13

Natur ist Faschismus mit Erdmännchen

Erdmännchen Foto: Kongkham6211 Lizenz: CC BY-SA 4.0

In der aktuellen Umweltschutzbewegung schwingt, wie in all ihren linken oder rechten Vorläufern seit Jahrhunderten, ein großes Maß an Zivilisationskritik mit. Industrialisierung, Wachstum und Technik werden als Grund für den Klimawandel ausgemacht. Einige wollen einen Systemwechsel, radikale Gruppen wie “Sand im Getriebe”, die bei der Internationalen Automobilausstellung auftraten, wollen letztendlich nichts anderes als die Vernichtung der Autoindustrie und Autarkie, denn sie stellen sich gegen das Exportmodell, das die Grundlage des Wohlstandes in der Bundesrepublik ist.

Als  Alternative erscheint dann schnell ein bescheideneres, naturnäheres Leben jenseits der Wachstumslogik, in dem die Menschen wieder vieles selbst machen und weniger kaufen oder mieten. Die Baumhäuser im Hambacher Forst sind somit mehr als ein Abenteuerspielplatz für Mittelstandskinder sondern eine Metapher für ein besseres Leben in einer Natur, die symbolisch aufgeladen wird. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht von der Erde als einer Mutter, Menschen werden immer wieder als Krankheitserreger des Planeten bezeichnet. “Treffen sich zwei Planeten. Fragt der eine: Wie gehts? Sagt der andere. Schlecht, ich hab Menschen:” ist ein beliebter Witz, der als Cartoon in den sozialen Medien immer wieder in Wellen gerne geteilt wird. Eine gängige Metapher für den Klimawandel ist “Fieber”, sie wird auch im ersten Teil von Kingsman von einem Tech-Milliardär verwendet, der einen großen Teil der Menschheit ausrotten will, weil er keine andere Alternative sieht, um den Klimawandel zu stoppen.

In der ganzen Hysterie um das Thema Klimawandel geht unter, dass er eine, sicher gefährliche, Folge einer unglaublichen Erfolgsgeschichte ist: Innerhalb von zweihundert Jahre verbesserte sich, ausgehend von Europa, das Leben von Milliarden Menschen: Ihr Wohlstand wuchs, es starben weniger Kinder, die Menschen sind heute gebildeter, werden älter und sind gesünder. Vor allem in den vergangenen 30 Jahren hat sich diese Entwicklung durch die Globalisierung beschleunigt und hat vor allem in den Menschen in Asien enorme Fortschritte in fast allen Bereichen gebracht.

Seitdem sich immer größere Teile der Menschheit auf einen Pfad hin zu technischen Innovationen, Wachstum und mehr Wohlstand begeben hat, sind immer größere Teile unserer Art dem Elend entkommen, dass für weit über 90 Prozent der Menschen seit dem Beginn der Sesshaftigkeit in den meisten Zeiten der Normalfall war.

Natürlich hat diese Entwicklung auch ihre Schattenseiten. Der Klimawandel und andere Umweltbelastungen gehören  ohne Zweifel dazu.

Doch wer glaubt, auf diese Belastungen mit weniger Wachstum und weniger Technik reagieren zu können und wieder ein “natürlicheres Leben” zu führen, begeht nicht nur einen fatalen Irrtum, er gibt sich einem verkitschten Bild von Natur hin.

Natur ist Faschismus mit Erdmännchen: Anpassung und Stärke werden belohnt, es geht vor allem darum, im Zentrum von allem steht die Weitergabe von Genen, einem Spiel, bei dem es viele Verlierer gibt. Schwäche, Krankheiten, Behinderungen, all das führt in der Natur meist zum Tod und in der Regel zum Ausscheiden aus dem Genpool. Je mehr wir uns von der Natur entfernen, je stärker wir auf Kultur, Technik, auf Zivilisation setzen, um so weniger sind wir von der Natur und ihren Regeln bedroht.

Weniger Technik, weniger Wohlstand bedeuten weniger Zivilisation, mehr Elend, mehr Krankheit, schnelleren Tod, Unbildung und Brutaliät. Die Menschengruppen, die am naturnahesten, natürlich leben Menschen nie, sonst wären sie Affen, leben sind die, mit den höchsten Anteilen an Toten durch Gewalttaten.

