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Ich bin kein Kostüm – Das letzte Zucken der Empörungsindustrie


Es hat etwas gedauert, aber mit der Kampagne „Ich bin kein Kostüm“ ist der Streit um das, was man kulturelle Aneignung nennt, nun auch einer breiten Öffentlichkeit in Deutschland bekannt.

Worum es geht? Wikipedia erklärt es kurz und knapp:

„Kulturelle Aneignung (engl. cultural appropriation) ist ein Begriff aus der US-amerikanischen Critical Whiteness- Bewegung, die zur Reflexion von Macht- und Diskriminierungsverhältnissen aufgrund von Hautfarbe anregen will. Bei der kapitalistischen Aneignung werden traditionelle Gegenstände der materiellen Kultur verschiedener Ethnien zur Ware erklärt und ihres Kontextes beraubt.“

Also eigentlich eine ganz wunderbare Sache: Menschen übernehmen von anderen traditionelle Kleidungsstücke, Gerichte oder Verhaltensweisen, mischen sie mit den eigenen, entdecken dabei neues, entwickeln sie weiter und haben ihren Spaß: Chinesen essen in Peking Weißwurst, aber natürlich mit Stäbchen. In Italien gibt es Spaghetti Würstel, unsere heutige Pizza kommt aus den USA, in Afrika und Asien sind Jeans beliebt, Ponchos waren in den 70er in Europa in Mode und im Moment schießen von Flüchtlingen gegründete arabische Restaurants wie Pilze aus dem Boden. Man kann sich daran stören, wenn man dem Irrglauben anhängt, es gäbe so etwas wie eine stabile, ethnische Kultur, die seit Jahrhunderten bestand hat. Menschen waren immer im Austausch miteinander und haben sich ständig gegenseitig beeinflusst. Und klar: Vieles ist dabei unter gegangen. Ist das schlimm? Nein. Auch Ideen, Mode, Gerichte stehen in einem Wettbewerb. Deutschland heute hat mit dem, was hier noch vor ein paar hundert Jahren war, kaum was zu tun: Die keltische Religion? Ein paar Nazis spielen Druiden, ber keiner weiß genau, an was die Kelten geglaubt haben. Sie hatten keine Schrift, wir wissen es schlicht nicht. Fast germanische Recht ist zum Glück auch weg und der Brei, das deutsche Traditionsessen schlechthin, ist fast vollkommen verschwunden. Kaum jemand weint ihm hinterher. Dafür mögen viele auf der ganzen Welt deutsches Brot. Kultur ist ein sich ständig ändernder Mix, sie ist nicht statisch. Aneignung ist der Normalfall. Eingeübt in Jahrtausenden Menschheitsgeschichte.

Das kann man problematisieren und als Rassismus stigmatisieren. Und das versucht die Kampagne „Ich bin kein Kostüm“ zu tun. Sie übernimmt, mit mehrjähriger Verspätung eine Kampagne aus den USA, die schon da nicht für weniger Rassismus sorgte, sondern nur dafür, dass es an den Unis Streit gab, wenn Studenten mit einem Sombrero auf dem Kopf feierten, die keine Mexikaner waren. Kein Schwarzer oder Latino starb weniger durch diese Kampagnen bei Gang-Auseinandersetzungen oder durch Polizeigewalt. Kein Indianer mehr in den USA fand eine wirtschaftliche Perspektive. Das Elend diese Menschen hat Tuvia Tenenbom eindrucksvoll in seinem Buch „Allein unter Amerikanern“ beschrieben.

„Ich bin kein Kostüm“ ist nicht mehr als staatlich subventionierte Empörungsindustrie. Ein Tummelplatz für Wichtigtuer, die sich um die Lösung harter Probleme drücken und versuchen, anderen ihre verquere postmoderne Sichtweise vorzuschreiben und ganz nebenbei noch Menschen gerne den Spaß verderben. Muss man sich jetzt Sorgen machen, dass wir in Zukunft häufiger mit solchen abstrusen Kampagnen belästigt werden? Ich glaube nicht. Wir erleben gerade das letzte Zucken der Empörungsindustrie. Und warum ich das glaube, habe ich vor ein paar Monaten in diesem Artikel erklärt:

It´s the end of the left as we know it

 

 

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40 Kommentare zu “Ich bin kein Kostüm – Das letzte Zucken der Empörungsindustrie

  • #1
  • #2
    Hans

    Es gibt keine „Empörungs-Industrie“.
    Es gibt nur völlig frustrierte „Medien-Schaffende“ denen der allzeit bereite Sex-Partner fehlt – die also keine Normalos sind, so mit Familie und Kindern und all dem, was an Fürsorge und Verantwortung in Familien so völlig normal ist.

    Genau das ist doch das treibende Motiv, der ganzen medialen Fuchteln aus den Minderheiten Ghettos, die sich in den GEZ-Omnipussis eingerichtet haben, um die Gesellschaft sexuell, nach ihren perversen Wünschen umzukrempeln.
    Das stinkt doch zehn Meilen gegen den Wind an http://www.danisch.de/blog/2017/02/24/merkels-geheimgespraeche-mit-der-presse/
    Es gibt eine Wiedergeburt der DDR-Institutionen eine Restauration der Stasi, denn da sind Heiko & Schulz, Merkels willige Assistenten und mit zig Millionen an Steuergeldern wird kräftig „geschuppst“ um Stimmung zu machen.
    Wer in seinem linken Wahn nicht peilt was eigentlich Sache ist https://www.youtube.com/watch?v=O22rcRHLbIk
    der läuft so dämlich und bescheuert mit, wie einst seine Vorfahren, bei der sozialistischen Hitler-Jugend.

  • #3
    abraxasrgb

    Gelegentlich hilft es, wenn man eine steile These aufstellt, das logische Gegenteil zu betrachten.

    Man stelle sich also bitte vor, Europäer reklamierten z.B. Hosen, Anzüge, Krawatten und Chanel-Kleider für sich … oder amerikanische Goldgräber (bzw. die Bewohner Genuas) die Jeans, als für sich exklusiv 😉

    Also mir ist es völlig egal, ob ein Asiate, Afrikaner oder Araber eine deutsche Tracht trägt. Auf dem Oktoberfest sieht man das ja regelmässig 😉

    Frei nach Forrest Gump: Dumm ist nur, wer Dummes in der Öffentlichkeit (heraus)fordert …
    Ein Linker kann, muss aber nicht notwendig dumm sein …

  • #4
    Nansy

    Bei der Durchsicht der Kooperationen zur Kampagne „Ich bin kein Kostüm“ hatte ich eigentlich erwartet auch den Namen Bertelsmann zu finden – ist aber nicht so. Vielleicht stelle ich mal eine Anfrage an die Regierung von NRW – die müssen es ja eigentlich wissen. Die Antwort kommt dann ja sowieso von Arvato…..

