Humboldt-Uni: Querdenker mit guter Öffentlichkeitsarbeit


Hauptgebäude der Humboldt-Universität zu Berlin im Palais des Prinzen Heinrich Foto (Ausschnitt): Christian Wolf (www.c-w-design.de) Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE

Der Unterschied zwischen den Querdenkern, die seit Beginn der Pandemie demonstrieren und behaupten, das Corona-Virus gäbe es nicht und den Querdenkern, die den Vortrag von Marie Luise Vollbrecht  über Evolution und Zweigeschlechtlichkeit an der Humboldt-Uni gecancelt haben, ist der zwischen
erfolgreicher und erfolgloser Öffentlichkeitsarbeit.

Beide Seiten behaupten, naturwissenschaftliche Erkenntnisse seien nur eine Meinung und nicht das Ergebnis von Forschung. Während die einen zurecht als Spinner gelten, erfreuen sich die anderen der Unterstützung der öffentlich-rechtlichen Medien und staatlicher Stellen. Den Transaktivisten, die in den USA und Großbritannien längst gewalttätig vorgehen, ist es gelungen, Wissenschaft als transphob und rechts zu denunzieren und Wissenschaftsfeindlichkeit als progressiv und links darzustellen. Beide Querdenkerfraktionen sind indes nicht in der Lage, ihre Behauptungen zu belegen: Wenn Corona harmlos ist, wäre es kein Problem, das ist Statistiken nachzuweisen. Nur geling das nicht. Und wer meint, es gäbe bei Säugern mehr als zwei Geschlechter, wird nicht daran gehindert, bei ihnen eine dritte, vierte oder fünfte Form von Keimzellen vorzuzeigen. Die es nicht gibt: Bislang kennt die Wissenschaft bei Säugern nur kleine Keimzellen, Samenzellen, und große Keimzellen, Eizellen. Wer weitere findet, darf sich große Hoffnungen auf den Nobelpreis machen. Auch ist es noch nie einem Säugetier gelungen, sein Geschlecht zu ändern. Bei Clownfischen kommt das vor, aber nicht bei Menschen. Die Fälle, wie bei Intersexuellen, bei denen das Geschlecht nicht immer eindeutig bestimmt werden kann, sind die Folge seltener Mutationen oder Varietäten, die oft medizinisch Folgen haben, die behandelt werden müssen und keine eigene Geschlechtkategorie darstellen.

Sicher, es gibt Menschen, die sich mit ihrem biologischen Geschlecht nicht wohl fühlen, die tiefunglücklich damit sind, ein Mann oder eine Frau zu sein. Oft ist das eine Reaktion auf die Homophobie in der Gesellschaft, Therapien können helfen aber nicht immer: Es kann Sinn machen, durch Operationen dafür zu sorgen, dass die Betroffenen einen Körper erhalten, in dem sie sich besser fühlen. Denn letztendlich geht es nur darum, dass Menschen glücklich sind und in ihrem Leben zurecht kommen. Und dann ist es eine Frage des Respekts, das zu akzeptieren. Aber ihr Geschlecht haben sie auch nach einer Operation nicht geändert, das geht nun einmal so wenig wie sich ein anderes Alter auszusuchen. Auch der Mensch ist ein in großen Teilen von Biologie bestimmten Lebewesen. Kultur und Willen sind wichtige Faktoren, aber sie sind nicht allmächtig.

Vielen Aktivisten geht es allerdings nicht um die Lebenszufriedenheit der Transsexuellen, von denen es nur sehr wenige gibt. Wie jede postmoderne Theorie ist auch die Queertheorie nichts anderes als ein Angriff auf die Aufklärung. Und ein solcher Angriff fand am Samstag an der Humboldt-Universität in Berlin statt.

