44

Mit dem Auto stirbt ein Stück Freiheit

NSU Prinz Foto: AlfvanBeem Lizenz: Public Domain

Einer meiner ältesten Freunde kannte den Ort der Entstehung der Kleinfamilie, in der er lebte, und an deren Anfang die Zeugung seines Bruders stand, sehr genau: „Andreas* war ein geplatztes Gummi auf der Rückbank eines NSU Prinz.“ Der NSU Prinz war für die Verhältnisse der frühen sechziger Jahre ein durchaus sportlicher Kleinwagen und der ganze Stolz seines Vaters. Er war ein Auto, das dieser sich als Bergmann, der später in den Polizeidienst eintrat, leisten konnte.

Und er war ein Stück Freiheit. Denn in den engen Wohnungen der Nachkriegszeit war wenig Raum für Geschlechtsverkehr. Auch den ermöglichte der NSU. Und trocken zur Arbeit brachte er einen auch noch.

Zutreffend beschreibt die FAZ in einem Artikel die Auswirkungen der jüngst beschlossenen CO2-Senkungen mit der Überschrift „Das Ende des Autos, wie wir es kennen.“ Das Ende des Individualverkehrs wäre vielleicht präziser gewesen, hätte allerdings deutlich sperriger geklungen.

Ein breites Bündnis aus grün-bürgerlichen Initiativen wie dem BUND und der Umwelthilfe und vom Geist der Mutter Erde beseelter Politiker in Brüssel und Berlin arbeitet seit Jahren an der Vernichtung des motorisierten Individualverkehrs und kann sich dabei des Applauses von Teilen der Medien sicher sein.

Es ist ein Milieu entstanden, das sich gegenseitig anspornt und bejubelt in dem sicheren Gefühl, einer guten Sache zu dienen, deren angenehmste Eigenschaft ist, dass fast keiner der Beteiligten ihre unangenehmen Konsequenzen zu spüren bekommt. Umwelthilfe-Chef Resch nimmt gerne den Inlandsflieger von Berlin in die baden-württembergische Provinz, Politiker verfügen über kostenlose Bahntickets und können zum Teil auf eine Fahrbereitschaft zurückgreifen. Viele Anhänger diese Politik, ob Wähler der Grünen oder sich der Rettung des Planeten verpflichtet fühlenden Journalisten, leben in den hippen Innenstadtbezirken und haben es nicht weit zur Arbeit. Sie leben alle in einer Wirklichkeit, die zu einer verzerrten Wahrnehmung führt, welche sich dann in einer Politik niederschlägt, die das Leben vieler Millionen Menschen verschlechtern wird, ja, ihnen die Freiheit nimmt, die mit dem Individualverkehr verbunden ist.

Wer wie ich in Gladbeck am Rande des Ruhrgebiets aufgewachsen ist, konnte Clubs und Konzerte in den großen Städten nur mit einem Auto erreichen. Das hat sich bis heute nicht geändert und trifft für Menschen, die auf dem Land leben, noch stärker zu. Gladbeck ist immerhin ein Nachbarort von Essen. Ein Auto, und möglichst ein preiswertes, bedeutet für Jugendliche und junge Erwachsene auf dem Land, dem Mief des Dorfes und der Kleinstadt entkommen zu können. Nach einer Stunde Fahrt ist man von fast jedem Punkt dieses Landes an einem Ort, der spannender und inspirierender ist als die nähere Umgebung des Jugendzimmers.

Für die Erwachsenen eröffnete das Auto dann neue berufliche Möglichkeiten: Attraktive Jobs, ja, vielleicht überhaupt ein Arbeitsplatz, waren mit ihm zu erreichen. Und ein kleiner Ausflug in der Freizeit war auch drin. Ein preiswerte Wohnung war außerhalb der Innenstädte leichter zu finden. Der Traum vom kleinen, eigenen Haus, er ließ sich immer schon nur in Vororten und Dörfern verwirklichen. Und das alles ermöglichte das Auto.

Es war schlicht und ergreifend das Mittel, das man benötigte, um sein eigenes Leben zu gestalten. Diese Freiheit wird den Menschen nun genommen. Das alleine ist eine Unverschämtheit, die nur noch davon übertroffen wird, dass die, die sie den Menschen nehmen, ihnen nicht einmal Alternativen zur Verfügung stellen.

Große Teile des Landes und auch städtischer Ballungsräume sind so schlecht an den öffentlichen Verkehr angebunden, dass er das Auto praktisch nicht ersetzen kann. Von Bochum aus ist man mit dem ICE schneller in Frankfurt als man von Waltrop in Bochum ist. Und wenn nur ein Teil der Autofahrer, die bald aus den Innenstädten verdrängt werden oder sich die neuen, deutlich teureren Fahrzeuge nicht mehr leisten können, auf Busse und Bahnen umsteigen, wird das heute schon miserable System kollabieren. Wie man von Schmitten oder aus dem Rodgau nach Frankfurt zur Arbeit kommen und auf dem Rückweg vielleicht sogar noch einkaufen soll, ist ein Geheimnis, das weder Politiker noch Zeit-Redakteure bislang lüften konnten.

Und nein, das Nahverkehrssystem wird sich auch mit viel Geld nicht schnell ausbauen lassen: Bahnstrecken sind Großprojekte und Großprojekte werden in diesem Land durch Klagen über Jahre, zum Teil Jahrzehnte, verzögert.

Sicher, wenn die Automobilindustrie und ihre Zulieferer in den kommenden Jahren hunderttausende Jobs abbauen, wird es alleine dadurch weniger Verkehr geben, aber auch der Weg zur Arbeitsagentur muss bewältigt werden.

Das Ende des motorisierten Individualverkehrs ist ein Eingriff in die Freiheit der Menschen, in die Wirtschaft und das Leben und Wohnen, der nicht ohne Folgen bleiben wird.

Und diese Folgen könnten am Ende ganz andere sein, als sie sich das Öko-Bürgertum erhofft. Zu glauben, die Menschen ließen sich all das gefallen, ist ein wenig naiv.  Nun denn, den Untergang des Öko-Bürgertums werde ich mit Freude beobachten und kommentieren.

*Name geändert

RuhrBarone-Logo

44 Kommentare zu “Mit dem Auto stirbt ein Stück Freiheit

  • #1
    Werntreu Golmeran

    Sehr geehrter Herr Laurin,

    wer sich heute ein Auto leisten kann, hat im Zweifel auch genügend Wohnraum, um sich in diesem Fortzupflanzen.

    Die Meisten, die nach Ihrer Meinung an der "der Vernichtung des motorisierten Individualverkehrs" (seltsame Wortwahl, die mich an irgendetwas erinnert), arbeiten, haben im Zweifel wenig dagegen, dass Sie mit einem Elektrokleinwagen Ihre täglichen kurzen Wege zurücklegen.

