurin, ob sie alles richtig gemacht haben.

Arnold Voß
Arnold Voß
14 Jahre zuvor

Ich glaube, dass die SPD zumindest in Teilen ihre Lektion gelernt hat. Es könnte sogar sein, dass die jetztigen Wahlergebnisse eine Belohnung dafür waren. Leute wie Baranowski und Sierau werden hoffentlich denn Ball aufnehmen und weiter nach vorne spielen.

Christian S.
14 Jahre zuvor

„Also hat man jedes Wahlergebnis kommentarlos akzeptieren?“

Tipp: nicht von einem Extrem ins andere verfallen. Es gibt sowas wie den Mittelweg.

Christian S.
14 Jahre zuvor

Schon recht.

Michael Kolb
Michael Kolb
14 Jahre zuvor

Wenn ich das hier so lese… tststs… Jeder hat das Recht, verarscht zu werden, auch der Wähler, von daher geht der Artikel als Kommentar völlig durch. Ob da dann gleich die Löcher aus dem Käse fliegen? Na ja. Innovativ, intelligent, hip oder was auch immer waren die Waffeln vom Konkurrenzstand der CDU jedenfalls auch nicht. Vor allem waren sie nicht cool, sondern „heiß aus dem Eisen“, mir schien das alles ja eher mit der heißen Nadel gestrickt. Egal.
Und wenn wir hier schon dabei sind, uns gegenseitig zu veräppeln; ich persönlich finde es ja viel alberner, daß man nur um Schneehäschen zu kaufen nur die Bochumer Innenstadt tingeln muss. Bei mir kommt das update für mein OS ja immer schön auf Knopfdruck… auch wenn der Name mit „karmic koala“ auch nicht weniger peinlich ist 😉

Manfred Michael Schwirske
Manfred Michael Schwirske
14 Jahre zuvor

Was wie eine politisch Normalisierung des Ruhrgebiets – im Sinne der Wiederherstellung früherer Verhältnisse – aussieht, ist aber alles andere.

Ich komme auf das Argument von Martin Budich zurück: die Wahlbeteiligung ist abgesackt. Ein ernstes Problem. Damit ist aber auch die Dominanz der SPD nur eine relative.

Alles ist anders, denn die Bürgermeister und OBs haben meist keine absoluten Mehrheiten mehr hinter sich stehen (mit untypischen Ausnahmen, siehe Herten). Was eine Minimalvoraussetzung für demokratische Verhältnisse ist.

Man wird also damit leben (und Politik machen) können.

Elmar
Elmar
14 Jahre zuvor

@Stefan:
„Ich will auch kein schwarzes Ruhrgebiet – ich will ein Ruhrgebiet in dem ein harter politischer Wettbewerb um Ideen und Konzepte herrscht.“

Das will ich auch und kriege das auch – alle 5 Jahre und in unserer Demokratie nennt man es Wahlkampf. Daher glaube ich, dass die Wähler in Essen, GE usw. genau hingeguckt haben. Vielleicht sogar in Bochum. Und wenn irgendwo dann eine irgendeine Flitzpiepe gewählt wird, die Du nicht willst – weil man sie Deiner Meinung nach vielleicht nicht wollen kann wenn man in Bochum lebt – dann hätte man hier vielleicht eine Wahlempfehlung für die einzelnen Kommunen abgeben können: Schön mit einem längeren Text dazu. Chance verpasst.
Wen Du dann allerdings in Bochum empfohlen hättest, hätte ich schon gerne gewusst, denn so supersahne waren die anderen Besenstiele wohl auch nicht, oder?
Grüße, Elmar

Manfred Michael Schwirske
Manfred Michael Schwirske
14 Jahre zuvor

Eins hab ich vergessen: das mit den roten Besen bleibt eine richtige Beobachtung. Gilt aber auch für schwarze, grüne, gelbe, blaue …

Eine Beobachtung, die nicht als Wählerbeleidigung zu diffamieren ist, vielmehr Mängel im politischen System (Wahlrecht) offenbart und den Fundamentalfehler des Systems privatwirtschaftlicher, gewinnorientierter Medien.

WB
WB
14 Jahre zuvor

„Ich will auch kein schwarzes Ruhrgebiet – ich will ein Ruhrgebiet in dem ein harter politischer Wettbewerb um Ideen und Konzepte herrscht.“

@Stefan Laurin: Na, klingt hier Deine neoliberale Überzeugung durch? Wer soll denn die Gewinne des harten Wettbewerbs einstecken?

BTW: Die „Polonäse von Blankenese“ ist ein 80er-Jahre-Hit (1981). Wenn Wählerbeschimpfung, dann doch bitte sauber recherchiert! Das sollte gerade ein guter Demokrat beherzigen.

Gruß in den Pott

WB
WB
14 Jahre zuvor

@Stefan Laurin: Und trotzdem hast Du meine Frage nicht beantwortet.

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