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Karheinz Deschner: „Die Kirche sollte verschwinden!“

Anlässlich des kirchlichen Missbrauchsskandals führte die Deutsche-Presse-Agentur (dpa) ein Gespräch mit Karlheinz Deschner. Offensichtlich waren dessen Antworten jedoch zu pointiert, weshalb dpa plötzlich von der zugesagten Verbreitung des Interviews abrückte. Der Humanistische Pressedienst (hpd) dokumentierte das Gespräch und stellte es den Ruhrbaronen zur Verfügung.

Herr Deschner, Sie schreiben seit Jahrzehnten eine mehrbändige „Kriminalgeschichte des Christentums“. Hat es Razzien wie im Kloster Ettal in der Kirchengeschichte schon mal gegeben?

Etwas wirklich Vergleichbares kaum, zumindest schweigt meine „Kriminalgeschichte des Christentums“ hierzu ebenso wie meine Sexualgeschichte „Das Kreuz mit der Kirche“. Dazu muss man allerdings bedenken, dass die katholische Kirche – aus bösem Grund – über Jahrhunderte eine eigene Gerichtsbarkeit hatte, mit der man verhinderte, dass derart Belastendes vor den Gläubigen ausgebreitet wurde. Die Heuchelei gehört bis heute zu den widerlichsten, doch wesentlichen Charakterzügen des Christentums. Gemäß der alten Devise „si non caste caute“, wenn schon nicht keusch, dann wenigstens vorsichtig, unterschieden viele Päpste zwischen einer heimlichen und einer bekannt gewordenen Sünde, bei der sie die Strafe verdoppelten, ja verdreifachten. Gegen das Sündigen im Allgemeinen hat man selbstverständlich nichts, im Gegenteil, es ist den Herren sehr willkommen; davon leben sie.

Haben Sie die immer mehr bekannt werdenden sexuellen Missbrauchsfälle an katholischen Einrichtungen überrascht?

Nein, keinen Augenblick, wie gewiss keinen Kenner der kirchlichen Sexualgeschichte. Und längst laufe ich weg oder höre weg, wird das Problem, etwa in den Nachrichten, thematisiert. Überrascht hätte mich dagegen, aufs Äußerste überrascht, der Rücktritt auch bloß einiger Herren in höheren Rängen, wo man immer tut, als seien sexuelle Verfehlungen nur eine Sache des gemeinen Fußvolks!


Ist sexueller Missbrauch ein neues Phänomen in der Kirchengeschichte?

Sexuelle „Fehltritte“ aller Art sind so alt wie die Kirchengeschichte und sie florierten, je christlicher die Welt wurde, desto mehr. Die Klöster waren oft die reinsten Bordelle, doch mussten die armen Nonnen, aus Sittlichkeitsgründen nicht selten sogar der Beichtväter beraubt, auch mit Kindern vorlieb nehmen, mit Vierbeinern. Wie denn nur beispielhalber die Ritter des Deutschen Ordens, verpflichtet, ein Leben „allein im Dienste ihrer himmlischen Dame Maria“ zu führen, alles vögelten, was eine Vagina hatte, Ehefrauen, Jungfrauen, kleine Mädchen und, wie wir nicht ohne Grund vermuten dürfen, weibliche Tiere. Wie es ja auch im Vatikan, lange, sehr lange, recht locker zuging, etwa – einer für viele – Papst Sixtus IV, Erbauer der Sixtinischen Kapelle und eines Bordells, noch seine Schwester und Kinder besprang, sein Neffe, Kardinal Pietro Riario, sich buchstäblich zu Tode koitierte und auch noch, Ehre wem Ehre gebührt, eines der schönsten Grabdenkmäler der Welt bekam.


Sehen Sie hier allein das Versagen einzelner Menschen oder gibt es kirchliche Strukturen, die sexuellen Missbrauch, also Straftaten begünstigen?

Die Hauptursache all der Missstände, um die es hier geht, liegt in der kirchlichen Moral selbst. Sie ist weitgehend widernatürlich, sie hemmt die Sexualenergie, setzt sie in Destruktivität um, und sie führt in letzter terribelster Konsequenz vom Lustmord zur Mordlust. Auch andere religiöse wie weltliche Diktaturen wussten und wissen davon zu profitieren. Die christliche Sexualrepression führt aber nicht nur zur Steigerung des Kampfgeistes im Krieg, sie führt auch zu einem permanenten Krieg gegen sich selbst. Viele Hunderte erschütternder Briefe von Opfern klerikaler Sexualrepression haben mich erreicht, Opfern oft von kaum vorstellbarer Not. Bei andern aber sucht sich der unaufhaltbar gestaute Trieb ein Ventil für den Überdruck …


Was sollte die Kirche aus Ihrer Sicht als Kirchenhistoriker tun, um sexuellen Missbrauch in Zukunft den Boden zu entziehen?

