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Mit Koran und Rosen für ein islamisches Deutschland

Konversion am Telefon

Konversion am Telefon

In einer Festhalle am Herner Großmarkt fand am Sonntag ein Treffen führender deutscher Salafisten statt. Die Vereinigung „Die wahre Religion“, die als „Lies“-Projekt bundesweit in Fußgängerzonen Korane verteilt, hatte zu einer Gala eingeladen. Verschiedene Redner aus dem salafistischen Spektrum waren angekündigt. Mit Abou Nagie ist der „Lies“-Chef zum Vortrag gekommen. Auch Sven Lau, der vor einem Jahr mit seiner „Scharia-Polizei“ für Aufsehen gesorgt hatte, ist anwesend.

Die Festhalle, die sonst meist für türkische Hochzeiten genutzt wird, liegt in einer kleinen Seitenstraße. Handgeschriebene Zettel führen die Besucher zum Ort der Salafisten-Gala. Den genauen Veranstaltungsort gab „Die wahre Religion“ erst am Sonntagmorgen bekannt. Aus der Sorge, sonst von Hooligans oder Kurden gestört zu werden. „Lies“-Chef Abou Nagie hatte erst am letzten Juliwochenende negative Erfahrungen mit jungen Kurden gemacht. Bei einem Koranverteilstand in Mannheim war er niedergeschlagen worden. Redner wie auch Teilnehmer der Gala betonen immer wieder den Mut Abou Nagies. Sven Lau bezeichnet den 51-jährigen Mann als „Panther des Islam“. Abou Nagie betrachtet die Attacke als Ehre. Er sei stellvertretend für den Islam angegriffen worden.

Fremden gegenüber sind die Salafisten misstrauisch. Verfassungsschutz? Nein, Journalist. Auch nicht viel besser in den Augen der Islamisten. Die Medien würden doch von den Juden kontrolliert, erzählt ein junger Salafist. Schnell wird er von einem seiner Mitstreiter verbessert: „Von den Zionisten!“ Immer wieder gibt es bei der Salafisten-Gala Kritik an den Medien, sei es in den Vorträgen auf der Bühne oder im Gespräch. Man müsse die Salafisten als Muslime bezeichnen, heißt es. Dass es andere Muslime gibt, die dem widersprechen würden, wird abgetan, diese hätten keine Ahnung vom Islam. Die Frage, warum viele junge Salafisten, die an den „Lies“-Ständen rekrutiert werden, in den syrischen Bürgerkrieg ausreisten, wollen die Anwesenden nicht gelten lassen. Es seien nicht viele, und bei „Lies“ sei man auch gegen den „Islamischen Staat“. Man solle sich einmal die türkischen „Ditib“- und „Milli Görüs“-Moscheen anschauen, dort würden viele nach Syrien reisen. Für Abou Nagie ist die Antwort noch einfacher. Ohne die Koranverteilungen würden noch viel mehr Menschen nach Syrien reisen. Aber mit „Lies“ hätten sie die Möglichkeit, hier für den Islam zu kämpfen. Die „Da’wa“, also die Werbung für den Islam, sei Dschihad in Deutschland.

Es geht teilweise sehr kurios zu bei der Salafisten-Gala. Während Sven Lau seinen Vortrag hält, kommt ein junger Mann aufgeregt mit einem Telefon in der Hand in den Saal gelaufen. Er schreit: „Brüder, hier will jemand den Islam annehmen!“ Das Telefon wird Lau gereicht, dieser plaudert kurz mit dem 18-jährigen Frederick. Obwohl Frederick sich über die schlechte Verbindung beklagt, sprechen beide das Glaubensbekenntnis. Der Saal preist Allah, die Salafisten können einen neuen „Bruder“ in ihren Reihen begrüßen. Später erzählt Abou Nagie, dass bei „Die wahre Religion“ täglich zwischen zehn und 20 Menschen den Islam per Telefon annähmen.

Abou Nagie spricht viel über die Praxis des „Lies“-Projekts. Die Stände in den Fußgängerzonen sollen gut aussehen, man solle die Rosen für den Infotisch nicht vergessen. Der Islam müsse sich als schöne Religion präsentieren. Jeder Tisch, in jeder Stadt habe die Aufgabe, den Islam zu repräsentieren und zu verteidigen. Der „Lies“-Chef macht den versammelten Koranverteilern Mut: „Allah hat mit dem deutschen Volk etwas Gutes vor! Ich spüre das.“ Nagie betont, in vielen europäischen Ländern gewesen zu sein, und in keinem so gute Voraussetzungen für seine Religion zu sehen. Auf Dauer gesehen ist es für Abou Nagie klar, dass die Mehrheit der Deutschen zum Islam konvertieren werde.

Was ein Islam salafistischer Ausprägung für Deutschland bedeuten könnte, zeigt sich an diesem Tag auch in kleinen Details. Neben den 150 Männern im großen Saal, sind auch Frauen anwesend. Die „Schwestern“ müssen durch einen Hintereingang in Nebenräume des Festsaals gehen. Auch die Grills, die vor der Halle aufgebaut sind, sollen die „Schwestern“ nur zu einer festgelegten Zeit benutzen, während die Männer im Saal sind. Die Vorträge der Salafisten-Prediger werden in die Räume der Frauen per Lautsprecher übertragen. Nur für eine Versteigerung bricht die strikte Geschlechtertrrennung etwas auf. Bei der Gala werden Bücher, Ketten und Uhren versteigert. Hierfür wird eine Tür zum Frauenbereich geöffnet. Der Auktionator weist die versammelten Männer allerdings vorher ausdrücklich daraufhin, nicht in die Richtung der Tür zu schauen.

Die Gala der Koranverteiler endet am Abend. Neue Gläubige wollte man hier offensichtlich nicht anlocken. In den Vorträgen ging es um die richtige Ausübung des Glaubens, und darum den Versammelten Mut zu machen und sie für die Stände in den Fußgängerzonen zu motivieren. „Lies“ zieht in den letzten Monaten vermehrt Kritik auf sich. In einigen Städten stellen sich Menschen den Salafisten entgegen. Doch Abou Nagie und seine Mitstreiter wollen weitermachen: mit Koran und Rosen.

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