104

In eigener Sache: Drecksband? Frei.Wild mahnt Ruhrbarone ab – Wir lassen das Gericht entscheiden

Frei.Wild GbR Burger Forer Gargitter Notdurfter Foto: Frei.Wild Lizenz: CC BY-SA 3.0 de
Frei.Wild GbR Burger Forer Gargitter Notdurfter Foto: Frei.Wild Lizenz: CC BY-SA 3.0 de

Frei.Wild GbR Burger Forer Gargitter Notdurfter Foto: Frei.Wild Lizenz: CC BY-SA 3.0 de

Vor einer Woche veröffentlichten wir auf diesem Blog einen Artikel mit der Überschrift „Der Echo braucht Frei.Wild“. Zur Erinnerung: Der Echo ist der eher peinliche Versuch der deutschen Musikindsutrie, ein wenig Glamour in den öden Alltag einer dahinsiechenden Branche zu bringen. In diesem Artikel fanden sich drei Aussagen die der „Frei.Wild GbR Burger Forer Gargitter Notdurfter“ nicht gefallen haben. Die „Frei.Wild GbR Burger Forer Gargitter Notdurfter“ ist eine deutsch singende Gruppe italienischer Musiker die auch unter dem Namen Frei.Wild bekannt sind. Wir haben geschrieben, Frei.Wild sei eine „Drecksband“, „hässlicher als Pur“ und eine „Spackenband“, was darauf anspielt, dass der Anteil künftiger Nobelpreisträger unter den Anhängern der Südtiroler Musikanten unter dem Durchschnitt liegen dürfte.

Die von Frei.Wild beauftragten K&E Rechtsanwälte für Kultur & Entertainment fordern uns nun auf, eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen, in der wir uns verpflichten, die angemahnten Äußerungen zu löschen und künftig zu unterlassen.

Darauf wird unsererseits, höflichst und verbindlichst, wie folgt geantwortet:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Interesse habe ich Ihr Schreiben vom 11. April zur Kenntnis genommen und möchte nun die Gelegenheit ergreifen, Ihnen zu antworten.

Ich werde Ihrer Aufforderung, eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen nicht nachkommen.

Ich bin der Überzeugung, dass die Bezeichnung der Gruppe Frei.Wild als „Drecksband“ keine persönliche Beleidigung der einzelnen Musiker ist, sondern dass es mein Recht ist, auch eine abwertende Meinung über diese Gruppe zum Ausdruck zu bringen. Dies gilt umso mehr als auch Ihr Mandant, die ‚Frei.Wild GbR Burger Forer Gargitter Notdurfter‘, sich gerne einer sehr deutlichen Sprache bedient. So werden in dem Stück „Das Land der Vollidioten“ große Teile der Bevölkerung Deutschlands, Italiens oder beider Länder als Vollidioten bezeichnet:

„Das ist das Land der Vollidioten,

die denken, Heimatliebe ist gleich Staatsverrat.“

Auch vertreibt die ‚Frei.Wild GbR Burger Forer Gargitter Notdurfter‘ auf ihrer Homepage Aufkleber mit der Forderung „LECKT UNS AM ARSCH!“ sowie ein T-Shirt mit dem Aufdruck „ICH SCHEISS AUF GUTMENSCHEN UND MORALAPOSTEL“, so dass ich mich nun ein wenig über die Sensibilität der ‚Frei.Wild GbR Burger Forer Gargitter Notdurfter‘ wundere. Wer sich im Diskurs so polarisierend äußert, muss meiner Meinung nach auch mit deftiger Kritik leben.

Die Bezeichnung „Spackenband“ bezog sich nicht auf die ‚Frei.Wild GbR Burger Forer Gargitter Notdurfter‘ und es wundert mich, dass die ‚Frei.Wild GbR Burger Forer Gargitter Notdurfter‘ sich angesprochen fühlte. Diese Aussage bezog sich auf die Fans der ‚Frei.Wild GbR Burger Forer Gargitter Notdurfter‘. Die ‚Frei.Wild GbR Burger Forer Gargitter Notdurfter‘ hat es auf kluge Weise verstanden, ein großes Publikum zu gewinnen, indem sich das wirtschaftlich ja sehr erfolgreiche Unternehmen ‚Frei.Wild GbR Burger Forer Gargitter Notdurfter‘ als verfolgt, missverstanden und missachtet präsentierte, was ja angesichts der Verkaufszahlen der Musikgruppe nicht glaubwürdig ist. Hinter so einer Öffentlichkeitsarbeit stecken kluge Köpfe, diejenigen jedoch, die darauf hereinfallen, müssen damit leben, sich als nicht ganz so helle bezeichnen zu lassen.

