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Linke-NRW: „Die Frage inwiefern Gewalt legitim ist, wird dadurch beantwortet, ob sie zum Erreichen meiner Ziele dienlich ist“

Hannah Bruns – Obere Reiher rechts

Hannah Bruns ist Mitglied im Landesvorstand der Linkspartei NRW  und kandidiert auf Listenplatz 13 für die Bundestagswahl im September. In einem Artikel auf dem antiimperialistischen Blog mit dem etwas irreführenden Namen „Freiheitsliebe“ hat  Bruns einen  Artikel über die G20 Ausschreitungen am vergangenen Wochenende veröffentlicht. Für eine Politikerin einer Partei, die allen anderen Parteien vorwirft, auf Gewalt als Mittel der Konfliktlösung zu setzen, äußerte sich Bruns irritierend. Bruns lehnt zwar die Krawalle ab, da sie dem Führungsanspruch der Linken nicht entsprechen:

Linke haben die Aufgabe die ArbeiterInnen ideologisch anzuführen und ihre berechtigte Wut aufzugreifen, in den Nächten im Schanzenviertel ist die Linke dieser Aufgabe nicht gerecht geworden.

Mit Gewalt hat Bruns indes kein Problem:

Die Frage inwiefern Gewalt legitim ist, wird dadurch beantwortet, ob sie zum Erreichen meiner Ziele dienlich ist und gegen wen sie sich wendet. MarxistInnen lehnen Gewalt nicht generell ab, aber sie sind auch keine Abenteurer oder Hooligans, die irgendeinem Gewaltfetisch anhängen und glauben, der Einsatz von Gewalt sei immer und ganz generell legitim.

Wenn Arbeiter Gewalt ausüben, nachdem sie es befohlen bekommen haben – die Dummerlein müssen ja nach Bruns  geführt werden – ist es also ok. Wenn Gewalt einfach so entsteht, ist sie es nicht. Diese Haltung entspricht dem Denken, mit dem Lenin und Stalin die Diktatur in der Sowjetunion aufgebaut haben: Sie ist autoritär und undemokratisch. In einer Partei, die wie die Linkspartei in NRW darauf beharrt, demokratisch zu sein, passt sie nicht. Aber wer glaubt das schon einer Partei, deren damaliger Vorsitzender 2014 mit Neonazis gemeinsam gegen Israel demonstrierte  hat und nach deren Kundgebung in Essen es im selben Jahr zu antisemitischen Ausschreitungen kam?

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13 Kommentare zu “Linke-NRW: „Die Frage inwiefern Gewalt legitim ist, wird dadurch beantwortet, ob sie zum Erreichen meiner Ziele dienlich ist“

  • #1
    Thomas Weigle

    Wasserstandsmeldung aus der murxistisch-leninistischen Abteilung auf der Mülldeponie der Geschichte!!!

  • #2
    discipulussenecae

    Aha. Es gibt also "MarxistInnen" und "Abenteurer". Dieser R2G-Salon-Feminismus war noch nie mein Ding … Gibt es eigentlich ein politisch korrektes Genus weiblicher Hooligans oder aus Dummheit Randalierenden?

  • #3
    ke

    "Linke haben die Aufgabe die ArbeiterInnen ideologisch anzuführen und ihre berechtigte Wut aufzugreifen".

    Ich bin aus dem Kindergartenalter raus und denke lieber selber.
    Wut kann ich auch nicht verspüren.
    Wer sind heute ArbeiterInnen?

    Haben wir wirklich das Jahr 2017? Sind das aktuelle Aussagen?

  • #4
    Helmut Junge

    Während die Spitzenpolitiker der Linkspartei einhellig beteuert, daß "links sein" bedeutet, mit friedlichen Mitteln für den Frieden zu sein, gibt es innerhalb dieser Partei Mandatsträger, die eine Gewaltsoption für zukünftige Fälle nicht ausschließen wollen. Da hilft dann all die Beteuerung der kompletten Führungselite letztlich nichts. Da kann es eigentlich nur ein Ausschlußverfahren geben, will man ernst genommen werden.

  • #5
    Davbub

    "Linke haben die Aufgabe die ArbeiterInnen ideologisch anzuführen und ihre berechtigte Wut aufzugreifen,…"
    Setzt man vor das Arbeiterinnen ein "deutschen" , könnte die Linke doch mit den Nazis koalieren. Wegen der Synergie -Effekte (getrennt marschieren, vereint zuschlagen; keine Zeitverschwendung bei dem vergeblichen Bemühen, die Aufmärsche -pardon, bei der Linken heißen die ja "Demos"- wechselseitig zu verhindern), auch in der Mitgliederverwaltung wäre die Kostenersparnis immens…

  • #6
    Ralf Henrichs

    Die Gewaltfrage ist tatsächlich nicht so simpel zu beantworten, da noch nicht einmal klar ist, was "Gewalt" eigentlich ist. So gibt es Definitionen, die selbst Sitzblockaden als Gewalt definieren. Damit wäre aber auch passiver Widerstand Gewalt. So kurz gefasste Berichte wie hier helfen daher bei einer umfassenden Diskussion nicht weiter.