    Ihr Argument, der ÖPNV könne nur langsam ausgebaut werden, ist ein Mär. Wenn der politische Wille da ist, kann man bei Großprojekten die Gesetze so ändern, dass das alles mit relativ wenig Widerstand durchgeht, wenn man die Betroffenen angemessen entschädigt. Einen Fall, den ich kenne, wo eine Brücke jahrelang nur halb gebaut in den Himmel ragte, war dadurch entstanden, dass die Stadt dem Eigentümer des Grundstücks, auf dem der zweite Teil der Brücke gebaut werden sollte, ein minderwertiges Ersatzgrundstück angeboten hatte. Dass das anders geht, wenn man will, zeigt ein Beispiel aus meiner Nachbarschaft. Dort stand lange ein zuvor industriell genutzter Gewerberaum mit Verdacht auf toxische Altlasten leer, da die Stadt für die weiter Nutzung fast unerfüllbare Auflagen machte. Als dann die U3-Kita-Garantie kam, genehmigte die Stadt in den selben Räumen die Einrichtung einer Kindertagesstätte, indem sie diverse Zugeständnisse bei der Baugenehmigung machte. So ist es ja auch beim sog. Abgasskandal und der Luftreinhalterichtlinie. Die jetzige Bundesregierung, so weit ich weiß alle Bundesländer und alle betroffenen Kommunen haben sich ja bisher auf den Standpunkt gestellt, dass sie geltendes Recht nicht einhalten wollen, indem sie weder geeignete Maßnahmen zur Einhaltung der Richtwerte ergriffen haben, noch dass sie die Autos, für die die Konzerne die Zulassungen erschwindelt haben, die Zulassungen entzogen haben (wo bleibt da eigentlich der Aufschrei der AfD? Rechtsbruch! Rechtsbruch! Rechtsbruch!). Und dabei ging es den Politikern auch nicht um den armen Autofahrer, sondern vor allem um die Autokonzerne. Bei einer entzogenen Zulassung hätten die Autokäufer nämlich ohne große Probleme vor Gericht Recht bekommen. Durch die Mauschelei und den fortgesetzten Rechtsbruch unserer Regierung gab es zwischenzeitlich zigtausend Verfahren vor den deutschen Gerichten, in denen die "armen Dieselfahrer" (Sie würden hier wahrscheinlich ein "MiMiMiMi" einfügen) Probleme dabei hatten, VW und Daimler die Absicht einer sittenwidrigen Schädigung konkret nachzuweisen.

    Aber anstatt Sie unsere Politiker und Regierungen in Bund, Land und den Gemeinden dazu auffordern, geltendes Recht durchzusetzen, hacken Sie lieber auf der Umwelthilfe rum und blasen gemeinsam mit der AfD in die Jammerflöte, des unterdrückten Autofahrers. Wenn das die LINKE machen würde, käme sofort der Aufschrei:

    Querfront! Querfront!

    Ob die gemeinsame Zielrichtung von CDU/CSU, FDP und AfD hier eine RECHTSFRONT bildet und Sie sich dieser zugehörig fühlen, soll Ihrer Einschätzung überlassen bleiben.

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Werntreu Golmeran: 2006 gab es die Idee für den RRX. 2030 soll er fertig ausgebaut sein. Ja, man kann die Gesetze ändern. Aber ich sehe nicht, das dies geschieht. Sie schreiben "CDU/CSU, FDP und AfD hier eine RECHTSFRONT". Naja, AfD und Grüne sind hässliche Schwestern, die beide von der Angst leben.

  • #3
    Wolfram Obermanns

    So einfach ist es, denke ich, nicht ganz.
    Seit dem Ende der 90’er ist die vorherrschende Landesentwicklungspolitik von dem Gedanken der zu fördernden urbanen Zentren geprägt. Was gut ist für London, Berlin, Madrid, Paris, aber auch Lyon, Toulouse, Mailand etc. ist gut für das ganze Land und die Region um die Zentren herum. Diese übersichtliche Strategie, deren Konsequenzen man ganz hervorragend am Niedergang der französischen Provinz in den letzten 15 Jahren studieren kann, prägt die strategischen Überlegungen zur Verwendung finanzieller Mittel.
    So ausgeprägt wie in zentralistisch organisierten Staaten wurde diese Theorie in D nie umgesetzt. Die relative innenpolitische Ruhe in D, ist die Ruhe der Provinz, die die Zentren am laufen hält. Das sieht in F, GB, E, PL und I ganz anders aus, dort erleben wir bereits den Aufstand der gern belächelten Provinz, gegen die Zentrale.
    Ob diese Beschlüsse bei der rasanten Erosion der etablierten politischen Kräfte in Europa die nächsten 5 Jahre überleben werden, darauf würde ich nicht wetten wollen. Zumal E-Mobilität auf absehbare Zeit keinen positiven Beitrag zur Minderung des CO2-Ausstoß leisten kann, eher im Gegenteil. Die Luft in den Zentren würde zwar besser, aber eben auch darum, weil einfach weniger Verkehr auf den Straßen ist.
    Gut möglich, daß wegen des Luftschutzes der Warenverkehr verstärkt in die Provinz ausweicht, da die Unternehmen kostengünstig erreichbar bleiben wollen. Demnach würde Berlin dem Rest der Republik auch langfristig weiterhin auf der Tasche liegen. Die Idee die Standards, die in den Metropolen unbestreitbar helfen würden, auch aufs platte Land zu übertragen, reduzieren aber relativ die negativen, ökonomischen Effekte für die Zentren.

  • #4
    Robin Patzwaldt

    Hmmmm. Nur eine kleine Beobachtung hier aus einer Kleinstadt am Rande des Ruhrgebiets meinerseits dazu. Ich wohne in einer Siedlung mit 1 und 2-Familienhäusern, Gärten, Hunden usw. Also genau das, was hier als Beispiel dient. Hier gehörte früher, in meiner Kindheit in den 70er und 80er-Jahren, zu jeder Wohnung ein Auto. Inzwischen hat sich die Zahl der PKW selbst zu meinen Lebzeiten mindestens verdoppelt. Paare haben heutzutage fast ausnahmslos mindestens auch zwei Autos, häufig deren Kinder auch schon welche. Im Haus bei uns gegenüber, wo früher ein Auto in der Einfahrt stand, wurde vor wenigen Jahren der Vorgarten komplett in einen Parkplatz verwandelt. Dort standen in Hochzeiten kürzlich bis zu 7 (!!!) Autos. Und das bei einer Doppelhaushälfte mit zwei Erwachsenen und deren Kindern. Das diese Entwicklung natürlich nicht folgenlos bleibt sollte ja klar sein.

  • #5
    Nansy

    Richtig! Linke und das Öko-Bürgertum hatten schon immer Schwierigkeiten mit dem Individualverkehr (der Anderen) – man selbst brachte die Kinder auch gerne mit dem Volvo-Kombi zur Schule. Also von dieser Seite ist eher klammheimliche Freude an der Entwicklung zu erwarten.