Nicht nur, um dem sexuellen Missbrauch den Boden zu entziehen, denn der geistige ist oft noch viel schlimmer – sie sollte verschwinden…


Informationen zu Autor und Werk: www.deschner.info

Foto: Evelin Frerk

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27 Kommentare zu “Karheinz Deschner: „Die Kirche sollte verschwinden!“

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  • #2
    Eva

    Liebe Ruhrbarone, dpa hat diesen Text vollkommen zu Recht nicht verbreitet, denn darin finden sich einige unhaltbare Behauptungen. Die These von Herrn Deschner, eine repressive Sexualmoral führe zu sexueller Gewalt, ist falsch. Risikofaktoren dafür, zum Täter zu werden, sind u.a. eigene Erfahrungen als Opfer, eine mangelnde Fähigkeit zur Empathie und männliches Geschlecht, Belege für einen positiven Zusammenhang zwischen repressiver Sexualmoral und Gewaltneigung gibt es jedoch nicht. Auch Herrn Dreschers pubertäre Fantasien zu den angeblichen sexuellen Aktivitäten von Nonnen und Priestern sind nicht belegt. Bitte gebt nicht Leuten ein Forum, die woanders zu Recht rausgeflogen sind.

  • #3
    Helmut Junge

    @Eva, wie heißt es so schön:
    „Zensur findet nicht statt.“ – Grundgesetz Artikel 5, Abs. 1
    Deschner hat übrigens in seinen Büchern immer sehr umfassend recherchiert.
    Darum hat er sich ja auch gegen seine Kritiker, die es immer viele gab, durchsetzen können. Damals, in den sechzigern und den siebzigern wollten ihn viele Gegner aus dem Verkehr ziehen. Ob seine Vorstellungen über christliche Sexualrepression so stimmt, wie er sie sieht, weiß ich nicht. Aber, daß Sie sie in einem Nebensatz schroff als „falsch“ einstufen, wundert mich angesichts der seit einiger Zeit laufenden, heftigen öffentlichen Diskussion schon. Für mich sieht es stark danach aus, daß Deschner da richtig liegt. Die Zahl der Fälle ist nämlich riesig. Ob die von Ihnen angegebenen Ursachen sich auch auf die Auswertung von so vielen Fällen begründen lassen, glaube ich dagegen nicht, denn der dritte, von Ihnen angegebene Grund, nämlich, daß Täter männlichen Geschlechts sein müssen, ist falsch. Das können Sie sich googlen.

  • #4
    Jimmy

    Und jetzt stellen wir uns mal eine ähnliche Argumentation im Bezug auf Reformpädagogik vor. Oder auf Kinder- und Jugendarbeit. Ach, warum so speziell, Herr Deschner pauschalisiert ja anscheinend gerne: auf das Schul(un)wesen allgemein, das ja von jeher mit Gewalt, sexuellem Mißbrauch (schauen wir uns nur die altgriechische Knabenliebe an) und Unterdrückung zu tun hat.

    Ich bin kein Katholik, ich halte Zölibat und die gesamte katholische Sexualmoral für falsch. Ich sehe große Probleme in der Doppelmoral der Kirchen und ihrer Würdenträger. Aber solch ein Text führt nur zu einem: Zu dem Gefühl jedes Gläubigen – egal welcher Kirche oder Religion er angehört – hart und unfair angegriffen zu werden. Und entsprechen zu einem engeren Zusammenrücken und dem Gefühl, die Kirche auch dort in Schutz zu nehmen, wo sie diesen Schutz nicht unbedingt verdient.

    Hier kotzt sich ein Extremist des Atheismus aus, hier polemisiert jemand, der gar keine reale Lösung will, weil es für ihn nur eine Lösung geben kann: Die vollständige Vernichtung des Gegners.

