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Iranischer Steinhaus-Boykott ist kein Grund für deutsche Arroganz

Bibiana Steinhaus. Quelle: Wikipedia, Foto: Northside, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Bibiana Steinhaus kommt aus den Schlagzeilen einfach nicht heraus. Deutschlands einzige Fußall-Schiedsrichterin in der 1. Bundesliga soll der Grund dafür gewesen sein, dass das Spiel des FC Bayern München beim FC Augsburg am Freitag nicht im Iranischen Fernsehen gezeigt worden ist. Dies berichten aktuell übereinstimmend diverse Medien.

In einer dazugehörigen Meldung heißt es: „ Wegen der strengen islamischen Vorschriften werden im iranischen Fernsehen keine Bilder von freizügig gekleideten Frauen gezeigt. Auch kurze Sporthosen, wie sie Steinhaus als Schiedsrichterin trägt, fallen unter diese Bestimmungen. In Spielfilmen werden solche Szenen zensiert. Weil eine Zensierung einer Schiedsrichterin bei einem Live-Spiel kaum möglich gewesen wäre, sei die Übertragung einfach gestrichen worden.“

In Folge dessen ergießt sich in diesen Stunden eine große Welle der Häme und Ablehnung dieses Vorgehens durch die Szene. Zumindest hierzulande. Völlig zu Recht! Grund zu Hochmut haben wir in Deutschland in dieser Frage allerdings wahrlich nicht.

Natürlich ist es ein völliges Unding, was da im Iran gerade abläuft. Gar keine Frage. Erinnern möchte ich hier und heute bei dieser Gelegenheit aber daran, dass Bibiana Steinhaus auch hierzulande keinen leichten Stand hatte in den vergangenen Jahren.

Nicht nur, dass sie von Fußballkommentatoren häufig mit sehr wenig Respekt behandelt wurde und noch immer wird, sich im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen schlicht mit einem Spitznamen a la ‚Bibi‘ ansprechen lassen muss. Steinhaus wurde, obwohl mehrfach Schiedsrichterin des Jahres in Liga 2, über Jahre hinweg der ‚Aufstieg‘ in die 1. Bundesliga verwehrt. So häufig, dass viele darin ein bewusstes Verhindern ihrer prognostizierten großen Schiedsrichterkarriere sahen.

Und auch als sie es endlich geschafft hatte auch offiziell in die Riege der allerbesten Unparteiischen des Landes aufzusteigen, sah sie sich noch immer häufig mit sexistischer Kritik und Ablehnung konfrontiert. Dermaßen intensiv, dass Steinhaus sich diesbezüglich häufig extrem genervt davon gab, zu Fragen, die auf ihre besondere Rolle als Vorreiterin der Frauen in diesem Job abzielten, am liebsten gar nicht mehr antworten wollte.

Bei aller Berechtigung der massiven und entschlossenen Verurteilung der Absetzung der TV-Übertragung aufgrund des Mitwirkens von Steinhaus im Iran, auch wir sollten hierzulande bei dieser Gelegenheit noch einmal den Umgang mit Frauen in dieser Funktion bewusst hinterfragen.

Da gibt es leider auch in Deutschland noch immer sehr viel zu verbessern. Das sollten wir in diesen Stunden, wo alle auf den bestehenden Verhältnissen im Iran herumhacken, bitte nicht ganz vergessen! Denn auch hierzulande ist es leider noch längst keine Selbstverständlichkeit, wenn eine Frau ein Bundesligaspiel leitet.

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9 Kommentare zu “Iranischer Steinhaus-Boykott ist kein Grund für deutsche Arroganz

  • #1
    thomas weigle

    Von der "Nichtselbstverständlichkeit" bis zum Nichtzeigen im TV eines Spieles scheint mir doch ein großer Unterschied zu sein, Robin. Gleichwohl hat Frau Steinhaus keinenleichten Weg gehabt, diesen aber m.E. mit Bravour gemeistert ,bzw. meistert ihn noch immer sehr gekonnt.
    Wenn man sich überlegt, dass wir als Öffentlichkeit ja nur die letzte Etappe dieses Weges verfolgen konnten, kann die Hochachtung für Frau Steinhaus nur wachsen, denn sie wird ja wohl schon auf den ersten Schritten ganz unten auf viele Hindernisse gestoßen sein.

