Marcel Reif geht zum Saisonende – Eine Nachricht, die wohl kaum einen Fußballfan kalt lässt

Foto: Sky
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Gestern kursierten in einigen Medien bereits erste Vorabmeldungen, nun ist es also auch ganz offiziell: Fußballkommentator Marcel Reif und ‚Sky Deutschland‘ gehen nach 17 gemeinsamen Jahren ab Sommer getrennte Wege.

Seinen letzten Einsatz für Sky hat Marcel Reif demnach am 28. Mai 2016 beim großen Finale der UEFA Champions League in Mailand. Es wird dann das 15. Finale der Königsklasse, das er für den Sender kommentiert sein.

Diese Nachricht dürfte nun vermutlich erneut für Diskussionen unter vielen Fußballfans in Deutschland führen. Der 66-jährige emotionalisiert die Sportfans schon fast traditionell eben wie kaum ein anderer. Viele schätzen seine eloquente Art, doch auch ein besonders großer Teil der Fernsehzuschauer war zuletzt mit den Leistungen von Reif nicht (mehr) einverstanden. Dieses führte in den letzten Monaten sogar zu völlig inakzeptablen, handgreiflichen Übergriffen auf den Sportreporter. So war dieser u.a. mit vollen Bierbechern beworfen, sein Auto bedrängt und dann heftig daran herumgerüttelt wurde. Inwieweit diese Ereignisse nun auch dazu beitrugen, dass sich Reif am Ende der Saison vom TV-Sender trennt, das bleibt vorerst noch offen.

In der aktuellen Stellungnahme des Senders, welche am heutigen Vormittag auch die Ruhrbarone erreichte klingt das Ganze jedenfalls beiderseits sehr freundschaftlich und respektvoll: „Nach 17 Jahren ist es Zeit sich neuen Herausforderungen und Projekten zu widmen. Bei und mit Sky habe ich eine spannende Zeit mit vielen Höhepunkten erlebt. Wir gehen mit gegenseitigem Dank und mit Wertschätzung auseinander. Jetzt aber freue ich mich erstmal noch auf die Bundesliga-Rückrunde und dann auf das Champions-League-Finale Ende Mai in Mailand als ‚Abschiedsvorstellung‘.“, so Marcel Reif.

Seitens Sky klingt das Ganze sogar noch positiver:“ „Marcel hat unsere Fußballberichterstattung entscheidend mitgeprägt. Seine Art, Fußball zu kommentieren, zu analysieren und zu interpretieren ist etwas Besonderes. Eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit über 17 Jahre ist in der Medienbranche nichts Alltägliches und zeugt von gegenseitigem Vertrauen und Respekt. Wir bleiben Freunde.“, sagt z.B. Carsten Schmidt aus der Geschäftsführung zur beschlossenen Trennung des Senders vom Chefkommentator.

Der erfahrene Kommentator ist inzwischen seit dem Sommer 1999 für den Abo-Sender aus Unterföhring tätig und kommentierte in dieser Zeit bereits über 500 Bundesliga-Spiele. Zu den vermeintlichen Höhepunkten seiner Zeit dort zählen lt. den offiziellen Angaben des Senders unter anderem die Finals der FIFA Weltmeisterschaften 2002, 2006 und 2010. Für seine langjährige Arbeit wurde er unter anderem mit dem Deutschen Fernsehpreis 2002, dem Grimme-Preis 2003, und dem Ehrenpreis für sein Lebenswerk beim Mira Award 2012 ausgezeichnet.

Nun räumt Reif also seinen Platz als Chefkommentator beim Haussender der Fußballfans zum Ende der Saison, was ihn in den nächsten Wochen und Monaten noch einmal vermehrt in den Blickpunkt der Fußballnation rücken wird. Ob sie ihn nun persönlich mögen, oder auch nicht…
Mir persönlich wird Reif dort dann ab Sommer ein Stück weit fehlen. Zwar war auch ich nicht immer mit seinen Kommentaren und Einschätzungen so einverstanden, doch liegt das natürlich ein Stück weit in der Natur der Sache.