    Ich finde es gut, dass Ihr den Text hier bringt. So kann ich mir eine Meinung über den mir bislang völlig unbekannten Herrn Deschner bilden. Und ich fühle mich nun stärker verpflichtet, die katholische Kirche vor solchen überzogenen und durch und durch destruktiven Angriffen in Schutz zu nehmen.

  • #5
    jk

    wo er recht hat, hat er recht. Weg mit der Kirche, nach 2010 Jahre unheil, sollte alles irgendwann mal zu ende Gehen. Diese verlogenen Kirchen Vögel, die auch noch denken, sie wären die Rechte Hand Gottes….

    Wir wissen doch alle das die Kath. Kirche schon immer so war. Das ist nichts neues, nur jetzt spricht man es auch mal an. Ich finde es gut, das hier alles frei und unzensiert gezeigt wird.

    Gibt es eine bessere Lösung bezüglich der Problem?? Ich denke nicht. Die Kirche soll, endlich mal , nach über 2000 Jahren zu dem stehen was sie ist!

  • #6
    Jimmy

    Ich habe nochmal nachgedacht und bin zu dem Schluß gekommen, dass es sich bei diesem Interview um eine Parodie auf die Unterstellungen, die Islam und Moslems auf PI-news ertragen müssen, handeln muss. Die Argumentationslinien gleichen sich…

  • #7
    Arnold Voss

    Jimmy, was ist für dich ein Extremist des Atheismus? Ein Kirchenhasser? Oder nur ein absolut überzeugter Ungläubiger?

    Ist in Anbetracht dessen, was zur Zeit aus dem inneren der christlichen Kirchen ans Tageslicht kommt, ein gewisser Hass auf die Verantwortlichen nicht nachvollziehbar?

    Kindesmissbrauch ist nun wirklich eines der abscheulichsten Verbrechen, die die zivilisierte Menschheit kennt.

    Was ist für dich in Anbetracht des Ausmaßes dieses Verbrechens eine reale Lösung? Was ist nach deiner Ansicht , um es einmal biblisch zu formulieren, vor Gott und den Menschen die gerechte Strafe dafür? Nach dem alten Testament wäre es wohl die Sintflut, also die Vernichtung, oder?

    P.S. Es gibt übrigens bezüglich Vernichtungs- und grauenvoller Strafphantasien gegenüber Gegnern und/oder Sündern kaum schlimmere Bücher als die Bibel und den Koran.

  • #8
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  • #10
    Jimmy

    @Arnold Voss

    Ein extremistischer Atheist ist ein Kirchenhasser. Ein „Ungläubiger“, egal ob Agnostiker oder Atheist, hat für sich festgelegt, dass die Kirche und Religion Unsinn sind. Er versucht vielleicht, andere von seiner Position zu überzeugen. Aber er wird erst dann zu Extremisten, wenn er diesen blinden Eifer und diese schwarz-weiß-Zeichnung an den Tag legt, die sich aus dem Interview rauslesen lässt.

    Zum Thema Kindesmissbrauch ist ein abscheuliches Verbrechen – ja, keine Frage. Deshalb nutzt die NPD das Thema zum Beispiel für die Forderung „Todesstrafe für Kinderschänder“. Weil man da grundsätzlich das „gesunde Volksempfinden“ hinter sich hat.

    Allerdings ist es glaube ich in der aktuellen aufgeregten Debatte nötig, ein wenig zu differenzieren. Schläge sind kein sexueller Mißbrauch, sondern Gewalttaten (die durchaus lange Zeit üblich waren – nicht schön, ist aber so!).
    Ein Verhältnis zwischen einer 16jährigen Schülerin und einem Lehrer hat zwar ziemlich sicher die Ausnutzung eines Vertrauens- und Abhängigkeitsverhältnisses als Hintergrund, ist aber dennoch anders zu bewerten, als die Vergewaltigung eines Kindes (Kind= Person im vorpübertären Alter). Grundsätzlich verbieten sich zwar Vergleiche, aber trotzdem mal die Frage: Was ist ein schlimmerer Vertrauensbruch? Ein Pfarrer, der ein Kind mißbraucht, oder ein Vater, der sein Kind mißbraucht? Ist es ein Unterschied, ob ein 16jähriger oder ein 50jähriger ein Kind mißbraucht?

