
Wie kann man nur die friedliche Demonstration in der DDR mit den Protesten im Iran vergleichen? Bodo Ramelow ist sich zumindest dafür nicht zu schade. Bei Paul Ronzheimer im Podcast diskutierte er mit Paul Ronzheimer darüber und warf ihm Geschichtsvergessenheit vor.
Ich selbst war bei einer der Demonstrationen 1989 in Leipzig dabei. Ich war noch Teenager und hatte keine Todesangst, denn in der DDR wurde niemand auf offener Straße in den Kopf geschossen, weil er systemkritisch war. Bautzen war schlimm, aber dort wurde nicht im großen Stil gefoltert und vergewaltigt. Für die Iraner müssen sich seine herablassenden Aussagen wie blanker Hohn anfühlen. Dass Ramelow allen Ernstes mit der Kerze in der Hand den brutalen Mörderbanden gegenübertreten will und meint, dass statt kriegerischer Intervention das Beten für die Iraner hilft, hat mich doch ein wenig entsetzt.
Auch wenn die geopolitische Tragweite eines Regimewechsels im Iran sicher an die der friedlichen Revolution heranreichen könnte, sind das Risiko und die Machbarkeit in keinster Weise damit vergleichbar. Ohne militärische Intervention wäre es ein aussichtsloser Kampf. Das zeigen auch die zehntausenden Opfer des brutalen Mörderregimes bei den Demonstrationen Anfang Januar.
Bei Rechts- und Linksaußen sind Ideologie und Populismus wichtiger als Fakten. Hauptsache gegen Zion und Hauptsache gegen die USA werden hier mal wieder pazifistische Narrative bemüht, die die brutale Unterdrückung und die menschenverachtende Herrschaft im Iran völlig außer Acht lassen. Trump hat der AfD die Hand gereicht, aber für die rechtsextreme Partei ist ihre Liebe zu Putin eben wichtiger. Und Die Linke ist mittlerweile derart antisemitisch geprägt, dass man im Namen des Antiimperialismus prinzipiell immer gegen Israel und gegen die USA sein muss. Bodo Ramelow mag in seiner Partei eine letzte Bastion gegen Antisemitismus sein. Und ja, er muss sich auch in dieser Hinsicht von den Palituchträgern seiner Partei einiges gefallen lassen. Aber von dem Realpolitiker, der er als Ministerpräsident in meinem Bundesland war, ist nicht mehr viel übrig. Im Bundestag spielt man eben jetzt die Karte der linksautoritären Ideologie, auch wenn es mitunter peinlich wird.
Differenzierter sieht es im Übrigen Hasnain Kazim, der heute einen Tag später bei Paul Ronzheimer im Podcast war. Auch er meinte, bei den Kriegsgegnern rechts wie links spreche immer auch ein bisschen Putin mit. Hier kann man seine Ansichten zum Iran-Krieg hören, den er trotz aller Risiken für richtig hält.
