Mehr Abos als Tore? Die neue Fußball–Abzockrunde

Foto: Robin Patzwaldt

Ab 2027 wird die Champions League für Fußballfans wieder zum finanziellen Hindernislauf. Kaum hat man sich an die aktuelle, ohnehin schon nervige Abo-Landschaft gewöhnt, platzt die nächste Rechtebombe: Die UC3, das gemeinsame Vermarktungsunternehmen von UEFA und EFC, verkauft die Königsklasse an Paramount+ und Amazon.

Vier Spielzeiten lang dürfen sich zwei US-Konzerne das europäische Premiumprodukt aufteilen – während wir Fans überlegen dürfen, welche Abos diesmal fällig werden. Wer die Champions League komplett sehen will, wird künftig mehrere Dienste stapeln müssen. Und günstig wird das garantiert nicht.

DAZN draußen, Sky draußen – Hauptsache Dollarzeichen

Dass DAZN leer ausgeht, ist ein Einschnitt: Der Dienst hatte sich in den vergangenen Jahren mühsam zur führenden Plattform für die Champions League gemausert. Aber im Milliardenpoker zählt nicht, wer den Wettbewerb geprägt hat, sondern wer gerade die schwersten Geldkoffer trägt.

Sky, einst fast selbstverständlich mit der Königsklasse verbunden, bleibt ebenfalls außen vor. Die alten Player müssen zusehen, wie die Tech-Riesen aus den USA das Spielfeld übernehmen. Bild und Times hatten die Deals bereits durchgestochen, die DPA bestätigte – und die UEFA tat am Freitag das, was sie am besten kann: kräftig Selbstlob verteilen. Angeblich sei das alles „ein Meilenstein“ und „ein Erfolg für die Fans“. Aha.

Fanfreundlichkeit? Irgendwo zwischen den Paywalls verloren

Während die Funktionäre in Nyon jubeln, habe ich zunehmend das Gefühl, dass sie gar nicht mehr verstehen, was es bedeutet, ein Fan zu sein. Wer heute Fußball liebt, braucht mehr Geduld als ein Schiedsrichter bei Zeitspiel. Man jongliert mit Logins, Abo-Paketen und Preiserhöhungen – und am Ende sieht man trotzdem nicht alles, was man sehen möchte. Und 2027 soll genau dieses Chaos weitergehen, nur eben teurer, fragmentierter und noch weniger übersichtlich.

Natürlich wird die UEFA nicht müde, uns zu erklären, man schaffe „moderne Zugänge“ und „neue Erlebnisse“. In der Realität ist diese Modernität nichts anderes als eine Verlagerung des Wettbewerbs hinter immer höhere Paywalls. Der Fußball wird in immer kleinere Stückchen verkauft, bis kaum noch jemand Lust hat, das Puzzle überhaupt zusammenzusetzen.

Die Champions League war einmal ein gemeinsames Ereignis, ein Abend für alle. Jetzt droht sie endgültig zu einem Luxusgut zu verkommen – einem Produkt, das vor allem jene genießen können, die bereit sind, jeden Monat dreistellige Summen für Unterhaltung auszugeben.

Die UEFA mag sich einbilden, damit den Fußball in die Zukunft zu führen. Doch in Wahrheit schafft sie eine Zukunft, in der viele Fans am Rand stehen und zuschauen müssen, wie der Sport sich selbst abkapselt. Und irgendwann, wenn die Stadien leerer und die Streams trotz Rekordverträgen weniger geklickt werden, könnte man in den Chefetagen merken, dass man zwar viel Geld verdient hat – aber ein Stück Fußballkultur verloren ging. Nur ist es dann vielleicht schon zu spät.

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