18

Nizza: Hoffen wir alle, dass durch die in der Kirche geköpfte Frau nicht die Gefühle von Erdogan und General Sisi verletzt wurden

Recep Tayyip Erdogan Foto: ArtemAugust Lizenz: CC BY-SA 4.0

Ein muslimische Terrorist hat heute Morgen nach Medienberichten in Nizza drei Menschen ermordet. Zwei wurden in der Kirche Notre-Dame erstochen. Unter den beiden Toten in der Kirche war eine 70jährige Frau. Sie wurde geköpft. Der Täter rief  „Allahu Akbar“.

Eine fürchterliche Tat. Aber es ist jetzt schon klar, wer sich als wahren Opfer sehen wird. Menschen wie der türkische Staatspräsident Erdogan und sein Kollege General Sisi, der Ägypten regierende Diktator. Beide sind sehr schnell aufgebracht, wenn jemand aus dem Westen ihre Gefühle verletzt. Zum Beispiel durch Karikaturen oder Kritik am Islam. Gut, wenn der Islamischen Staat oder Syriens Diktator Assad hunderttausende Muslime abschlachtet, finden sie es nicht so schlimm. Aber bei Kritik  ihrer Religion werden sie rasch unwirsch. Und eine abgeschlachtete und geköpfte Frau in einer Kirche – da werden die Reaktionen nicht freundlich sein. Und dann jammern, heulen und hetzen sie wieder, die beiden Sensibelchen und ihre Anhänger in aller Welt. Bis zur nächsten Köpfung.

RuhrBarone-Logo

18 Kommentare zu “Nizza: Hoffen wir alle, dass durch die in der Kirche geköpfte Frau nicht die Gefühle von Erdogan und General Sisi verletzt wurden

  • #1
    Walter Stach

    "Klare Kante" von Bundesregierung und Bundestag gegenüber allen (!!) Regierungen, die offenkundig die mörderischen Anschläge seitens radikaler Islamisten stillschweigend -und damit indirekt billigend- zur Kenntnis nehmen (und (mit-)finanzieren?- , stattdessen Frankreich und dessen Präsidenten (be-)drohen?

    Nichts von alldem geschieht seitens der Bundesregierung/seitens des Bundestages, was ich dieserhalb für denkbar, für möglich und für notwendig halte; gar nichts!!!

    Es gibt nicht einmal die Abgabe einer Erklärung der Solidarität mit Frankreich, mit Macron , z.B. einhergend mit einem politischen Apell an die Türkei, an alle arabischen Staaten, an den Iran , sich unvmißverständlich von diesen mörderischen Attacken zu distanzieren. Weiter nachdenken will ich erst gar nicht darüber, ob es nicht für Frankreich und Deutschland (und andere EU_Staaten?-) an der Zeit sein könnte, einen Einfuhr-/Ausfuhrstopp im Handelsverkehr mit diesen Staaten offen/öffentlich in Erwägung zu ziehen.

    Ich habe ähnliche Gedanken hier bereits vorgetragen im Zusammenhang mit der Diskussion über den Umgang der sog. Linken in Deutschland/in Europa mit dem radikalen politischen Islamismus, selbstverständlich ohne jegliche Wirkung.

    Meine Bemerkung in Richtung "staatliche Organe" steht nicht in Widerspruch zu der Notwendigkeit, daß es auch in den sog. westlichen Gesellschaften -in ihren relevanten Organisationen, in den Medien-, u.a. in Deutschland – und seitens ihrer einzelnen Mitgliedern mehr denn je des Nachdenkens darüber bedarf, was sie (und wie sie) ihrerseits tun können im Kampf gegen die radikal-fanatischen Islamisten bzw. gegen die Ausbreitung/Verfestigung ihrer Ideologie in Deutschland/in Europa.

