Kindheit im Ruhrgebiet: Eine gute Zeit

Kulturelle Aneignung war in meiner Kindheit in den 70er Jahren noch kein großes Thema und zum Glück lebten damals auch wenige Skandinavier, die älter als 800 Jahre waren, in Gladbeck, so dass ich mich ohne Hemmungen als Wikinger verkleiden konnte.

Das Foto, ich weiß es noch, als ob es gestern gewesen wäre, wurde an einem strahlenden Augusttag im Garten des Hauses von Tante Käthe aufgenommen, der besten Freundin meiner Großeltern. Dass die Büsche im Hintergrund trotz der Jahreszeit keine Blätter haben, liegt am allgegenwärtigen sauren Regen der aus den dunklen Staubwolken fiel, durch welche die Sonne niemals durchdrang. Doch wir einfachen Menschen im Ruhrgebiet waren trotzdem glücklich, aßen heiße Fleischwurst mit Senf bis uns übel wurde und bewarfen Autos mit fremden Kennzeichen mit Kohlebrocken. Es war eine gute Zeit.

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Helmut Junge
2 Jahre zuvor

Heiße Fleischwurst mit Senf? Gegessen? Hat erst der Grönemeyer auf einem Ausflug ins westliche Ruhrgebiet die Currywurst entdeckt und dann bei euch im Osten populär gemacht? Wir hier haben bei Peter Pomm am Wagen zu der Zeit Schlange gestanden.
Das ist nicht das erste mal, daß ich ein kulturelles West-Ostgefälle im Ruhrgebiet entdecke.
Heiße Fleischwurst mit Senf, Mannomann!

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