  • #5
    Haschberg

    @abraxasrgb Genau die gegenteilige These aufzustellen geht in diesem Falle ja nicht – denn das Verhältnis zwischen dem Nordwesten der Welt und dem Rest der Welt ist durch eine Asymmetrie bestimmt. Nur um Beispiele zu nennen: Kolonialismus, Freihandel und Immanuel Kant; persönlicher Rassismus, institutioneller Rassismus oder eben kulturelle Aneignung. Denn auf nordwestlicher Seite handelt es sich um eine Aneignung – Objekte, ob zum Beispiel Musik, eine Kopfbedeckung, ein Tattoo oder ein Gewürz wird Menschen einfach weggenommen ohne den Prozess der Aneignung solidarisch, frei und ohne Angst verschieden sein können auszuhandeln – eben deswegen ist es auch als Diebstahl zu bezeichnen. Dieser Mechanismus wird im Kolonialismus wie im der kulturellen Aneignung bedient: Menschen und ihre Erzeugnisse werden beschlagnahmt, die Aushandlung ist eine andere – aber auch diese Aushandlung wird von den nordwestlichen Menschen beschlagnahmt.
    Also die gegenteilige These aufzustellen das es sich zum Beispiel der Jeans oder Hollywood ebenso um eine kulturelle Aneignung handelt, setzt eine Symmetrie voraus, die gegenwärtig nicht gegeben ist – aber zu fordern! Und so verhält es sich eben nicht um eine Aneignung der Jeans, sondern durch eine Assimilierung durch die Jeans. Nur ein Blick auf gegenwärtige Staatstragenden und anderes Großbürger_innentum zeigt, das nur feudale Staaten keinen Anzug mit Krawatte und Rock tragen, jedes Land mit kapitalistischer Produktionsweise schon. Oder um bei dem zum Beispiel genannten Oktoberfest in Bayer, wo non-weiße tatsächlich Trachten tragen: Es wäre für einen Menschen aus Syrien wahrscheinlich kein genehmer Aufenthaltsort, würde keine Tracht getragen werden.

    Und selbstverständlich ist Kultur kein absoluter Begriff (und vielleicht auch einzig ein Kolonialer), und selbstverständlich ist so etwas wie ein Volkskörper zu verhindern. Aber es sollte auch außerhalb der Dichotomie >Assimilierung oder Aneignung< gedacht werden; aber zu aller erst sollte Rassismus, wie auch jedes andere Unterdrückungsverhältnis als Asymmetrie verstanden werden.

    Also dass wenn zum Beispiel dann die närrische Gegenthese aufgestellt wird: Es gäbe so etwas wie einen umgekehrten Rassismus , wenn zum Beispiel ein Mensch dessen Urgroßeltern bis ´45 offen für die sogenannte Herrenrasse kämpften, als Kartoffel beschimpft werden. Das dies in der Symmetrie steht wie nicht N*ger zu sagen, oder Zigeunersoße. Für die eine schimpfte Betroffenengruppe ist es eine Ermächtigung in der Aussprache, thematisiert es doch eben die Asymmetrie, für die anderen, für die Kartoffeln, ist es eine Gewaltausübung zur Stabilisierung der Asymmetrie. Wenn die die schwarze Schwester ihrem schwarzen Bruder einen N*ger nennt, ist es die Veröffentlichung und Kundgabe dieser Asymmetrie – bei einer Person die privilegiert dadurch ist das non-weiße Menschen als Sklaven von ihnen besessen worden sind, eine Asymmetrie die sich durch den neo-Kolonialismus bis Gegenwärtig durchzieht, wenn also eine weiße Person das sagt, dann ist es die Stabilisierung einer Asymmetrie.

    Wenn nun also die Forderung ist diese Asymmetrie zu beseitigen, gar aufzulösen, dann sollte aufgehört werden diese zu stabilisieren, wie es jedoch im gaucho danc oder dem hinstellen eines Buddhas geschieht. Und selbstverständlich ist Kultur kein absolutes Konstrukt, aber über diese Aushandlung unterschiedlicher Identitäten, Lebenswirklichkeiten und gesellschaftlichen Positionen sollte zum Ziele haben ohne Angst verschieden sein können, Freiheit, Solidarität und vielleicht gar den Communismus. Was in diesem Fall meint: Nicht einen Buddha einfach kaufen weil die ökonomische Hegemonie andere Räume dazu zwingt ihre Kultur zu verkaufen, das Menschen die Betroffen sind von der Fremdzuschreibung des Zigeuners (der bis nach Auschwitz führte) eben nicht wollen das eine Paprikasoße so benannt wird, oder Menschen die von der Sklaverei betroffen sind nicht wollen das eine Süßspeise den Begriff benennt, der sie zu Sklav_innen machte. Und in dieser Asymmetrie steht dann eine Person auf, die nicht die Position einen Unterdrückung, sondern das Privileg dieser Unterdrückung hat hin (und die Hegemonie und Asymmetrie sorgt das dieser Person mehr zugehört wird) und will über Begriffe diskutieren. Und vielleicht mein Solidarität also erst mal nicht Begriffe wie Assimilierung oder Aneignung kritisch zu diskutieren, sondern zuzuhören. Ausgiebig zuzuhören.

  • #6
    Helmut Junge

    Ein guter Artikel, in dem der Autor einigen hirnrissigen Zeitgenossen, mit wenigen treffenden Beispielen die Welt erklärt.
    Aber diejenigen, die das lesen sollten, werden kaum belehrbar sein, und vor allem nicht darüber diskutieren. Leider tun sie das nie, haben es in der Vergangenheit auch nicht tun müssen, weil Politik und größere Teile der Bevölkerung ihnen große moralische Kompetenz zugebilligt haben. Das ist seit einer recht kurzen Zeit aber immer weniger der Fall und die Außenwelt wagt es zu hinterfragen, was da an kruden Thesen aufgestellt werden. Wenn dann keine plausible Erklärung mitgeliefert wird, und das passiert tatsächlich nie, dann machen sich die Verkünder lächerlich, verlieren Anhänger und schrumpfen auf ein immer kleiner werdendes Häufchen zusammen.
    Eigentlich schade nur, daß diese Irren sich als Linke sehen. Da fühle ich mich doch ernsthaft beleidigt.

