
Aus der frühen Schaffensphase des Konrad Klapheck: eine Ausstellung in der Deutschen Bundesbank Düsseldorf
Etwas vom Geheimnis des Isidor Ducasse umweht die Kunstwerke Konrad Klaphecks. Das dargestellte Objekt verbirgt auf den ersten Blick, mehr als bloßes Abbild zu sein. Immer gehe es um den Menschen und um die Freiheit, erinnert Konrad Klapheck an seinen verehrten Freund André Breton, und in seinem Schaffen folgt er dessen Prämisse, den Menschen etwas freier zu machen, indem er die Wirklichkeit erweitert.
Im achten Stockwerk der Deutschen Bundesbank Düsseldorf, eingebettet in bezaubernde Fensterblicke auf die Stadtsilhouette, haben der Kunsthistoriker Dr. Wulf Aschenborn und Daniel Cremer vom Rheinischen Archiv für Künstlernachlässe (RAK) Konrad Klapheck und seiner Welt der Dinge vorübergehend ein erstaunliches Refugium geschaffen. Im Mittelpunkt der außerordentlichen Werkauswahl steht die frühe Schaffensphase des Künstlers.
Die NRW-Zentrale der Deutschen Bundesbank finanzierte einen umfangreichen Ausstellungskatalog, und um die Archivalien angemessen präsentieren zu können, wurden Vitrinentische in Auftrag gegeben, sodass die Besucher noch nie präsentierte Papiere aus dem Künstlernachlass bestaunen können. Dem glücklichen Umstand, dass im RAK der Nachlass Konrad Klaphecks archiviert ist, verdankt sich die aktuelle Präsentation von Objekten, die dem Künstler als Vorbild seiner Gemälde dienten – Seite an Seite mit ihrer Darstellung als Radierung, Zeichnung oder Ölbild.

Was haben wir da? Aquarelle eines sichtlich begabten Jugendlichen von seinen Fahrradtouren durch Düsseldorf und den Niederrhein Ende der 1940er Jahre. Sofort ins Auge fallen zwei mittelgroße Ölbilder: eine Schreibmaschine, Klaphecks erste gegenständlich gemalte Schreibmaschine, Einzelheit um Einzelheit fein abgebildet – bis hin zur Tastatur ohne Buchstaben. Einen Ventilator, der so konstruiert ist, dass er sich nicht drehen kann, nennt der Künstler „Spaßvogel“. Das Innere von Fahrradklingeln, fünf mal vier in Reih und Glied; das propellerartige Mittelelement dreht sich wie ein Uhrzeiger. Der Titel: „Alphabet der Leidenschaft“.
Unmerklich, aber tiefgreifend verfremdet Klapheck seine Objekte und verdichtet das Obskure durch poetische Bildtitel, die an seine Bewunderung für den Dadaismus denken lassen – ebenso wie an die literarischen Neigungen des Künstlers.
Auf der Suche nach seinem ureigenen Ausdruck hatte er nach dem Abitur auch kurz erwogen, Schriftsteller zu werden. In Experimenten mit den aktuellen Kunstrichtungen seiner Zeit hatte er sich jedoch nicht wiedergefunden. Erst während seiner beiden Semester in Paris, so bekundete Klapheck, habe er erkannt, dass ihn Objekte und mechanische Elemente der kleinen Haushaltstechnik besonders anzögen. Die Registriermaschine spiegele die Figur des Mannes, die Nähmaschine die Figur der Frau.
Klapheck liebte das Pingeln: Kieselsteine etwa wurden hingebungsvoll Stück für Stück gemalt. Seine Motive vermitteln auf den ersten Blick die Anmutung von Konstruktionsskizzen, unterlegt mit hauchfeinen Koordinaten und begleitet von Zahlen. Doch der Neuen Sachlichkeit, der er rasch zugeordnet worden war, entwuchs er ebenso schnell. Er spielte mit der Bedeutung seiner Dinge und seiner Worte und entlockte ihnen eine heitere Leichtigkeit.
In seinen eigenen Worten: „Ja, das ist ja gerade der Witz, dass ich vom Banalen zu etwas komme, was vielleicht wiederum auch in die Tiefe geht.“