    Die kleinen Leute dagegen verstehen den ganzen Hexentanz nicht mehr – ich kann das auch gut verstehen, denn mit Logik ist das Ganze nicht mehr zu erklären, oder wie soll man den Leuten erklären, daß Feinstaub auf Bahnhöfen und U-Bahnhöfen die Grenzwerte für Autos locker überschreiten, oder daß eine Adventskerze 200 µg NOx pro Kubikmeter Luft verursacht (zünden sie bloß nicht alle vier Kerzen an), während im Freien für Autos 40 µg NOx gelten sollen? Das kann nicht mal der Abmahnverein DUH erklären, wenn man mal unterstellt, es ginge ihm wirklich um die Menschen.

    Nein, der Normalbürger sieht diesem Stück aus dem Tollhaus mit Fassunglosigkeit zu, während die politischen Parteien erst mal in Deckung gehen, nach dem Motto: vielleicht machen die Bürger ja nur die Gerichte und die EU für den Schlamassel verantwortlich.

    Aber selbst einfache Leute – mit denen ich gesprochen habe – wissen inzwischen genau, dass die eigenen Politiker die Beschlüsse der Vertretung der EU-Staaten, des Europaparlamentes und der Kommission mitgetragen haben (die Höffnung,es merke vielleicht keiner, ist fehlgeschlagen). Das Vertrauen in die Politik wird weiter schweren Schaden nehmen und man wird sich rächen wollen.
    Das gilt natürlich ebenso für die Insttutionen der EU, die von vielen ehe schon als reiner Regulierverein wahrgenommen wird.
    Leider sind deutsche Gelbwesten nicht zu erwarten, wir halten lieber still und ärgern uns schimmelig….

  • #6
    Thomas Weigle

    Wie, im letzten Sommer kam aber noch halbstündlich mit der S1 von Wiesbaden durchs Rodgau nach Oberroden. Hat sich daran was geändert,@ Stefan Laurin? Auch Mühlheim an der Rodau, wo ich herkomme, ist bestens mit der S-Bahn zu erreichen.
    Dass es heute einen Investitionsstau im ÖPNV bzw. einen mangelnd ausgebauten hat, ist nicht unwesentlich der Autolobby und ihren journalistischen Tintenkulis v.a. in der Springerpresse zu verdanken, die jahrzehntelang das hohe Lied der automobilen Freiheit pfiffen.
    Die Familie meiner Frau wurde in den 70ern ratzfatz enteignet-für den Bau der Westumgehung Halle. Solche Schnellenteignungen passierte in den ersten Jahrzehnten im ganzen Land. Dass das heute nicht mehr so einfach ist, auch beim Ausbau des SPNV, hat mit dem Widerstand der Bürger zu tun, die auf andere Verfahrensweisen drängten, weil sie sich nicht ständig überfahren lassen wollten.
    Die Krokodilstränen eines automobilen Exzentrikers über den schleppenden Ausbau des SPNV beeindrucken micht nicht.

  • #7
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Thomas Weigle: Schmitten ist eine weitläufige Verbandsgemeinde – und hat keinen S-Ban-Anschluss:
    „Das Weiltal war seit jeher ein Verkehrsweg von der Rhein-Main-Ebene nach Weilburg. Die Passstraße Rotes Kreuz von Königstein und diejenige über den Sandplacken treffen sich in Schmitten und führen durch das Weiltal an die Lahn. An Werktagen stellen die VHT-Buslinien 50/51 über Oberursel-Hohemark nach Bad Homburg sowie die Linien 60 und 80 nach Königstein bzw. Neu-Anspach stündliche Verbindungen zum Schienennetz her. An Sommerwochenenden bietet der Weiltalbus mehrmals am Tag eine Querverbindung von Bad Homburg bis ins Lahntal nach Weilburg.“
    Und der Rodgau besteht nicht nur aus Mühlheim am Main. Sorry, ich hab lange in Frankfurt gewohnt und mein "Stiefvater" in Schmitten. Ich kenne mich da schon aus.

  • #8
    Thomas Weigle

    @ Stefan LaurinIch habe mich auf Deine Bemerkung zum Rodgau bezogen Vom Taunus habe ich nichts geschrieben.Die Gemeinden längs der Rodau von Hausen-Obertshausen bis Rödermark-Oberroden werden halbstündlich von der S1 bedient, via Offenbach Ost. Jedenfalls im letzten Sommer noch. Mühlheim an der Rodau war ein Scherz, es heißt selbstverständlich Mühlheim am Main, die Rodau mündet da nur in den Main.

  • #9
    Arnold Voss

    Mit der Begrenzung des Individualverkehrs stirbt ganz klar ein Stück Freiheit. Aber das gilt nicht zugleich auch für den automobilen Individualverkehr, der anderen mit seiner Ausdehnung eben auch Freiheiten genommen hat, weil er viel zu viel Platz pro fahrender Person einnimmt. Das insbesondere da, wo es schon auf Grund der baulichen Verdichtung zu wenig davon gibt. Die Lösung kann deswegen nur in einer systematischen Verkleinerung und in der effektiveren Nutzung der Individualfahrzeuge liegen.

    Auf der Hand liegt hier nicht nur das Fahrrad, egal ob elektrische betrieben oder nicht. Eine weitere Lösung sind Roller und echte Kleinwagen. Entscheidender sind aber Konzepte wie sie die Firma Uber kommerziell betreibt: Die smarte Vielfachnutzung der vorhandenen Fahrzeuge, egal ob elektrisch betrieben oder nicht. Hier wird Individualverkehr nicht nur energetisch sondern auch räumlich optimiert. Das führt am Ende insgesamt zu erheblich weniger Fahrzeugen, ohne die Fahrmöglichkeiten selbst einzuschränken.

  • #10
    Werntreu Golmeran

    Ja, Herr Voss, Sie haben recht, das würde zu erheblich weniger Fahrzeugen führen, und deswegen wehren sich die heutigen Autokonzerne auch mit allen legalen und nicht wenigen illegalen Mitteln dagegen und graben sich damit ihr eigenes Grab. Und unsere Bundesregierungen wird dabei in weiten Teilen wie die koabhängige Frau eines Säufers, die alles hinnimmt, damit die Wahrheit, die alle eigentlich schon kennen, nicht auffliegen zu lassen. Ein Treppenwitz der Geschichte, dass derzeit mit Winnie Kretschmann in BaWü ein "GRÜNER" qua seines Amtes als Ministerpräsident der einer der größten Autolobbyisten Deutschlands ist.

    https://youtu.be/57UOP5s0mvg?t=20

    Dümmer geht’s nimmer, wie der Schwabe sagt.

