
Ein urzeitlicher Riesenhirsch, Wolfsgeheul, preisgekrönte großformatige Bilder, der schlafende Bär und dazu die größte Indoor-Lichtskulptur der Welt – die am 20. März 2026 startende Ausstellung „Mythos Wald“ erweckt unsere Wälder zum Leben.
Emotional, überraschend, mitreißend und dabei stets wissenschaftlich fundiert: Vom 20. März bis 30. Dezember 2026 nimmt der Gasometer Oberhausen mit in die atemberaubende Schönheit unserer Wälder. In unterschiedlichen Kapiteln präsentiert „Mythos Wald“ die Diversität unserer Waldgebiete, deren Ökosysteme so unterschiedlich sind, wie die Klimazonen in denen sie vorkommen. Um den Äquator liegen die tropischen Regenwälder mit ihrer verschwenderischen Fülle, die mächtigsten Baumriesen wachsen tausende Kilometer weiter nördlich in Kalifornien und in den Transsilvanischen Alpen findet sich Europas letzter Urwald. Facettenreich ist der oft in Märchen und Sagen vorkommende Deutsche Wald mit seinen Eichen, Buchen, Fichten oder Kiefern und gilt dabei auch als Sehnsuchtsort.
Mit großformatigen, teilweise erstmals zu sehenden Bildern und Filmsequenzen zeigt der Gasometer, dass Wälder mehr als nur eine Ansammlung von Bäumen sind. Dafür widmet sich die Ausstellung den einzigartigen Tier- und Pflanzenwelten, zu deren Pracht an Geschöpfen, neben Wolf, Faultier, Eule, Braunbär oder einem zweieinhalb Meter langen Gliederfüßers aus dem Karbonzeitalter, auch das einzigartige Originalskelett des vor rund 7000 Jahren ausgestorbenen Riesenhirschs gehört. Oftmals im Verborgenen, findet sich eine ganz eigene Wunderwelt von Kleinstorganismen wie etwa das niedliche Bärtierchen, Armeisen oder farbenprächtige Schleimpilze. Die überwiegende Anzahl der ausgestellten Exponate stellen das Bonner Museum Koenig, das LWL-Naturkundemuseum Münster sowie das Essener Ruhrmuseum zur Verfügung.
Trilogie der Erde
„Unsere neue Ausstellung ‚Mythos Wald‘ ist der dritte Teil einer Trilogie, die mit ‚Das zerbrechliche Paradies‘ im Jahr 2021 begann, gefolgt von ‚Planet Ozean‘ in 2024.“ erklärt Jeanette Schmitz. Die Kuratorin und Geschäftsführerin der Gasometer Oberhausen GmbH weiter: „Gemein ist allen drei Ausstellungen die ungewöhnliche Kombination aus wissenschaftlichen Fakten und künstlerischer Umsetzung. Und so dokumentiert ‚Mythos Wald‘ neben den Folgen des Klimawandels auch wieder nachhaltige Lösungsansätze und schafft ein Bewusstsein für unsere Erde als schützenswertes Ökosystem.“
Poetische Morgendämmerung
Irgendwo auf der Welt geht immer die Sonne auf. Und so nimmt unsere audiovisuelle Installation „Global Sunrise“ mit auf eine sinnliche Reise durch den flüchtigen Augenblick der erwachenden Wälder auf fünf Kontinenten. Die Töne dieses magischen Tagesanbruchs hat Chris Watson, einer der führenden Spezialisten für Naturklangaufnahmen, für uns eingefangen und zu einer eindrucksvollen Komposition verwoben. Der Soundkünstler Tony Myatt inszeniert sie im Gasometer zu einem raumgreifenden Erlebnis.
Theresa Baumgartner, Verena Bachl und Karsten Schuhl übersetzen die morgendlichen Klangwelten in eine poetische Illumination. Baumartige Lichtobjekte bilden einen Waldrand, durch den sanft die ersten Sonnenstrahlen wandern. Entwickelt hat dieses Gesamtkunstwerk OCEANS21 aus Berlin.
Lebendiger Wald
Fast ein Drittel der Landfläche unseres Planeten ist von Wäldern bedeckt. Noch, denn die bewaldeten Gebiete schwinden rasant. Allein im Jahr 2024 wurden 6,7 Millionen Hektar Primärregenwald zerstört. Mit dem interaktiven Exponat „Der lebendige Wald“ macht Esri (Environmental Systems Research Institute) genau diesen Wandel erfahrbar und zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie Erdbeobachtung und künstliche Intelligenz Veränderungen in den Wäldern sichtbar werden lässt – von großflächiger Abholzung bis zu Stresssignalen auf Blattebene.
Salgados Amazonia
Einen fokussierten Blick auf das Amazonasbecken bieten die Aufnahmen von Sebastião Salgado – einem der renommiertesten Fotografen der Welt. Mit seiner Kamera porträtierte der kürzlich verstorbene Brasilianer nicht nur den Regenwald, sondern auch die indigenen Gesellschaften, die diesen prägen und bewahren. In der industriellen Atmosphäre des Gasometers machen Salgados einzigartige Schwarz-Weiß-Bilder nun als Slideshow die Vielfalt, wie auch die Verletzlichkeit, des Amazonas berührend sichtbar.
Der Baum
Den dramaturgischen Höhepunkt der neuen Ausstellung „Mythos Wald“ bildet eine bisher noch nie realisierte Kunstskulptur. „Der Baum“ ermöglicht als größte Innenraum-Lichtkunstinstallation der Welt einen einmaligen Blick aus dem optisch gestalteten Wurzelwerk in die 35 Meter hoch in den Himmel des Gasometers aufsteigende Baumkrone. Seit jeher begleiten Bäume die menschliche Vorstellungskraft, symbolisieren Wachstum, Lebensraum sowie Schutz und dienen zugleich als Projektionsfläche für Ängste oder Sehnsüchte.
Erschaffen von den Pionieren der Medienkunst, Ars Electronica Solutions aus Österreich, knüpft die monumentale Kunstinstallation an diese lange Beziehung an, betrachtet den Baum jedoch als lebendiges System aus Zirkulation und zeitlichen Prozessen. Diese Dynamiken übersetzt „Der Baum“ in sinnlich erfahrbares Geschehen, bei dem sich Licht verdichtet, wandert und pulsiert. Im Einklang mit einer eigens dafür geschaffenen musikalischen Komposition von Rupert Huber entsteht auf der Manege ein visuelles Erlebnis aus realer und abstrakter Schöpfung, das so nur hier im Gasometer möglich ist.
Die Zukunft der Wälder
Ohne unsere Wälder wäre ein Leben, wie wir es kennen, kaum möglich. Spielerisch führt der Gasometer mit „Mythos Wald“ daher auch junge Generationen an die wichtige Thematik heran. In dem Pavillon „WaldRaum“ auf dem Gasometer-Gelände informieren Pädagog*innen, Förster*innen und Ranger*innen vom Regionalverband Ruhr (RVR) und seinem Eigenbetrieb RVR Ruhr Grün über Wissenswertes aus den heimischen Wäldern.
Gegenüber befindet sich der „Zukunftswald“, ein Beitrag der Internationalen Gartenausstellung 2027. Wald als vertrauter Ort und zugleich als etwas, das sich unserem vollständigen Blick entzieht. Die Installation zeigt Ausschnitte, Fragmente des Waldes, die sich zusammen mit den Gedanken und Bildern der Betrachter*innen zu einem individuellen Ganzen fügen.
