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Lieber ‚Erkenschwick gegen Schalke‘ als ‚Deutschland gegen San Marino‘!

Fotos aus Nürnberg: Daniel Jentsch

Früher war der Zeitraum Juni/Juli frei von Fußballpflichtspielen. Zumindest in den Jahren, in denen keine Welt- und Europameisterschaften stattfanden. Das hatte dann den Vorteil, dass sich nicht nur die Kicker, sondern auch die Fans mal ausgiebig ‚erholen‘ konnten.

Nun, diese Zeiten sind, wie wir ja aktuell einmal mehr erleben ‚dürfen‘, längst vorbei. Die Bundesliga endete Mitte Mai, es folgte traditionell noch das DFB-Pokalfinale. In der Woche drauf dann auch noch das Finale der UEFA Champions League. Und nun, rund vier Wochen nach beim Ende der Bundesliga, wird immer noch gekickt. Deutschland gegen San Marino lautete die Begegnung gestern in Nürnberg.

Mit 7:0 gewann der Gastgeber gegen den Fußballzwerg, welcher jenseits von Weltranglistenplatz 200 rangiert. Ein Pflichtsieg. Nicht mehr, nicht weniger. Große Begeisterung vermochte der Auftritt nicht zu entfachen. Nur rund 30.000 Zuschauer pilgerten dabei in das Nürnberger Stadion. Beim DFB gab man sich darüber nun besorgt.

Dass man bei den Organisatoren darüber enttäuscht ist, das zeigt aber auch einmal mehr, wie weit die Offiziellen des Verbandes sich inzwischen von der Basis der Fans entfernt haben.

Eintrittspreise zwischen 20 und 80 Euro für den Auftritt einer deutschen C-Auswahl gegen einen Fußballzwerg mitten im Sommerloch. Da lassen sich naturgemäß eben wirklich nur noch wenige für begeistern. Das ist bei dem in den letzten Monaten vorhandenen Überangebot an Fußball vor Ort und in den Medien doch nicht wirklich erstaunlich. Oder?

Und nun folgt sogar noch der bedeutungslose Confed-Cup in Russland. Die besten deutschen Kicker urlauben inzwischen jedoch längst irgendwo in der Sonne am Strand o.ä. Nur Spieler aus der zweiten und dritten Reihe, die keine Gründe für einen Verzicht vorbringen konnten oder mochten, trainieren noch unter unserem ‚Bundes-Jogi‘ Joachim Löw.

Die Konsequenz wird bei diesen Spielern dann wieder, wie auch zuletzt bei den Europa- und Weltmeisterschaften sein, dass sie durch einen verspäteten Trainingsstart nur schwer in die im August beginnende Bundesliga Saison finden werden.

Wirklich sinnvoll ist das Alles so nicht. Zumal dann, wenn auch die Fans dem Ganzen so nicht mehr wirklich mit vollem Engagement folgen wollen.

Weniger ist eben manchmal doch mehr, liebe Herren vom DFB!

Nicht nur beim Pausenauftritt von Helene Fischer kürzlich in Berlin, auch jetzt, wo in Deutschland traditionell Fußballpause ist. Da lockt ein Spiel gegen San Marino, wo es nur um die Höhe des Sieges geht, eben nicht mehr ins Stadion. Schon gar nicht zu den inzwischen stolzen Preisen.

Ich persönlich freue mich da zum Beispiel jetzt auch schon wieder mehr auf das Vorbereitungsspiel des FC Schalke 04 in und gegen Erkenschwick in rund vier Wochen. Das hat vermutlich dann auch deutlich mehr Charme als der Auftritt der DFB-Elf gestern in Nürnberg. Und deutlich günstiger ist der Eintritt dann dort auch.

In diesem Sinne, allen hier einen schönen (nicht mehr ganz so fußballlosen) Frühsommer!

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7 Kommentare zu “Lieber ‚Erkenschwick gegen Schalke‘ als ‚Deutschland gegen San Marino‘!

  • #1
    ke

    Nächste Wochen starten die Ruhr Games. Es gibt viele interessante Randsportarten. Die Vereine/Veranstalter freuen sich über jeden Zuschauer. Auf dem Dortmund Ems Kanal kann man die Ruderer kostenlos beim Training sehen … Es gibt Alternativen.

    Deutschland gegen San Marino ist uninteressant. Unverständlich ist nur, dass Spiele gegen die "Fußball Zwerge" immer häufiger stattfinden. Sie finden selbst in den Finalrunden statt, damit auch wirklich fast jeder teilnehmen kann und die Sender immer mehr bezahlen. Warum geben die Sender hierfür nur Gebühren aus? Aber 30000 Zuschauer sind für so einen Kick immer noch sehr viele Zuschauer. Die Einschaltquoten sind wahrscheinlich auch noch OK.