    Mißbrauch findet in erster Linie in der Familie statt. Internate, Kirchen, Jugendgruppen und Sportvereine kommen erst weit danach. Allerdings wird Mißbrauch dort viel stärker medial angeprangert. Weil es Gesichter gibt, einen klaren und eindeutigen Gegner. Und im Falle der katholischen Kirche sogar einen einfachen Gegner. Die sind doch sowieso von gestern. Und das mit dem Zölibat war doch immer schon seltsam. Außerdem, da rennen erwachsene Männer in Kleidern rum. Ist doch klar, dass die alle pervers sind. Und so weiter….

    Sicher, die katholische Kirche hat Schuld auf sich geladen. Durch Nichthören, Nichtsehen und Nichthandeln. Ebenso wie die Odenwaldschule. Und all die Eltern und Verwandten, die die Augen schließen, wenn ein Kind jahrelang mißhandelt wird. Einen guten Weg aus dieser Schuld fände ich, wenn – was ich irgendwo als Vorschlag las – Kindesmißbrauch automatisch zur Exkommunikation führen würde. Allerdings bin ich mir auch da nicht sicher, ob das mit dem christlichen Gebot der Feindesliebe und der Vergebung der Sünden vereinbar wäre.

    Übrigens sind die Vernichtungs- und Strafphantasien eine Spezialität des Alten Testaments. (Beim Koran weiß ich es nicht so genau, deshalb werde ich mich da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.)

    Und rein weltlich denke ich, dass in vielen Fällen eine langwierige Therapie und strenge Auflagen auch nach der Haft sinnvoller sind, als die Forderung nach Todesstrafe, (echtem) Lebenslänglich und „Schwanz ab“.

    So, das war für heute erst mal lang genug. Ich hoffe, es kam halbwegs rüber, was ich sagen wollte. Vermutlich habe ich genügend Ansatzpunkte zum „draufhauen“ übrig gelassen. Und bin da auch gerne bereit, weiter zu diskutieren. Morgen… 😉

  • #11
    Malte

    Ja Sie haben recht Herr Deschner, schaffen wir diesen großen Haufen Scheiße der sich Kirche nennt ab, wir brauchen diesen Dreck nicht. Jahrhunderte lang wurde „nur“ schlechtes getan.

    Als Sohn eines Katholiken haben Sie bestimmt am eigenen Leib miterleben müssen, wie schrecklich es ist, ohne all die Sünden im Leben auskommen zu müssen, die diese Welt uns doch so schamlos vorlebt!

    Sex, Gewalt, Drogen, Homosexualität, Bigamie, Sodomie usw. das kann schon verlockend sein! Wir brauchen auch keine Werte, wofür? Auch brauchen wir keine christlichen Hilfsorganisationen, sollen die Leute sich beim nächsten Beben doch selbst aus den Dreck ziehen! Wer braucht schon eine Caritas, Misereor, Hospizdienste usw. oder christliche Seelsorge?

    Der Vorteil ist auch, wenn wir das Abschaffen werden Christen in Arabischen/Afrikanischen Staaten nicht mehr abgeschlachtet, das ist doch toll!

    Die Erziehung unserer Kinder übernimmt dann das Internet, MTV und Viva! Buschido ist mir da auch lieber als der kinderf*******Pfaffe von nebenan, Ihnen doch sicher auch!?

    Gruß
    Malte!

    „Selig seid ihr, wenn ihr gehasst und verfolgt werdet, und
    sie werden keinen Ort finden dort, wo man euch verfolgt hat“[thomas 68]

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  • #13
    Frank

    @Jimmy: Sie haben der Versuchung nachgegeben, die Taten des kath. Klerus dadurch zu relativieren, dass andere auch schlimm sind. So argumentiert der ertappte Klerus ja selbst auch.
    @Malte lenkt die Kritik von Deschner sogar auf die, die nun wirklich nichts getan haben und nimmt sie ungefragt als Geiseln.

    Ich frage mich, ob ein Sünder mit dieser Linie im Beichtstuhl auch durch käme.

    Warum bekennen sich die Schuldigen und Mitverantwortlichen nicht einfach und bitten ihre Opfer um Vergebung? Warum handelt der Klerus so unchristlich?? Warum halten die, die uns sonst Reue und Buße predigen es nicht aus, dass nun sie selbst es sind, denen dies gepredigt wird?

