Nazis auf Anti-Israel-Demos: Von „Suren-Siggi“ und „Ziegenfickern“

In Israel eingeschlagene Raketen, aufbewahrt in Sderot nahe des Gazastreifens.
In Israel eingeschlagene Raketen, aufbewahrt in Sderot nahe des Gazastreifens.

Deutsche Neonazis stehen angesichts der antiisraelischen Demonstrationen dieser Tage vor einem Dilemma: Einerseits verabscheuen sie den jüdischen Staat und unterstützen daher die oft antisemitischen Forderungen der antiisraelischen Demonstranten. Andererseits hassen sie „Ausländer“ und Moslems – doch genau mit denen müssten sie ja auf die Straße gehen. Das entzweit gerade die Partei „Die Rechte“ aus Dortmund. Eine Facebook-comment-Schau.

Wäre es nicht eingebettet in eine große Gesamtscheiße, könnte man sich glatt darüber amüsieren. Auf Facebook zerlegen sich gerade deutsche Neonazis gegenseitig. Dabei geht es im Kern um die Frage, was schwerer wiegt: Der eigene Antisemitismus, oder der Rassismus.

„Die Palästinenser gehören zu der Gruppe Ausländer, die in Deutschland am meisten Straftaten begeht und nur weil es um Israel oder „Zionismus“ geht, soll man sich mit dem eigentlichen „Feind“ verbünden? Das empfinde persönlich ich als einen angrenzenden Verrat an der gemeinsamen Sache“, schreibt User „Gerrit“ in einem Kommentar auf der Facebook-Page der Neonazi-Partei „Die Rechte“. Ihm entgegnet „Harry“: „Was heißt mit Palis verbünden? Man hat nur gemeinsame Feinde, mehr nicht, Gerrit. Zudem ist das zionistische Netzwerk, das mit Hochbetrieb an der Ausplünderung der Völker durch das Goldman-Finanzimperium arbeitet der weitaus übergeordnetere Feind als nur ein paar Drogen vertickende Araber.“

Der Disput steht symptomatisch für ein ideologisches Dilemma der Neonazis. Der Dortmunder „Rechte“-Kader Michael Brück wurde jüngst auf einer arabisch geprägten Anti-Israel-Demo gesehen. Die eine Fraktion betont den „gleichen Feind“ Israel (und also die Juden), die anderen ereifern sich über „Ziegenficker“. Die Fronten sind verhärtet.

Ein „Poldi“ kommentiert: „Zum kotzen, Vollpfosten von rechten!!! Ein Patriot würde niemals gemeinsame Sache mit den Islamisten und Terroristen anstreben….Was Deutsch ist, muß auch Deutsch bleiben!“ Und „Harri“ meint: So eine Scheisse. Wie kann man mit diesen Ziegenfickern gemeinsame Sache machen. Es gibt keine Pallästinenser .Das sind in der Mehrzahl jordanische Gastarbeiter und deren Nachkommen.Und was sich bei uns einen Schmarotzeraufenthalt gesichert hat und „Palästinenser“ oder Araber nennt ist meistens Kurde.“ „Markus“ fügt hinzu: „Zusammen mit musels…so verliert man glaubwürdigkeit….“. „Gerrit“ spitzt zu: „Wäre es nicht sinnvoller, wenn Siggi sich jetzt „Suren-Siggi, statt „SA-Siggi“ nennt? Ist nur ein Vorschlag!“

Die „Rechte“ äußert Verständnis für eine Teilnahme.

Sie schreibt:

„Die israelische Aggression gegen die palästinensische Zivilbevölkerung als Selbstverteidigung zu verklären, ist so paradox, dass es überrascht, in nationalen Kreisen Anhänger einer solchen Theorie zu finden. Wer sich die Todeszahlen der jüngsten Eskalation ansieht, kann sich weitere Ausschweifungen sparen: Mehr als 100 ermordete Palästinenser, aber kein einziger Israeli. Komische Umstände für eine angebliche Notwehr.“

„Umi Aga Baba“, dem Profil zufolge türkischer Herkunft, freut das: „Obwohl ich nicht in euer profil passe muss ich euch danken ,dass ihr nicht die aggression israels toleriert!“

Der „NPD Kreisverband Unna/Hamm“ sieht die Sache etwas anders. In einem Kommentar heißt es: „Die Teilnahme an einer solchen Demonstration ist natürlich eine schwierige Angelegenheit. Dass wir Völker in ihrem Streben nach Unabhängigkeit unterstützen ist ja klar, dass wir gegen den zionistischen Bombenkrieg im vorderen Orient sind, ist genauso klar. Bedauerlich ist natürlich, dass derartige fremdländische Demonstrationen in Dortmund statt finden. Angebrachter wäre es, wenn diesen mutigen Palästinenser ihr “ Allah akbar“ in Israel schmettern würden oder sich mit der Waffe in der Hand dort betätigen würden von wo sie herkommen. Wären wir das lebenskräftige Volk noch, das wir bis Mitte des letzten Jahrhunderts gewesen sind, wäre es kein Problem mit diesen Leuten zusammen zuarbeiten, deren Vorfahren 1916 mit dem Ruf “ Alemanya büyük“ die Westalliierten angegriffen haben unter dem Oberbefehl des deutschen Generals Liman von Sanders, unter dem auch der spätere Gründer der modernen Türkei Kemal Pascha Atatürk seine militärischen Sporen verdient hat. Aber so, ist die Lage erheblich schwieriger.“

„Thomas“ fügt hinzu: „Trollig. Ich dachte ihr wärt gegen Musels im Land wo euch die Arbeit, Plätze im Gymnasium, Universitäten klauen „Palästina“ ist ein großer Freund der Linken, Anti-Imperialisten / Autonomen Bewegung. Ausnahme (Antideutsche Bewegung). Eure Rechte Ideologie sind voller Widersprüche, ihr seit so Wendehälse ! Vielleicht wählen euch 2-3 Palis aber dann auf der nächsten Demo seit ihr wieder aktiv gegen diese Ausländer am Start, ist klar“.

Auf den derzeit stattfinden Anti-Israel-Demos werden immer wieder Neonazis gesichtet. Polizei und Mitdemonstranten scheint das bisher nicht zu stören. Sprüche wie „Tod den Juden“ und „Juden ins Gas“ werden skandiert. Ob und was linke Gruppen, die zu ähnlichen Demos aufrufen, gegen eine Teilnahme von Neonazis unternehmen wollen, ist noch unklar.

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