    Ich überlege im Moment, wann ich das letzte Spiel der Mannschaft gesehen hatte. Vermutlich war es zu Zeiten der EM. Hieß das Team da noch National-Mannschaft?

    Wenn solche Summen für diesen Kick gezahlt werden, zeigt dies auch, dass noch genügend Geld da ist oder dass in Nürnberg einfach nichts los ist.

  • #2
    Lukas N.

    @Robin
    Deinen Ärger darüber, dass die normalerweise fußballfreie Zeit auch noch mit unnötigen Turnieren und uninteressanten Spielen zugepflastert wird, kann ich verstehen. Mir geht es ein Stück weit ähnlich, aber ich bin auch in dem einen oder anderen Punkt etwas abweichender Meinung.

    Den DFB und seine wichtigsten Funktionäre sehe ich auch aus vielerlei Gründen kritisch, stelle aber fest, dass sich der DFB-Präsident in einigen zentralen Fragen mittlerweile klar und richtig positioniert. Inwieweit er das ernst meint und diese Positionen innerhalb der UEFA und Fifa weiter nachdrücklich verfolgt, bleibt abzuwarten.

    Grindel sagte erst vor Tagen in einem langen Interview mit der FAZ: "Ich bin dafür, den Confed-Cup abzuschaffen und auch die Klub-WM zu hinterfragen, diese zumindest in einem sehr schmalen Format zu spielen." Angesichts der hohen Belastung der Spieler sei es notwendig, ihnen jeweils einen Sommer der Regeneration zu gönnen, so Grindel. Er rate der Fifa, sich auf ihr Premiumprodukt zu konzentrieren und das sei die Weltmeisterschaft.
    Schon in früheren Interviews machte Grindel deutlich, dass er für die Abschaffung des Confed- Cup sei.

    Wir sind uns einig, dass der Confed-Cup bedeutungslos und überflüssig ist, was aber nicht überall in Europa und auf der Welt so gesehen wird. Es gibt leider auch eine Reihe von Fußballnationen, die sich für diesen Wettbewerb aussprechen.
    Der Confed-Cup dient ja als organisatorische Vorbereitung im Ausrichterland und als Testlauf für die WM im darauffolgenden Jahr. Teilnahmeberechtigt sind die aktuellen Meister der sechs Kontinentalverbände, der amtierende Weltmeister und der jeweilige Gastgeber.
    Das führt aber dazu, dass die Spieler der kontinentalen Meister (Europameister usw.), des Weltmeisters und des Gastgebers selbst in den Jahren zwischen den Welt- und Europameisterschaften keine Sommerpause haben. Ich denke, dass ein solch organisatorischer Testlauf als Vorbereitung auf die WM 1 Jahr später in dieser Form nicht notwendig ist und auch anders organisiert werden könnte, so dass keine solchen Zusatzbelastungen entstünden.

    Weil das so ist wie beschrieben, macht Deutschland eigentlich alles richtig und macht seine kritische Haltung zum Confed-Cup auch dadurch deutlich, dass man die Stammspieler der NM, die in der Regel auch mit ihren Klubs in mehreren Wettbewerben spielen, schont, ihnen mal eine Sommerpause zur Regeneration ermöglicht.
    So bekommen Spieler eine Chance, die normalerweise eher in der zweiten oder gar dritten Reihe stehen, die aber hochmotiviert sind und das als Chance sehen, ihren eigenen Marktwert zu steigern und vielleicht noch auf den Zug in die NM aufspringen zu können, evtl. sogar in den WM-Kader aufgenommen zu werden.
    Wir konnten ja auch beim Olympiaturnier sehen, für das der damalige Trainer Hrubesch die Spieler mühsam suchen und finden musste, dass ein solch zusammengewürfeltes Team besser abschneiden kann als erwartet (Finalteilnahme) und dass einzelne Spieler, die schon abgeschrieben schienen, davon erheblich profitieren können. Man denke nur an Gnabry, der in England in der Versenkung verschwunden war, von dem Hrubesch aber überzeugt war und der dort und danach wieder groß rausgekommen ist.