Dass der ‚Frei.Wild GbR Burger Forer Gargitter Notdurfter‘ die Aussage sie sei „hässlicher als Pur“ nicht gefallen hat, kann ich persönlich gut nachvollziehen, allerdings halte ich ästhetische Urteile durch die Meinungsfreiheit für gedeckt.

Von mir aus ist die Sache damit erledigt, sollte die ‚Frei.Wild GbR Burger Forer Gargitter Notdurfter‘ das anders sehen, werden Gerichte entscheiden müssen.

Mit freundlichen Grüßen,

Stefan Laurin

Wenn Frei.Wild durchkommen, darf man auch die AfD nicht mehr eine Dreckspartei nennen, um nur ein Beispiel zu nennen. Wir möchten aber dieser Freiheit auch künftig haben.

Wir bereiten uns seit über zwei Tagen auf einen Rechtsstreit mit der ‚Frei.Wild GbR Burger Forer Gargitter Notdurfter‘ vor und haben begonnen, uns um Unterstützung zu bemühen, um dieses Verfahren zu finanzieren, denn klar ist, dass Frei.Wild über ungleich größere finanzielle Ressourcen verfügt als dieses kleine, sympathische Blog.

Wir planen mit einem Veranstalter ein Konzert, dessen Einnahmen zur Finanzierung des Verfahrens beitragen sollen. ‚Die Kassierer‘ werden unplugged spielen, mit weiteren Bands, Labels sowie Hallenbetreibern stehen wir in Verhandlungen.

Natürlich freuen wir uns, und brauchen zudem, die Unterstützung unserer Leser und Spenden unter dem Stichwort „Frei.wild“ an das Konto: Ruhrbarone IBAN: DE85 4245 0040 0071 0137 26

Sämtliche Einnahmen werden wir für den Rechtsstreit verwenden.

Sollten wir das Verfahren gewinnen oder die Einnahmen die Kosten des Rechtsstreits übersteigen, werden wir das eingenommene Geld zu gleichen Teilen an das ‚Netzwerk Recherche‘, Correct!v und die ‚Amadeu Antonio Stiftung‘ spenden.

RuhrBarone-Logo

104 Kommentare zu “In eigener Sache: Drecksband? Frei.Wild mahnt Ruhrbarone ab – Wir lassen das Gericht entscheiden

  • #101
    Sabinchen

    Rechts, links, oben oder unten – einfache Menschen brauchen einfache Richtungen, an die sie sich halten können.
    Ihr könnt euch wohl nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die Pennywise, Bad Religion, Terrorgruppe UND Frei.Wild hören, einfach weil alle Bands gute Musik machen? Ist ja klar, passt ja auch nicht in euer rechts, links, oben, unten Schema…

    Das Antwortschreiben ist so lächerlich, dass es eigentlich jedem Kommentar spottet, dass ihr es hier noch postet und anscheinend damit allen vorführen wollt, wie cool und abgeklärt ihr seid, macht die Sache nicht besser.

    Ach so, eins noch: Toll, dass ihr euch mit eurem Uni-/Hochschul-Abschluss sämtlichen F.W Fans überlegen vorkommt. Überlegenheit ist nicht "links", sondern Solidarität, wenn ich euch mal an eure Wurzeln erinnern darf! Da F.W in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, geh ich mal davon aus, dass bei allen Fans der Anteil der Hochschulabsoventen genauso hoch ist wie beim Rest der Republik…

