Israelfeindliche „Nakba“-Austellung in Göttingen – Hintergründe für Prof. Samuel Salzborns Rauswurf werden klarer

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Seit Monaten macht die Leitung der Universität Göttingen unrühmliche Schlagzeilen. Denn sie will mit Prof. Dr. Samuel Salzborn einen der renommiertesten Antisemitismusforscher loswerden. Vorzuwerfen hat sie Salzborn nichts und trotz vielfältiger Proteste aus Fachwelt und Öffentlichkeit verweigert sie konsequent jede inhaltliche Stellungnahme. Das beförderte bei Beobachtern schon lange den Verdacht, dass die beabsichtigte Entlassung Salzborns in Wahrheit politisch motiviert ist. Er gilt nämlich u.a. auch als scharfsinniger Kritiker des weit verbreiteten israelbezogenen Antisemitismus, der „nichts gegen Juden hat“, aber mit

antisemitischen Stereotypen über den jüdischen Staat nicht geizt.
Die politischen Sympathien der Universitätsleitung, die mit der Begründung, sie widerspreche der „kulturellen Diversität“ der Uni, auch schon mal eine kleine Israelfahne auf dem Gelände entfernen ließ, scheinen allerdings woanders zu liegen. Ab 1. November will sie jedenfalls die berüchtigte Ausstellung „Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“ zeigen. Die Ausstellung zeichnet sich durch grobe Verfälschungen der israelischen Gründungsgeschichte aus und hält keiner seriösen Prüfung stand, was bereits vielfach nachgewiesen wurde. Viele Universitäten, Städte und Einrichtungen haben deswegen schon abgelehnt, sie zu zeigen. Der Vorstellung der Göttinger Universitätsleitung von „kultureller Diversität“ scheint sie allerdings zu entsprechen. Die Ausstellung soll am Dienstag, dem 1. November um 17 Uhr im KWZ eröffnet werden. Um 18:15 Uhr will der bekannte Islamismusverharmloser Udo Steinbach im ZHG 004 über „Der Palästina-Konflikt, Eckstein in der Architektur des Neuen Nahen Osten“ referieren.
Näheres zum beabsichtigten Rauswurf Salzborns http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/25813
zur „Nakba-Austellung“ http://emafrie.de/audio-wie-die-propaganda-gegen-israel-fu…/
zum Thema „Nakba“ allgemein http://www.dig-stuttgart.net/…/up…/2008/03/nakba_web_end.pdf

Crosspost: Der Text ist bereits auf der FB-Seite des Blogs Emma und Fritz erschienen

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4 Kommentare

  1. #1 | Gerd sagt am 26. Oktober 2016 um 20:31 Uhr

    Kann sein, muss aber nicht, denn leider sind anti israelische Veranstaltungen an deutschen Universitäten nichts besonderes. Ich sag nur Hildesheim.

  2. #2 | discipulussenecae sagt am 27. Oktober 2016 um 13:16 Uhr

    Es ist überliefert, daß der widerliche antisemitische Hetzer Julius Streicher auch Vorträge an deutschen Universitäten hielt, die mit deutschen bildungsbürgerlichen Professoren gut gefüllt waren; von denen aber keine Proteste überliefert sind, sondern nur, daß sie fast alle eifrig mitschrieben.

    Vielleicht geht jemand mal ins Göttinger Universitätsarchiv, um nachzusehen, ob Streicher schon damals dort auch 'gewirkt' hat.

  3. #3 | Michael sagt am 27. Oktober 2016 um 15:34 Uhr

    @ Gerd #1

    Die HAWK hat nicht nur einen Standort in Hildesheim, sondern auch einen in Göttingen. Zufall?

    Ansonsten: Prof. Salzborn hat eben auch das Pech, dass er nicht so gut vernetzt ist, wie z. B. die Präsidentin der HAWK, Christine Dienel. Das Gutachten, das "ihre" Hochschule vom Antisemitismusvorwurf reinigen soll, von dem auch ihre Präsidentschaft abhängt, wird vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin erstellt. Ein Institut an dem auch ihr Ehemann wirkt. Zufall?

  4. #4 | Walter Stach sagt am 27. Oktober 2016 um 19:04 Uhr

    Ich will aus Anlass dieser Diskussion zunächst erneut Grundsätzliches in die Disk. einbringen, auch nach dem Motto, daß man Gefahr laufen könnte, "vor lauter Bäumen nicht mehr den Wald" wahrzunehmen.

    Rassismus im allgemeinen und Antisemitismus im besonderen hat es -bekanntermaßen und unbestritten- in Deutschland immer gegeben, und zwar in allen Schichten der Gesellschaft und wahrnehmbar in allen Lebensbereichen, auch an den Universitäten;
    (sh. dazu z.B.. die neuesten Erkenntnisse über den Antisemitismus Heideggers .)

    Neu, so scheint mir, ist das permanent wachsende öffentliche Bekennen rassistischer und antisemitischer Auffassungen, und zwar in allen Teilen der Gesellschaft, die Universitäten eingeschlossen.
    Überrascht bin ich von der Dimension, die der offene Rassismus und der offene Antisemitismus in Deutschland mittlerweile erreicht haben , und das in einer Zeit, in der der Holocaust ( noch) nicht aus dem Bewußtsein der Menschen verschwunden ist.

    Über die Gründe dafür ist zu diskutieren, was ja auch bei den Ruhrbaronen mehrfach geschehen ist und jetzt aus konkretem Anlass wieder einmal geschieht.