  • #2
    der, der auszog

    @Walter

    Du hast in Deiner Aufzählung unseren Bundespräsidenten Frank Walter S. vergessen, der die dumme Angewohnheit hat, den iranischen Mullahs immer mal wieder zur Gründung ihrer theokratischen Republik zu gratulieren… mal mit Absicht, mal versehentlich, je nachdem wer ihn dafür gerade kritisiert. Vor 2 Tagen ließen die Mullahs den französischen Botschafter antanzen, nicht um ihr Beleid wegen Samuel Paty zu bekunden sondern um sich wegen der Mohamed Karrikaturen zu beschweren

    https://www.welt.de/politik/deutschland/video189441859/Nationalfeiertag-Islamkritiker-Hamed-Abdel-Samad-attackiert-Frank-Walter-Steinmeier.html

  • #3
    nussknacker56

    In Deutschland duckt man sich weg, statt sich offensiv und solidarisch neben Frankreich zu stellen. Auch eine Art, europäische Positionen gegen Islamismus und den türkischen rechtsradikalen AKP-Führer zu verdeutlichen. Allmählich gewinne ich den Eindruck, das sind die wahren europäischen Werte.

  • #4
    Helmut Junge

    Die Forderung von Walter Stach an die Regierung Merkel klare Kante zu zeigen, ist aber unabhängig vom Handeln des Bundespräsidenten und einer möglichen Kritik daran, vollkommen richtig. Ein Eu-Mitglied, ein wichtiges sogar, wird angegriffen, und die Eu muß reagieren. Mich wundert es nicht, wenn die EU ohne Rückhalt untereinander zerbricht. Ob es eine wirtschaftliche Verflechtung ist, die größer als bei den anderen Mitgliedern der Eu ist spielt dabei , darf dabei keine Rolle spielen. Merkel als Bundeskanzlerin wird Macron noch oft brauchen. Als EU-Ratspräsident hat Deutschland sogar eine Doppelverpflichtung. Alles wird schlimmer, wenn Deutschland sich auf halbherzige nette Statements begrenzt. Da hat Walter völlig Recht. Steinmeier? Der hat das zu unterstützen, was die Regierung macht. Insofern gilt die Forderung der Regierung. Auch wenn es der Chefin gerd mal nicht in den Kram paßt. Die Folgen werden schlimmer sein, jetzt nicht richtig zu reagieren. Es wird Zoff in der EU geben. Und dann?

  • #5
    Walter Stach

    der, der…..
    Ich habe in menem Beitrag -2- zum nächstfolgenden Kommentar hier bei den Ruhrbaronen (Gauland…..) angemerkt, daß das dort und jetzt hier vorstehend unter -1- von mir kritisch hinterfragte Tun/Nichtstun von Bundestag und Bundesregierung das Ergebnis eines jeweils sorgfältigen und verantwortungsbewußten Abwägungsprozesses sein könnte zwischen moralischen Prinzipien und sog. westlichen Wertvorstellungen und deren Achtung/Durchsetzung einerseits mit andererseits der Pflicht sein könnte, die staatlicher Organen ( den Mandatsträger, den Amtsinhaber), obliegt, nämlich stets versuchen zu müssen, die Interessen "ihres" Staates zu wahren. Das würde dann auch für das von Dir vorstehend kritisierte Verhalten des Bundespräsidenten gelten.

    Mein Abwägungsprozess zwischen…… hat mich jedenfalls dazu veranlaßt, das bisherige Tun/Nichtstun deutscher Staatsorgane wegen der erneuten Morde seitens eines radikal -fanatischen Islamisten in Nizza kritisch zu hinterfragen und damit zugleich das Tun/Nichtstun deutscher Staaatsorgane z.B. gegenüber der Türkei, gegenüber arabischen Staaten, die mehr oder weniger offen derartige terroristische Morde "billigend in Kauf zu nehmen scheinen" oder , wie es jetzt geschieht, diejenigen massiv angreifen und ihnen drohen, die den Mördern, die deren Ideologie und die deren Hintermänner -Geld-/ Auftraggeber?- den Kampf ansagen.

    Das Ergebnis dieser meiner Abwägung steht nicht in Widerspruch mit der auch von mir beachteten Pflicht, deutsche Interessen zu bedenken, denn das sind letztendlich auch meine. Im Gegenteil. Ich meine, daß nicht nur politisch-moralische Prinzipien und sog. westliche Wertvorstellungen "klare Kante" -sh. oben einleitend zu -1- erfordern, sondern auch -und vor allem- die Wahrung der Interessen Deutschlands. Letztere gebietet m.E. – und das nicht nur jetzt und hier, sich z.B. und im Regelfall mit Frankreich zu solidarisieren, denn alles andere würde auf Dauer den Interessen Deutschlands gravierend schaden.