  • #7
    ehu

    Ich glaube nicht, dass die „Empörungsindustrie“ (viele Migrantenorganisationen und vor allem viele einheimische zum Teil steuerfinanzierte Stiftungen und Vereine) schwächelt.
    Vielmehr schickt sich eine wortgewaltige gesellschaftliche Minderheit an, teilweise von der Regierung mit Interesse begleitet, das einzuführen, was irgendwie ein klein bisschen an Meinungsdiktatur erinnert. Man kritisiert nicht vorsichtig oder regt zum Überlegen an (was ja ok wäre), nein, man schlägt gleich mit „Alltagsrassismus“ und „Diskriminierung“ zu und droht (im jüngsten Impulspapier der Migrant*innenorganisationen): „Wir werden all jenen vehement entgegentreten, die unsere selbstverständliche Zugehörigkeit zur Einwanderungsgesellschaft und unseren Teilhabeanspruch infrage stellen …“! Klingt ganz nach harmonischem Miteinander.
    Vehement entgegentreten heißt offenkundig für den Kreis der Eingeweihten: Wir definieren auch die einheimische Kultur und setzen fest, dass es im modernen Zeitalter „neue kreative und inklusive Karnevalstraditionen“ (Zitat aus der Pressemitteilung der ÖgG e.V.) zu geben hat. Sehr bunt, aber zu keiner Seite hin „diskriminierend“, vielleicht Karneval in Alltagsklamotten. Was schreckt, ist, dass es bei vielem nicht um Anstiftung zu einer gesellschaftlichen Diskussion geht, was gut und erlaubt wäre, sondern längst um die wie selbstverständlich in Anspruch genommene Definitionshoheit, höchstpersönlich zu entscheiden, wer Menschenfeind, Rassist, Nazi, vorurteilsbeladen usw. ist und wer ein Vorbild in Reinkultur (man/frau selbst natürlich).

  • #8
    abraxasrgb

    # 5 Die Bezeichnung "Kartoffel" lehne ich ab, denn es handelt sich um eine aus böser, böser Kolonialisation importierte Frucht aus Südamerika 😉
    Ebenso die Inanspruchnahme europäischer Werte, wie individueller Freiheit, Gleichheit, Menschlichkeit durch Menschen, deren Kultur diese Leistungen nicht autochthon hervor gebracht hat …
    "Asymmetrie" sollte, schon rein etymologisch, exklusiv von Griechen verwandt werden.
    Ach so, der Computer und http wurden ebenfalls im Westen entwickelt.
    Also bitte …
    Die Über-Ich-Funktion ist ein Kollateral(dach)schaden einer völlig degenerierten Psyche ,-)
    Narr-halla marsch …

    PS: Wenn man mit suspendierter Logik tapeziert, wirkt es leicht bis mittelschwer ambitioniert.

  • #9
  • #10
    Helmut Junge

    @Haschberg, die Asymmetrie ist Folge und nicht Ursache. Da scheinen Sie Ursache und Wirkung zu verwechseln. Das Konkurrenzsystem im frühesten Kapitalismus hat zu einigen Entwicklungen geführt, die den Europäern günstige Voraussetzungen boten, erst untereinander, später aber auch in den Weltmeeren und zusätzlich und gleichzeitig gegen das zahlenmäßig überlegene und zentralistisch geleitete osmanische Heer, das sich dieses Europa gerne geschnappt hätte, aber nur den Balkan kriegen konnte.
    Dazu habe ich bislang drei fortlaufende Artikel geschrieben, in denen ich das aufgebröselt habe.
    Für diesen Kommentar formuliere ich das notdürftig in wenigen Sätzen. aber wer lesen will, hier die Links.
    http://www.ruhrbarone.de/der-beginn-des-europaeischen-kolonialismus-1-teil/129187
    http://www.ruhrbarone.de/der-beginn-des-europaeischen-kolonialismus-2-teil/129655
    http://www.ruhrbarone.de/der-beginn-des-europaeischen-kolonialismus-teil-3/130614

    Und dieses o.a. Konkurrenzsytem existiert noch immer. Einige Länder wie Japan und China haben sich diesem System angepaßt und sind selber Wirtschaftsmächte geworden, andere haben es nicht geschafft.
    Aber Tatsache ist, daß Deutschland seit vielen Jahren einen Exportüberschuß erzielt. Das heißt, daß wir weniger Apfelsinen, Pfeffer und andere Landwirtschaftsprodukte ins Land holen, als es dem Gegenwert unserer Waren entspricht. Denn in Deutschland werden immer wieder neue Produkte entwickelt, die auf dem Weltmarkt heiß begeht sind. Diese Produkte werden übrigens von Menschen hergestellt, die jeden Morgen bei Wind und Wetter gegen 5 Uhr los müssen, damit sie pünktlich zum Schichtwechsel am Arbeitsplatz sind. Aber das nur nebenbei.
    Diejenigen Länder, die sich auf Landwirtschaft beschränkt haben, und nicht den viel schwierigeren Weg über die Industrlisierung eingeschlagen sind, haben es zunehmend schwerer mit ihren Produkten Geld zu verdienen, denn für Nahrungsmittel gilt, daß der Markt begrenzt aufnahmefähig ist, also die erzielbaren Preise ebenso begrenzt sind, wenn sie nicht sogar sinken.
    Das führt aber zwangsläufig zu einer noch größeren Asymmetrie auf der Welt.
    Diese Asymmetrie hat ihre Ursache im Konkurrenzsystem des Kapitalismus und nicht in der Kolonialisierung. Und diese Asymmetrie ist, weil sie Folge einer bekannten, definierbaren Ursache ist, und nicht umgekehrt deren Voraussetzung, auch nicht so einfach aus der Welt zu kriegen, indem man sagt: "ich will das nicht, mach das weg." oder gar durch Magie, indem man sagt: wir dürfen uns nicht so kleiden. wie die Ethnien, die auf der anderen Seite der asymmetrischen Welt wohnen. Solche Vorstellungen reichen nicht aus, diese Asymmetrie zurückzunehmen. Tut mir Leid, aber solche Gedanken sind reiner Unsinn.