  • #11
    Hans Peter

    Nein, Herr Golmeran,
    die Fahrzeugindustrie schaufelt mitnichten ihr eigenes Grab, sie investiert eher mächtig in die Eroberung von Fahrdienstleistungsmärkten.
    Mobilität ist das zukünftige Geschäftsmodell.

  • #12
    Ke

    Mir fehlt immer noch die Alternative zum Auto in meinem Leben.
    E Autos sind Autos mit allen Problemen der Autos. Dies gilt insbesondere dann, wenn sie gross und schwer sind. Die aktuellen Subventione sind für mich nicht achvollziehbar. Aber in der Regierung reicht ein Parteibuch als Quali, Fachwissen wird nicht vorausgesetzt. So ist die Politik auch nicht nachvollziehbar. Der kleine Mann hat Probleme, die er jetzt lösen muss.
    Für Elfenbeinturm Diskussionen über das Einhornland fehlt die Zeit.

    Herr Laurin hat die Probleme im Bereich Infrastrukturausbau angesprochen.

    Dann gehe ich davon aus, dass nach aktuellem Vorgehen der Politik und Abmahner auch E Autos bald dran sind. Sie sind nicht Öko, und es gibt Selbstdarsteller , die offiziell für den Planeten sind , ohne ein Problem im Gesamtzusammenhang zu lösen.

    Mit autonomen Fahrzeugen wird sich viel ändern, aber wir kommen nicht voran.

    Wie lösen wir unsere Transportprobleme im Bereich Personen und Güter , hierzu zähle ich auch Einkäufe. Mit Kleinwagen, Kkmbi, E Roller….

    Die Paketdienste sind auch böse, dabei ist offen, ob sie in der Ökobilanz positiv oder negativ zu betrachten sind.

    Die Grünen in BW machen Atomkraft, haben so viel Dreck in der Luft, dass Autos nicht fahren dürfen…
    Die Ökos im Ländle sind dann doch eher Dreckspatzen. Schöner kann man sich nicht entmystifizieren.

    Die Aufgabe ist die Suche nach Lösungen für den Transport, die dt. Autohersteller sind seit Jahren aktiv.
    Ist aber alles nicht so einfach wie :
    "Ich bin dagegen "
    Zu sagen.

    Ein Hauptproblem sehe ich in den Verkehrsministern, die einfach nichts Gescheites gemacht haben.

  • #13
    Werntreu Golmeran

    Das mag sein, Hans Peter, dass die Fahrzeugindustrie in Fahrdienstleistungsmärkte investiert, aber das wird dazu führen, dass im Endeffekt weniger klassische VW und Mercedes gebaut werden. Ein mögliches umweltfreundlicheres Konzept wäre dass jeder für die "individuelle Freiheit" einen E-Stadtflitzer hat und für längere Strecken entweder ein E-Leihwagen, einen neuen oder alten Taxiservice nutzt, oder den alten Benz(iner) noch in der Garage hat, bei dem dann der Liter Benzin oder Diesel ruhig 5 Euro kosten kann, der gute Benz hält dann aber auch 4-mal solange, weil er eben seltener zum Einsatz kommt. Wäre für Mercedes wahrscheinlich das Ende, wenn es nicht neben den Fahrdienstleistungen auch den Umbruch auf verbrennungsfreie Motoren schafft.

  • #14
    Werntreu Golmeran

    Doch, KE, die Verkehrsminister haben viel gemacht… … für die Autoindustrie und hoffen, vielleicht insgeheim auch einmal so einen lukrativen Job zu bekommen wie ihr Vorgänger Wissmann oder andere Ex-Politiker.

    https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/von-der-politik-zur-autoindustrie-das-sind-die-strippenzieher-der-autobranche/20124764.html

  • #15
    Thomas Weigle

    Es ist ziemlich heftig, wie hier von bspw @ke argumentiert wird. Die grundlegenden und entscheidenden Versäumnisse und Fehler in der Verkehrspolitik liegen nicht bei den Grünen oder den Umweltschützern, sondern bei den Politikern, die sich als Handlanger der Autokonzerne betätigt haben und natürlich bei den Autobossen, die über Jahrzehnte dreist , unverschämt und wider besseres Wissen einseitig den Autoverkehr, also den Individualverkehr gefördert haben. Sie haben Schneisen durch die Städte geschlagen, wohl mehr abgerissen als die Bomben der Anti-Hitler-Koalitionäre. Und als Gipfel der Unverschämtheit werden die kriminellen Machenmschaften der WeißeKragenGängster in den Chefetagen von VW hierzulande nicht mal entsprechend sanktioniert.
    Und es ist ja auch so, dass über Jahrzehnte unglaublich viel Geld in Tunnelstrecken vergraben wurde, statt den oberirdischen Schienenverkehr auszubauen. Nein, der musste sogar aus den Innenstädten verschwinden, damit die Autokolonnen auch ja genug Stauraum hatten und haben.
    Sehr schön kann man das bspw. in den zwei Bänden "Zeitreise durchs BOGESTRALAND" aus dem DGEG-Verlag nachlesen, die ich im Jänner hier besprechen werde.

  • #16
    Thommy

    Herr Laurin, können Sie, als ausgewiesener Autofahrer- und Autoindustrieversteher, mir erklären, wozu ein in der Stadt oder in Vorort lebender Mendch einen SUV oder gleich einrn Jeep benötigt. Als Fahrradfahrer Frage ich mich das jeden Tag und kann es mir nicht erklären. Dogar die Straßen sind in der Stadt, in der ich lebe, asphaltiert, so dass ich Zweifel habe, dass man dort einen großen SUV oder Jeep benötigt, um ans Ziel zu kommen.
    Also, ein bischen wundern muss man sich da schon- die Dinger nehmen Platz weg, sind teuer im Unterhalt und bei der Anschaffung , vwrpesten die Unwelt und oft sitzt nur eine Pwrson drin – normal gekleidet, so fass ich nicht davon ausgehe, dass man zur Safari unterwegs ist.

    Und- es werden immer mehr dieser SUVs, Jeeps, die aussehen wie Privatpanzer?

    Herr Laurin, was macht das für einen Sinn?

  • #17
    Mika

    Warum haben SUV-Fahrer eigentlich keinen offensichtlichen Drang jeden Fahrradfahrer von den Vorteilen des SUV-Fahrens zu überzeugen und ihm z.B. aufgrund der schlechten passiven Sicherheit von Fahrrädern selbige verbieten zu wollen? Umgekehrt aber schon? Weil #16 Tommy ein schönes Beispiel für den deutschen Spießer mit Sendungsbewusstsein ist. Wenn Leute sich von ihrem verdienten Geld sinnlos teure Pseudogeländewagen kaufen wollen, dann sollen sie. Ist Unsinn, scheint aber Spaß zu machen. Den hohen Verbrauch zahlen Sie auch, also bitte. Ich finde SUV aufgrund des doofen Fahtverhaltens übrigens total blöd, aber das tut nix zur Sache.
    Und wenn ein generelles Tempolimit kommen sollte, dann werde ich auch innerdeutsch viel mehr fliegen. Es trifft in jedem Fall die weniger reichen Menschen, die Autonomie einbüßen und das ist echt asozial.