  • #14
    Arnold Voß

    @ Jimmy

    Nein, sie geben keinen Grund draufzuhauen, denn sie sehen die Dinge angemessen differenziert. Ich bin natürlich nicht für die biblischen Strafen, wobei auch der Jesus des neuen Testamentes allen Grund zum Zorn hätte, denn einer seiner wichtigsten Sätze der da lautet „Lasset die Kinder zu mir kommen“, ist von den Vetretern seiner eigenen Kirche in einer Weise pervertiert worden, dass selbst dem liebenden und verzeihenden Gott das „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ des alten Testamentes gefallen könnte.

    Die weltlichen Strafen sind natürlich die angemessenen. Dazu allerdings darf die Kirche nicht länger mehr außerhalb der weltlichen Gesetze stehen. Es ist ein Witz, dass diese Selbstverständlichkeit nun von unseren Kirchenvätern als „gnädiges“ Angebot an die Zivilgesellschaft gemacht wird, sich im Falle des Kindesmisbrauchs (auch) deren Straf- und Gerichtsverfahren zu stellen.

  • #15
    Philip

    Interessant, wie von den Deschner-Kritikern immer wieder Kirchen und Christentum verwechselt wird und wie manche immer noch so naiv sind zu glauben, dass die Wohlfahrtskonzerne wie die Caritas das Ganze aus reiner Nächstenliebe veranstalten.
    Sicher steckt einiges an Polemik in Deschners Aussagen, aber unterm Strich legt er seit Jahren die Finger in die Wunde und verdient damit mehr Respekt als die nicht-katholischen Relativierer hier und auch als die Gläubigen in christliche Werte, die sonst nur durch Bushido ersetzt würden, wenn wir die organisierte Religion nicht vor dem wohlverdienten Ruhestand bewahren.

  • #16
    Eva

    @ Helmut Junge: Die These, dass eine rigide Sexualmoral sexuelle Gewalt verursache, ist Quatsch, dabei bleibe ich. Ansonsten müssten ja auch muslimische Mädchen, denen jegliche sexuelle Aktivitäten strengstens verboten sind, was durch die Familien genauestens kontrolliert wird, besonders häufig Kinderschänderinnen sein. Sind sie aber nicht.
    Es gibt eine ganze Reihe von Forschern, die sich seriös um die Aufklärung der Ursachen von sexueller Gewalt bemühen und dabei zu gut belegten Antworten kommen, die anders als bei Herrn Deschner ausfallen. Anstelle dieser Forscher kommt bei den Ruhrbaronen aber ein Wirrkopf wie Herr Deschner zu Wort. Das habe ich kritisiert.

  • #17
    Arnold Voß

    Eva, das eine rigide Sexualmoral quasiautomatisch sexuelle Gewalt hervorruft, ist natürlich Quatsch. Das sie allerdings folgenlos für das Verhalten zwischen den Geschlechtern und für die sonstige soziale Umgangsweise ist, wollten sie damit doch nicht sagen, oder? Das Gegenteil ist nämlich der Fall.

    Deschner ist übrigens, was die Geschichte der (katholischen) Kirche betrifft, kein Wirrkopf sondern eine anerkannte Kapazität. Sonst hätte ihn DPA auch garnicht befragt. Was seine Schlußfolgerungen daraus und aus den aktuellen Vorkommnissen betrifft, kann man natürlich geteilter Meinung sein.

    Wenn allerdings ihr eigenes Kind betroffen wäre, würde ihre Meinung vielleicht auch etwas radikaler ausfallen, oder nicht?

  • #18
    Malte

    @Frank: Entschuldige bitte meinen überspitzten Kommentar, jedoch ist Deschner hier derjenige, der alle in einen Topf wirft. Zitat:“sie sollte verschwinden“

    @Arnold Voß:“Deschner ist übrigens, was die Geschichte der (katholischen) Kirche betrifft, kein Wirrkopf sondern eine anerkannte Kapazität“

    Deschner sagt „Religionen sind Fertighäuser für arme Seelen“. Es geht ihm also nicht nur um die kath. Kirche, sondern um alle Religionen. Mit solch einer Aussage diskriminiert er nicht nur mich! Er disqualifiziert sich also selbst als ernst zu nehmender Gesprächspartner!

