11

Naidoo darf wieder für VOX johlen

10822378_886564981353936_1450992113_n

Singt Songs, trägt Goldene Bretter, steht unter Kriegsrecht: Xavier Naidoo (Bild: Kumi)

Medien – In diesen Minuten startet auf VOX wieder das erfolgreiche Johlereiformat „Sing meinen Song“. Gastgeber ist Aluhut- und Goldenes Brett- Träger Xavier Naidoo.
Die Zugehörigkeit des Mannheimer Betroffenheitsbarden zur demokratiefeindlichen Reichsbürgerbewegung ist für den Sender auch weiterhin nicht beanstandungswürdig – wie wir Ruhrbarone erfuhren.

Xavier Naidoo gehört nicht zu den hellsten Leuchten auf dem großen Kuchen des rationalen Denkens. Wir haben das an anderer Stelle dokumentiert. Für die Gesellschaft für kritisches Denken war Naidoos Licht sogar so schwach, dass sie ihn mit dem „Goldenen Brett vorm Kopf 2014“ ehrten.

Zurecht stellte die GkD fest:

Xavier Naidoos große Popularität führt insbesondere junge Menschen in eine abstruse Gedankenwelt aus unhaltbaren Behauptungen, in denen Hass und Angst mehr zählen als Fakten.

Auch viele andere Medien berichteten, über die verschwörungstheoretischen Welten, in denen Naidoo zuhause ist. Welten, in denen die BRD nur eine GmbH ist, es keine Verfassung gibt, wir immer noch unter Besatzungsrecht stehen – und die letztlich in Antiamerikanismus, und bisweilen Antisemitismus ausufern. Alles nicht gerade appetitlich – und sicherlich auch nicht unbedingt die Art von Aushängeschild, die man sich für seine Firma wünscht. Es sein denn, man ist die RTL-Gruppe, zu der auch der Sender VOX gehört.

Bereits unmittelbar nach Gewinn der Goldenen Brettes fragten wir nach, wie man es dort mit den demokratiefeindlichen Ansichten Naidoos hält. Detailliert fragten wir nach, ob man vom Gewinn des Goldenen Brettes durch Naidoo und von der „Laudatio“ wisse, was man über „fehlende Friedensvetrag“ und „Reichsbürgerbewegung“ denke und schließlich, wie man mit dem Vorwurf umgehe, dass man antidemokratische Gedanken dadurch salonfähig mache, dass man Naidoos Aussagen nicht nur nicht öffentlich verurteilt, sondern ihm sogar zusätzlichen Sendeplatz einräume.
Der Sender antwortete am 22.12. – allerdings nicht auf die Fragen im Einzelnen sondern wie folgt:

Xavier Naidoo ist bei uns als Sänger in einer Musikshow zu sehen, in der er – genau wie alle anderen Sänger auch – noch nie politische Statements geäußert hat. Trotzdem haben wir – nachdem Anfang Oktober Vorwürfe gegen ihn erhoben wurden – selbstverständlich das Gespräch mit ihm gesucht. Er hat sich sowohl uns als auch der Presse gegenüber von allen Vorwürfen deutlich distanziert. Weitere Fragen zu seiner politischen Einstellung und deren Einordnung müssten Sie bitte direkt an ihn richten.

Die Distanzierung von allen Vorwürfen muss an uns vorbei gegangen sein. Hm. Keine politischen Statements in der Show. Hm? Überzeugt nicht. Oder kriegt auch der Sänger von Landser eine Show bei VOX, wenn er nur in der Show keine politischen Aussagen macht? Eben.

Aber jeder macht einmal Fehler. Und deswegen sollte man Menschen die Möglichkeit geben, ihre Haltungen zu überdenken. So fragten wir dann im März diesen Jahres nochmal nach. Unlängst hatte Naidoo im Stern seine Aussagen erneuert – von einer Distanzierung konnte also keine Rede mehr sein. Genau das teilten wir auch VOX in unserer Anfrage mit, verbunden mit der Frage danach wie der noch deutlichere Antiamerikanismus Naidoos beurteilt wird. Schließlich wollten wir noch wissen, was eigentlich ein genau ein Moderator an politischem Statement von sich geben müsse, um für VOX untragbar zu sein. (Nein, wir haben nicht nach dem Landser-Sänger gefragt.)

Tja, und da Naidoo ja jetzt gerade über die Glotze flimmert, kann man sich die Antwort schon denken, oder? VOX am 17. März 2015:

Es ist richtig, dass Xavier Naidoo (…) bei uns in der Musik-Event-Reihe „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ zu sehen sein wird. Auch in der zweiten Staffel ist er als Gastgeber und Sänger dabei. An unserer Haltung hat (sich) dementsprechend nichts geändert. Bei Nachfragen zu Herrn Naidoos politischer Einstellung würde ich Sie nach wie vor bitten, sich direkt an ihn zu wenden.