 

 

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5 Kommentare

  1. #1 | Wolfram Obermanns sagt am 4. Juli 2022 um 12:00 Uhr

    Ganz so simpel ist das auch bei wissenschaftlicher Betrachtung nicht.
    Die Biologie kennt bei Menschen zwei Geschlechter. Dies mit einer statistischen Evidenz, dass auch Sheldon Cooper dies als echt wissenschaftlich anerkennen müsste.
    Genderstudien können über Geschichte und Kulturkreise hinweg gut zeigen, die Geschlechterrollen sind sehr fluide soziale Konstrukte. Es macht eigentlich gar keinen Sinn von „richtigen“ Geschlechtern zu reden.
    Die Psychologie zeigt, biologisches Geschlecht und Selbstwahrnehmung des eigenen Sexus oder Genus müssen nicht viel miteinander zu tun haben.
    Mit einem gewagten Dreisprung über diese Erkenntnisse hinweg wird behauptet, Transsexualität ermögliche ein wahres, echtes Wunschgeschlecht. Eine Aussage die weder biologisch noch unter Gendergesichtspunkten sinnvoll ist.
    Nach meiner Erkenntnis ist die Psychologie weit davon entfernt, den typischen Transsexuellen zu definieren, weswegen Transsexualität als Krankheitsbild aufgegeben wurde.

    Juristisch stellt sich nun die Frage, wie werden die jeweiligen in Anspruch genommenen Schutzräume, Klassifizierungen, Förderung etc. die an Begriffen von „Geschlecht“ gebunden sind, bei Transsexualität zugeordnet.
    Zu dieser Frage ist sinnvoll zu debattieren.
    Der Streit um Vorträge wie der von Vollbrecht ist auch im Sinne der Transsexuellen nicht nur überflüssig, sondern schadet den Betroffenen, die so pauschal einem Verdacht grundsätzlicher Wahnhaftigkeit ausgesetzt werden. In einem geregelten Verfahren heißt so eine Handlungsweise schon mal Mandantenverrat.

  2. #2 | Markus Selzener sagt am 4. Juli 2022 um 12:36 Uhr

    Waarum soll ein Vortrag, der die Frage der Geschlechter aus der Sicht verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen beleuchet schädlich oder überflüssig sein. Der letzte Abatz wirkt wirr, ich muss jetzt was dagegen schreiben.

  3. #3 | Aizaga sagt am 4. Juli 2022 um 14:57 Uhr

    Wir leben in eine demokratische und tolerante Gesellschaft oder?
    Sollten etwa nicht alle unter dem gleichen Spielregeln, unseren Kunterbunte Gesellschaft spielen ?
    Wer fordert Respekt, soll respektvoll mit seinem Mitmenschen umgehen auch wenn die anders sind oder anders denken .
    Oder?

  4. #4 | Ostendfaxpost sagt am 4. Juli 2022 um 22:43 Uhr

    Ich wechsel mein Geschlecht.
    Ja so ist’s mir recht.
    Ich bin ein toller Hecht.
    Drum änder ich mein Geschlecht.
    Heute will ich Frau sein.
    Morgen soll es Grau sein.
    Geschlechte r, ja die gibt’s gar nicht?
    Hose runter und mal sehen bei Licht.
    Zwei Geschlechter sind genug.
    Zweiundsiebzig davon Betrug.
    Mit meinen Geschlecht bin ich zufrieden.
    Wem nicht passt, dem sei’s beschieden.
    Ich bin und bleibe Mann.
    Wem’s nicht passt, der mich mal kann.

  5. #5 | maizaga sagt am 5. Juli 2022 um 21:29 Uhr

    Dass man sein möchte, wer man sein möchte, oder sich körperlich verändern kann, um seinem Geist zu gefallen, ist das Recht eines jeden, darin sind wir uns einig. Das nennt man Freiheit.
    Aber sollte es in einer freien Gesellschaft nicht ausreichen, dass jeder die Möglichkeit und das Recht hat, so zu sein, wie er sein möchte, ohne dass ihm jemand etwas anderes vorschreibt?
    Warum dann, sollten wir Wissenschaftlern genau aus diesem Grund verbieten, Wissenschaft zu verbreiten? Nur im Mittelalter war Wissen gefürchtet. Ich hoffe, niemand will in diese Zeit zurück.
    Lebe und lass andere leben, wie sie wollen, ja, aber mit Respekt vor der Andersartigkeit, die ein Recht aller ist.

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