  • #2
    ke

    Wie hoch ist der Anteil von Frauen an der Gesamtzahl von Fußball-Schiedsrichtern?
    Vermutlich gering. Deshalb ist es auch völlig normal, dass wenig Frauen in der Bundesliga pfeiffen.

    Wir sind ja nicht in der Politik, wo Frauen oft mit Quoten in Spitzenpositionen kommen, obwohl sie bzgl. der Partei-Mitgliedern unterrepräsentiert sind.

    Dass Personen keine Karriere machen hat viele Gründe. NIcht immer sind gut qualifizierte Menschen vorne.

    Übrigens, in vielen Randsportarten ist es völlig normal, dass Männer/Frauen Wettkämpfe leiten bzw. Situationen bewerten. Dabei interessiert das Geschlecht nicht. Oft wird sogar einfach zusammen Sport getrieben.

  • #3
    thomas weigle

    In Hessen sind letzt 3 unterklassige muslimische Ringer vom Verband für 6 Monate gesperrt worden, weil sie sich nicht von einer Ringrichterin anfassen und damit schiedsrichtern lassen wollten.

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  • #5
    Arnold Voss

    Frauenfeindlichkeit gibt es auch ohne Religion. Aber mit hat sie halt höhere Weihen und wird unhinterfragbar gemacht. Da ist gut nachvollziehbar, wieso viele Männer eine solche Religion auch entsprechend inbrünstig verteidigen.

  • #6
    Thomas Weigle

    Da steht doch heute im Sportteil der NW, dass der deutsche Boxverband international durchgesetzt hat, dass Frauen teilverschleiert boxen dürfen. Da fehlen mir die Worte und jedes, aber auch jedes Verständnis.

  • #7
    thomas weigle

    Weil`s irgendwie zum Thema passt. Mit Imke Wübbelhaus als Trainerin trat gestern erstmals ein Verein der 5.Liga mit einer Frau als Trainerin an, berichtete der NDR gestern.Mutig,mutig BV Cloppenburg!! Dieser Mut wurde sofort belohnt. Der Tabellenletzte holte ein sensationelles Unentschieden in Hannover.

  • #8
    thomas weigle

    Nordische Ski-WM: Männer 25000 Euro Prämie, Frauen 7000 Euro vom DSV für den WM-Titel. Ungeheuerlich.

  • #9
    ke

    @8 T Weigle
    Insgesamt sind das sicherlich eher niedrige Prämien, wenn man den Trainingsaufwand etc. berücksichtigt.
    Ich bin aber auch der Meinung, dass Prämien den Marktwert bzw. den Wert einer Medaille ausdrücken sollen.
    Wie viele Menschen sind Dressurreiter, Rodler, Bobfahrer. Skispringer? Welchen Marktwert hat der Sport? Wenn ich dann daran denke, wie viele Frauen schnell Bobfahrerin geworden sind, weil in der damals jungen Disziplin einfach kaum Teilnehmerinnen waren.

    Für welche Sportarten gilt die Prämienregelung? Ist es das Skispringen? Bei Biathlon sollen bspw. die Prämien gleich sein.

    Manche Stadtmeisterschaft von populären Sportarten hat mehr Aktive als die Damenkonkurrenz bei olympischen Randsportarten.
    Eine 100m Sprint Medaille hat einfach auch einen höheren Wert. Gesprintet wird überall. Rodeln ist da eher die Ausnahmen.

    Gleichberechtigung muss nicht Gleichheit bedeuten. Ich finde es bspw. total ungerecht, dass Frauen oft 50% der Spitzenkandidaten von Parteien stellen, obwohl deren Anteil meisten bei ca. 3x Prozent liegt. Schon allein aus dieser Relation muss es einfach mehr gute Männer geben.

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