  • #11
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Lisa: Oh doch, ich habe sehr gut verstanden. Und ich bin froh, dass die Zeit der postmodernen Spinner und ihrer Identitätspolitik zu Ende geht 🙂

  • #12
    KClemens

    @Stefan Laurin #11

    Oh doch, ich habe sehr gut verstanden. Und ich bin froh, dass die Zeit der postmodernen Spinner und ihrer Identitätspolitik zu Ende geht
    _____________________________________________________________

    Dein Wort in Gottes Ohr, ich hingegen denke, daß die Fahnenstange noch recht lang,
    und deren Ende noch lange nicht erreicht sein wird.

    In diesem Sinne: Alaaf und Helau!

  • #13
    thomas weigle

    @ Stefan Laurin Ein wenig voreiliges Frohsein, sag ich mal.Angesichts der Entwicklungen in aller Welt, v.a. in den USA, wird uns schon bald die Postmoderne als die gute alte Zeit erscheinen.

  • #14
    KE

    Ich bin ein weisser Mann aus Deutschland mit einer Qualifikation, mit der ich überall auf der Welt einen Job finde.

    Was darf ich nach Meinung der Dauerempörten eigentlich noch ohne Gewissensbisse tun? Selbst das tägliche Kartoffelgericht wurde ja geklaut. Was mache ich mit meiner Chipstüte?

    O.K. Als Ruhrpottkind haben icn natürlich nach Meinung der Dauerempörten einen Migrationshintergrund und habe mich vermutlich so entwickelt, weil mir als Arbeiterkind die Förderung von Sozialpädagogen fehlte. Meine Kindergärtnerin hatte auch nicht studiert. Das Cowboy und Indianerspiel hat natürlich auch Auswirkungen.

    Im Ruhrpott hat man oft einfach mal angepackt und sich aus den Trümmern gezogen. Nur immer darüber nachdenken , wieso xyz nicht im Palast aufgewachsen ist, hilft nicht. Man muss selber aktiv werden.
    Hoffentlich erhalten die Parteien, die diese Geldverschwendung unterstützen, ihre Quittung.

  • #15
    Arnold Voss

    @ Haschberg #5

    Haschberg, sie Klugscheisser, Aneignung hat weder was mit Symmetrie noch mit Diebstahl zu tun. Aneignung ist nicht mehr und nicht weniger als Aneignung. Sprich, Jeder kann sich was auch immer kulturell aneignen, ohne deswegen gleich ein Kolonialist, Rassist oder sonst was zu sein.

    Ein Rassist z.B. ist Jemand nämlich auch ohne jegliche kulturelle Aneignung. Deswegen und nur deswegen ist seine kulturelle Aneignung in der Regel rassistisch. Die kulturelle Aneignung an sich kann jedoch das genau Gegenteil sein, wenn sie mit antirassistischen Absichten, d.h. als interkulturelle Verständigung und Annäherung geschieht.

    Nochmal in einem Satz zum mitschreiben: Nicht die kulturelle Aneignung macht den Aneignenden zum Rassisten, sonder der Rassist egal welchen Geschlechtes macht die kulturelle Aneignung zum Rassismus.

  • #16
    Michsel

    Bin von der Aktion, die u. a. von den Sozialdemokraten der Partei "Die Linke" unterstützt wird, vom Beitrag selbst und von den Kommentaren einigermaßen verwirrt.

    Bin heute Abend zu einer Karnevalsparty eingeladen und gehe als "Nuttige Krankenschwester" (sexy Strümpfe, sexy Röckchen, sexy Käppchen).

    Ist das noch im Rahmen des Erlaubten?

  • #17
  • #18
    Klaus Lohmann

    @Michsel: Wenn der auch noch anwesende "Schlampen-Pflegeboy" mit Gummihöschen, Giftgasmaske und Neunschwänziger Katze nichts dagegen hat….

  • #19
    KE

    Die Ddorfer haben verstanden:
    "Uns kritt nix klein – Narrenfreiheit, die muss sein“

    War der Hofnarr nicht die einzige Person, die kritisieren durfte?
    Was in der Feudalherrschaft ging, werden wir in der Demokratie abschaffen.

  • #20
    Walter Stach

    Ich frage mich im Augenblick, warum mich nichts drängt, etwas zu der hier problematisierten und diskutieren Sache zu sagen, obwohl ich ansonsten gerne und oft und ausführlich und kontrovers……..

    Ich will auch nicht "tiefschürfend", sondern ganz und gar nicht darüber nachdenken, warum das so ist .

  • #21
    Helmut Junge

    @Michsel, ob du heil da raus kommst, hängt vom Humor der selbsternannten JurorInnen ab.
    Kann sein, daß die in deinem Auftritt die Würde der Frau verletzt sehen. Kann aber auch sein, daß niemand von der SPD und den Linken dabei ist, denn Karneval kommt ja irgendwie vom politischen Gegner und da geht man als Linker(in) gar nicht hin. So wird es auch sein. Keiner von der Inquisition da. Also amüsier dich.

  • #22
    Walter Stach

    Nur ‚mal so nebenbei gefragt:

    Hat eigentlich schon einer derjenigen, die sich hier wie gewohnt an der LINKEN, an den Linken, an der SPD -sh.Helmut Junge- abzuarbeiten versuchen, schon registriert, daß aus dem reaktionär rechtem Lager -aus der Gesinnunggemeinschaft in der und um die AFD- massiv die sog. Büttenredner bedroht worden sind und weiterhin bedroht werden, weil sie als Narren in Mainz diese reaktionär rechten völkischen Nationalisten zum Objekt ihres Spottes gemacht haben?

    Nee wohl nicht und kann ja auch gar nicht sein, paßt nicht ins Weltbild.
    Und wenn an den Karnevalstagen jemand in SS-Uniform und mit Höcke-Maske auftreten wird?
    "Geht dann doch zu weit", dürfte eine der Reaktionen derjenigen sein , die jetzt und hier vehement der Narrenfreiheit das Wort reden-

    Ansonsten…..
    sh. -20-

    "Laßt Narren Narren sein" -im Karneval und außerhalb.

  • #23
    Alex

    Ich bin schon erstaunt, dass ausgerechnet beim Ruhrbaronen mit dem Begriff einer herbeifabulierten "Empörungsindustrie" so lax umgegangen wird. Es steht unironisch in der Überschrift.