  • #18
    Werntreu Golmeran

    Es ist echt asozial innerdeutsch zu fliegen. Im Gegensatz zu KFZ-Kraftstoffen wird Kerosin nicht besteuert, so dass jedes Jahr die zivilen Fluggesellschaften in Deutschland mit mehr als 7 Milliarden Euro subventioniert werden. Und die Bahn soll dagegen dem Staat noch Gewinne abführen. Das ist doch krank.

  • #19
  • #20
    Klaus Lohmann

    @#17 Mika: Wenn SUV-Fahrer anfangen, neue oder umgebaute Parkhäuser oder breitere Baustellen-Fahrbahnen oder größere Parkbuchten für ihre Ersatzpenisse zu fordern und sich gleichzeitig vehement gegen jeglichen Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer und anderer Bürger mit Geschwindigkeitsübertretungen, Hupen und Auspufflärm wehren, dann ist Schluss mit Toleranz oder falsch verstandener "Gleichstellung". Der Platz für solche "Coolness" und Anti-Spießer-Habitus ist nicht in den Städten, sondern auf den Brachen, stillgelegten Flugplätzen und in den Steinbrüchen der Republik.

  • #21
    Werntreu Golmeran

    @ Stefan Laurin

    "Umwelthilfe-Chef Resch nutzt gerne Inlandsflüge."

    Und genau darum sollte er dazu gezwungen werden, die wahren Kosten solcher Flüge auch zu zahlen. Und die dadurch eingenommenen Steuern sollte man zur Verbesserung des ÖPNV, des ÖPFV und des Schienengüterverkehrs verwenden. Aber nein, unsere Verkehrsminister erlauben lieber die Zulassung von Superlinern, oder wie die Dinger heißen, damit unsere Straßen noch schneller kaputt gehen und die Bauunternehmen auch immer schön was zu tun haben. Blanker Irrsinn.

  • #22
    Klaus

    "Nun denn, den Untergang des Öko-Bürgertums werde ich mit Freude beobachten und kommentieren."

    Lieber Herr Laurin, genau diese Haltung – oder besser Getriebenheit – ist es, was ihre Argumentationen regelmäßig vernebelt. Das Dauergenöle um Freiheitsverlust dreht sich weniger um die Sache, als um Ihre persönliche Abneigung gegenüber anderen Lebens- und Gesellschaftsentwürfen und – wichtiger – Interpretationen von Freiheit. Und die werden leider nicht verschwinden, so laut man auch Freiheit! Freiheit! kreischt.

    Lassen Sie das bei Ihren Anliegen doch mal außen vor (davon abgesehen, dass Ulf Poschardt daseh viel besser kann). Dann kann es wieder um die Sache gehen und tatsächlich argumentiert werden.

  • #23
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Klaus: Ich will niemandem seinen Lebensentwurf vorschreiben. Aber ich lasse mir meinen auch nicht nehmen. Warten wir mal die nächsten Jahre ab. Aber wie gesagt: Ich bin Optimist 🙂

  • #24
    Thomas Weigle

    @ Werner Golmeran Wenn, dann bitteschön sollen alle User der fliegenden Umweltmonster nur noch einen von Subventionen völlig befreiten Flugpreis zahlen. Und schon können die eine oder andere Landebahn und sogar kleinere Flughäfen wie Calden geschlossen werden.

  • #25
    Psychologe

    Wenn das böse Auto so von der Politik hofiert wurde, wie hier in manchen Kommentaren anklingt, frage ich mich, wo der nennenswerte (= lebensnahe) "grüne" Gegenentwurf zu all dem geblieben ist.
    Die geistige Schöpfungshöhe, die seit Jahren und Jahrzehnten durch die Medien geistert, verbleibt in nichtssagenden Wort- und Aussagehülsen wie der von den "intelligenten Mobilitätskonzepten" oder dem Mantra, der Güterverkehr gehöre von der Straße auf die Schiene (wie er da hin und von dort wieder in den Edeka kommt, ist wohl Klein-Klein, das der Denkzeit eines echten Visionärs nicht würdig ist).
    Auch gern genommen: "Der durchschnittliche zurückgelegte Weg mit dem Auto beträgt nur… …XYZ Kilometer". Schön für alle Durchschnittsmenschen. Der Durchschnitt streut aber. Durchschnittlich habe ich auch soundso viel Vermögen, allein mein Konto weiß davon nichts. Ich habe auch keine 0,3 Immobilien (und so weiter).

    Fakt für mich ist: Ohne meine Karre wäre ich meinen Job los. Diese sind in meinem Berufsfeld (siehe auch den Nicknamen) dünner gesät als viele denken. Ich habe also nicht einfach die freie Wahl. Ich fahre wirklich nicht gern, aber es geht nicht anders. Nicht unter den Bedingungen und Seitenaspekten wie z.B. den im Artikel auch angesprochenen Einkauf nach der Arbeit. Und irgendwann am Tag will ich auch mal zur Ruhe kommen. Nach der Arbeit noch mit dem ÖPNV einkaufen zu gehen, käme deshalb nicht in Frage. Und andererseits sind – dann notwendige – längere Öffnungszeiten in den Augen der Allesregulierer ja auch ganz böse.

  • #26
    Thomas Weigle

    #25
    Sie schätzen ihre Ruhe, viele andere finden keine Ruhe, weil ständig Autos vor ihrer Wohnung vorbeifahren. Dieser Konflikt lässt sich sicherlich nicht psychologisch lösen.

  • #27
    Psychologe

    Herr Weigle,
    denken Sie, bei mir würden keine Autos vorbei fahren?
    Der arg emotionalisiert-konstruierte Konflikt lässt sich vielleicht nicht "psychologisch lösen" (was immer das bedeuten soll), aber praktisch: Wir werden eben zum kollektiven Freizeitpark, den "der Dicke" damals schon zu diagnostizieren glaubte. Kein Auto, keine Arbeit. Das gibt sehr viel Ruhe für alle. Ob das dann erstrebenswert ist, steht auf einem anderen Blatt.

  • #28
    Thomas Weigle

    #27 Die Forderung nach einer autofreien Innenstadt bspw heißt nicht ein autofreies Land zu fordern.
    Ihre Einlassung ist insofern typisch für die Autowahnhaften, die aus der mehr als notwendigen Beschränkung des Individualverkehrs gleich " keine Autos nirgendwo" halluzinieren. Da ist weiß Gott jede weitere Diskussion überflüssig. Deshalb mache ich für mich den Deckel drauf, jedenfalls was die Diskussion mit Ihnen angeht

  • #29
    Werntreu Golmeran

    #28 Ich bin ja selten der gleichen Meinung wie Sie, aber bei #27 habe ich ähnliche Vermutungen wie Sie…

    Allen Ruhrbaronen und Kommentatoren wünsche ich geruhsame Weihnachten und einen guten Rutsch!

