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In der Coronakrise zeigt sich, wie wichtig die Industrie ist

Bayer-Kreuz Foto: H005 Lizenz: Gemeinfrei

Wir leben in einer postindustriellen Gesellschaft? In der Coronakrise zeigt sich, dass diese ebenso steile wie nicht begründete These falsch ist. Neben Pflegern, Ärzten, Verkäufern, Naturwisssenschaftlern und LKW-Fahrern ist es die Industrie, die in den kommenden Monaten dafür sorgen könnte, dass dieses Land und seine Versorgung nicht zusammen brechen. Da ist  die leistungsfähige Agrarwirtschaft, die dazu Beiträgt, die Lebensmittelversorgung zu sichern. Und da ist die Industrie, die nun in den Kriegswirtschaftmodus geht und ihre Produktion umstellt. In Frankreich produziert der Luxuskonzern LVHM nun Desinfektionsmittel. In der Bundesrepublik tut dies Beiersdorf. Freudenberg und Trigema stellen Atemschutzmasken her. Tünkers-Nickel will jetzt die dringend benötigten Beatmungsgeräte bauen.

Und wenn Medikamente und Impfstoffe da sein werden, werden es Unternehmen der Pharmaindustrie gewesen sein, die sie entwickelt haben und produzieren. Sharing-Economy? Postwachstumökonomie? Die Wirtschaftsträume des postmaterialistischen Bürgertums lösen sich zurzeit in Luft auf. Wäre ihre Agenda umgesetzt worden, wir könnten uns nur noch hilflos zum Sterben im Bett auf die Seite legen.

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19 Kommentare zu “In der Coronakrise zeigt sich, wie wichtig die Industrie ist

  • #1
    Schreiber

    Völlig richtig. Und wir tun gut daran, wenn wir uns in der völligen Vereinseitigung der derzeitigen Maßnahmen nicht einen strukturellen Schaden zufügen, der auf lange Sicht mehr Verwerfungen und Opfer hervorrufen wird als der Virus selbst. Jens Lehmann wurde für derartige Äußerungen kürzlich scharf angegangen, aber ganz Unrecht hatte er sicher nicht.
    Die (mediale) Öffentlichkeit sehnt sich eben nach (einfacher) Eindeutigkeit und der Schuldfrage als nach komplexen Wechselwirkungen und komplexen Fragestellungen.

  • #2
    Thomas Weigle

    Ein Hoch der Industrie und natürlich auch der Globalisierung. Nur: wär der Virus, irgendwo in der großen Volksrepublik entstanden, auch 1970 schon so verheerend in die Welt gestürmt. Ehe Elogen auf diesen oder jenen angestimmt werden, möchte ich doch darauf hingewiesen haben, dass die Messe noch lange nicht gesungen ist. Also Obacht mit Zukunftsprognosen, die sich schon nächste Woche als peinliche und naive Kaffeesatzleserei erweisen können. Ich bin nun für jeden Tag dankbar, an dem der Virus mich nicht heimsucht. Alles andere….

  • #3
  • #4
    Bertram Brückner

    @ Arnold Voss

    was wollen Sie mit dem link auf den neoliberalen – "INSM" – Thomas Straubhaar ausdrücken?

    Dass "Geld" wichtiger ist, als Menschenleben?

  • #5
    thomas weigle

    #4 Also ich finde den von @Arnold Voss verlinkten Artikel völlig nachvollziehbar, gerade weil ich zu der Personengruppe gehöre, die dann drinnen bleiben mus. Das ist einfach nur vernünftig. Schlimm wäre es nur, wenn sich herausstellen sollte, dass auch jüngere Menschen in erheblichen Ausmaß erkranken. Als Risikopatient bin ich auf jeden Fall daraninteressiert, dass die Versorgung sichergestellt ist. Die ist umso sicherer, je mehr Menschen arbeitsmäßig unterwegs sind.
    Und stellen sie sich vor, dass bspw Teens über Wochen oder gar Monate in oftmals kleinen Wophnungen eingesperrt sind, die auch noch gut belegt sind.

  • #6
    Arnold Voss

    @ Betram Brückner # 4
    Dem, der glaubt, dass, wenn die Wirtschaft zusammenbricht, das Gesundheitssystem und unsere tägliche Versorgung mit Energie und Lebensmitteln fröhlich weiterläuft, dem ist nicht zu helfen.

