Kampf gegen #Covid_19: Warum mich der Start der Maskenpflicht in NRW nervös macht

Ab Montag ist auch in NRW das Tragen von Schutzmasken u.a. in den Geschäften Pflicht.

Dass die aktuell vieldiskutierten Community-Masken bei den sogenannten Experten nicht viel Anerkennung finden, das ist seit Wochen bekannt. Ihr Nutzen ist umstritten. Und wenn sie jemandem helfen, dann ist es der vorherrschenden Einschätzung nach eben nicht der Träger dieser Maske selber, sondern in erster Linie sind das dann seine Mitmenschen.

Trotzdem gibt es eigentlich keinen triftigen Grund eine solche Maske nicht zu Verwenden. Wenn es auch nur wenige Prozentpunkte sind, die eine Ansteckung mit dem Corona-Virus beim einen oder anderen Zeitgenossen weniger wahrscheinlich wird, die Mühe würde sich bei einer sachgemäßen Anwendung lohnen.

Und doch steht aktuell zu befürchten, dass ab Montag, wenn das Tragen mindestens einer solchen provisorischen Schutzmaske, besser natürlich einer medizinischen, auch in NRW in den Geschäften und im Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) vorgeschrieben sein wird, diese Maskenpflicht in dieser wenig professionellen Form kräftig nach hinten losgehen wird.

Eigentlich muss man in den vergangenen rund sechs Wochen nur halbwegs regelmäßig selber in den Lebensmittelhandel gegangen sein um die mit den Masken verbundene Gefahr wiederholt im eigenen Alltag mitbekommen zu haben.

Waren die Leute nach dem Beginn des sogenannten ‚Lockdowns‘ im März noch in so einer Art von Schockzustand unterwegs, wurden Regeln und Anstände fast ausnahmslos vorbildlich und penibel eingehalten, stellte sich die Situation im Alltag zuletzt schon wieder deutlich undisziplinierter dar.

Nicht nur, dass die strenge soziale Isolation, die am Anfang noch bereitwillig umgesetzt wurde, bei vielen Leuten häufiger durchbrochen wurde, auch das Verhalten beim Einkaufen wurde nach und nach wieder sorgloser.

Zudem wurde das Nervenkostüm vieler Bürger schlechter. Die Geduld ging bei vielen ein Stück weit verloren. Für Leute, die großen Wert auf die Abstände legten, wurde der Lebensmitteleinkauf damit nach und nach stressiger, musste man doch wieder vermehr mit gleichgültigen, gedankenlosen Mitmenschen rechnen, die einem zu nah kamen, sich in die Abstände einhaltende Schlange an den Kassen reinquetschen wollten, vor dem Kühlregal ungeduldig dem Vordermann von hinten über die Schulter griffen usw..

In den vergangenen Tagen wurden dann von den Mitmenschen augenfällig immer mehr Masken während des Stadtgangs aufgesetzt, obwohl deren Nutzen nicht eindeutig ist, viele Experten sogar deren mögliche negative Folgen anmahnten.

Und tatsächlich scheinen diese Masken bisher vielen Leuten eben, trotz aller Mahnungen und Apelle, in erster Linie ein trügerisches Gefühl von eigener Sicherheit zu geben.

Bei meinen vergangenen Einkäufen habe ich es selber etliche Male erlebt. Maskenträger verhalten sich vielfach unklug und eben auch unlogisch. Sie stehen plötzlich wieder aufreizend lässig mitten im Gang herum, halten zum Teil schon wieder keinerlei Mindestabstände ein, drängeln sich energisch vor und tun vielfach so, als befänden sie sich persönlich in so einer Art Schutzblase.

Insbesondere auch ältere Mitbürger, also ausgerechnet die vor der Covid-Pandemie besonders gut zu schützende Risikogruppe, scheinen von diesem unklugen Verhaltensmuster stark betroffen zu sein. Dort ist die Warnung vor diesem trügerischen Gefühl der eigenen Sicherheit durch das Tragen einer (zudem häufig nur selbstgebastelten) Maske bisher nicht angekommen, wie es scheint.

Ähnliche Effekte waren auch am Donnerstag in den Schulen zu beobachten, wo maskentragende Schüler, wie in ‚guten alten Zeiten‘ in Gruppen auftraten, die keinerlei Abstände einhielten. Mahnende Worte der Lehrer wurden nur für wenige Sekundenbeachtet, bevor die Regeln wieder missachtet wurden.