    Ganz unabhängig von dem Thema: Hier wird sich ein typischer Begriff der Rechtspopulisten und -fanatiker zueigen gemacht. Diese Menschen benutzen diesen Begriff auch mal gerne sehr oft selbst in abfälligem Ton, wenn Seiten wie der Ruhrbarone sich für Minderheitenrechte einsetzen.

    Insofern ist es völlig unerheblich, ob die Urheber dieser Kampagne letztendlich in der Praxis eine emanzipatorische Sache etablieren würden oder nicht: Wer Gruppierungen, die sich zumindest Gedanken über die Rechte von Minderheiten machen, das metaphorische Bild einer profitorientierten Maschinerie spöttisch anhängen will, bedient sich bewusst der menschenverachtenden Rhetorik, deren Opfer sie in diesem Fall sogar selber oft sind.

  • #24
    ehu

    @ W. Stach: Ich glaube, es geht weniger darum, sich „an den LINKEN“ abzuarbeiten, sondern eher darum, sich dagegen zu verwehren, dass eine meinungsstarke Gruppe der Gesellschaft (sehr konkret) Karnevalskostüme mit dem Etikett Rassismus versieht und eigentlich, eigentlich gern verbieten würde, wenn sie nur könnte („Denn einige Kostüme stärken rassistische und stereotype Bilder. Europäer_innen benutz(t)en diese Bilder, um Ausbeutung und Unterdrückung von bestimmten Menschengruppen zu rechtfertigen“).

    Man kann dies und das problematisieren, ja, aber Faschingsverkleidung, denke ich als komplett Karneval-abstinente Person, dient nun mal funktional nicht primär, in den meisten Fällen vermutlich überhaupt nicht, von der Intention des Trägers her dazu, „Ausbeutung und Unterdrückung zu rechtfertigen“, d.h. eine fraglos negative politische Botschaft in die Welt zu senden, egal ob man sich als Mittelalter-Bogenschütze, Indianer, Haremsdame, Polizist, „sexy Krankenschwester“, Bankräuber oder Gefängnisinsasse verkleidet.

    Aber natürlich werden, keine Frage!, OBJEKTIV betrachtet Gruppen-Stereotype verbreitet, wie auch bei entsprechenden Spielzeugfiguren oder Cowboyfilmen im Fernsehen. (Wir alle haben übrigens Stereotype als Weltbilder im Kopf, sogar die s. g. Linken …).

    Klar müssen AfD-Mitglieder es (meiner Meinung nach) aushalten, wenn, Ihre Worte, Narren „diese reaktionär rechten völkischen Nationalisten zum Objekt ihres Spottes“ machen.

    – Hier spielt dann aber eindeutig und explizit eine klare und gewollte politische Aussage der Karnevalisten (!) mit hinein – die ich dem Herrn in Cowboykostüm oder mit Federn auf dem Kopf nicht unterstelle. Insofern hinkt der Vergleich doch.

    Und wenn am Rosenmontag jemand „in SS-Uniform und mit Höcke-Maske“ auftreten würde, würde ich diesem Jemand in der aktuellen Zeit auch eine bewusste politische Botschaft unterstellen, nicht nur, dass er einzig Spaß daran hat, mal in eine Rolle zu schlüpfen und lustig zu sein.

    Ach ja, schwieriges Thema mit vielen Aspekten.

  • #25
    Arnold Voss

    @ Alex # 23

    Sorry Alex, wir greifen sowohl die AFD als auch die postmodernen Idioten an, die ihnen immer wieder die Steilvorlagen liefern. Es gibt eine künstlich arrangierte Empörung und wir überlassen die Kritik daran nicht denen, die daraus ihr eigenes politisches Süppchen kochen. Die hier kritisierte Aktion ist eben nicht emanzipativ sondern selbst rassistisch.

  • #26
    abraxasrgb

    #24 Arnold
    D´accord, aber eine – ernstgemeinte – Frage: Sind die zum Teil unangenehmen Typen der AfD nicht auch ein Phänomen der Postmoderne? Sozusagen die rechten Identitären als das Spiegelbild der linken Universalisten? Es werden partikuläre, akzidentelle Merkmale zur Konstruktion eines Selbst benutzt, die per Logik schon davon leben, dass sie sich gegen wiederum andere Konstruktionen abgrenzen. Der blinde Fleck ist dann der soziale Standpunkt und Fokus des perspektivischen Tunnelblicks. Wenn dann zwei blinde Flecken aufeinander treffen und über Farbe sprechen, kommt dabei selten etwas Gescheites heraus.

    Irgendwann sollen wir uns wahrscheinlich auch nicht mehr die Haare färben oder schneiden dürfen, wenn es nach den Bananenbiegern geht … zumindest nicht so, wie wir es selbst wollen, sondern von anderen für gut, akzeptabel whatsoever befunden wird 😉

  • #27
    Bebbi

    Also, ich verstehe, warum Menschen in bestimmten Kostümen rassistische Sterotypen erkennen, aber die Motive-Sprüche der Plakate checke ich nicht. Warum die Ruhrbarone gegen Rechts schreiben, aber die subtile Reproduktion rassistischer Sterotypen als einen mögliche Grundlage für die Rechten nicht sehen mögen, ist mir auch nicht klar.

    Was meint ihr hier genau mit der bösen Postmodernen? (nicht die Epoche sondern den Menschen)

  • #28
    Alex

    #24 Arnold
    Genau das ist ja das Problem, dass ihr die "postmodernen Idioten" genau in der gleichen Weise angreift, wie "die AFD" euch! Ihr legitimiert damit zumindest die schwachsinnige Annahme, dass es eine solche seelenlose, alles und jeden kritisierende "Empörungsindustrie" in irgend einer Weise gibt und unterwandert damit sogar eure eigene Arbeit, anscheinend ohne es zu merken. Euer Feindbild ist damit genau das gleiche, nur zieht dir die Linie woanders. Nicht einmal in die andere Richtung, um ihr den Spiegel vorzuhalten, sondern in die gleiche.

    "Die AFD" sieht in ihrem Wahn auch eine sog. Empörungsindustrie, und zählt euch dazu. Dass ihr Ihnen ihre Rhetorik und Feindbilder vorwegnimmt wird auch nicht dadurch geändert, dass die von euch kritisierte Kampagne rassistisch sei, nur eben nicht "AFD"-rassistisch.