    Ich will nur auf drei Gründe, die mir wesentlich zu sein scheinen, hinweisen:
    1.)
    Die Menschen ängstigen sich zunehmend angesichts tatsächlicher oder gefühlter, angesichts akuter oder zu erwartender Bedrohungen ihres gewohnten , alltäglichen, erwünschten und erhofften Lebens.
    Medien und Politik schüren diese Ängste aus welchen Motiven auch immer, statt zu versuchen, ihnen zu begegnen und Hoffnung zu machen.
    2.)
    Eine wachsende Unübersichtlichkeit der immer komplexer und immer komplizierter werdender Gegebenheiten globalen Ausmaßes , die alle Lebensbereiche des einzelnen Menschen und der Gesellschaft, in der er existiert, beeinflussen.
    Medien und Politik kommen ihrer Verpflichtung nicht, nicht hinreichend nach, diese Komplexität als eine real existierende hinzunehmen und zu verdeutlichen und sie all ihrem Tun bzw. Nichttun ganz bewußt und als solche erklärend zugrunde zu legen , um so auch die eigenen Unzulänglichkeiten, Ungewissheiten gegenüber jedermann zu offenbaren. Stattdessen täuscht man sich politisch und medial und versucht, "die Anderen" dieserhalb zu täuschen.

    Die Gründe zu a.) und zu b.) bilden den idealen Nährboden, auf dem die bis dato weitgehend verborgene, aber immer vorhandene Saat des Rassismus im allgemeinen und die des Antisemitismus im besonderen wieder wachsen und gedeihen kann, und zwar konkret dadurch, daß man alle diffusen Ängste, alles Komplizierte und jede Komplexität aufzulösen versucht, indem "man" dafür eine Grundursache und den einen "Schuldigen" benennt, den Fremden im allgemeinen, "die" Juden im besonderen.
    U.a. wird das deutlich in der Diskussion über die Ursachen und die Folgen des sog. Israel-Palästina Konfliktes oder gar darin, daß dieser Konflikt nur als Mittel zum Zweck dient, nämlich für den Konflikt als solchen ausschließlich "die" Juden verantwortlich zu machen oder anhand des Konfliktes zu versuchen, exemplarisch nachzuweisen, daß es eben "die " Juden sind, die für alles Negative auf der Welt verantwortlich gemacht werden können.

    Deshalb müßte es im "Wissenschaftsbetrieb Universität" eine Selbstverständlichkeit sein, bedachter, nachdenklicher, ab- und ausgewogener, differenzierter mit der Problematik des Israel- Palästina-Konfliktes umzugehen.

    Daran scheint es nach meiner Wahrnehmung im konkreten Falle zu mangeln.

    Gibt es dazu möglicherweise weitere, mir noch nicht bekannte Erklärungen/Aufklärungen/Klarstellungen durch die Uni?

    3.
    Wenn ich zwei Gründe für den offenen, ja für den mittlerweile gesellschaftsfähig gewordenen Rassismus und Antisemitismus benannt habe, will ich einen dritten hinzufügen:

    Die unter Pseudonym in den sozialen Netzwerken ungehinderte und ungestraft mögliche Verbreitung rassistischer, antisemitischer Hassparolen in Fäkaliensprache -vorsätzlich und widerspruchslos wider alle Fakten,
    Und dem kann man, auch wenn man wollte, z.B. nicht durch Veranstaltungen an einer Uni begegnet werden,die frei wären von jedem Verdacht rassistisch/antisemitisch sein zu können.

    "Man" könnte dem begegnen, wenn "man" die Möglichkeiten , die "man" hat, ausschöpfen würde, was "man" offenkundig derzeit nicht will.

    PS
    Ich weiß sehr wohl um die Schwierigkeit für jeden einzelnen, der meint, so wie ich gelegentlich , konkretes Tun oder konkretes Unterlassen der jeweiligen israelischen Regierung kritisieren zu können und kritisieren zu sollen, ohne Gefahr zu laufen, deshalb als Antisemit zu gelten. Dem kann man selbst abzuhelfen versuchen, indem man immer wieder seine Grundsatzposition erklärt und in jedem Einzelfall seine konkrete (israel-) regierungskritische Äußerung dezidiert begründet. Zudem, so meine ich, sollten all diejenigen, die jede (israel-)regierungskritische Äußerung als antisemitisch hinstellen, zumindest bedenken, daß sie damit ehe eine antisemitischen Gesinnung befördern als einer solchen zu begegnen.
    Ich zitiere in diesem Sinne -in meinem Sinne-:
    "Juden nicht zu mögen ist kein Antisemitismus. Wir alle kennen Leute, die wir nicht mögen. Das ist in Ordnung, das ist menschlich, das ist ungefährlich Auch Israel zu kritisieren ist kein Antisemitismus"
    Und weiter heißt es dann zum Antisemitismus, der als Hass (!!) auf "die" Juden zu verstehen ist:

    "Heute hasst man sie für ihren Nationalstaat, den Staat Israel".
    Ja, das ist es wohl, was eine (Israel) regierungskritische Äußerung unterscheidet von antisemitischer Israel-Kritik .
    (Zitate aus der gekürzten Version der Rede , die Rabbi Lord Jonathan Sacks, ehemaliger Oberrabbiner des Vereinigen Königreiches auf der Konferenz "Perspektiven für die Zukunft der jüdischen Gemeinschaften in Europa" am 27. Sept.2o16 im Euroäischen Parlament gehalten hat, und die in der FAS veröffentlicht wurde -FAS, 2.10.2o16, Nr. 38, 6 POLITIK.)

    Es wäre doch großartig, wenn die Uni Göttingen nach der hier kritisierten Veranstaltung 'mal etwas auf die Beine stellen würde , in dessen Mittelpunkt eine Rede von Lord Sacks stünde -oder von jemanden "ähnlichen Kalibers" -sh. kulturelle Diversität-.

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