Daher muss einem vor dem Beginn der Maskenpflicht in Geschäften und bei Bus- und Bahn am Montag wirklich angst und bange werden. Das ständige Aus- und Zurückweichen wird für Leute, die die Abstände nach wie vor als das wichtigste Mittel beim Kampf gegen eine Ansteckung halten, dadurch wohl noch ein ganzes Stück weit komplizierter. Leider!

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10 Kommentare

  1. #1 | Lutz Hingst sagt am 24. April 2020 um 12:43 Uhr

    Es gibt da Pros und Contras. Bayern hat gerade ein Bußkgeld in Höhe von bis zu 5000 € bei verstößen gegen die Maskenpflicht festgelegt. Viel schlimmer finde ich, dass durch Masken ein wesentlicher Teil sozialer menschlicher Interaktion – über die Mimik – verloren geht. Besonders schlimme Folgen daraus erwarte ich für die Sozialisation ganz kleiner Kinder.

  2. #2 | Bochumer sagt am 24. April 2020 um 13:46 Uhr

    Jede medizinische Maske, die jemand aufgrund des Zwangs kauft, fehlt woanders.

    Ich halte es für schwierig, eine wissenschaftlich umstrittene Maßnahme mit Zwangsgeldern durchzusetzen.

    Lustig war die Radiowerbung für Einrichtungshäuser heute. Die haben mit Rabatten geworben, als ob sie ganz volle Häuser wollen. Das ist doch Mumpitz.

  3. #3 | Sarah F. sagt am 24. April 2020 um 14:26 Uhr

    Ich sehe das ähnlich und bin auch ganz mit Dr. Montgomery, den ich sonst als Lobbyisten alles andere als schätze. Entweder richtige Masken oder gar keine. Das Schutzniveau ist einfach jämmerlich mit dem ganzen selbstgenähten und -gebastelten Zeug. Und die Einhaltung der Distanz leidet auch nach meiner Beobachtung massiv unter diesem eingebildeten Maskenschutz. Ganz hervorragend ist auch, dass sich mittlerweile in immer mehr Einkaufswagen abgelegte Handschuhe und/oder Masken befinden. Eklig hoch 10, wenn man mich fragt.

  4. #4 | Angelika sagt am 24. April 2020 um 14:42 Uhr

    "…Besonders schlimme Folgen daraus erwarte ich für die Sozialisation ganz kleiner Kinder."#1

    Diese Kinder werden perfekt Stimmungen durch Beobachtung des Augen/Stirnbereichs deuten können. Testen Sie mal Ihre Mimik vor dem Spiegel, wenn Sie Mundschutz tragen. Versuchen Sie freundlich, amüsiert, ausgelassen, erstaunt, erschreckt, erbost, wütend, traurig usw. zu schauen.

    Im häuslichen Bereich sehen die Kinder ja weiterhin auch den Mundbereich, in Filmen auch.

    Für Asiaten sind Videos für den Sprachunterricht weniger hilfreich als für Europäer, Nordamerikaner usw.. Sie schauen dem Sprechenden nicht (oder nicht so häufig) auf den Mund. Sie achten mehr auf den Klang. In Asien werden bei emoticons Lächeln, Lachen durch Betonung des Augenbereichs ausgedrückt.

  5. #5 | Susanne Scheidle sagt am 24. April 2020 um 17:29 Uhr

    Dass es inzwischen beim Einkaufen ruppiger zugeht, habe ich auch beobachtet, glaube aber nicht, dass es mit Masken zu tun hat, bei uns im Supermarkt sind die Maskenträger nämlich bisher eine krasse Minderheit. Außerdem ist ja bis zum Erbrechen kommuniziert worden, dass diese Masken nicht den Träger schützen sondern die anderen, keine Diskussion ohne diesen Hinweis, sowohl von Gegnern als auch Befürwortern.
    Ich glaube es hat mit zwei Dingen zu tun:
    1. Sind die Leute ganz einfach zunehmend genervt vom Lock-down während gleichzeitig eine gewisse Gewöhnung an die Gefahr eintritt, was ja auch bei anderen Phänomenen zu beobachten ist.
    2. Wird ihnen seit 2 Wochen der Mund wässrig gemacht mit der Aussicht auf "Lockerungen" und jetzt ist es ihnen nicht genug bzw. es sind gefühlt die falschen Maßnahmen gelockert worden (so in der Art: wieso darf ich in den Möbelladen aber nicht in den Zoo, Möbel habe ich doch schon…), jedenfalls sind sie enttäuscht nachdem die Spekulationen ins Kraut schossen.

