Kinobetreiber Flebbe knickt vor der judenfeindlichen Lobby ein

Hans-Joachim Flebbe Foto (Archiv): Bernd Schwabe Lizenz: CC BY-SA 3.0


Judenfeindlichkeit macht sich seit dem 7. Oktober 2023 immer breiter, besonders im Kulturbetrieb, ähnlich wie schon vor 100 Jahren. Der Kinobetreiber Hans-Joachim Flebbe hat die Zusammenarbeit mit den jüdischen Filmtagen in Frankfurt nach vielen Jahren beendet – aus fadenscheinigen Gründen und ganz offensichtlich unter Druck der Antisemita. Dazu dokumentieren wir einen offenen Brief  des Vorsitzenden der Werteiniitative – jüdisch-deutsche Positionen, Elio Adler, an Flebbe:

„Mit großem Unverständnis nehmen wir die Entscheidung Ihres Theaterleiters zur Kenntnis, die Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Frankfurt im Rahmen der Jüdischen Filmtage 2026 abzusagen.
Die wirtschaftliche Begründung erscheint uns hierbei als ein vorgeschobenes Argument, da unseres Wissens die Jüdische Gemeinde Frankfurt bereit gewesen wäre, einen Mindestumsatz zu garantieren. Ihr Theaterleiter begründet den Rückzug der Astor Film Lounge ferner mit der bestehenden Sicherheitslage und mit dem Hinweis, in Deutschland müsse es „noch erlaubt sein, sich als Kino neutral zu verhalten“.

Genau diese Begründung macht den Vorgang so gravierend. Hier geht es um die Distanzierung von jüdischem Leben unter dem Eindruck von Bedrohung und antisemitischem Druck. Wenn sich die Astor Film Lounge in einer solchen Lage auf „Neutralität“ beruft, steht sie nicht außerhalb des Problems, sondern wird Teil davon.

Die Entscheidung der Astor Film Lounge Frankfurt zeigt, wie Antisemitismus auch wirkt: nicht nur durch offene Gewalt, Bedrohungen und als dauerhaftes Gefahrenpotenzial gegenüber Juden, jüdischen Einrichtungen und Veranstaltungen, sondern auch durch die Anpassung derer, die diesem Druck nachgeben.

Wenn eine Kooperation mit einer jüdischen Gemeinde als zu heikel gilt, wenn Polizeischutz nicht als notwendige Schutzmaßnahme für jüdisches Leben verstanden wird, sondern als Störfaktor und Anlass, sich zurückzuziehen, dann ist das nichts anderes als eine Kapitulation vor genau den Kräften, die Juden aus dem öffentlichen Raum drängen wollen.

Sich auf „Neutralität“ zu berufen, ist in diesem Kontext eine Verharmlosung der bitteren und gefährlichen Realität. Zivilcourage würde etwas anderes bedeuten: an der Zusammenarbeit festzuhalten, sich sichtbar an die Seite jüdischer Partner zu stellen, klarzumachen, dass Drohungen und antisemitische Feindseligkeit nicht darüber entscheiden dürfen, wer in dieser Gesellschaft willkommen ist und wer nicht, wer mit wem kooperiert und mit wem nicht.

Antisemitismus ist keine legitime Meinung und darf es niemals werden. Antisemitismus ist immer auch ein Angriff auf die Demokratie. Denn wo Juden nicht mehr sicher sind, wo gesellschaftliche Gruppen als solche bedroht und aus dem öffentlichen Leben gedrängt werden, ist die Freiheit insgesamt gefährdet.

Wir fordern Sie deshalb auf, Ihre Haltung zu überdenken. Wir fordern Sie auf, öffentlich klarzustellen, dass es keine Neutralität gegenüber Antisemitismus geben kann. Wir fordern Sie auf, Verantwortung zu übernehmen und deutlich zu machen, dass jüdisches Leben, jüdische Veranstaltungen und jüdische Partner in Ihrem Haus nicht unter Vorbehalt stehen und nicht abgewiesen werden, wenn es unbequem wird.

Wir erwarten von kulturellen Einrichtungen in diesem Land, dass sie sich nicht ausgerechnet dann zurückziehen, wenn Haltung gefragt ist. Jüdisches Leben gehört in die Mitte dieser Gesellschaft. Sichtbar, selbstverständlich und ohne jede Einschränkung durch Angst und Bedrohung. Wer sich aufgrund von Druck von jüdischen Partnern und Freunden distanziert, belohnt Antisemitismus und lässt die Bedrohten im Stich.

Mit freundlichen Grüßen

Elio Adler, Vorstandsvorsitzender

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