    Womit wir beim nächsten Punkt, der Kampagne an sich wären: Sie ist nicht rassistisch, sondern versucht, Rassismus aufzuzeigen. Im Artikel wird auch, anders als Sie es ihrem Kollegen unterstellen wollen, nicht der Vorwurf des Rassimus erhoben. Allerdings wird im Artikel die Kampange der Strömung der "Critical Whiteness" und den Gegnern einer angeblichen "Cultural Appropriation" zugerechnet, was hier einfach nicht zutrifft. Schließlich problematisieren die Plakate keine angebliche oder tatsächliche Kulturaneignung, sondern das Verstärken von Klischees, was nun mal das komplette Gegenteil ist.

  • #29
    KE

    Aussagen sind nach persönlicher Einschätzung richtig oder falsch. Oft ist es auch gar nicht einfach zu sagen, aus welcher Partei Aussagen kommen.

    http://www.focus.de/magazin/archiv/die-lauten-schwestern-wer-hat-es-gesagt-wagenknecht-oder-petry_id_6487959.html

    Ich bin bspw der Meinung, dass erst das ständige Hinweisen auf irgendwelche Benachteiligungen Stereotypen fördert. Für mich gibt es keinen Grund einem jungen Schüler ständig zu sagen , dass er weniger Chancen hat. Das mag für seine Gruppe , wie man sie dann auch definiert, richtig sein, aber nicht für seine individuellen , d.h. persönlichen Chancen. Hier muss man einfach sehen, was neugierige und offene Kinder in versch Ländern und auch bei uns erreicht haben.

  • #30
    Walter Stach

    ehu
    -24-
    Ich stimme Ihnen im wesentlichen zu!

    Diese karnevalistische Diskussion -oder diese Diskussion aus Anlass des Karnevals?- bestätigt mich in meiner Wahrnehmung, nach der in der Gesellschaft mehr und mehr die Toleranz gegenüber Anderen , gegenüber dem Andersein, gegenüber einem demonstrierten Andersseinwollen , und sei es nur in der Karnevalszeit, verloren zu gehen droht oder schon weitgehend verloren gegangen ist.

    Wer eine pluralistische Gesellschaft will, wird nicht nur alle Anderen, wird nicht nur das Andersein und das Andersseinwollen tolerieren, sondern für ihn dürften in der Regel "die Anderen" , das "Andersein und das Anderseinwollen" unverzichtbare Bestandteile einer pluralistischen Gesellschaft sein -wünschenswerte!

    Ansonsten:
    Ich kann dem Karneval "nichts abgewinnen". Manches an ihm finde ich sogar befremdlich -vorsichtig formuliert-. Ich könnte auf ihn verzichten.
    Das Alles reicht aber doch nicht -jedenfalls bei mir nicht-, um mich über den Karneval im allgemeinen, über die Kostümierung eines Jecken, über den Inhalt einer sog. Büttenreden zu empören, aber eben auch nicht, um mich mit einer vorgeblich existierenden Empörungsindustrie auseinanderzusetzen, deshalb mein "Einwurf" unter-20-.
    "Laßt die Kirche im Dorf" bzw. "den Dom in Köln" bzw. "den Narren Narrenfreiheit".

  • #31
    Arnold Voss

    @ abraxasrgb # 26

    In gewisser Weise sind sie sogar ein Produkt der Postmoderne, die verkennt, dass wir uns immer noch in einem vor- bis protodemokratischen Epoche befinden, in der der Nationalismus nach wie vor der Abschottung und nicht der notwendigen Grenzenregulierung in einer globalisierten Welt dient. Die unangenehme Seite der AFD ist ja ihre psychosoziale Rückwärtsgewandtheit zu einem vordemokratischen Ich das sich nur als Teil eines identitären Wir definieren kann und will.

    Das Wir soll dabei eben nicht (nur) über einen Staat und seine Verfassung sondern über die kulturelle Abschottung organisiert werden. Die Grenzen werden dabei nicht als durchlässiges Regulativ sondern als Bollwerk gegen den selbst definierten Feind angesehen. Dieses Völkische und Antiparlamentarische ist insofern postmodern, als das es nun im Mantel kultureller Identität als benachteiligt und diskriminiert, also im Opfergestus gegenüber der Globalisierung und dem Universalismus antreten kann.

    Im Kern ist dieser völkische Nationalismus aber genauso aggressiv und antidemokratisch wie er es immer schon war und die, die ihn wie Höcke, auch explizit vetreten sind deswegen mit Fug und Recht als Neonazis zu bezeichnen. Ob die AFD insgesamt auf diese Position schwenkt, waage ich zu bezweifeln. Aber dass sie mit den Identitären Brüder und Schwestern im Geiste gefunden haben, ist unzweifelbar richtig.

    Ob der Gegenpol des kulturelle Universalismus der Menschenrechte als genuin links zu bezeichnen ist, glaube ich nicht. Er ist zumindest genauso ein Kerngedanke des Liberalismus. Das demokratische Prinzip der individuellen statt der kulturellen Identität (was kulturelle Prägungen des demokratischen Ichs nicht ausschließt) würde ich insofern als linksliberal bezeichnen, da die Linke leider auch über antidemokratische Traditionen verfügt.

  • #32
    Arnold Voss

    @ Alex # 28

    Ich würde mich an deiner Stelle nicht am dem zugegeben provokanten Begriff der Industrie festbeißen, sondern den der Empörung bzw. Erregung in den Mittelpunkt stellen. Hier geht es eben nicht um die Veränderung rassitischer Verhältnisse sondern um ein Verdachtsparadigma das vor allem der eigenen moralischen Absicherung gilt. Dagegen gilt es sich nicht mit emotionalen sondern mit rationalen Argumenten zu wehren.

    Stereotype sind eben nicht per se rassistisch sondern fester psychosozialer Bestandteil unsere kulturell geprägten Wahrnehmung des Anderen. In diesem Zusammenhang ist Rassismus erst einmal eine Unterstellung, die davon absieht was die Leute wirklich meinen und denken, bzw. in wieweit sie sich genau über die Tatsache des Stereotyps klar sind. Eine Unterstellung die sich obendrein nicht einmal die Mühe macht, heraus zu bekommen, was z.B. die Mehrzahl der Karnevalisten beim bewussten Überteiben von Stereotypen bewegt und welche eigenen kulturelle Tradition dahinter steht.