  • #30
  • #31
    Psychologe

    #28, #29

    Ich bitte um Erläuterung, inwiefern ich Autowahnhaft bin und halluziniere.

    Sie, Herr Weigle, tun hier gerade so, als sprächen Sie von einem breiten Konsens dahingehend, welche "sinnvollen Maßnahmen" zu ergreifen seien.
    Wenn Sie ehrlich sind, haben wir es eher mit einer Bandbreite zu tun, in der eigentlich kein bekloppter Einfall ausgeblieben ist. Einen Vorgeschmack darauf kann man gewinnen, wenn man sich den nahezu postfaktischen Irrsinn um Stickoxide, für die sich Jahre und Jahrzehnte kein Schwein interessiert hat, und deren noch hirnrissigeren Grenzwerte anschaut. Es wird also, wenn das Eine nieder gerungen wurde, der nächste Quatsch aus dem Hut gezaubert. So lang, bis nichts mehr übrig ist. Im Moment liegt zwischen den "sinnvollen Maßnahmen" und nächsten Eskalationsstufen teilweise nur die Spanne von "einmal schlafen". Nämlich dann, wenn der Abmahnverein "DUH" die nächste Sau durchs Dorf treibt.

  • #32
  • #33
  • #34
    Thomas Weigle

    #33 Nicht überraschend, schließlich habe ich eine lange und bewegte Laufbahn als Sonderschullehrer für Erziehungsschwierige und Lernbehinderte hinter mir.

  • #35
  • #36
    Wolfram Obermanns

    Die Kunst die Argumente des Gegenüber zu würdigen, scheint bei diesem Glaubenskrieg nicht sehr ausgeprägt zu sein. Die Verteufelung des Autos steht einer erstaulich irrationalen Verehrung dieses Konsumgutes gegeüber.

    Mancher wird sich an der Bezeichnung Konsumgut reiben, weil der PKW wesentlicher Baustein zur Ausübung des Berufs ist. Die mehrfach angesprochen SUV sind aber ein überzeugendes Gegenargument. Um von A nach B zu kommen braucht es kein Vehikel mit einem cw-Wert wie der Kölner Dom von der Westseite und einer Tonnage die anno Tuck einem Fahrzeug entsprach, mit dem ein ganzes Stadtviertel mit Kohlen versorgt werden konnte. Eine mobile Adipositas, die erheblich die Parkplatzsuche erschwert und die Spurbreite von 3,75m nach RQ31 vielen der Fahrern zu schmal werden läßt, ist einfach irre.
    Dieser Irrsin ist genau entgegensetzt den erklärten politischen Zielen zur Luftreinhaltung, aber gleichzeitig durch ein geeignetes, tonnage bereinigtes Reglement der Schadstoffklassen staatlich gefördert worden. Diese Fälschung reichte nicht, zudem mußten bei bekanntem Spritverbrach unmöglich im Straßenverkehr einzuhaltende Abgaswerte, wie sie aber auf dem Teststand gemessen werden können, als legitim anerkannt werden. Stimmen im Bundesverkehrsministerium, die auf diese Unstimmigkeit hinwiesen, wurden geknebelt.
    Da die Erkenntnis, hohe Tonnage und Fronten steigern den Spritverbrauch, kein Ingenieursstudium erfordert, rühren mich die Krokodilstränen der enttäuschten Käufer nicht wirklich. Wer glaubt diese Karren hätten irgendwas mit Ökologie zu tun, glaubt auch Fruchtzwerge wären gesund.
    Nur schade, die Standards für Abgaswerte von PKW werden seit mindestens 50 Jahren in Kalifornien formuliert und kontrolliert. Der Schmuh von Regierung, Herstellern und Käufern flog erwartbar an der ganz anderen Seite des Atlantiks auf.

    Dann haben wir da auch noch unsere Ökochonder, die in ihrer Genetik den Kampf gegen den Diesel angelegt haben. NOX-Werte, deren wissenschaftliche Unterfütterung stark hinterfragbar sind, werden zum Goldstandard ernannt. Nur blöd, die sind so niedrig, daß der Autoverkehr mühelos im Grundrauschen der Meßwerte verschwindet (wie u.a. ein Marathonlauf bewiesen hat). Fragen zur Stichhaltigkeit der Norm und deren korrekten Umsetzung bei Messung und Auswertung haben den VGH Wiesbaden jedenfalls schon mal einen Eilantrag zum resultierenden Fahrverbot in Frankfurt kassieren lassen.

    Mühelos vermengt werden damit die Feinstäube, für die aber seit Einführung der Partikelfilter alle anderen Fahrzeuge genauso mitverantwortlich sind. Und natürlich der CO2-neutrale Hausbrand, der in der Anheizphase soviel Stäube und CO2 rausballert, da könnten alle Porsche-Cayenne im Viertel im Standgas geparkt sein, das wäre nicht schlimmer. Hier wurde einmal mehr Ökologie mit Nostalgie verwechselt.

    Auf diese Anhäufung komplementären Schwachsinns, kommen Einkaufstips des Bundesministeriums, damit auch bestimmt der private PKW, wie es vom staatstragenden Konsumenten zu erwarten ist, alle zwei Jahre ersetzt wird. In der Presse werden inzwischen vor drei Jahren gefertigte Autos als "alt" bezeichnet, das ist sogar logisch, wenn man (scheinbar) alle zwei Jahre einen anderen, geleasten Dienstwagen fährt. Nur gilt auch hier, ein Auto wird i Sinne der Ökologie am besten aufgebraucht nicht alle zwei Jahre ersetzt. Aber was interessiert das die ökochondrischen Nostalgiker?

    Zum ÖPNV im Ruhrgebiet haben wir uns hier kürzlich ausgetauscht, lahm und teuer ist das Fazit. Wie ich vorrechnen kann, vergleichbar teuer wie der Einsatz des eigenen, halbwegs sparsamen PKW. Wenn aber der Preis in erster Näherung den Resourcenverbrauch widerspiegeln kann, was heißt das dann…

    Als letztes noch die Erinnerung daran, daß es unsere Ruhrgebiets-Ökos waren, die den Ausbau bestehender Bahntrassen zu Radwegen über Jahrzehnte behindert haben.
    Was aber auch nur klappte, weil unsere Ratssozis eh nur mit dem Auto unterwegs waren und gern bereit waren, dieses Geld nicht auszugeben.