Insgesamt gehört Reif für mich jedoch noch immer unzweifelhaft zur Spitzengruppe der deutschen Fußballkommentatoren. Und wenn er nun in Kürze bei Sky aufhört, dann wird es für den Sender automatisch schwer sein seine Lücke zu füllen. Denn wer immer nun auch ‚von unten aufrutscht‘, zukünftig mehr Spitzenspiele im Live-TV kommentieren darf, er oder sie wird es schwer haben diese Präsenz, diese Routine beim Kommentieren zu erreichen.

Zwar gibt es natürlich auch hausintern beim Fußballsender bereits einige Talente, doch Kommentatoren vom Kaliber eines Marcel Reif hat auch Sky nicht in beliebiger Anzahl aufzubieten. Wie gesagt, das Alles vor dem Hintergrund, das auch ich häufiger an den Kommentaren von Reif durchaus etwas zu ‚Meckern‘ gefunden habe…

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Klaus Lohmann
Klaus Lohmann
7 Jahre zuvor

Robin, seit Wochen schlagen sich User und Leser z.B. bei derwesten verbal gegenseitig die Köppe ein, wie ich es in den Jahren zuvor seltenst erlebt habe, aber exakt zur Meldung von Reifs Abgang im Sommer gab es echte 100% "Jaaa, endlich!!!"-Kommentare. Viel "Diskussionspotential" hat diese Meldung dann wohl eher nicht:)))

Klaus Lohmann
Klaus Lohmann
7 Jahre zuvor

Robin, für mich *war* Reif mal ein Sportreporter mit Qualitäten weit oberhalb der restlichen Kollegen. Aber in den letzten Jahren, seit seinem "Anchorman"-Status bei Sky, ist er für mich zum Inbegriff der arroganten Selbstüberschätzung und abgehoben-gelangweilten "Ich-bekomm-ja-gottseidank-Geld-dafür"-Reportagen im TV geworden. Da wäre nicht mehr viel Intelligentes gekommen, wenn er weitergemacht hätte – mal ganz abgesehen von seiner Sky-typischen "Vasallentreue" zu den üblichen Verdächtigen in den Skandalen der letzten Monate.

Klaus Lohmann
Klaus Lohmann
7 Jahre zuvor

Als durchaus "modern" lassen sich die asozialen Pöbeleien im Netz gegen Reif zwar bezeichnen, allerdings scheint er selbst den Grundsatz von Küche und Hitze ertragen müssen nicht immer beherzigen zu können, wie sein plumpes Austeilen gegen Klopp nach den Vorfällen in Dresden und Dortmund zeigte. Das hat ihn als verschrieener "Bayern-Edelfan" eine Menge öffentliche Sympathie gekostet, auch wenn sein damaliger Zorn gegen den Mob verständlich war.

TuxDerPinguin
TuxDerPinguin
7 Jahre zuvor

Reif war wohl sicherlich der schlechteste Fußball-Kommentator Deutschlands. Thurn und Taxis macht ihn da Konkurrenz. Da Sky das nie störte, gibt es vielleicht unterschiedliche Ansprüche an Kommentatoren…

ich mag neutrale, die nicht übertreiben und das Spielgeschehen beschreiben… ich mag nicht Übertreibende Kommentatoren, die alle 5 Minuten dazu ihre ausgesprochene Meinung zum Spiel revidieren und um 180° Grad drehen. Oder parteiische, die anscheinend ein anderes Spiel sehen. Oder irrelevante, die wahrscheinlich von daheim aus der Badewanne moderieren und ihre Standard-Sprüche aneinanderreihen.

Es gab Spiele, da hab ich abgeschaltet, als einer der beiden kommentierte. Ich regte mich zu sehr auf, tonlos ist aber zu ungewohnt. Kann ich nur ertragen, wenn mein Lieblingsteam spielt.

Man müsste Spiele zeitversetzt austragen., sodass nie zwei gleichzeitig stattfinden. Dann könnte Fuss alle kommentieren. Alle gewinnen dabei.

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