    Das eigentlich rassistische an dieser Kampagne ist aber, dass farbigen Menschen unterstellt wird, dass sie genau wegen ihrer Hautfarbe des besonderen paternalistischen Schutzes bedürfen, obwohl sie in diesem unserem Lande die gleichen Rechte und z.B. im Karneval der Kulturen schon lange ihre eigenen von ihnen selbst bestimmtn Umgang mit Stereotypen entwickelt haben. Diese Kampagne ist ein Schlag ins Gesicht für alle die farbigen Deutschen und farbigen Bewohner Deutschlands, die ihre Emazipation schon lange selbst in die Hand genommen haben, und die über die demokratisch fundierte Selbstironie verfügen, die der "Critical Whiteness" schon im Denkansatz fehlt.

    Nicht wir liefern die Feindbilder der AFD, sondern die, die diese Kampagne gestartet haben. Ansonsten ist uns völlig egal wer uns angreift, Max. Entweder er hat gute Argumente oder er hat keine. Wir haben in diesem Fall eundeutig die besseren, egal ob der Begriff der Industrie richtig oder falsch gewäht ist. Sowas entscheidet hier jeder Autor und jede Autorin für sich selbst. Was den inflationären Rassismusvorwurf der Postmoderen betrifft, geht es vertieft u.a. hier weiter:

    http://www.ruhrbarone.de/wie-der-postmoderne-antirassismus-zum-hemmschuh-der-multikulturellen-gesellschaft-wird/137996

  • #33
    Walter Stach

    Soll ich mich empören, über die Empörungsindustrie (über eine Empörungskampagne?) oder soll ich mich empören, über die Anti-Empörungsindustrie (über eine Antiempörungskampagne?) oder habe ich mich zu empören, über mein eigenes Empörtsein?

    Das wechselseitige Empörtsein, so scheint mir, vernebelt hier und da die Fähigkeit zum Diskurs!
    Ein Diskurs, verstanden als Schauplatz rationaler Kommunikation, der vor allem dann geboten ist, wenn es um "Rassismus" geht. Und dazu wird ja, jenseits des wechselseitigen Empörtseins und der damit einhergehenden " Vernebelung des Verstandes, in einigen vorangegangen Kommentaren beigetragen -"gut so", meine ich.

  • #34
    maleinbisschendrübernachgedacht

    Ich kann dem Autor nur zustimmen: Diese Art von Beschäftigung mit Rassismus, Kolonialismus und political correctness ist so unglaublich nutzlos. Wenn jemand wirkliche Probleme hat, oder sein Augenmerk auf die wirklichen Probleme lenkt (ich meine jetzt die Probleme, wo Menschen ausgebeutet und ermordet werden) dann würde er/sie nicht im Traum darauf kommen, irgendwelche Energien und Geld in so eine Kampagne zu stecken. Ob jemand ein Kostüm falsch verwendet, z.B. für Rassismus und kulturelle Überheblichkeit, ist etwas das man nie im Leben verallgemeinern kann. Es kann passieren, ja. Es kann ebenso gut mit Worten passieren. Also jetzt alle Worte verbieten? (Shit, jetzt kann ich ja gar nichts mehr schreiben weil alle Wor……..)

  • #35
    Frank

    Zunächst mal sind es gestellte Bilder. Da will jemand denen eine Stimme geben, deren Kultur von anderen "angeeignet" wird.

    Die erste Frage, die sich mir stellt ist – kann man diese Stimme sonst irgendwo hören? Gibt es "Indianer", die sich daran stören, daß jemand auf dem Karneval als "Indianer" herumläuft, oder Ölscheichs, die sich daran stören, daß jemand als Ölscheich herumläuft? Wenn nein, handelt es sich tatsächlich um eine "Empörungsindustrie". Hier werden Anliegen "sozialer Gerechtigkeit" aufgegriffen, die jemand selbst formuliert hat, ohne zu prüfen, ob es überhaupt eine entsprechende Zielgruppe gibt. Problematisch ist das vor allem deshalb, weil die "Kämpfer sozialer Gerechtigkeit" vor allem eins sind: laut. Im Brandmarken und Stempeln macht ihnen so leicht niemand was vor. Da werden Shitstorms entfesselt, und Menschen und Gruppen, die in den Fokus kommen, müssen sich Sorgen machen, ob es bei wütenden Äußerungen bleibt oder ob jemand Taten folgen läßt.

    Die zweite Frage, die sich mir stellt: Wir leben in einer Zeit, wo Menschen immer offensiver und freizügiger mit ihrer Sexualität umgehen, teilweise recht schrill herumlaufen. Wer den Auftriff von "Ryan Stecken" bei DSDS gesehen hat, wird wissen, was ich meine. Die Message ist, ich kann alles sein, und mir darf niemand was sagen. Auf der anderen Seite sind die "sozial Gerechten und Leichtempörten" aber äußerst restriktiv, wenn sie bei jemandem "Rassismus" oder "Kolonialismus" verorten. Selbst wenn der oder die vielleicht nur gedacht hat, daß man ja nicht unverkleidet zum Karneval gehen kann. Das Mißverhältnis piekst irgendwie.