    Die Qualifikationsgruppen sowohl der WM als auch der EM bringen es natürlich mit sich, dass zumindest ein Fußballzwerg mit dabei ist, in der WM-Gruppe mit Deutschland ist das San Marino. Das Spiel gegen San Marino war ja ein Pflichtspiel der WM-Qualifikation. Und da ist ja jetzt bereits das Confed-Cup-Team angetreten. Ich habe das Spiel wegen einer privaten Feier zwar nicht im TV gesehen, aber es scheint ja ein recht guter und engagierter Auftritt der deutschen Mannschaft gewesen zu sein. Dass das Stadion um diese Zeit im Juni und bei diesem Gegner nicht ausverkauft ist, überrascht nicht. Die TV-Quote war mit über 7 Millionen Zuschauern für solch ein Spiel gut.

    Zuletzt schon bei der EM und künftig auch bei der WM wirken sich die aufgeblähten Teilnehmerfelder sehr negativ aus. Die UEFA hat ja die Teilnehmerzahl der EM auf 24 erhöht, so dass fast die Hälfte aller europäischen Verbände beim EM-Endturnier sind. Nicht nachvollziehbar! Leider hat jetzt auch die Fifa die Teilenhmerzahl der WM nach oben geschraubt.
    Das alles führt u. a. dazu, dass die Quali-Spiele für diese Turniere immer uninteressanter werden und gerade für die starken Nationen wie Deutschland mehr zu Freundschafts- und Testspielen verkommen. Auch die Turniere selbst werden verwässert und die Gruppenphasen gestalten sich zäh. Die EM dauert jetzt sogar 1 Woche länger als bisher, so dass die Spieler noch später als bisher in die Vorbereitung ihrer Klubs einsteigen können.
    Fifa und UEFA haben die Weichen hier leider falsch gestellt, haben sportpolitische Gründe, Einnahme- und Vermarktungsgründe in den Vordergrund gestrellt. Das ist mittel- und langfristig gesehen nicht im Interesse des Fußballs, schon gar nicht im Interesse der Fußballfans.

    Das generell nachlassende Zuschauerinteresse im Stadion bei Spielen der Nationalmannschaft ist aber sicherlich hausgemacht. Entstanden ist es auch deshalb, weil es zwischen der Zeit nach dem WM-Gewinn 2014 und der EM 2016 zu viele schwache Spiele der Nationalmannschaft gegeben hat, die Mannschaft nach dem WM-Gewinn einen viel zu langen Durchhänger hatte und selbst die Pflichtspiele danach in der Quali überwiegend bescheiden ausgefallen sind, die Freundschafts- und Testspiele waren noch schlechter.
    Die Zuschauer aber wollen für ihr hohes Eintrittsgeld gute Leistungen auf dem Platz sehen. Und wenn das gerade in den Freundschafts- und Testspielen der NM regelmäßig nicht der Fall ist, sparen sie sich lieber ihr Geld und bleiben zu Hause.
    Die Eintrittspreise für die Spiele er NM sind aber auch generell zu hoch und zu solchen Spielen gehen ja noch mehr Familien (Eltern mit Kindern oder zumindest ein Elternteil mit Kind/Kindern) als zu den Ligaspielen.
    Man hat es auch mit der Vermarktung der Nationalmannschaft übertrieben bis zu dem für die NM gewählten Begriff „Die Mannschaft“, mit dem zumindest deutsche Fußballfans nichts anfangen können. Auch die Konstruktion und Organisation des Fanklubs Nationalmannschaft, dessen Sonderrechte und dessen sehr gekünstelt und wenig authentisch wirkende Aktionen im Stadion und außerhalb des Stadions negativ zu sehen sind, ist nicht gut gelungen.
    Das sind aber nur beispielhaft einige der Punkte, die zu dem gesunkenen Zuschauerinteresse an Länderspielauftritten unserer NM geführt haben.
    Ein Hauptteil der Verantwortung für diese Entwicklung muss sich sicherlich Nationalelfmanager Bierhoff zurechnen lassen, auch wenn er überwiegend erfolgreich arbeitet. Aber man hat die Schraube etwas überdreht und ist gut beraten, daraus Konsequenzen zu ziehen.

    Ansonsten freue ich mich schon jetzt auf die neue Saison in der Liga und da versprechen ja einige Entwicklungen und Personalentscheidungen Spannung. Besonders gespannt bin ich natürlich darauf, wie sich "mein" BVB mit dem neuen Trainer präsentiert.

    Auch Dir wünsche ich einen schönen Frühsommer!

  • #3
    Walter Stach

    Robin,
    was soll‘ s?

