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Mehr Pranger!

Die Politik beginnt, die Möglichkeiten des Internets zu entdecken: Eine CDU-Experte fordert Online-Pranger für Sextäter. Das kann nur der Anfang sein.

Erst hat sich die Politik überhaupt nicht für dieses neue Interdings interessiert. Dann, als sie es bemerkt hatte, kam der verzweifelte Schrei das Internet dürfe kein rechtsfreier Raum sein.  Mittlerweile sind wir beim  Versuch,  über Gesetze wie den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) das Internet so langweilig wie eine Ortsverbandssitzung werden zu lassen.

Aber Hoffnung ist in Sicht. Die ersten Politiker beginnen sich kreativ mit dem Internet auseinanderzusetzen und haben mittlerweile sogar eigene Ideen. Zum Beispiel Reinhard Grindel, der Innenpolitische Experte der CDU-Bundestagsfraktion. Der will Pranger für Sextäter im Internet installieren. Eine schöne Idee um den Leuten im Wahlkreis zumindest im Sommer zu zeigen, dass man nicht den ganzen Tag in Berlin besoffen auf Parties herumhängt. Nein, man kommt sogar mit Schnapsideen in die Zeitung.

Und jetzt, wo die Politik den Online-Pranger entdeckt hat, sollte man weiter machen: Pranger für Steuerhinterzieher, Raubkopierer,  Raser, notorische Wildpinkler, Suffköppe Rauchverbotsverstosser und Abgeordnete, die Sitzungen schwänzen sollten folgen. Pranger für alle!

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15 Kommentare zu “Mehr Pranger!

  • #1
    Michael Kolb

    Ich kann es mir nicht verkneifen… klingt für mich mächtig nach „Pranger-Kirmes“. Ich geb es ja zu, der Witz war stark gelbverdächtig.

  • #2
    Dieter Carstensen

    Online Pranger für Sex-Straftäter??? Wie sieht das denn aus, wenn lauter „Geistliche“ am Pranger stehen?

    Was die Kirchen wohl zu der Prangeridee sagen werden?

    Und mein Nachbar, der Mittags immer Rasen mäht, der steht dann auch am Pranger, oder?

    „Fragen über Fragen“ sagte Bertolt Brecht.

    Ach übrigens, ob die PoltikerInnen die sich den Pranger ausgedacht haben, mal die Deklaration der Menschenrechte der UNO oder das Grundgesetz duchgelesen haben?

    Falls nicht, wissen wir ja Bescheid: Ab an den Pranger!

    Ob dann überhaupt noch irgendwelche PolitikerInnen in den Parlamenten sitzen, oder ob sie ihre Sitzungen am Pranger abhhalten?

    Das ist hier die Frage!

  • #3
    Hexenhammer_die_Zweite

    Wieder zurück ins finstere Mittelalter? Wie dummdreist kann man nur sein, um mit solchen Parolen das Sommerloch stopfen zu wollen?

  • #4
    Detlef Obens

    Ein wirklich zweifelhafte, da populistische, Idee!

    Heutzutage, wo wir um die medizinische Fachrichtung der forensischen Psychiatrie wissen, sollten und müssen wir leider auch davon ausgehen, das viele sexuell motivierte Straftäter nicht nur Täter sondern auch psychisch kranke Menschen sind.

    Die Gesellschaft muss in der Tat vor ihnen geschützt werden. Nur nicht so! Sie selbst müssen einer Therapie, auch unter freiheitsberaubenden Umständen, unterzogen werden. Wie beispielsweise in Dortmund-Aplerbeck oder Lippstadt-Eickelborn für NRW. Habe in beiden Einrichtungen als Krankenpfleger gearbeitet und weiss um viele Hintergründe und Umstände.

    Weiterhin müssen präventive Massnahmen hinsichtlich der potenziellen Opfer, also Kindern und Jugendlichen, frühzeitig beginnen.

    Ein Pranger würde uns dabei um ein ganzes Jahrhundert zurückwerfen! Für den Augenblick, also vor Wahlkämpfen, mag dies ein verlockender Vorschlag der CDU sein. Aber so ein Vorschlag bringt uns alle nicht weiter. Das Problem sitzt viel tiefer als es der vermeintliche „CDU-Experte“ uns weis machen will.

  • #5
    Lars

    Wenn die CDU auf diese Art probiert auch noch den letzten Wähler zu vertreiben… stehen die Chancen gut.

    Einzig schön an der Sache ist, dass der Urheber sich gleich selbst an den Pranger gestellt hat.

  • #6
  • #7
    Offender Locator

    Reinhard Grindel, der CDU-Experte, hat sich das wohl kaum selber ausgedacht:

    http://www.sueddeutsche.de/politik/sexualtaeter-dateien-ins-netz-wie-im-mittelalter-die-idee-vom-pranger-1.985955

    „Wie im Mittelalter – die Idee vom Pranger

    (…) In den USA muss heutzutage niemand mehr auf den Marktplatz gehen, um Sünder zu ächten. Es reicht ein Computer oder ein modernes Telefon. Für iPhone-Besitzer gibt es beispielsweise den Offender Locator, ein kleines Programm für umgerechnet 1,59 Euro, das registrierte Sexualstraftäter in allen 50 Bundesstaaten der USA ausfindig macht: mit Namen, Fotos und Anschrift. Dank GPS und der integrierten Karte kann die Nachbarschaft gezielt abgesucht werden – die Wohnorte der Straftäter werden als kleine rote Männchen dargestellt (…)“

  • #8
    Ebse

    Richtig schöne Idee!
    Wo sind denn z.B. die restlichen -45- Steuersünder von der CD, wo der Zumwinkel drauf war? Da stehen insgesamt -46- Steuersünder drauf!
    Also bitte: Pranger! Aber sofort.

  • #9
    AndreasK

    Also, naja… ich mag’s gar nicht sagen, aber … was die Raser angeht, würde ein politischer Vorschlag zu spät kommen, weil … also, wir hier in Bielefeld … na, seht selbst:

    Meldung zum Bielefelder Raser-Pranger:
    http://www.nw-news.de/lokale_news/bielefeld/bielefeld/3661073_Bielefelds_elektronischer_Pranger.html

    Hier geht’s direkt zum Online-Pranger:
    http://www.bielefeld.de/de/rv/bgn/zustellungen/

  • #10
    Christian

    Das fehlte noch, dass ausgerechnet die Politik einen Internet-Pranger einrichtet – das können Journalisten und Blogger nun wirklich besser, wie die causa Sauerland recht eindrucksvoll gezeigt hat…

  • #11
    Ebse

    Die Politik würde zweifellos die Falschen reinstellen oder besser „reinhängen“, nehme ich mal an… z.B. die Wikileaks-Leute… nämlich. Von daher doch lieber
    die Presse …??

  • #12
    Wähler

    Interessant, weder Stefan Laurin noch die anderen Ruhrbarone, lassen das Pendel oder noch die Waage ausschlagen….

    Gruss

  • #13
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