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Kernkraft-Gipfel in Brüssel: Die deutschen Hochstapler sind aufgeflogen

Das Kernkraftwerk Olkiluoto in Finnland Foto: Hannu Huovila / TVO Lizenz: CC BY 3.0


In Brüssel trafen sich gestern Staat-, Regierungschefs und Minister aus 37 Nationen, um über die Zukunft der Kernenergie zu beraten. Mit dabei war auch die Hälfte der 27 EU-Mitgliedsländer. Am Ende der multilateralen Gespräche zwischen Regierungen, der EU Kommission sowie Vertretern der Industrie stand ein Bekenntnis: Bis 2050 wollen die beteiligten Nationen die installierte Leistung an Kernkraftwerken wenigstens verdreifachen. Einer der erklärten Hauptbeweggründe ist dabei der Klimaschutz.

Deutschland, das 2023 aus der Kernenergie ausgestiegen ist, war an den Verhandlungen nicht beteiligt und ließ mitteilen, man sei gegen eine EU-Förderung von Kernenergie. Der deutschen Stellungnahme wird, das wurde auch anhand des Statements der einzigen deutschen Teilnehmerin, Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, deutlich, misst man auf internationalem Parkett keine große Bedeutung mehr bei.

„Die Atomkraft wird in Europa unterschiedlich gesehen“, erklärt Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Aber dort, wo man offen dafür sei, könne sie eine wichtige Rolle auf dem Weg zur sauberen Energie spielen.“, Ursula von der Leyen.

Konkret positionieren sich Österreich, Dänemark und Deutschland derzeit gegen Kernkraft. Andere Industrienationen der EU sowie zahlreiche Staaten Osteuropas sowie des Balkans hingegen sehen in der Kernenergie den zentralen Schlüssel, um die Klimaziele zu erreichen und zeitgleich bezahlbare, zuverlässige Energie zur Verfügung zu stellen. Die Wissenschaft gibt ihnen Recht, nahezu alle relevanten IPCC Szenarien sehen einen massiven Ausbau der Kernenergie als Stütze der CO2-Reduktion vor. Die Kosten für moderne Kernkraftwerke liegen über den gesamten Betriebszeitraum nicht über denen anderer Energieerzeuger und erfordern weiterhin keine massiven Netzausbauten. Zu diesem Ergebnis kam jüngst auch die jährliche LAZARD Studie, die bisher für eine ausgesprochen finanzkritische Position gegenüber der Kernenergie bekannt war. Die Ergebnisse decken sich größtenteils mit denen der 2020 erschienenen NEA Studie. Die prognostizierten Kosten für den Netzausbau sind in Deutschland so hoch, dass Wirtschaftsminister Habeck jüngst zugab, wir „Wir bauen das klimaneutrale Stromnetz ja für unsere Kinder und Enkelkinder“. Aus dem Eckpunktepapier der Bundesnetzagentur folgt, dass die Kosten hierfür bei wenigstens 1 Billionen Euro liegen.

Daniel Wetzel titelte in der Welt „Jetzt ist das deutsche Märchen von der unbezahlbaren Atomkraft entlarvt„. Keine Industrienation auf der ganzen Welt, das ist spätestens seit Gestern klar, wird dem selbsternannten Vorreiter der Energiewende Deutschland folgen. Die medial sehr lauten deutschen Hochstapler, die nicht müde werden zu behaupten, die Kernkraft sei weltweit auf dem absteigenden Ast, sind aufgeflogen. Macron, der Vizepremier Chinas, der Außenminister Japans, der Großteil der europäischen Regierungschefs. es dürfte historisch sein, dass auf einem so hochkarätig besetzten Gipfeltreffen keine deutschen Vertreter anwesend waren. Der deutsche Weg in die Selbstverzwergung kommt auch in der Diplomatie an.

Und die Nachricht aus Brüssel ist deutlich: Der Rest der Welt braucht Energie, aber Deutschland brauchen sie nicht.

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Wolfram Obermanns
Wolfram Obermanns
24 Tage zuvor

„Hochstapler“
Schön wär’s, Hochstapler wissen was sie tun.
Aber was Kernkraft, Gentechnik, IT, Hygiene, Gender, Sexus, Sprache, Identität, Rassismus, Islamophobie, Antisemitismus… betrifft, haben wir es eher mit Geisterfahrern zu tun, die aus der Erkenntnis, dass jenseits der Grenze in Gegenrichtung gefahren wird, ihre Erwähltheit, der Welt Vorbild zu sein, ableiten.
In USA gibt es rechte „Flat-Earther“ und QAnon-Jünger, die häufig zuviel trinken, in Deutschland linke „Wokies“ und „Ökos“, die häufig zuviel rauchen.

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