  • #102
    Lisa

    Sehr geehrter Herr Laurin,
    es ist äußerst traurig, dass Sie und auch einige Verfasser der Kommentare sich das Recht herauszunehmen, über eine Fangemeinde so zu urteilen. Kennen Sie so viele Frei.Wild-Fans? Sind denn wirklich alle so "abgespackt"? Ich bin wirklich verwundert, wieviele blauäugige Menschen es gibt.
    Wenn einer der Fans Rechts ist, dann sind alle Rechts, stimmts? Und gebildet sind wir sowieso nicht.
    Können Sie auf die Straße gehen und vom Aussehen/Verhalten beurteilen, wer Frei.Wild-Fan ist? Ich glaube nicht.
    Ich zum Beispiel bin ein ganz normales Mädchen, 21 Jahre alt, ich habe Abitur, arbeite in einem Büro. Ich kleide mich normal, ich rede normal und ich bin sicher auch nicht Rechts. Aber hey-ich höre Frei.Wild! Was ist denn mit mir? Ich scheine eine Krankheit zu haben, denn ich bin Frei.Wild-Fan! Oh, und dazu stehe ich auch!
    Sie machen sich sicher nichts aus meinem Kommentar, aber ich verstehe wirklich nicht, wie man eine Fangemeinde mit so vielen Vorurteile abstempeln kann. Nur weil ich keinen Bushido, Sido, irgendwas höre, beleidige ich dessen Fans doch auch nicht!
    Da Ihre Antwort auf die Unterlassungserklärung von Arroganz nur strotzte, bin ich ja wirklich gespannt, wer zu letzt lacht!

  • #103
    unique

    Um es vorweg zu sagen: Ich bin nicht wirklich Fan der Band Frei.Wild, mich stört einzig und allein die Unwissenheit mancher Leute und wie eben diese ihre Münder aufreisen und an sich widersprüchliche Dinge von sich geben. Daher habe ich beschlossen, auch einmal meinen Senf dazuzugeben.

    Ich finde es nämlich lächerlich, wie einfach es sich einige Menschen machen und eine Band, deren Musik oder deren Songtexte ihnen nicht gefallen, einfach so in die Rechte Szene abschieben. Denn wenn man sich einmal die Mühe machen würde und den historischen Hintergrund Südtirols – ja, von dort kommt die Band – untersuchen würde, könnte man die Texte der Band auch richtig einordnen. Daher möchte Ihnen nun einen kurzen Überblick über die Südtiroler Geschichte verschaffen:

    Südtirol war bis zum Ende des ersten Weltkrieges ein Teil von Österreich – Landessprache: Deutsch. Mit dem Sieg Italiens, wurde Südtirol als Prämie den Italienern "geschenkt", die dann eifrig dabei waren das ehemals deutschsprachige Land zu "Italianisieren". Dabei wurden nicht nur die Städtenamen italianisiert (zum Beispiel "Brixen" wurde zu Bressanone usw.) sondern auch die Vornamen (hieß in der damaligen Zeit zum Beispiel jemand Josef, hieß er nun Giuseppe).
    Aber um es auf die Spitze zu treiben, wurde in ganz Südtirol die Deutsche Sprache verboten. Die Auswirkungen für die damalige Bevölkerung kann man sich nur vorstellen – ich möchte an dieser Stelle die Historiker zitieren- "Nimmt man einem Volk die Sprache, nimmt man ihnen die Identität". Auch die Südtiroler Kultur und Tradition dürfte nicht mehr ausgelebt werden.
    Stellen Sie sich einmal vor, Sie dürften ab morgen kein deutsches Wort mehr von sich geben, sondern müssten, von jetzt auf gleich, nur noch Italienisch sprechen – obwohl sie diese Sprache weder verstehen, noch sprechen können.
    Und genau in dieser Lage befanden sich die Südtiroler – dank der Faschisten. Dass Frei.Wild heute deutsch singt, haben wir dem Autonomiestatut zu verdanken, das nach jahrzehntelangem Kampf der deutschsprachigen Südtiroler Bevölkerung, Deutsch endlich wieder als eine der drei Landessprachen Südtirols anerkannt wurde. Dennoch fühlen sich die meisten Südtiroler weder als Italiener, noch als Österreicher: sie sind Südtiroler, Südtirol war und ist immerhin ihre Heimat.

    Wenn die Band Frei.Wild nun darüber singt, dass sie ihre Heimat lieben und auf Gegner "scheißen", werden sie in die Rechtsradikale Szene geschoben – die Schuld daran ist, dass Südtirols "Großeltern" ihre Tradition, Sprache und Kultur nicht ausleben durften und daher genau in die Kategorie der im Lied genannten "Gegner" fallen. Erkennen Sie nun den Widerspruch innerhalb dieser Aussage?

    Wenn man dieses historische Wissen nun miteinbezieht, finde ich es echt Schade, dass Spenden gesammelt werden um einen Rechtsstreit zu finanzieren, wo man diese Gelder besser in die Geschichtsausbildung mancher Leute investieren sollte – denn eine bessere Geschichtsbildung hätte vielleicht verhindert, dass es zu diesem Rechtsstreit kommt. Aber das ist nur meine Meinung!

  • #104

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.