Der einzige Weg, den Klimawandel und Umweltbelastungen in den Griff zu bekommen, ohne in die Barbarei zu fallen, wird dann auch darin bestehen müssen, technische Lösungen bei gleichzeitigem Wirtschaftswachstum zu finden. Gentechnik, Kernenergie, Künstliche Intelligenz, Photovoltaik, Terraforming werden Lösungen bringen, die es uns ermöglichen noch lange auf diesem Planeten zu leben. Noch immer ist ein Großteil der Menschen arm. Nur Technik und Wachstum können diese Katastrophe, die für unsere Art die längste Zeit die Regel war, beenden.

RuhrBarone-Logo

13 Kommentare zu “Natur ist Faschismus mit Erdmännchen

  • #1
  • #2
    thomas weigle

    Im Augenblick bedroht uns die Natur über die bisher üblichen Maßen, weil wir sie aufgeheizt und tw. zerstört und umgeformt haben.
    Sicher wird es noch lange Menschen auf dem Planeten geben. Nur wie viele? Und wo?

  • #3
    Martin Conze

    Die Menschheit ist in der Lage, die Natur des Planeten im globalen Maßstab zu beeinflussen. Die Menschheit steht vor der Aufgabe, diesen Einfluss so zu gestalten, dass alle Menschen gleichermaßen Wohlstand genießen können.

    Gegenwärtig beeinflusst eine hochtechnisierte Minderheit die Natur zu Lasten der Mehrheit der Menschen. Die sich daraus ergebende Barbarei wird derzeit in Gestalt der Klimakrise für alle offensichtlich.

    „Technik“ und „Wachstum“ sind hier leere Floskeln. Eine zivilisatorische, d. h. gesellschaftliche Entscheidung ist erforderlich. Wir sollten nicht versuchen, uns darum zu drücken.

  • #4
    Arnold Voss

    Erforderlich ist erst mal, dass jeder selbst in dem Rahmen etwas tut, der ihm gegeben ist. Die Leitlinien dafür sind sehr einfach. 1. Da, wo du deinen Energieverbrauch ohne Nachteile für dich selbst verringern kannst, verringere ihn. 2. Da, wo ohne Nachteile für dich die Möglichkeit besteht, alternative Energien zu nutzen, nutze sie. 3. Da, wo du ohne eigene Nachteile die Produzenten und Anbieter unterstützen kannst, die das gleiche tun, unterstütze sie.

  • #5
    Gerd

    "Gegenwärtig beeinflusst eine hochtechnisierte Minderheit die Natur zu Lasten der Mehrheit der Menschen."

    Nicht ganz. Den größten und negativsten Einfluss haben die, die nicht hochtechnisiert sind. Umweltschutz leisten sich nur die wohlhabenden Gesellschaften.

  • #6
    Klaus Lohmann

    Wenn ein brasilianischer Präsident, Faschist und Menschenhasser seine Bauern dazu aufruft, den Regenwald niederzubrennen, weil man ja genug davon habe, ist das Faschismus gegen die Natur. Wenn im gleichen Land aus Korruption und purer Gewinnsucht deutsche TÜV-Prüfer alle technischen Fehler und Regelbrüche ignorieren und dadurch dutzende Tote auf dem Gewissen haben, ist das Barbarei. Und solche Taten werden nicht weniger, im Gegenteil. Sich als Menschheit dagegen zu wehren, sollte erste Menschenpflicht werden.

  • #7
    Claude

    Ich halte es für ein typisch neoliberales Argument, dass so genannter bewusster Konsum das Mittel der Wahl stellt! So kann ein gesellschaftliches Problem bequem individualisiert werden. So in etwa wie nur den Arbeitslosen Schuld an seiner Arbeitslosigkeit treffen soll.

