Julian Draxler – Sind Verträge denn inzwischen gar nichts mehr wert?

Julian Draxler. Foto: Michael Kranewitter Quelle: Wikipedia Lizenz: CC-by-sa 3.0/at
Julian Draxler. Foto: Michael Kranewitter Quelle: Wikipedia Lizenz: CC-by-sa 3.0/at

In diesem Sommer diskutieren Fußballfans ungewöhnlich heftig und viel über Spielerwechsel. Auch laufende Verträge scheinen dabei inzwischen immer weniger Planungssicherheit für die Clubs zu bedeuten. Das liegt sicherlich zu einem guten Stück an den Medien, welche Transfergerüchte gleich im Dutzend verbreiten, aber auch das Verhalten einiger Spieler trägt ein gehöriges Stückchen zu dieser Verunsicherung bei. Jüngstes Beispiel: Schalkes Julian Draxler.

Dass Spieler letztendlich am längeren Hebel sitzen, wenn sie einen Verein trotz laufenden Vertrages verlassen möchten, das war schon immer so. Ein unwilliger Spieler hilft am Ende niemandem. Daher werden wechselwillige Spieler in der Regel am Ende auch fast immer gegen eine Ablösezahlung ziehen gelassen.

Im Falle von Borussia Dortmund zog bei Mario Götze eine fest vereinbarte Ausstiegsklausel, welche es dem Spieler ermöglichte gegen eine festgeschriebene Ablösesumme den Verein zu wechseln. War auch das Gejammer der Fans groß, daran gab es nichts zu beanstanden, außer den Zeitpunkt an dem der Wechsel bekannt wurde. Nämlich einen Tag vor einem wichtigen Champions League Spiel.

Anfang Mai erfreute sich dann das Umfeld des FC Schalke 04 an der vorzeitigen Vertragsverlängerung von Jungstar Julian Draxler. Er verlängerte seinen ohnehin noch bis 2016 laufenden Vertrag vorzeitig bis 2018. Sicherlich nicht zu seinem finanziellen Schaden. Auch in seinem Vertrag soll es eine Ausstiegsklausel geben. Angeblich in der Größenordnung von ca. 45 Millionen Euro.

Stolz war man in Gelsenkirchen. Draxler selbst ließ sich posierend vor einem Poster ‚Mit Stolz und Leidenschaft bis 2018‘ fotografieren. Selbiges Poster wurde zudem auf einigen Kleinlastern platziert und diese dann quer durch das Ruhrgebiet fahren lassen, um den neuen Schalker Stolz für jeden sichtbar auch nach außen zu tragen.

Man soll einen dieser Werbewagen auch direkt im Umfeld des ‚Westfalenstadions‘ in Dortmund gesehen haben. In Schalker Fan-Foren bog man sich vor Lachen. Ein Stück Schadenfreude mag gegenüber den Konkurrenten aus dem Schwarzgelben Lager auch dabei gewesen sein, welcher ja immer noch den Abgang des eigenen Jungstars in Richtung München zu verdauen hatte.

Das Alles ist inzwischen kaum acht Wochen her.

Doch statt Planungssicherheit gab es für den FC Schalke 04 seither, trotz frischem 5-Jahresvertrag für den eigenen Jungstar, ebenfalls fortlaufend Wechselgerüchte zum Thema Julian Draxler. Finanzkräftige Teams aus dem Ausland buhl(t)en offenbar um die Dienste des erst 19-jährigen Schalkers. Dass dieser erst wenige Tage zuvor seinen Vertrag verlängert hatte störte offenbar niemanden ernsthaft. Die Höhe der Ablösesumme schreckte offenbar auch nicht ab. Planungssicherheit für die Königsblauen? Pustekuchen!

Und was macht Julian Draxler, der sich erst im Mai zu dem Spruch ‚Mit Stolz und Leidenschaft bis 2018‘ bekannte? Er überlegte über Tage, ob er nicht Stolz und Leidenschaft in Gelsenkirchen nicht vielleicht doch gegen einen größeren Lohnscheck eintauschen sollte. Und auch das machte er in TV-Interviews öffentlich.

Ein frisch verlängertes Arbeitspapier? Große Vereinsliebe? Offenbar selbst in diesem Fall alles kein langanhaltender Hinderungsgrund für einen möglichen Vereinswechsel eines Kickers.