  • #7
    Helmut Junge

    @Ralf Henrichs, es geht weder im Artikel, noch in der öffentlichen Diskussion um Sitzblockaden. Es geht um die Ereignisse in Hamburg im Zusammenhang mit dem G20-Treffen. Darauf bezieht sich Frau Bruns übrigens auch. Wir reden wirklich nicht über Witzblockaden. Lesen Sie sich einfach mal ins Thema ein.

  • #8
    Ralf Henrichs

    @ Helmut Junge, ich beziehe mich auch auf Hamburg. Auch in Hamburg gab es Sitzblockaden. Daher kann man auch, wenn man sich auf Hamburg bezieht, Gewalt nicht ausschließen, außer man schließt auch Sitzblockaden aus. Genau das ist auch der Grund, warum z.B. Jan von Aken nie gesagt hat, dass er Gewalt ausschließt. Eben weil er nicht Sitzblockaden ausschließen wollte. Die Gewalt, auf die Sie sich beziehen, hat Jan von Aken natürlich stets ausgeschlossen. Das Thema ist halt komplizierter, als Sie es hier wohl behandeln wollen. Vielleicht sollten Sie, Herr Junge, sich mal mit dem Thema beschäftigen, bevor Sie anderen vorschlagen, sich erst mit dem Thema beschäftigen zu sollen. Da haben Sie offensichtlich noch viel Nachholbedarf.

  • #9
    Helmut Junge

    Frau Bruns sagt, daß sie Gewalt nie ausschließt, während Jan van Aken "nie gesagt hat, daß er Gewalt ausschließt". Etwas nie gesagt haben ist nich dasselbe wie etwas gesagt haben.
    Herr Henrichs, wollen Sie mich verkackeiern?
    Herr Henrichs, falls Sie der im Link unten genannte sind: http://www.dielinke-nrw.de/partei/landesparteitage/siegen_2122_juni_2014/die_kandidatinnen/ralf_henrichs/
    sollten Sie, wenn Sie mit mir diskutieren, aber auch sonst, aufrichtig sein. Belehrungen und Überheblichkeiten sind dagegen völlig ok. Aber Relativierungen ärgern mich. Und genau das versuchen Sie.
    Nochmal. das was Frau Bruns gesagt hat, steht im Widerspruch zum Parteiprogramm Der Partei "Die Linke" und zwar im erheblichen Maße. Und es steht im Widerspruch zu dem, was derzeit alle wichtigen bundesweiten Repräsentanten dieser Partei sagen. Und das darf es nicht geben. Allerdings ist das nur insoweit mein Problem, weil ich dieser NRW-Linken genau deshalb als Nichtparteimitglied skeptisch gegenüberstehe, obwohl ich der Idee einer sozialistischen Partei prinzipiell zuneige. Nur sind es eigentlich zwei Parteien, die die Linke bilden. Eine kann ich nun mal nicht ab.

  • #10
    Robin Patzwaldt

    Seit ich 2012 mit den Grünen gebrochen habe, waren die Linken für mich, in erster Linie aufgrund ihrer arbeitnehmerfreundlichen Politik, die verbleibende politische Alternative. Solche Aussagen machen es mir allerdings extrem schwer mein Kreuzchen im Herbst wieder an dieser Stelle zu setzen.

  • #11
    Thomas Weigle

    Da mag halt mancher noch von der glorreichen Vergangenheit träumen, als die "Kampfgruppen der Arbeiterklasse" 1956 um die Humboldtuni marschierten, um aufmüpfigen Studenten konterrevolutionäre Aktionen a la Ungarn unmöglich zu machen oder 1961 den Bau des "antifaschistischen Schutzwalles" in den ersten Tagen absicherten. Auf den Maidemos machten sich die marschierenden Kampfgruppen auch gut.

  • #12
    Tilleulenspiegel

    @2 discipulusetc.
    Hooli-gans ist die weibliche Form- die männliche lautet: Hooli-ganter.

  • #13
    ke

    @10:
    Als Arbeitnehmer sehe ich meine Interessen gut vertreten, wenn es gelingt, Deutschland im internationalen Vergleich insbesondere durch hochpreisige Produkte/Leistungen wettbewerbsfähig zu machen.
    In diesem Bereich ist die Luft dünn, und es muss Leistung gezeigt werden. Das geht nicht in einem durchregulierten Korsett mit viel Lohn und geringen Arbeitszeiten.

    Die Ideen der Partei "Die Linke" sind für mich als Arbeitnehmer in vielen Bereichen einfach nicht für eine globalisierte Welt gemacht, in der mein Wohnort oben mitspielen soll.

    Die Vorgängerparteien haben mit ihren Ideen experimentiert. Das Ergebnis kennen wir. Leben aus der Substanz, alle gleich arm, abgesehen von den Funktionären, …….

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