    Und nun zum Schluß aus Europa eine neue CO2-Norm. Nun, wer aufmerksam mitgelesen hat, wird sich fragen müssen, ob das nicht überfällig war. Eine Bundesregierung, die sich als Vorvertriebsorganisation der Automobilindustrie sieht, und Vorstände, die sich fragen lassen müssen, welchen Illusionen sie in der Lage sind aufzusitzen, werden kaum in der Lage sein, entsprechende Ziele zu formulieren. Ziele, die heute bereits mit geeigneten PKW gut zu erreichen sind (wenn man entsprechend fährt).

  • #37
    Ke

    #36 W.G.
    Gute Zusammenfassung.
    Mir fehlt:
    E Auto Hype und Förderung von 2 Tonnen Fahrzeugen
    Feinstaub ist beim Auto böse. Wahre Ursachen und Vorkommen werden selten betrachtet. Beispiel: Feinstaub in U Bahnhöfen

  • #38
    fredroh

    Sehr geehrter Herr Laurin,
    Sie legen den Finger in eine Wunde, die offen da liegt. Aber die Diagnose stimmt nur teilweise. Wir benötigen das Auto und den Individualverkehr auch weiterhin. Es steht aber dem Ziel der CO2-Vermeidung und jüngst auch der Unterschreitung von Stickoxidobergrenzen im Wege.
    Unsere Politik hat deshalb ein androgynes Verhältnis zum Auto entwickelt.
    Einerseits wird es gebraucht, weil es die Wirtschaft am Laufen hält. Andererseits soll es aber möglichst nicht gefahren werden.
    Das Auto darf nicht ersatzlos gestrichen werden. Die Regierung stellt deshalb Gelder für den Umstieg auf ein Elektroauto, das nicht marktreif ist.
    Die umweltpolitischen Ziele werden damit allerdings nicht erreicht, sondern nur verlagert. Photovoltaik und Wind haben in etwa das Potential, die gesamte heute benötigte Strommenge ersetzen zu können. Wenn nun Elektroautos zusätzlich auf den Markt kommen, wird wird die benötigte Strommenge dann eben von Kohlekraftwerken erzeugt. Welches CO2 ist schädlicher?
    Die Politik scheint desorientiert und überfordert.
    Es werden deshalb Hindernisse in den Weg gestellt, die den Menschen zum "Nichtfahren" animieren sollen. Gleichzeitig werden keine Altenativen angeboten. Und das ist der eigentliche Skandal.
    Was mich am meisten aufregt, und wo keiner der aktiven Publizisten und Journalisten den Finger in die Wunde legt, ist die allmähliche Beraubung unserer Bewegungs- und Entscheidungsfreiheit durch Geschwindigkeitsbeschränkungen, die – propagiert als notwendig für Leib und Leben – den Menschen einengen, Artikel II GG wirkungslos machen und in Wahrheit der Geldbeschaffung dienen…..!
    Lieb gewordene Pfründe werden erfahrungsgemäß nicht so bald abgeschafft!

    Ihre Auffassung, der öffentliche Nahverkehr könne nicht ausgebaut werden, weil er ein Großprojekt ist, das in Deutschland kaum Chancen zur Verwirklichung hat, ist falsch.
    Milliarden werden im Augenblick dafür ausgegeben, das autonom fahrende Auto zu entwickeln.
    Von der Digitalisierung der Bahn spricht kein Mensch. Kein Wunder! Wenn die Bahn digitalisieren will, muss sie erst einmal investieren! Dem stehen die Gewinnerwartungen gegenüber, die Poltiik an die Bahn stellt. Der Haushalt soll auch mit Bundesbahngewinnen finanziert werden!
    Aber kein Verkehrsmittel hat ein ähnliches Potential für die Digitalisierung wie die Bahn! Schon als Kinder haben wir uns gefreut, wenn – nach teilweise langer Vorbereitung und erheblichen Investitionen – die Modelleisenbahn automatisch funktionierte. Und das waren alles analoge Steuerungen.
    Der Transit- und Langstreckenverkehr muss auf die Schiene!
    Ich habe an einer Eisenbahnbrücke über den Rhein gestanden und die Züge gezählt, die hinüberfuhren: Es waren etwa zwei bis drei pro Stunde. Dies ist eine ungeheure Verschwendung! Wir leisten uns 100.000 Pkw und Lkw pro Tag über eine Autobrücke und nur vielleicht 30 Züge pro Tag über die Eisenbahnbrücke?
    Digitalisiert könnten 12-15 Züge während einer Stunde fahren!
    Es sind Waggons entwickelt worden, die können nur mit Energie aus Bremskraftrückgewinnung und der Sonne 30-40km völlig autark fahren! Damit ist auch der kleinste Bahnhof separat ansteuerbar.
    Deshalb ist in einem Übergangszeitraum von 12-15 Jahren eine Verlagerung denkbar, die Transit- und Langstreckengüter huckepack oder per Container computergesteuert durch Deutschland transportiert. Beim Transport zum Umladeterminal und vom Zielbahnhof zum Zielort könnten – wegen der kurzen Reststrecke und wenn die Politik auf ihrem Konzept beharrt – Elektro-LKW zum Einsatz kommen.
    Wenn Sie einmal in München-Pasing am Bahnsteig stehen und sehen, in welcher engen Taktfolge heute schon S- und U-Bahnen hintereinander den Bahnhof ansteuern, dann bekommt man eine Idee, von dem, was – auf dem vorhandenen Schienennetz möglich sein kann.
    Fahren Sie einmal nach Südtirol oder Füssen. Auch andere touristische Gegenden bieten es mittlerweile an: ein Ticket zur freien Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel, finanziert aus der Kurtaxe.
    Wir alle zahlen Fernseh- und Rundfunkgebühren, weil wir Medien brauchen, auf die im Ernstfall Verlass ist, die uns verlässlich vor Gefahren warnen und informieren können.
    Alle Autofahrer sollen in Zukunft Maut zahlen, um einen Obulus für die Nutzung der Straßen zu erbringen, den wir längst in Form der Mineralölsteuer leisten. Auch alle Ausländer, die unsere Straßen nutzen!
    Aber für den öffentllichen Personennahverkehr fehlt eine derartige Abgabe! Ich stelle mir ein Monatsticket, von sagen wir 50 Euro, vor, und ich kann im ganzen Ruhrgebiet den ÖPNV frei nutzen!
    Dabei müssen soziale Härten abgemildert und Randlagen, sowie ländliche Gebiete wegen geringerer Nutzungsmöglichkeiten zunächst einmal speziell berücksichtigt werden.
    Aber grundsätzlich ist ein solches System ideal: Es versorgt die Nahverkehrssysteme sofort mit dem Geld, das sie für den Ausbau ihrer Versorgung benötigen.
    Da Ausbau und Erhalt des Nahverkehrs eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, muss jeder – unabhängig von der tatsächlichen Nutzung – die Nahverkehrsabgabe zahlen.
    Weil Autofahren kostet und Bus- und Bahnfahren bereits bezahlt sind, wird eine riesige Anzahl von Menschen umsteigen und – zumindest für die täglichen Strecken zur Arbeit und zum Einkauf, Busse und Bahnen stärker frequentieren.
    Gleichzeitig ist das Auto nicht tot. Es sichert den Individualverkehr weiterhin auf der Kurzstrecke. Seine eigentlichen Qualitäten bleiben aber auf der Langstrecke nutzbar.
    Und wenn Sie jetzt die Lärmbelastung anprangern, die durch die Ausweitung des Schienenverkehrs zu erwarten ist, dann müssen Lärmschutzwände gebaut werden, die gleichzeitig das Tageslicht zur Stromgewinnung nutzen und zusätzlich Mensch und Tier als Störfaktoren von der Schiene fernhalten!
    Die CO2- und Stickoxidwerte werden eingehalten. Die allgemeine Gesundheit verbessert sich.
    Und dass dieser Weg einfach ist, behauptet keiner. Soziale Härten und Ungerechtigkeiten wird es immer geben. Aber ist dies ein Grund, unsere Probleme nicht in den Griff kriegen zu wollen.
    Und übrigens – Herr Laurin – Kinder müssen heute nicht mehr im Auto gezeugt werden. Ihr gewähltes Beispiel ist pure Nostalgie, die aber nicht hilfreich zur Bewältigung des Problems ist.