Gegen Ende der letzten Woche äußerte sich Draxler dann gegenüber Kollegen dahingehend, dass er in der nächste Saison auf jeden Fall bei seinem bisherigen Arbeitgeber bleiben werde. Im nächsten Sommer könne man dann ja weitersehen…

Was für eine Farce!  Ruhe wird es um die Personalie somit wohl so schnell nicht geben. Und bis 2018 kann unter diesen Voraussetzungen ja niemand ernsthaft denken.

Am Ende heißt das doch im Klartext auch, dass die Vertragsverlängerung für Draxler lediglich ein höheres Gehalt bewirkt hat. Eine Vereinszugehörigkeit bis mindestens 2018 lässt sich daraus jedenfalls offenkundig bestimmt nicht ableiten… Trotz der zunächst von Euphorie und Stolz befeuerten Idee mit den Minitrucks und der darauf plakatierten ‚Leidenschaft bis 2018‘.

Wieder zerplatzt damit ein Stück der Illusion von der Vereinsliebe der Fußballprofis wie eine Seifenblase.

Und das dann ausgerechnet noch am Beispiel des umjubelten Julian Draxler, der für die Schalke-Fans zuletzt ein Stück weit die Rolle eines Manuel Neuer eingenommen hatte, welcher bis zu seinem Wechsel zum FC Bayern München ebenfalls als ein ‚echter Schalker‘ gefeiert wurde.

Der moderne Profi-Fußball kennt offensichtlich keine echte Vereinstreue mehr, wie man sieht. Auch am Verhalten eines ‚Ur-Schalkers‘ wie Julian Draxler… Geld bestimmt die Vereinszugehörigkeit nicht die Liebe zu einer Stadt, einem Team, einem Verein, so wie es viele Fans gerne hätten.

Was ist ein frisch unterschriebener Vertrag bis 2018 also heute in der Bundesliga noch wert? Sicherlich viel Geld, aber sonst?

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10 Kommentare

  1. #1 | der, der auszog sagt am 8. Juli 2013 um 11:22 Uhr

    Wenn Julian Draxler im Laufe seiner vielversprechenden Fußballkarriere jemals Deutscher Meister werden und vielleicht sogar die Champions League gewinnen will, wird er gar nicht drumherum kommen, irgendwann den FC Schalke zu verlassen. Schaut man sich die Leistung des Gelsenkirchener Vorzeigevereins in den letzten 50 Jahren an, dann ist die Wahrscheinlichkeit der Königsblauen auf den nationalen bzw. internationalen Toptitel doch relativ gering. Mit einem Konstrukt wie „Meister der Herzen“ kann man sich als Fan vielleicht noch über ein halbes Jahrhundert ohne Meisterschale hinweg trösten, aber für einen jungen ehrgeizigen Fußballer dürfte so ein selbstgebstaltes Trostpflaster nicht sonderlich erstrebenswert sein.

    Aber auch aus Vereinssicht sind diese mit Millionenbeträgen verklausulierten Ausstiegsoptionen nicht unbedeutend. Schalke muss nur einmal in den nächsten Jahren die CL-Qualifikation verpassen und schon haben wir den blauweißen Salat. Der Haushalt des Bundesligisten ist absolut auf Kante genäht und mit einem Ass wie Draxler im Ärmel lässt sich durch Ablöse ein relativ großer Batzen Frischgeld erzocken.

    Die Personalie Manuel Neuer lässt grüßen…

  2. #2 | Blizzz sagt am 8. Juli 2013 um 11:53 Uhr

    War bei uns mit Goretzka auch nicht anders. Tolle Sprüche, Tinte unter neuem Vertrag, Versprechen zu bleiben und plötzlich entflammt trotzdem eine Flamme für ausgerechnet Schalke.

    Mir macht der Profifussball immer weniger Spaß. Es geht auch nicht mehr um den Sport oder den Verein, das ist nun nur noch Mittel zum Zweck möglichst viel Geld zu scheffeln. Natürlich gönne ich es jedem von seiner Leidenschaft gut leben zu können. Aber da gibt es auch eine Grenze die bei Spitzenfussballern svchon längst überschritten ist. Gier macht Menschen kaputt. Eine generelle Gehtlsobergrenze finde ich daher mehr als nur angebracht. Das belebt auch die Konkurrenz.

  3. #3 | Harald sagt am 8. Juli 2013 um 13:14 Uhr

    @2 Blizz

    Vereine sind weltweit agierende Konzerne. Wenn du in Deutschland eine Gehaltsobergrenze einführen willst, würden die Top-Spieler die 1. Bundesliga sofort verlassen und Auswärtige würden gar nicht erst kommen. Die Vereine stehen weltweit in der Konkurrenz.