  • #19
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  • #21
  • #22
    Helmut Junge

    #16 | Eva,
    Wir diskutieren über körperliche Gewalt. Diese Form der Gewalt setzt körperliche Überlegenheit des Aggressors voraus. Ihr Beispiel laß ich deshalb für meine eigene Meinungsbildung nicht gelten. Aggressionen müssen sich übrigens nicht unbedingt nach außen richten, sie können sich auch autoaggressiv äußern.
    Die Unterdrückung der Sexualität kann m.E. Aggressionen hervorrufen, muß es aber nicht, weil der menschliche Geist Substitute erzeugen kann. Sendungsbewußtsein, oder eine Aufgabe, aufgezwungen, oder selbst gestellt, kann die gesamte Persönlichkeit so dominieren, daß für die Sexualität kein Raum mehr ist. Aber es gibt eben auch die Fälle, die vor Gericht landen.
    Das Gericht, die Angst vor Strafe ist nämlich ein begrenzender Aspekt für Aggressionen aller Art. Denken Sie mal zurück, als weltliche Gerichte noch keine Bedeutung hatten.

  • #23
    Malte

    @CC: Ich zitiere mal aus meinen Blog: Im Grundgesetz Artikel 1 heißt es: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Dieses staatliche Bekenntnis hat seinen Ursprung im christlichen Menschenbild. Und die klassischen demokratischen Werte der französischen Revolution „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ haben biblisch-christliche Wurzeln. Allerdings sind es auch universelle Werte.

    @Helmut Junge: „Die Unterdrückung der Sexualität kann m.E. Aggressionen hervorrufen, muß es aber nicht…“

    Das sehe ich genauso, es gibt auch andere Religionen in den Enthaltsamkeit/Askese betrieben wird!

  • #24
    Eva

    Jetzt geht hier einiges durcheinander, glaube ich. Wenn ich die Thesen von Herrn Deschner zurückweise, bedeutet das nicht, dass ich eine rigide Sexualmoral gut heiße. Natürlich kann die Unterdrückung von Sexualität schlimme Folgen haben, sie ist jedoch kein Hauptverursacher von sexueller Gewalt. Da greifen eher die anderen Faktoren, die ich bereits in meinem ersten Beitrag genannt habe.
    Für die Anhäufung von Fällen in der katholischen Kirche halte ich andere Ursachen für wahrscheinlicher. Die Täter konnten sich in dieser Organisation ziemlich sicher fühlen, weil dort bis vor kurzem eine Verschleierungstaktik betrieben wurde. Negative Konsequenzen hatten sie kaum zu befürchten. Außerdem hatte sie einen guten Zugang zu Kindern. Ich denke daher, dass die Kirche die Täter nicht erschaffen, sondern eher angelockt hat.
    Wenn sich die „Rahmenbedingungen“ aufgrund des erhöhten öffentlichen Interesses dort nun für sie verschlechtern werden, dann suchen sie sich einfach andere „Betätigungsfelder“. Statt des katholischen Kindergartens ist es dann eben der städtische. So einfach funktioniert die zynische, menschenverachtende Täterlogik.
    Daher ist es im Sinne der Prävention eminent wichtig, die Ursachen von sexueller Gewalt richtig zu erkennen und zielgerichtet zu bekämpfen. Bei der Kritik an der katholischen Kirche ist aus dem Fokus geraten, dass die meisten Fälle sich immer noch im Nahbereich der Kinder (der Familie) abspielen. Und wir sind uns doch sicher einig, dass alle Kinder vor sexuellem Missbrauch geschützt werden sollten, ganz egal, wo die Taten stattfinden.

  • #25
    Angelika

    @Eva
    Sie schreiben u.a. „…Bei der Kritik an der katholischen Kirche ist aus dem Fokus geraten, dass die meisten Fälle sich immer noch im Nahbereich der Kinder (der Familie) abspielen…“

    Ich finde gar nicht, dass diese Tatsache „…aus dem Fokus geraten…“ ist. Das konnte auch gar nicht passieren, denn kirchl. Kreise weisen unentwegt (in Artikeln, Interviews usw.) darauf hin. Ja, kirchl. Kreise weisen so oft auf diese Tatsache (die meisten Missbrauchfälle in Familien) hin, dass es schon fast peinlich ist. Von eig. Schuld sollte man nie ablenken (od. nicht den Anschein erwecken, als wolle man ablenken).

    Die Tatsachen (häufigster Missbrauch in Familien – Missbrauch aber auch in Institutionen > Schulen, Sportvereine, weltliche u. kirchl. Internate usw.) sind doch bekannt. Dass der Missbrauch in der Kirche eine bes. Qualität hat, darauf hat Pater Mertes (SJ, Berlin) hihngewiesen (siehe Interview, ZEIT).

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