Integrationsminister Hahn wehrt sich gegen Rassismus-Vorwürfe

Foto: E-W/Wikipedia, CC-BY-SA-3.0 (de)
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Hessens Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn geht in die Offensive. Nachdem er mit einer umstrittenen Äußerung über FDP-Chef Phillip Rösler massive Kritik erntete, wehrt er sich gegen Rassismus-Vorwürfe – und zieht Parallelen zur Sexismus-Debatte um seinen Parteikollegen Rainer Brüderle.

In einem Interview mit der Frankfurter Neuen Presse vom heutigen Donnerstag sagte Hessens Integrationsminister Hahn: „Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren.“ Viele sehen darin eine rassistische Äußerung. Im hessischen Landtag sagte etwa der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, Günter Rudolph, Hahns Äußerung zeige, „dass der Integrationsminister selbst offenbar rassistische Tendenzen hat.“ Er sprach von einer „stillosen Entgleisung.“ Einige fordern bereits seinen Rücktritt.

Der Gescholtene geht nun in die Offensive. Er habe den Satz nicht rassistisch gemeint. Am heutigen Donnerstag twitterte er, die gesellschaftliche Debatte müsse geführt werden. „Wer daraus Kritik an #Vizekanzler konstruiert, bewegt sich auf #Stern Niveau.“ Nachdem der Stern in einem Porträt über FDP-Fraktionschef  Rainer Brüderle von anzüglichen Bemerkungen Brüderles einer Journalistin gegenüber berichtet hatte, wurde diesem Sexismus vorgeworfen. Kritiker sahen darin eine Kampagne gegen die FDP, da Brüderle kurz zuvor als Spitzenkandidat für die kommende Bundestagswahl ausgerufen wurde.

„Das ist ja wie Schavan als Bildungsministerin“

Keinesfalls solle seine Äußerung als Angriff auf Parteichef Rösler gewertet werden, verteidigt sich Hahn laut Frankfurter Rundschau (FR). „Ich habe darauf hinweisen wollen, dass es in unserer Gesellschaft einen weit verbreiteten, oft unterschwelligen Rassismus gibt. (…)Wer in meine Äußerung etwas anderes als dies hineinliest, versteht mich falsch.“

Nun hagelt es Spott für Hahn. Auf Twitter kommentierte ein User: „joerguwehahn = Hessischer Minister für Integration. Das ist ja wie Schavan als Bildungsministerin.“ Auch in den Reihen der Opposition im hessischen Landtag werden nun Rücktrittsforderungen laut. Die Fraktionschefin der Linken im Landtag, Janine Wissler, nannte Hahn laut dem Bericht der FR eine „offensichtliche und unerträgliche Fehlbesetzung.“ Linkspartei-Chef Bernd Riexinger riet der FDP, Hahn selbst zurückzuziehen, „wenn er nicht von selbst geht“.

Damit dürfte die Schwarz-Gelbe Koalition im Bund sieben Monate vor der Bundestagswahl weiter geschwächt sein. Seit einiger Zeit produzieren FDP und Union Affären am laufenden Band. Zuerst die Brüderle-Debatte, dann die aktuelle Debatte um Plagiatsvorwürfe gegen Bundesbildungsministerin Annette Schavan – und nun das. Aber auch die Frankfurter Neue Presse ist daran nicht ganz unschuldig: Anstatt bei der betreffenden Stelle im Interview nachzuhaken, ging sie einfach darüber hinweg. So blieb unklar, wie Hahn den Satz wirklich gemeint hat. Nachträgliche Erklärungen zu brisanten Äußerungen haben oft ein Glaubwürdigkeitsproblem. Das hätte vermieden werden können. Wie auch immer: Die Opposition dürfte sich über die unerwartete Wahlkampfhilfe freuen.

Mehr zu dem Thema: http://www.ruhrbarone.de/dumpfe-ressentiments-gegen-phillip-fipsi-roesler/

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13 Kommentare

  1. #1 | JoS sagt am 7. Februar 2013 um 20:15 Uhr

    Vielleicht sind Personal und Ideologie von schwarz-gelb auch einfach abzulehnen…

  2. #2 | anonym sagt am 7. Februar 2013 um 21:16 Uhr

    @ Martin Niewendick

    hast du’s selber gefunden, oder den Kommentar gesehen:

    https://www.ruhrbarone.de/dumpfe-ressentiments-gegen-phillip-fipsi-roesler/comment-page-1/#comment-397760

    (er war so gemeint, dass du das Thema aufgreifst)

  3. #3 | Puck sagt am 7. Februar 2013 um 21:36 Uhr

    Man wirft Rösler ja so einiges vor, und das meiste zu Recht.
    Er wurde beim letzten Parteitag regelrecht bepöbelt, was mit politischer Auseinandersetzung allerdings nix mehr zu tun hat.