    Dann würde die Bundesliga demnächst auf 2. oder 3. Liga-Niveau spielen (und „Ehrlicher“ sind die auch nicht, siehe Wettskandale).

    Auch hier gibt der Kapitalismus die Regeln vor!!! Sorry, aber moralische Anklagen helfen da nicht weiter.

    „Gier macht die Menschen kaputt“????? Tja, leider nicht die Gierigen, die Herrschen über die Kaputten! 😉

  4. #4 | Henk sagt am 8. Juli 2013 um 14:35 Uhr

    Hallo Robin,

    es wirkt auf mich als Außenstehenden (als Gladbacher) merkwürdig, wenn ein bekennender Dortmunder als Blogautor die bei allen Bundesligisten gleichermaßen vorhandenen Probleme mit wechselwilligen Spielern ausgerechnet am Beispiel eines Schalker Spielers durchexerziert. Wäre kein für dich naheliegenderes Beispiel zu finden gewesen, bei dem sich ein Spieler trotz gültigem Vertrag im Gegensatz zu Draxler seinen klaren Wechselwillen bekennt (knick-knack, klick-klick, grins-grins, winke-winke)? Oder zumindest ein Neutrales? So wirkt es so, als wolle man die Probleme im eigenen Lager mit nicht annähernd ähnlichen Probleme beim größten Rivalen kleinreden. Zumal die Spekulationen meiner Wahrnehmung nach doch ausschießlich Medienblasen waren. Von Draxler selbst sind mir keine problematischen Äußerungen bekannt.

    Am Rande: Welches TV-Interview meinst du? Das im Sportstudio? Das fand ich völlig in Ordnung, gerade weil er dort kein schwachsinniges „ewig treu“-Geschwurbel von sich gegeben hat. Ich verfolge Schalke naturgemäß nicht so intensiv wie meinen Verein, aber diese Personalie fand ich beisher ganz und gar unproblematisch.

  5. #5 | Robin Patzwaldt sagt am 8. Juli 2013 um 14:48 Uhr

    Hallo Henk!

    Ich schreibe schon jahrelang über Sport. Glaube mir, auch wenn ich hier besonders im Dortmund-Teil offen aus Sicht eines BVB-Fans schreiben kann, so bin ich doch durchaus in der Lage die Dinge auch bei Schalke aus ’neutraler‘ Sicht, und eben nicht als BVB-Fan zu beschreiben. Deine Vermutung trifft daher so nicht zu. Bei mir ist da keine Genugtuung o.ä. dabei. Viele meiner Freunde und Bekannten im privaten Bereich sind auch engagierte Schalke-Fans. Ich kann da schon trennen. Auf das Beispiel Draxler kam ich übrigens aufgrund einiger aktueller Entwicklungen in den letzten Tagen. Demnächst werden sicherlich auch andere Beispiele rund um den Fußball von mir hier wieder thematisiert werden. Habe ich in der Vergangenheit auch schon häufiger gemacht. Besonders das Thema ‚Hoffenheim‘ kam hier immer gut an 😉 Das aktuellste Fernsehinterview mit Draxler, das ich nun hörte, lief übrigens auf Sky am Wochenende. Schau aktuell mal in den ARD-Videotext, da wird die Sache auch gerade thematisiert. Auch dort findet man nun die Aussagen ‚zumindest noch nächste Saison‘, ’nächsten Sommer werden wir dann sehen‘ usw..

  6. #6 | Nobby.Brinks sagt am 8. Juli 2013 um 15:30 Uhr

    Warum das Klagen!

    Laufende Verträge dienen dazu, dass Spieler aus den Verträgen herausgekauft werden. Das ist die Planungssicherheit. Mit dem Erlös kann sich der Verein bei den kleineren Vereinen (Gladbach, Bochum) bedienen. Nur der Werksverein Leverkusen hat dem im Land NRW noch etwas entgegen zu setzen. Mit den ausverkauften Stadien gibt es eine uneingeschränkte Planungssicherheit. Was dazu für, das der Ruhrstädter aus Rheinberg sich als Niederrheiner tarnt und nach Gladbach fährt, wenn er ein Spiel der 1 Liga sehen möchte.