  6. #6 | Lutz sagt am 24. April 2020 um 17:30 Uhr

    @Angelika
    Interessante Aspekte, da muss ich mal mehr drauf achten.

  7. #7 | Jupp Schmitz sagt am 24. April 2020 um 19:57 Uhr

    Versteh ich alles nicht so ganz.
    Dass Kinder vorgeschoben werden, ist ja nichts ungewöhnliches und unglaublich fandenscheinig.
    Natürlich ist es für Europäer ungewohnt, aber müssen deshalb Ostasiaten grundsätzlich falsch liegen?
    Taiwan und Südkorea sind doch auch Demokratien!

  8. #8 | Susanne Scheidle sagt am 25. April 2020 um 15:27 Uhr

    @ Jupp Schmitz

    Ich verstehe viele Einwände auch nicht so ganz, das mit der "trügerischen Sicherheit" ist natürlich ein Argument, klar, aber man wundert sich doch, wie viele Leute behaupten, sie könnten mit dem Ding nicht atmen, fühlten sich über Gebühr eingeengt usw. Das erinnert mich zuweilen ein die Einführung der Gurtpflicht beim Autofahren vor 40 Jahren, als auf einmal überraschend viele Leute "Brustbeklemmungen" fühlten, wenn sie den Gurt anlegten oder mangelnde Bewegungsfreiheit. Auch damals wurde übrigens gemahnt, dass die Leute rücksichtsloser fahren würden, wenn der Gurt dafür sorgt, dass sie bei einem Crash nicht mehr durch die Windschutzscheibe fliegen…

    Einzig Gehörlose, die nun nicht mehr von den Lippen ablesen können, was ihr Gegenüber sagt, bekommen durch die Pflicht zum Tragen von Masken Probleme, aber ich denke, da wird sich eine Lösung finden.

  9. #9 | Wolfram Obermanns sagt am 25. April 2020 um 15:53 Uhr

    "Ihr Nutzen ist umstritten."
    Exakt. Das läuft ähnlich wie beim Fahrradhelm, bei dem neben dem faktischen Nutzen und dessen Leugnung auch noch Unsinn zu seinen wundersamen Rettungseigenschaften verbreitet werden. Schade, daß so wenige gleichzeitig Prüfnorm, Unfallberichte und Unfallstatistiken kennen.

    Die Maske zu der wir in Zukunft verpflichtet sind, ist nicht mehr aber auch nicht weniger als ein Spuckschutz.
    Da Corona den sattsam bekannten Regeln der Epidemiologie zu folgen scheint und Dauer und Intensität am Anfang der Infektion entscheidende Größen sind, braucht es über die Sinnhaftigkeit der Maske keine Diskussion geben.
    Die Sinnhaftigkeit einer Pflicht zur Maske ist noch mal was anderes.
    Der Stofflappen, um den es geht, reduziert signifikant die Intensität des fliegenden Rotzes und hilft auch den Streukreis der Aerosole zu mindern. Das bedeutet, die Chance des Virus in geeigneter Weise einen neuen Wirt zu besiedeln sinkt.
    Wer sich die Quoten für Japan anschaut sieht in etwa, was allein die Maske bringt, wenn es ansonsten keinen verordneten Stillstand gibt.

  10. #10 | Helmut Junge sagt am 26. April 2020 um 10:05 Uhr

    @9, sehe ich auch so. ein Virus von 40 Nanometer Größe kann selber zwar nicht aufgehalten werden, wohl aber der Tropfen, in dem er transportiert wird. Der ist naturgemäß größer als das Virus. Aber nach einer gewissen Zahl feuchter Atemzüge, vielleicht 1000, ist der Schutz selber feucht und hilft nicht mehr.
    Das wäre dann nach allerspätestens etwa einer Stunde Nutzungsdauer.

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