  • #7
    Bertram Brückner

    @ thomas weigle

    wie viele Menschen sind das, auf die Thomas Straubhaars Aussage zutrifft:

    "ob es nicht klüger wäre, die zu isolieren, die besonders geschützt werden müssen"

    ich sag mal so: Sie sind nicht allein …

    und Frage: wer versorgt Sie, wenn Sie "drinnen bleiben"? Das sind doch "jüngere Menschen", die das tun? Und wenn die sich, wie von Straubhaar zwecks Immunisierung gewünscht, anstecken, was dann? Entweder, die liefern Ihnen Corona frei Haus, oder Sie verhungern …

    Mal abgesehen von den ungeklärten "technischen Fragen": entscheidet die Ökonomie ab jetzt auch noch – direkt – über Leben und Tod?

  • #8
    Bertram Brückner

    @ Arnold Voss #6

    "nicht zu helfen" ist denen, die nicht selber denken wollen. Eine kleine Hilfe von Joseph Kuhn, "ScienceBlogs":

    http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2020/03/17/die-coronakrise-die-ethik-und-der-wert-eines-menschenlebens/#comment-94893

    "Für einen Ökonomen geht er [Thomas Straubhaar] ohnehin ziemlich schludrig mit der Abwägung von Alternativen um. Er spricht zwar zurecht Probleme der “Flattening the curve”-Strategie an, aber bei seinem Vorschlag sieht er nur Vorteile und bleibt vor allem im Vagen.

    Wenn er schreibt, “dass für die Masse der Infizierten die Erkrankung zwar lästig und einschränkend ist, aber eben ohne nachhaltige Gesundheitsfolgen bleibt”, dann wüsste man doch gerne, was das konkret an schweren Erkrankungen und Sterbefällen bedeutet. Schließlich sterben auch junge Leute.

    Und wenn er fordert, wer “eine bestimmte Altersgrenze überschritten hat oder im Erkrankungsfall besonders an Leib und Leben gefährdet ist, darf Wohnung, Haus, Pflege- oder Altenheim nicht mehr ungeschützt verlassen” – wie stellt er sich das vor? Wie viele Millionen Menschen müssten dazu von wem isoliert und betreut werden? Nähme man alle über 65 Jahren, wären das fast 18 Mio. Menschen, zieht man die Grenze bei 80 Jahren, sind es immer noch fast 5,5 Mio. Dazu kämen, soweit nicht altersbedingt schon miterfasst, die Kranken. Die würde man gar nicht trennscharf erfassen können, z.B. wissen mehr als 1 Mio. Diabetiker gar nicht, dass sie Diabetes haben. Und wie viele aus der “geschützten” Gruppe würden trotzdem infiziert, z.B. weil ihre “Betreuer” sie infizieren oder sie sich gegenseitig anstecken? Darüber schweigt er, schlimmstenfalls hat er nicht einmal darüber nachgedacht."

  • #9
    Thomas Weigle

    @ Bertram Brückner
    Das ist doch der Punkt. die Älteren müssen versorgt werden. Das können nach Lage der Dinge nur Jüngere tun. Oder ich muss es, wenn diese ausfallen wg. Infizierung muss ich es selber tun. Die Alternative ist, dass alle zu hause bleiben. Dann kann es bis zu 18 Monate dauern, bis die augenblicklichen Maßnahmen aufgehoben werden können, sagen Virologen. 18 Monate…..
    Stellen sie sich eine Familie mit mehreren Personen, Kids, Jugendlichen in einer kleinen Wohnung vor…..So viel Polizisten gibt es nicht, um dann allein die häuslichen Gewalttaten zu schlichten, aufzuklären. Wohnungsverweise kann sie dann auch nicht erteilen, Nee,nee, es ist nicht nur eine Frage der Ökonomie, ganz und gar nicht.

  • #10
    Arnold Voss

    @ Bertram Brückner # 8

    Joseph Kuhn wird spätestens dann seine Meinung ändern, wenn sein Gehalt nicht mehr bezahlt werden kann. Ansonsten habe ich auch noch was zu lesen für sie:

    https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/coronavirus-testet-deutschland-zu-wenig-im-vergleich-zu-suedkorea-a-4fb86f9e-1a5f-4434-b05f-7fad3dda34f4?utm_source=pocket-newtab

    https://www.welt.de/vermischtes/article206733469/Coronavirus-Virologin-erwartet-bald-Schnelltest.html

  • #11
    Bertram Brückner

    @ Arnold Voss

    das Gehalt ist für Sie also wichtiger als Menschenleben.

