Huren & ihre Freunde

Demonstration gegen das Prostituiertenschutzgesetz. Foto: Friederike Strack Lizenz: Copyright
Demonstration gegen das Prostituiertenschutzgesetz. Foto: Friederike Strack Lizenz: Copyright

Das junge Blog Voice4Sexworkers arbeitet und twittert seit 2014. Ins Leben gerufen wurde das gut ausgebaute Projekt, um Sexarbeiterinnen, Sexarbeitern, ihren Freunden, Unterstützern und Kunden eine Stimme zu geben.

Neben zahlreichen Beiträgen von Dienstleistern finden sich Beiträge von ihren Kunden sowie Artikel zu Prostitution im internationalen Vergleich und zu Forschung und Lehre im Feld der Sexarbeit.

Wir bedanken uns bei Voice4Sexworkers, den aktuellen Beitrag zum geplanten Prostitutionsschutzgesetz (ProstSchG) übernehmen zu dürfen.

Ein Besuch der Homepage oder bei Facebook und Twitter lohnt sich.

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Ich habe Angst

(Autorin Kim)

Das neue Gesetz wird kommen, im nächsten Jahr soll es soweit sein.
Es wird mir, sowie vielen anderen Kolleginnen auch, den Boden unter den Füßen wegziehen.
Ich glaube, viele Damen (und auch Herren) wissen gar nicht was das im Endeffekt bedeutet, bzw. was es bezwecken soll und was da auf uns zukommt. Ich gestehe, ich bin nicht über alles im Bilde, was das neue Gesetz bringen wird, aber was ich weiß ist, das ich entmündigt werden soll, sprich, ich habe mich zu outen und zu registrieren, ich soll einen Hurenpass mit mir rumtragen, soweit ich informiert bin gab es das zuletzt 1939 unter den Nazis.
Ich darf nicht mehr in meiner Privatwohnung arbeiten, bzw. ich muss hinnehmen, das ich ohne Vorankündigung kontrolliert werde, das kann übrigens auch jeder privaten Dame passieren, die gern mal einen ons mit nach Hause nimmt.
Ich werde gezwungen Beratungsgespräche wahrzunehmen, sogar eine Art “Idiotentest” wird verlangt, es wird mein Geisteszustand beurteilt, ob ich denn überhaupt weiß, “was ich da tue”

Ich fühle mich in meinem Job als SDL angekommen, es geht mir gut, ich kann mich nicht erinnern je einen Job gehabt zu haben in dem ich so selbstbestimmt arbeiten konnte.
Es geht dabei nichtmal ums Geld, ich war in führenden Positionen tätig, in denen ich deutlich mehr verdient habe, aber dort war ich nach 12 Monaten aufgerieben und total ausgelaugt.
Hier entscheide ich darüber was ich mir “zumute” Ich entscheide, wann ich einen Gast empfange, ich entscheide wieviele Gäste ich empfange und ich entscheide was mir dabei gut tut und was nicht.
Das soll mir genommen werden!
Ich habe 2 Möglichkeiten: entweder ich höre auf, oder ich arbeite illegal, mich diesem System zu unterwerfen kommt nicht in Frage, allerdings wenn ich aufhöre oder illegal arbeite unterwerfe ich mich ja doch…wie man es auch dreht und wendet, das Ergebnis bleibt dasselbe.

Übrigens sollte auch jede “Gelegenheitshure”, die das ja nur 1-2 mal im Monat macht wissen, das es sie ebenso betrifft, diese Schikane betrifft ausnahmslos ALLE!

Dieses Gesetz, das angeblich dem Schutz der Prostituierten dienen soll, hat doch nur den Zweck der Prostitution komplett einen Riegel vorzuschieben, was natürlich nicht gelingen wird und es wird ohne Ende illegal weitergemacht.
Ich habe allerdings Angst davor, das bei mir mal die Polizei vor der Tür steht um eine Razzia durchzuführen, nicht weil ich illegal bin, sondern weil es ein massiver und unzumutbarer Eingriff in meine Privatsphäre wäre und den Eindruck von “Polizeistaat” vermittelt (das ist ohne richterliche Anordnung dann möglich)

Wir ALLE sollten uns zur Wehr setzen, wir haben eine Stimme, verschaffen wir uns Gehör!
Jeder einzelne von uns kann und sollte etwas tun.
Ich bin am Wochenende etwas wach gerüttelt worden und aktiv geworden, das sollte jede von uns tun!

Ich bin mir bewusst das es leider immer noch Frauen gibt, die sich unter brutalem Zwang und aus größter Not heraus prostituieren müssen und hier muss auch gehandelt werden, aber das ist das Bild was die Allgemeinheit immer noch als “Normalzustand” im Kopf hat.
Kaum einer weiß, das es soviele Frauen gibt, die es freiwillig machen, weil sie sich damit wohl fühlen, weil es ihnen Spaß macht, das sie selbständig und vor allem selbstbestimmt arbeiten und genau das muss endlich in die Köpfe der Menschen (allen voran den Politikern).

 

 

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