Die vollen Stadien in der Bundesliga könnten sich noch bitter rächen

Ungewohnt voll war es am Samstag auf Schalke. Foto: Michael Kamps

Es sind ungewohnte Bilder, die einen zwiespältig zurücklassen. Die Fußball-Bundesliga kehrt nach rund zwei Jahren der pandemiebedingten Einschränkungen in diesen Tagen schrittweise wieder in die alte Normalität zurück. Sie versucht es zumindest. Nach Monaten gänzlich ohne Zuschauer in den Stadien, öffnen sich die Eingangs-Tore jetzt wieder für mehr und mehr Fans.

In Gelsenkirchen war es zum Beispiel am Samstag beim Heimspiel des Zweitligisten FC Schalke 04 gegen Hannover 96 schon wieder fast voll in der Arena. So schön das für alle Fußballfreunde auf den ersten Blick auch sein mag, so bedenklich ist es auf der anderen Seite eben auch. Die Corona-Pandemie ist ja, wenn auch die hospitalisierungsraten der Infizierten erfreulich gering ausfallen, alles andere als vorbei. Fast jeden Tag werden neue Höchstwerte aufgestellt. Und ausgerechnet jetzt packen wir die Fußballstadien wieder möglichst voll?

Borussia Dortmund versuchte in Anbetracht des steigenden wirtschaftlichen Drucks, den die ausbleibenden Zuschauereinnahmen seit Frühjahr 2020 verursachen, bereits zum Jahresende 2021 hin die Dauerkarteninhaber wieder ins Westfalenstadion zu lassen. Das kam damals, bei noch deutlich niedrigeren Inzidenzen zu Beginn der vierten Corona-Welle bei einigen nicht gut an und scheiterte am Ende dann auch. Die Infektionszahlen ließ eine Wiederzulassung größerer Zuschauerzahlen über den Winter noch nicht zu.

Jetzt, bei deutlich höheren Zahlen, aber vor dem Hintergrund der vergleichsweise ‚milderen‘ Omikron-Variante des Virus, wird das Experiment bundesweit gewagt. Zwar sind die Regeln in den Bundesländern noch unterschiedlich und die Situation von Stadion zu Stadion dadurch geringfügig anders, doch die Tendenz ist klar. Die Richtung geht überall zurück zur Normalität früherer Jahre.

Dass sich das nach der langen Zeit der Beschränkungen komisch anfühlt, das habe ich persönlich in der Vorwoche bei einem Genesis-Konzert in Hannover miterleben dürfen, wo nicht nur Volllast (9.600 Zuschauer) in einer großen Konzerthalle vorzufinden war, sondern sogar die Maskenpflicht am Sitzplatz aufgehoben wurde. In einem Fußballstadion ist man im Vergleich dazu zumindest unter freiem Himmel, nur ist das Gedränge bei An- und Abreise dort bei einem Vielfachen der Zuschauerzahl eben auch noch wesentlich größer.

Es ist und bleibt zunächst wohl ein gewagtes Experiment, dessen Ausgang zur Zeit noch unbekannt ist. Können wir es uns wirklich schon erlauben solche Veranstaltungen zu organisieren und vor allem auch zu besuchen?

Natürlich muss das im Einzelfall jeder für sich entscheiden. Welches Risiko ist man konkret bereit einzugehen um ein Fußballspiel zu besuchen? Wie hoch ist das Risiko überhaupt noch? Überall das kann man diskutieren. Die Tatsache, dass viele Stadien in diesen Tagen trotz der großen Entziehungserscheinungen bei vielen Fußballfreunden häufig noch nicht wirklich voll sind, dass verfügbare Tickets unverkauft bleiben, zeigen das Dilemma.

Für die Atmosphäre beim Fußball ist die derzeitige Entwicklung ein Segen. Endlich macht es wieder mehr Spaß die Spiele anzuschauen. Ob im Stadion, oder daheim. Es könnte sich jedoch in ein paar Wochen als schwerer Fehler erweisen, dass die Massen jetzt wieder in die Stadien strömen. Es bleibt spannend.

Die Frage ist dabei nur, ob wir die große Disziplin, die Deutschland seit Frühjahr 2020 vor einer Überlastung des Gesundheitssystems noch einmal in die Gesellschaft zurück kriegen, falls es die kommenden Wochen erforderlich machen sollten. Die Mahner würden es in jedem Falle schwer haben dann noch einmal gehört zu werden….

 

 

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4 Kommentare

  1. #1 | Manni sagt am 20. März 2022 um 10:44 Uhr

    "Welches Risiko ist man konkret bereit einzugehen um ein Fußballspiel zu besuchen? "

    Gut ist vor allem, dass wir nun wieder hin gegen dürfen und nicht hingehen müssen. Solange ich mein eigenes Risiko als zu hoch einschätze, verzichte ich auf den Besuch. Die letzten zwei Jahre haben gezeigt, dass das geht.
    Und wie die "milde" Omikron – Variante in Südostchina zeigt, sterben bei uns wohl derzeit nur deshalb weniger Menschen, weil zum einen viele geimpft und zum anderen die Gefährdeten bereits bei den vorherigen Wellen verstorben sind.

  2. #2 | Rolf Mackemrodt sagt am 21. März 2022 um 15:31 Uhr

    Ich finde es richtig, daß die Verantwortung, wieder bei uns selber liegt. Wer gerne ins Stadion gehen möchte, soll es auch machen.Wen das Risiko noch zu groß ist, bleibt halt zu Hause. Hauptsache die Verantwortung tragen wir wieder selber,und keine Politiker mehr, die ja jetzt bekanntlicher Weise, alle Gesundheiexperten sind. Aber was tut man nicht alles, für ein paar Prozent Punkte mehr, bei den Wahlen.

  3. #3 | Arnold Voss sagt am 21. März 2022 um 17:03 Uhr

    Könnte, könnte, könnte. Bislang gibt es nicht im Ansatz eine auch nur absehbare Überlastung der Krankenhäuser, obwohl die Inzidenz wieder steigt. Die massenhafte Infektion mit überwiegend geringen Symptomen scheint vielmehr zusammen mit der Impfung der Königsweg aus der Pandemie zu sein. Das du dass als ausgewisener Fan von Karl- Ich warne also bin ich – Lauterbach anders siehst, wundert mich nicht, aber es ändert nichts an den Fakten. Und es kommt für alle Alarmisten noch schlimmer, denn die Inzidenz wird auch wieder fallen und dann hilft mal wieder nur noch die Ankündigung der nächsten Welle.

  4. #4 | Der krasse Stimmungsumschwung auf Schalke stimmt nachdenklich | Ruhrbarone sagt am 18. April 2022 um 12:26 Uhr

    […] etwas gefällt natürlich allen Fußballromantikern, die in der Lage sind den unverändert bedrohlichen Corona-Hintergrund dabei einmal für wenige Augenblicke auszublenden, und zeigt, wie schön […]

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