    Ich bin seit über 23 von 35 Jahren Vegetarierin. Die Anzahl der Vegetarier und Veganer explodiert, mittlerweile kann man in jedem Dorfkrug vegetarisch essen.
    Nach der Logik des bewussten Konsums sollte bei ansteigendem Vegetarieranteil an einer gleichbleibenden Bevölkerungszahl und stagnierendem Lohnniveau und der besseren Vermarktung von Bioware, der Konsum und Absatz von industriellen Fleischprodukten doch wohl sinken? Das Gegenteil ist der Fall. Um Gründe dafür zu finden reicht ein Blick nach Rheda. Durch die Vermischung von wachstumsorientiertem (skrupellosem) Unternehmertum und einer willfährigen Subventionspolitik können die Stückzahlen soweit gesteigert, dass nicht nur die Deutschen, sondern auch die Rumänen, Ghanaer und bald auch Chinesen jeden Tag billiges Schweinefleisch essen! An welcher Stelle hätten die Konsumenten einen Einfluss auf diese Entwicklung gehabt?
    Mittlerweile bin zu der Annahme gelangt dass mein individueller Verzicht eher so etwas wie ein Feigenblatt für mich ist. Ich möchte einfach nicht mit in die Verantwortung genommen werden können!

  • #8
    Gerd

    Nur zur Info, der Präsident, der seine Bauern dazu aufruft, den Regenwald niederzubrennen, heißt Evo Morales, ist aus Bolivien und ein Linker. Was vermutlich auch der Grund für die intensive Berichterstattung über die Brände in Brasilien ist.

  • #9
    Klaus Lohmann

    Wie immer: Nö, Gerd.

    Brasiliens Präsident heißt Jair Bolsonaro und ist ein frauenfeindlicher, schwulenfeindlicher, rassistischer Rechtsaußen, der gegen Regenwald-Umweltschützer das Militär einsetzen will und die Abholzung der Wälder vorantreibt (https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2019-08/waldbraende-trockenheit-amazonas-klimawandel-abholzung-brasilien-indonesien).

  • #10
    Klaus Lohmann

    Ach, und wo wir grad bei linken Politikern sind – In Brasilien hat ein Rückgang der Flächenvernichtung des Regenwalds durch Brandrodung in den letzten 20 Jahren nur unter den beiden linken Vorgängern des Nazi-Präsidenten, Lula da Silva und Dilma Rousseff, stattgefunden (https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/amazonas-jair-bolsonaros-feldzug-gegen-die-wissenschaft-a-1287486.html).

  • #11
    Gerd

    Selbst rechten Tendenzen völlig unverdächtige Medien kommen nicht umhin über die Machenschaften des Herrn Morales zu berichten:

    https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-09/bolivien-amazonas-waldbraende-evo-morales
    https://www.zdf.de/nachrichten/heute/waldbraende-bestimmen-wahlkampf-in-bolivien-100.html

    Während die Brände in Brasilien nur außergewöhnlich sind, wenn man sie nur mit dem letzten Jahr vergleicht. Nimmt man den Schnitt der letzten 15 Jahre, liegen sie im Mittelfeld.

    https://earthobservatory.nasa.gov/images/145464/fires-in-brazil

    Würde da ein Linker regieren, wäre das kaum ein Thema.

  • #12
    Thilo

    @ Gerd

    werden Sie dafür bezahlt, daß Sie – seit Jahren! – rechte Fake-News bei den Ruhrbaronen verbreiten?

  • #13
    Klaus Lohmann

    @#11: Warum lesen Sie eigentlich nicht das, was andere vor Ihnen schreiben?? Ich hatte extra erwähnt, dass Brasilien unter linker Führung die katastrophale Entwicklung der Brände eingedämmt, aber Nazi-Bolsonario mit seiner Amtseinführung diese positive Entwicklung durch Freibriefe für seine Bauern komplett gekippt hat. Das Flächenverhältnis des brasilianischen Amazonas-Gebiets zum bolivianischen Amazonas-Anteil beträgt ca. 12:1 und im Gegensatz zu Nazi-Bolso leugnet Morales mittlerweile die Problematik nicht mehr.

    Aber wenn Sie weiterhin irgendwelche Fake-Zusammenhänge konstruieren wollen – warum nehmen Sie nicht einen Filzschreiber und malen sich einfach ein Kringel Alabama neben Brasilien?? Dann ist auch Trump schuld – nein, halt, Hillary und Obama natürlich;-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.