    Wo bleibt die Planungssicherheit für die kleinen. Meist reicht das Geld gerade dazu, Vertragsfreie, Arbeitslose Spieler unter Vertrag zu nehmen, Spieler auszuleihen und gute Jugendarbeit zu machen. Doch viele Verträge enthalten Klauseln, denn die Spieler möchten ja bei einem guten Angebot zum größeren Verein wechseln.

    Wo bleibt die Planungssicherheit, wenn die Lizenz verweigert wird oder der Verein Absteigt. Die Spieler dürfen ohne Ablöse gehen. Der Verein kann höchstens gegen die Herren klagen, die den Verein in diese Lage gebracht haben.

  7. #7 | Robin Patzwaldt sagt am 8. Juli 2013 um 15:34 Uhr

    Sich als Spieler bereits wenige Tage nach dem vielbeachteten Abschluss eines neuen 5-Jahres-Vertrages schon wieder mit einem eventuellen Vereinswechsel zu beschäftigen, das finde ich trotzdem mehr als ungewöhnlich. In der Form habe ich das in der Bundesliga in den letzten ca. 30 Jahren auch noch nicht erlebt.

  8. #8 | kai sagt am 8. Juli 2013 um 18:15 Uhr

    Jeder Spieler redet bei seiner ersten PK für den neuen Verein, von seinem schon immer währenden Traum, für diesen Verein spielen zu dürfen. Ich glaube auch nicht, das die Spieler unbedingt der treibende Faktor sind, sondern die Berater. Beraten für Kleingeld oder einen Batzen von der Transfersumme bekommen, ist doch klar, was denen lieber ist. Des Spielers Wohl, interressiert die wenigsten.

    Und die Ablösesummen gibts bestimmt nur für die Wirtschaftsprüfer. Die rechnen Gelder hin und her, dabei fällt denen vor Lauter Pinke-Pinke nicht mehr auf, wie pleite diese Vereine sind( s. R.Madrid).

    Lange werde ich mir diese Gier nicht mehr antun, sondern lieber die zweite Liga, die meisten Spieler, spielen da wenigstens auch noch vernünftigen Fußball mit Ehrgeiz und nicht nur aus Gier. Viel Geld bekommen und wegen z.B einer Muskelverhärtung, wochenlang ausfallen. Normalbeschäftigte würden vom Chef gefragt, ob er es weich treten soll.

  9. #9 | TuxDerPinguin sagt am 8. Juli 2013 um 22:53 Uhr

    mir geht das zu sehr Richtung Kritik auf Spieler.
    Ein Verein muss immerhin auch noch seinen Segen zu einem Wechsel geben. Und wenn sie eben feste Ablösesummen in die Verträge schreiben, können sie sich nicht beschweren.
    Sobald ein Verein mit einem Spieler nicht mehr plant, wird auch versucht, ihn zu verkaufen oder zu verschenken, damit man das Gehalt spart.

    Moralisch tun sich beide Seiten nichts.
    Allerdings finde ich das moralisch auch gar nicht problematisch. Zumindest so lange Spieler ehrlich sind.
    Als Gladbach-Fan kann ich da z.B. Dante sehr positiv hervorheben. Der hat schon kurz nach seinem Wechsel zu uns angefangen davon zu reden, dass er sich für größere Clubs empfehlen will etc.
    Die Gladbach-Fans wussten schon damals, dass Dante einer der besten IVs der Liga ist, wenn nicht der beste… mir kam es so vor, als würde das belächelt von vielen Fans anderer Vereine. Jetz wo er bei Bayern spielt, sieht das anders aus… man sieht daran, dass eben doch das Prestige ein ganz anderes ist. Zumal Dante jetzt auch zur Nationalmannschaft eingeladen wurde.

    Ist aber auch ganz gut so, dass solche Top-Spieler Gladbach irgendwann verlassen. Gibt dickes Geld und als Talentschmiede hat man ständig neue Talente in seiner Jugend oder an der Angel, die ja auch nicht ewig in der Pipeline warten sollen 😉

  10. #10 | FC Schalke 04: ‚Stolz und Leidenschaft‘ reichen bei Julian Draxler dann doch nicht mehr bis 2018 | Ruhrbarone sagt am 31. August 2015 um 22:15 Uhr

    […] im Jahre 2013 nicht allzu viel wert gewesen ist. Spekulationen über einen möglichen Abgang von Julian Draxler setzten bereits wenige Wochen nach der Vertragsverlängerung wieder ein. Draxler war ein ständiger […]

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