Stefan Hanke: ‚KZ überlebt‘ – Erinnerungskultur in Buchform

Überlebt Cover (403x600)Bereits seit dem Vormonat ist im Buchhandel ein herausragendes Buch erhältlich, welches ich in dieser Woche eher zufällig für mich entdeckt habe, und welches mich dermaßen beeindruckt hat, dass ich es hier und heute unserer Leserschaft auch kurz einmal vorstellen möchte.  ‚KZ überlebt‘ von Stefan Hanke ist eine wahrlich ungewöhnliche Mischung aus Bildband, Fotoportrait, Kurzbiographie und Zitaten.

Der Fotograf konfrontiert den Buchbetrachter dabei ganz konkret mit 121 KZ-Überlebenden verschiedener Verfolgtengruppen. Hanke reduziert seine Protagonisten dabei jedoch keineswegs auf eine festgefahrene Opferrolle. Seine Portraits sind viel mehr, sie zeigen in erster Linie Stolz und Würde.

Der Leser kann hier außerdem anhand berührender Portraits und einer knappen Lebensgeschichte der Portraitierten einen echten Einblick in die Tragweite dieser menschlichen Katastrophe gewinnen. Sehr beeindruckend!

Wie schon der Buchtitel dabei sofort vermittelt, ist das Buch in erster Linie auch dem Leben gewidmet. ‚KZ überlebt‘ ist so letztendlich ein Bildband, der längst nicht nur geschichtsinteressierte Zeitgenossen ansprechen wird.

Beinahe elf Jahren reist der Fotograf für sein Projekt tausende von Kilometern, um die letzten Überlebenden der nationalsozialistischen Konzentrationslager persönlich zu treffen. Bei diesen intensiven Begegnungen entstanden die Aufnahmen, die uns Geschichte hier nun wunderbar reflektiert näherbringen.

Maria Gniatczyk
Foto: Stefan Hanke

Mit 17 Jahren trampte Hanke erstmals zur Gedenkstätte Dachau, suchte dort nach Antworten und hielt seine Eindrücke bereits damals mit der Kamera fest.

Im Jahre 2004 entstanden dann erste Porträts. Von 2010 bis 2014 reiste der Fotograf dann in sieben europäische Länder und fotografierte ganz gezielt 121 Überlebende. Sein Weg führte ihn dabei von Rom bis an die ukrainische Grenze. Ein großer Teil der Portraitierten ist jüdischer Herkunft, aber er porträtierte für dieses Buch auch Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, sowjetische Kriegsgefangene, politische Häftlinge sowie Häftlinge, die den schwarzen Winkel für ‚Asoziale‘ tragen mussten.

Jedem Porträt im Buch wird hier ein Zitat gegenübergestellt, dazu liefern die Biografie des Menschen und eine Bildlegende zur Entstehungsgeschichte zusätzliche Informationen.

Erste Porträts aus der Serie wurden übrigens im Jahre 2013 schon im Deutschen Bundestag gezeigt, 2014 waren Bilder der Serie dann im Kunstmuseum Solingen sowie im Bayerischen Landtag zu sehen. Ab dem 15. Juli 2016 ist eine Ausstellung im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg (bis zum Jahresende) zu sehen. Im Januar 2017 wird sie in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau in Polen gezeigt und eröffnet im März 2017 in Regensburg. Weitere Ausstellungen sind dann auch noch für Pilsen und Prag geplant.

Überlebt 4 (400x600)
Foto: Stefan Hanke

Mich hat das Buch insgesamt sehr beeindruckt. Man kann hier in so einer kurzen Vorstellung natürlich nur ganz im Ansatz schildern, wie berührend die vorliegenden Texte und die Bilder sind. Ich kann daher jedermann hier nur empfehlen sich einmal in Ruhe mit dem Buch auseinanderzusetzen. Es lohnt sich, das sei an dieser Stelle versichert!

Einige der sehr beeindruckenden Fotos von Stefan Hanke dürfen wir hier mit freundlicher Genehmigung des Verlages unseren Lesern aber schon einmal zeigen. Danke dafür! In gedruckter Form im großformatigen  Hardcover-Buch wirken sie aber natürlich auch noch einmal deutlich intensiver auf den Betrachter.

 

 

Gebundene Ausgabe: 264 Seiten

Verlag: Hatje Cantz

ISBN-13: 978-3775740203

Preis: 39,80 Euro

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