    Danke für Ihre Aufrichtigkeit. Jetzt weiß ich sicher, mit wem ich nicht mehr reden will.

  • #12
    Helmut Junge

    @Bertram Brückner, die Realität sieht vielleicht eher so aus, daß die Menschen ihr Geld am Geldautomaten weiterhin ziehen können, es dafür aber keine Waren gibt, nicht mal Lebensmittel. Vielleicht hätte sich Herr Voß so ausdrücken sollen. Dann wäre das auch eine Frage von Menschenleben. Ohne Produktion sterben wir alle. Glauben Sie mir, das Geld wird ohne Waren sogar zunehmen.

  • #13
    Arnold Voss

    @ Betram Brückner # 11

    Von einem Gehalt zahlt man seine Wohnung, sein Essen, die Ausbildung der Kinder, seine Steuern an den Staat usw. usw. Wer nichts zu Essen und keine Wohnung hat, der kann andere nicht heilen, sie nicht versorgen und nicht unterrichten. Und wenn keiner mehr Steuern zahlen kann, dann muss auch der öffentliche Dienst schließen. Schon mal drüber nachgedacht?

  • #14
    Arnold Voss

    @ Bertram Brückner # 11
    P.S. Und was meinen sie, wer in die Renten-, Pansions- und Arbeitslosenkassen einzahlt? Menschen ohne Gehalt?

  • #15
    Thomas Weigle

    @ Bertram Brückner Es muss uns nicht gefallen, dass sich so viel um Geld dreht. Aber ohne das läuft es nun mal nicht. Dieses System wird auch sicher nicht in der Krise zu ändern sein, wenn überhaupt. Und ganz pragmatisch: wenn von den im Arbeitsprozess Stehenden nicht mehr genug in die Solidarkassen eingezahlt wird, leiden auch die älteren Menschen.
    Ach ja, in England ist der NHS kostenlos. Das System ist auch danach. Ähnlich im dahin gegangenen realen Sozialismus, es fehlte im dortigen Gesundheitssystem an so vielem und je weiter man nach Osten kam, desto schlimmer wurde es.

  • #16
    Bertram Brückner

    @ Helmut Junge

    ziehen Menschen, die tot sind, ihr Geld am Geldautomaten?

    Sie scheinen ja völlig sorgenfrei zu sein. Gibt es in Ihrem persönlichen Umfeld niemanden, der zur "Risikogruppe" gehört? Mal abgesehen davon, dass auch junge, gesunde Menschen betroffen sein können.

  • #17
    Thomas Weigle

    Bertram Brückner #16Sie wollen es nicht verstehen, sage ich ihnen mal als doppelt betroffenes Mitglied der Risikogruppe

  • #18
    Bertram Brückner

    @ Thomas Weigle

    als "doppelt betroffenes Mitglied der Risikogruppe" sollten Sie sich über die aktuelle Politik freuen, darüber, dass "Geld" ausnahmsweise nicht Vorrang hat, sondern auch Ihre Interessen berücksichtigt werden.

    Mein Neffe, der als Arzt am Universitätsklinikum Aachen arbeitet, wartet auf den "Tag x" … der Tag, an dem die Patientenmassen kommen: es geht ums Überleben, Ihr Überleben.

  • #19
    Helmut Junge

    @Bertram Brückner, statistisch gesehen gehöre ich zu einer Hochrisikogruppe.
    Individuell gesehen, gehe ich nur mit Mundschutz einkaufen und treffe nicht einmal meine Familie, und kämpfe gegen die Krankheit, falls ich sie trotz meiner Vorsichtsmaßnahmen kriege. Vier von 5 Leuten meiner Risikogruppe überleben! Ich werde mir Mühe geben, dazuzugehören. Panik würde mir bei dem Kampf aber nicht helfen. Wenn das in ihrem Sinn durch den Begriff "sorgenfrei" abgedeckt ist, bin ich eben sorgenfrei.
    Darum habe ich auch Bedenken, daß die Maßnahmen der Regierung zu lange dauern könnten ich am Ende vielleicht noch verhungern könnte. So etwas kann man denken, wenn der Kopf nicht vor Panik rotiert. Ich würdeübrigens lieber mit Nebenwirkungen durch ein lebensrettendes Medikament, wie es chloroquin vielleicht ist, gerettet werden, als tagelang zu ertrinken, wie es viele an Corona gestorbene vor ihrem Tod empfunden haben.

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