  • #39
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @fredroh:Wenn man versuchen würde den Schienenverkehr mit neuen Strecken auszubauen gäbe es überall Bürgerinitiativen und Immobilienbesitzer die klagen und so alles verzögern würden. Ohne eine massive Einschränkungen der Klagemöglichkeiten kann es sowas wie eine "Verkehrswende" nicht geben.

  • #40
    abraxsrgb

    Wenn die Kinder im ÖPNV gezeugt werden, bekommt der Ausdruck Nahverkehrstriebwagen eine völlig neue Konnotation 😉

  • #41
    fredroh

    Entschuldigen Sie, Herr Laurin, es war in meiner Antwort nicht die Rede von einem Ausbau der Bahnstrecken. Das vorhandene Netz ist schon geschrumpft. Wir müssen es an einem Weiterschrumpfen hindern. Die Taktzeiten der Züge müssen enorm gesteigert werden. Das ist nur mit digitaler Technik möglich. Im Güter und Fernzugverkehr müssen sich Waggons selbständig finden und zu Zugverbänden zusammenschließen. Die erwähnten Waggons können vom Ladeort zum Zugverband und vom Zugverband zum Zielbahnhof autark fahren.
    Die Strecken müssen abgeschottet werden, so dass Mensch und Tier als Störfaktoren ausscheiden.
    Das gibt Potential für Solarstromerzeugung mit gleichzeitigem Lärmschutz.
    Viele Menschen, die heute geschädigt sind durch den Lärm der Züge werden sich mit der neuen Politik einverstanden erklären. Für die Strategie des Güterweit- und Transitverkehrs auf die Schiene wird es breite Zustimmung in der Bevölkerung geben.
    Die Nahverkehrsabgabe wird ungleich mehr Widerstand bewirken.
    Die Maut könnte entfallen. Ebenso könnte ich mir vorstellen, dass die Solidaritätsabgabe nun Nahverkerhrsabgabe heißt. Allerdings meine ich, dass sie nicht abhängig vom Einkommen sein sollte, sondern eine feste Größe.
    Das sind aber alles Details.
    Ich behaupte auch nicht, dass meine Vorstellungen das Gelbe vom Ei sind. Trotzdem sind viele der Gedanken realisiserbar
    Genauso wie die DBV-T2 Technik zu unterschiedlichen Zeiten eingeführt wurde, ist auch die Verwirklichung des digital gesteuerten Güter- und Personenverkehrs durchaus regional unterschiedlich einzuführen. Ich denke dabei an das Ruhrgebiet, das mit seinem Anhängseln von Münster und Westfalen, bis in Bergische Land und nach Düsseldorf hinein. durchaus als erstes Gebiet, auf der Basis einer Nahverkehrsabgabe, den Verkehr verbessern könnte.
    Ein (ferner) Schritt könnte die Wiederbelebung alter Bahnstrecken sein. Erst wenn das System voll ausgebaut und akzeptiert ist, werden neue Bahnstrecken erforderlich. Bis dahin können Elektrobusse den ÖPNV ersetzen und erweitern, genauso wie Elekto-LKW für den Gütertransport eingesetzt werden sollten.
    Es ist eine Aufgabe, die Zeit braucht, bis die Umstellung bewerkstelligt ist. Aber wenn wir sie nicht heute anpacken, wann sollte sie dann angegangen werden?
    Die Ziele Gesundheitsverbesserung, Verringerung der Erderwärmung etc. müssen endlich aktiv angegangen werden.

  • #42
    fredroh

    @Laurin: Es ist nicht die Rede von Streckenausbau und Erweiterung! Im Gegenteil: Die vorhandenen Strecken müssen wegen des Lärms und der Störanfälligkeit vor Mensch und Tier abgeschottet werden. Das wird viele Menschen mit der höheren Zugfrequenz aussöhnen. Wenn jetzt noch einer der Stromriesen als Investor in Photovoltaik längs der Eisenbahnstrecken (vielleicht auch darüber hinweg?) gewonnen wird, könnten mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen und die Kosten geteilt werden.
    An einzelnen Stellen müssen beschankte Bahnübergänge durch Tunnel- oder Brückenlösungen berührungsfrei gestaltet werden. Auch dies eine Lösung, die auf Zustimmung in der Bevölkerung stößt, teilweise schon lange gefordert wird.
    Aber das vorhandene Streckennetz reicht zunächst einmal vollkommen aus.
    Im Gegensatz zu unserem Verkehrsminister NW glaube ich nicht, dass unser Bahnnetz schon "völlig" ausgelastet ist. Schon gar nicht ist meine Vorstellung dem "Stammtisch" entsprungen.

  • #43
    Thomas Weigle

    @Fredroh Für eine Zugfolge von 12-15 Zügen stündlich braucht*s keine Digitalisierung. Das hat die Reichsbahn schon in der Zwischenkriegszeit ohne grö0ere Probleme hingekriegt. Die Bahnen fuhren in den Stoßzeiten alle drei Minuten auf der Berliner Stadtbahn. In Moskau fuhr man sogar im 90 Sekundenabständen. Jedenfalls in den 70ern.

  • #44
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @fredroh: Natürlich muss es ausgebaut werden – ganze Städte müssen angeschlossen werden. Irgendwie muss Mobilität bequem und günstig ermöglicht werden, was eine soziale Frage ist und sogar eine der Ermöglichung individueller Freiheit. Mobilität und preiswerte Energie sind ganz nebenbei zwei entscheidende Wachstumsfaktoren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.