  • #36
    Helmut Junge

    m.M. nach werden die Menschen, die solchen Kampagnen folgen, von Gefühlen, wie eine aus ihrer Sicht, gerechtere Welt aussehen sollte, beherrscht und gehen den Leuten, die sich solche Kampagnen ausdenken, voll auf den Leim.
    Dazu braucht man nicht einen einzigen Indianer zu kennen, geschweige denn zu wissen, was der denkt. Übrigens sagt man heute auch nicht mehr "Indianer" sondern "First Nations" weil einige Indianer in den USA das angemessener finden. Nur hier in Europa sind es eben keine first nations.
    Trotzdem übernimmt man diesen Quatsch. "Eskimo" zu sagen war erst normal, dann absolut verpönt, jetzt aber wieder ok, weil "Eskimo" ein Fremdname von benachbarten Indianerstämmen war und "Rohfleischesser" bedeutete. Das fanden die Eskimos, die sich selber Inuit nannten aber nicht gut, und Europäer begannen daruf hin die Eskimos als Inuit zu bezeichnen.
    Aus Wiki:"Diese frühere Worterklärung führte bei den Inuit zur Ablehnung des Wortes „Eskimo“, weil sie „Rohfleischesser“ als abwertend empfanden."
    Nun stellte sich aber heraus, daß "Inuit" als Wort nicht von allen Eskimostämmen bekannt war. Die Yupik und Inupiat haben sich neben ihrer Eigenbezeichnung mehr dem Volk der Eskimos zugehörig gefühlt. Jetzt gibt es eine neue Theorie daß Eskimo eigentlich auch Schneeschuhflechter geheißen haben könnte, und schon ist "Eskimo" wieder hoffähig.
    Ehrlich gesagt bin ich persönlich froh einem Volk anzugehören, daß niemand auf der Welt so nennt, wie sich dieses Volk selber nennt. Abgesehen von denÖsterreichern jedenfalls. Germany ist eine Fremdbezeichnung, Alemagne, Saxa, Nemetsch, Franka, alles Fremdbezeichnungen. Hab ich was vergessen? Ach ja, Krauts, und neuerdings Kartoffel. ok. kann ich mit leben. Die Griechen haben auch die Bewohner Nordafrikas als Lotophagen benannt. Der Mensch ist, was er ißt.
    Kürzlich habe ich gelernt, daß ich ein weißer, heterosexueller Mann bin, der als Kategorie Cis-Mann eingestuft wird, und daß das bedeutet, daß ich zu der Gruppe Mensch zähle, die alles was schlecht an der Welt ist, verursacht hat. D sag mal einer, daß diejenigen, die sich das ausgedacht haben, ohne mich persönlich zu kennen, nicht einer Form von Rassismus verfallen sind. Sag das mal Einer.

  • #37
    John Dean

    Die Vorstellung von Haschberg, dass (bitteschön!) das kritische Diskutieren und Reflektieren gänzlich zu unterbleiben habe (zuhören! und bloß kein Widerspruch!), das zeigt für mich wie in einer Miniatur das vollendete intellektuele Elend der PC-Szene auf.

    Natürlich spricht nichts gegen das genaue Zuhören.

    Nur, wer ernsthaft meint, anderen das Maul verbieten zu müssen, weil es ja (zuhören!) so unbedingt ratsam sei – und im Übrigen die Infragestellung der eigenen Positionen so lästig:

    Der hat sich aus jeglicher gesellschaftlichen Debatte im Kern bereits verabschiedet. Vielleicht sogar, weil er seine Position garnicht nachvollziehbar begründen kann. Zu diesem Eindruck kann man gelangen. Vielleicht ist diese Diskurspolitik des Kritikverbots, die Idealisierung eines ideologisch geprägten Top-Down-Diskurses, darum nahe liegend, weil es – tatsächlich – mühsam ist, gegen eine massive Mehrheitsströmung die eigene Position zu vertreten und zu verteidigen, zumal, wenn dies aus einer tatsächlich schwer benachteiligten Minderheitenposition erfolgt.

    Nur, pardon, es war immer notwendig in solchen Fällen, nach Verbündeten zu suchen. Öffentliche Angelegenheiten einfach von oben herab regeln zu wollen, quasi per Anordnung und in einem lächerlich-simpelhaften "101-cultural-appropriation"-Schema, das ist nicht links, noch fortschrittlich – und mag es noch so sehr den Schutz von Minderheiten und ihren tatsächlichen bzw. vermeintlichen Bedürnissen als Herzensanliegen verfolgen (und weniger die schiere Lust an der Vorschrift und am Vorschreiben – wie sie manche böse konservative Menschen haben).

    Das funktioniert nur innerhalb von Politsekten.

    Schade auch um das verschleuderte Geld und auch darum, dass man einer sich in S-Schland ausbreitenden rechten Szene das Futter geliefert hat, an dem sie sich weiden. Schade darum, dass man mit dieser Kampagne exakt das Gegenteil bewirkt hat, was man beabsichtigt hatte, und doppelt schade ist es, dass man aus den schlechten Erfahrungen der originalen 2011er US-Kampagne (die man einfach ganz unkreativ wiederholt hat, was im Rahmen einer cultural-appropriation-Kampagne nochmals ein Treppenwitz darstellt) wirklich NICHTS gelernt hat.

    Das ging in den USA komplett in den Ofen, der Effekt war extrem negativ für Minderheiten – und der politische Schaden war erheblich.

    Und diese Trottel in Deutschland, die sich für "progressiv" halten? Die machen exakt den gleichen Fehler noch einmal. Ganz ehrlich, ich glaube, die ganze Kampagne ist das Ergebnis von Polit-Trotteln, und wäre ich ein Verschwörungstheoretiker, so müsste ich glauben, da haben sich bei den betroffenen extrem linken Vereinen Rechtsextremisten eingeschlichen, die das Ganze dann – ganz im eigenen Sinne – gesteuert haben.

    Der Erfolg gäbe ihnen dann recht…

    (*seufz*)

  • #38
    abraxasrgb

    Die zunehmende Inländerfeindlichkeit ist wirklich alarmierend 😉
    Anscheinend ein zeitgemäßer Ausdruck der Dummokratie ..?

    @ Helmut Junge
    Das liest sich mephistophelisch … Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und doch stets das Gute schafft … @ weißer cis-Hetero-Mann. Solche Vorwürfe subsumiere ich unter Banalität / Normalität / Balabalalität der Blöden.
    Dialektisch wird ein: Ich bin Hetero – und das ist auch gut so, daraus 😉 Wir wollen doch keine Menschen wegen ihrer erotischen Präferenzen diskreditieren, oder?

  • #39
    abraxasrgb

    Manchmal ist der aphoristische Frischfang mit dem Internetz sehr passend:

    "Der Rassist gerät außer sich, weil er insgeheim den Verdacht hegt, dass die Rassen gleich sind; der Anti-Rassist, weil er insgeheim vermutet, dass sie es nicht sind."
    Nicolás Gómez Dávila

  • #40
    Helmut Junge

    @abraxasrgb, ich habe das mit dem Cis-Mann nicht als Jammerei gemeint, sondern als Beispiel für die Weltsicht dieser postmodernistischen Vögel. Was die Dialektik an deren "politischer Analyse" betrifft, denke ich, daß ich sofort fein raus wäre, würde ich meinen Spaß an Frauen verlieren. Dann wäre ich ein Ex-hetero und die ganze postmoderne Theorie bräche in sich zusammen.
    Ich habe es schließlich in der Hand, zu den Guten zu gehören.
    Leider kann ich aber Ironie, bzw. Satire nicht gut genug auf den Punkt bringen.
    Dein Zitat von Nicolás Gómez Dávila ist übrigens treffend.

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