    "Lasse ‚mal machen", sagt man im Ruhrgebiet, so auch mit Blick auf die vom DFB/UEFA /FIFA gewollten Spiele der Nationalmannschaften, die Fußball-Fans -selbstverständlich- nicht sonderlich interessieren, geschweige denn, diese zu begeistern vermögen.
    Das gilt nicht nur für das Spiel der DFB-Auswahl gestern, sondern sogar für den sog. Confed–Cup.

    Da ich ohnehin und ganz grundsätlich kein begeisterter Fan der sog. Deutschen Nationalmannschaft bin, gehe ich mit alldem, was sie betrifft, "in guten wie in schlechten Zeiten" relativ gelassen um , im Gegensatz zu alldem, was ich in der Bundesliga -und in den ersten Ligen in Spanien, Italien, England und Frankreich-tut. Und auf deren Beginn warte ich interessiert ,gespannt und voller Erwartungen ,z.B. mit Blick auf "unseren" BVB.

  • #4
    Joe

    Mein erster AdHoc-Vorschlag für einen möglichst fussballfreien Fussballsomner:
    Bitte eine kleine Pause bei den fußballerischen Ergüssen von Robin Patzwald bei den Ruhrbaronen einlegen.
    Bleiben uns einige Plattitüden und Allgemeinplätze erspart…;)
    Gerne können ja stattdessen andere Sportarten mal in den Fokus genommen werden (zB Kanupolo oder Skaterhockey, wer weiss schon, dass in diesen Randsportarten Essener Vereine mehrfacher deutscher Meister sind und daher hier sozusagen Hochburgen im Ruhrgebiet liegen).

    Vorher kann Robin vielleicht ja mal verraten, ob er jetzt eigentlich Schalke oder Dortmund Fan ist (oder am Ende gar beides????)

  • #5
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Joe: Aber genau diese Sommer-Pause bis Anfang Juli hatte ich doch in diesem Beitrag ausdrücklich mit angekündigt. 😉 Und wer die Fußball-Beiträge hier verfolgt, der weiss doch auch längst aus den Debatten hier, dass ich es privat mit dem BVB halte. 🙂

  • #6
    Lukas N.

    @Joe zu #4
    Ja, ja die Hitze oder worauf sonst ist Dein Beitrag zurückzuführen? @Robin kündigt eine Sommerpause an und wünscht einen schönen Frühsommer und Du forderst, er solle doch mal eine Pause einlegen.
    Ja, wenn @Robin hier über Kanupolo oder Skaterhockey schreiben würde, wäre sicherlich in diesem Forum schwer was los, da ginge richtig die Post ab 🙂
    Hast Du noch mehr von diesen "tollen" Vorschlägen?

    Wir haben doch hier aufgrund der Artikel von @Robin schon mehrfach interessante und sehr ausführliche Diskussionen geführt, die alles andere als oberflächlich waren, die in einigen Fällen doch schon ziemlich ins Detail und ziemlich in die Tiefe gegangen sind, die qualitativ insgesamt gut waren.
    Du kannst ja statt mit einer 08/15-Abwatsche mit guten Argumenten und fundierten Diskussionsbeiträgen zu einem guten Niveau beitragen oder auch klar begründen, wenn Dir etwas nicht gefällt. Dann kann man sich damit auseinandersetzen und dann kannst Du zeigen, was Du drauf hast. Würde mich drauf freuen.

    Aber so oft liest Du die Fußballbeiträge hier offenbar doch nicht, sonst wäre Dir bekannt, dass @Robin BVB-Fan ist.
    Da hast Du @Robin mit Deiner Schlagzeile "Lieber Erkenschwick gegen ?????" (also Herne-West) ja offenbar für etwas Verwirrung bei den Nicht-Stammlesern gesorgt.
    Also ich schaue mir dann doch lieber Spiele unserer Nationalmannschaft an als diese Partie 🙂

    Ansonsten kann man es mit @Walter Stach halten, wir sind gespannt, was u. a. "unser" BVB mit dem neuen Trainer in der kommenden Saison so zu bieten hat. Und der Diskussionsstoff zu Fußballthemen und speziell zum BVB wird bestimmt nicht ausgehen und da freuen wir uns auch auf weitere Beiträge von @Robin nach der Pause. Aber es dürfen gerne auch andere Sportarten Thema sein, ob allerdings Kanupolo der große Knaller wäre, ist doch sehr die Frage 🙂

  • #7
    thomasweigle

    Ich gehe ja immer mit gewissen Erwartungen ans Zugucken, wenn`s gegen Fußballzwerge geht. Leider ist es so, dass ich dann schon nach spätestens 20 Minuten das Programm wechsle oder ausschalte, weil die Sensation leider einmal mehr ausbleibt. Andorra-Ungarn, ja….

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