    Allerdings – Leute, korrigiert mich, wenn ich was verpaßt haben sollte – kann ich mich nicht erinnern, daß jemals auf irgendeine Art Röslers Aussehen oder Herkunft Thema gewesen wäre, auch nicht zwischen den Zeilen.

    Jemanden gegen Anwürfe in Schutz zu nehmen, die keiner gemacht hat, war schon immer eine beliebte Masche, genau diese Anwürfe – natürlich in aller Unschuld! – ins Spiel zu bringen.
    Der Fachbegriff dafür ist nicht Rassismus.
    Das ist Infamie.

  4. #4 | Klaus sagt am 7. Februar 2013 um 23:20 Uhr

    @3 Witze, Sprüche und Andeutungen mit Asienbezug (Stäbchen etc.) oder über seine Größe habe ich schon so häufig gesehen und gelesen, dass es mich wundert, wenn anderen Leuten dies nicht aufgefallen sein soll.

  5. #5 | Jens Kobler sagt am 8. Februar 2013 um 02:20 Uhr

    @Puck: Wer ist infam? Wer Deutschen Rassismus vorwirft? Also Martin auch?

  6. #6 | Sebastian sagt am 8. Februar 2013 um 09:37 Uhr

    Ich verstehe garnicht was man an Hahns Aussage falsch verstehen kann. Es ist doch offensichtlich das er den Rassismus der in vielen Köpfen in Deutschland herrscht kritisiert. Wie man das dann um 180° drehen kann und Hahn dann Rassismus vorwerfen kann verstehe ich nicht. Aber hat wohl den gleichen Grund wie schon bei der Brüderle-Debatte: Auflage der Zeitungen!

  7. #7 | discipulussenecae sagt am 8. Februar 2013 um 16:34 Uhr

    Es war die vorletzte ‚Heute-Show‘, in der massiv ‚Witze‘ über Röslers asiatische Herkunft gemacht wurden:

    6:23 : ‚Gung‘ aus der Lindenstraße
    7:13 : harmloser Bambusschößling
    7:45 : der lachende Junge von der Reispackung
    7:50 : politischer Kung Fu-Krieger

    hier zu verfolgen: https://www.youtube.com/watch?v=GNv3M0OquzE

    Aber da dieses Format ja allgemein als ‚aufgeklärt‘ und ‚links‘ gilt, habe ich dazu bisher noch keine einzige Beschwerde gehört oder gelesen. Das wirft kein gutes Licht, sondern eher Schatten auf die politisch-korrekten Weltverbesserer.

  8. #8 | Stefan Laurin sagt am 8. Februar 2013 um 16:36 Uhr

    @discipulussenecae: Das ist Satire und ich sehe da kein Problem.

  9. #9 | discipulussenecae sagt am 8. Februar 2013 um 19:03 Uhr

    @ Stefan Laurin: Da ich Kurt Tucholsky über die Zulässigkeit von Satire unbedingt zustimme, sehe ich da eigentlich auch kein Problem. Zudem schätze ich auch die ‚Heute-Show‘ sehr. Aber ich bin mir ebenso sicher, daß diese Anspielungen von entsprechend gesinnten Kreisen gern als Vorlage aufgenommen werden. Aber das ist sicherlich kein Grund, daß die Satiriker nun die berühmte Schere im Kopf auspacken sollten. Im Gegenteil.

    Aber leider ist die Grenzziehung nicht immer so einfach. Und daß einige politisch korrekte Gutmenschen gern einmal eine Grenze zu viel ziehen, sollte ja auch bekannt sein. Denn kein linker Satiriker würde einen Witz über Angela Merkel als Frau machen. Vielleicht gibt es also doch subtile Unterschiede in der Wahrnehmung.

  10. #10 | Martin Niewendick sagt am 8. Februar 2013 um 19:16 Uhr

    @Anonym, ersteres.

  11. #11 | Jens Kobler sagt am 9. Februar 2013 um 04:10 Uhr

    Ist das hier alles noch Meinungsfreiheit oder eher intellektuellä Autoerotik?

  12. #12 | Klaus Lohmann sagt am 9. Februar 2013 um 11:31 Uhr

    @#11 | Jens Kobler: Was ist im Zeitalter der inflationären Kennzeichnung von Stumpfsinn als „Meinung“ bitte der Unterschied zwischen Deinen beiden Begriffen???

  13. #13 | Jens Kobler sagt am 9. Februar 2013 um 13:10 Uhr

    off topic (?) @Klaus Lohmann: Der Respekt gebietet in der Regel eine Trennung von beidem, Respekt ist für viele aber ein Störfaktor in ihrer „Aufmerksamkeitsökonomie“.

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