Unterm Strich ist es VOX also anscheinend egal, wem sie da eine Bühne bieten, solange die Zuschauerzahlen stimmen. Das ist mehr als nur bedauerlich, so wie die Reichsbürgerbewegung mehr als nur lächerlich ist. Es ist gefährlich, weil es suggeriert, dass die Demokratiefeindlichkeit der Reichsbürger tolerierbar ist. Naidoo wirkt durch die Popularität seiner Person, gerade und immer noch bei jüngeren Menschen – denen wir eigentlich zeigen sollten, dass an exponierten Stellen in der Gesellschaft kein Platz für diejenigen ist, die unser Grundgesetz nicht anerkennen.

RuhrBarone-Logo

11 Kommentare zu “Naidoo darf wieder für VOX johlen

  • #1
    Berto

    Bei der Jury:

    http://goldenesbrett.guru/2014/kriterien-und-jury/

    würde ich als Sender über das Goldene Brett auch eher lächeln.

  • #2
    Spastian Schmeißmichweg

    Na zum Glück haben wir ja solche "Nicht"-Johlereiformate wie Dieter sucht die Superheulboje!

  • #3
    tom

    Der Antiamerikanismus ist an dem Tag vorbei an dem die Bestzungstruppen endlich Deutschland verlassen und wir endlich wieder frei sind. Frei von dem Joch der Unterdrückung.

    Auch das deutsche Volk hat ein Recht auf Freiheit.

    Das Herr Laurin das anders sieht liegt auf der Hand :), würden die Besatzungstruppen abziehen, würden sie dann hierbleiben??

    Es es die Angst zur Verantwortung gezogen zu werden!!

  • #4
    Stefan Laurin

    @tom: Angst? Vor so Schwachmaten wie Ihnen? Es gibt Folgen der Sendung mit der Maus vor denen ich mehr Angst habe. Übrigens: Ich hab jetzt ihre IP und weiß wo sie wohnen. Schauen Sie mal nach oben. Sehen sie die Streifen am Himmel? 🙂

  • #5
    Dagobert

    Ja, tom, hast recht. Die bösen, bösen Amis. Haben das gute tausendjährige Doitsche Reich 1945 besetzt und unseren armen Föhrer in den Tod getrieben. Schande über sie! Jeder einzelne von Ihnen ist schuld daran, dass Du Dir mit 5 Jahren keinen Arischen Doitschen Lolly leisten konntest… ^^

  • #6
    Jack

    @Tom: Wo fehlt es dir hier in Deutschland denn an Freiheit? Ich bin den Amerikanern, bzw. den Alliierten sehr dankbar. Sowohl für die Befreiung, als auch für den Marshall-Plan, der nach dem Zweiten Weltkrieg ganz Europa geholfen hat, wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen.
    Zu dieser Freiheit gehört übrigens auch, dass ich die amerikanische (Aussen)politik sehr wohl kritisieren kann. Dazu muss ich mich jedoch damit auseinandersetzen und da genügt es nicht die Überschrift eines Videos der YT-Akademie zu lesen und bei Gefallen zu teilen.

    Die Amerikaner haben hier in Deutschland noch Stützpunkte. Das ist vertraglich geregelt. Deutschland hat zur Zeit etwa 85 (meine ich) Bundeswehr-Stützpunkte in den USA, auch darüber existieren Verträge.

    Manchmal glaube ich, dass die ganzen Reichswichtel und VTler mal eine Woche in einem Land wie Nordkorea etc. verbringen müssten, um sich darüber bewusst zu werden, in welcher Freiheit wir hier leben.

  • #7
    Jotpunkt

    @Berto

    Oh nein, ein Haufen qualifizierter Akademiker! Wie lächerlich, absolut nicht ernst zu nehmen!

  • Pingback: Deutschland ist ein souveräner Staat, sagt sogar Gregor Gysi @ gwup | die skeptiker

  • #9
    Sarah

    Homophob und/oder antisemitisch zu sein ist das Recht eines jeden solange er seiner Meinung nicht mit Gewalt Ausdruck verleiht, das sollten sich alle die laut "Demokratie", "Toleranz", "freie Meinungsäußerung" usw. schreien hinter die Ohren schreiben. Menschen mit anderer Meinung/Einstellung aus der Öffentlichkeit verbannen zu wollen erinnert stark an alte Zeiten bzw. an solch demokratische Länder wie Russland …

  • Pingback: Xavier Naidoo: „Heldenverklärung statt kritischem Journalismus“ @ gwup | die skeptiker

  • Pingback: Xavier Naidoo will kein Antisemit und kein Reichsbürger sein und zieht in Mannheim vor Gericht @ gwup | die skeptiker

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.