    Ich erwarte – selbstverständlich -nicht, daß "jedermann" am Ende seines Abwägungsprozesse zu dem gleichem Ergebnis kommt wie ich. Und schon gar nicht erwarte ich das von solchen Prozessen in staatlichen Organen. Wünschen würde ich mir allerdings, wenn mir jeweils erklärt würde, was in einem solchen Abwägungsprozess letztendlich ausschlaggebend war für das betreffende Tun/Nichtstun des staatliche Organes bzw.. der Mandatsträger, der Amtsinhaber. Das geschieht in der Regel nicht,, folglich fehlt mir die Möglichkeit zur Akzeptanz der jeweiligen Entscheidung, des jeweiligen Tuns/Nichttuns, und das gilt vor allem dann, wenn ich persönlich diese Entscheidung nicht teile.

  • #6
    Walter Stach

    -4-
    Helmut Junge,
    ich hätte mir meine Antwort auf "der, der….-2-" ersparen können, wenn ich vorher Deinen Beitrag -4- gelesen hätte. Das habe ich nicht, also….

  • #7
    Helmut Junge

    Walter Stach, unser @dda hat immer eine Antwort verdient. Insofern schadet es nicht, wenn er sogar zwei Antworten kriegt. Die Mühe lohnt sich. Ich wäre froh, wenn er sich öfter melden würde.

  • #8
    thomas weigle

    @Stefan Laurin Danke für die klaren Worte. Hoffentlich verortet man dich nicht im rechten Sumpf. Damit sind ja einige schnell zur Hand, wenn Muslime kritisiert werden.

  • #9
    der, der auszog

    Lieber Walter, lieber Helmut

    Meinen Kommentar wollte ich als Ergänzung zu #1 verstanden wissen, was zum einen damit zusammenhängt, dass es sich sowohl bei Erdogan als auch bei Macron in ihrer Funktion als Staatspräsidenten um die höchsten Repräsentanten ihres Staates handelt. Zum anderen aber auch, weil in der Person Frank Walter Steinmeiers sehr gut sichtbar wird, dass die opportune Haltung der deutschen Führungseliten gegenüber dem Despoten vom Bosporus eine gewisse Tradition hat. Sicherlich könnt ihr euch noch an die Armenienresolution des Bundestags erinnern, die vor einigen Jahren die Verbrechen des Osmanischen Reiches (dessen Rechtsnachfolger die Türkei ist) an den Armeniern als Völkermord bezeichnete. Steinmeier, sowie auch Merkel und Gabriel, sind der Abstimmung aus opportunen Gründen demonstrativ fern geblieben. Steinmeier war damals Außenminister, Gabriel Vizekanzler. Steinmeier hatte im Vorfeld versucht die Abstimmung im Bundestag zu verhindern und im Nachgang nichts besseres zu tun, als den Holocaust an den Armeniern zu relativieren, was natürlich völlig daneben ging.

    In der Süddeutschen gab es in diesem Zusammenhang einen treffenden Kommentar von Robert Roßmann, den ich als Link gerne beifügen möchte:

    https://www.sueddeutsche.de/politik/voelkermord-der-absurde-herr-steinmeier-1.2452850

  • #10
    Gassner

    Mithin was vom Intelligentesten zum Thema Politischer Islam – auch, eingangs, die Einwirkungen aus der Türkei. Ein Beitrag aus 2019. Lohnenswert!

    https://www.deutschlandfunk.de/politischer-islam-in-deutschland-wir-haben-einiges-zu.886.de.html?dram:article_id=465593

  • #11
    Walter Stach

    Eine andere Sicht…..
    sh.
    Analyse bei SPIEGEL-online von Mathieu von Rohr
    "Islamistische Angriffe in Frankreich -Der Terror wirk-"

    der, der…und Helmut Junge..
    Wir haben unsere Meinungen ausgetauscht aus einer "Außensicht" und über denkbare oder wünschenswerten "Außenfolgen", z.B. für die deutsche Außenpolitik gegenüber der Türkei, gegenüber arabischen Staaten und nicht zuletzt gegenüber unserem Nachbar und Verbündeten Frankreich; und mit "Verbündetem" will ich nicht primär auf unsere gemeinsame Mitgliedschaft in Bündnissen wie EU und Nato hinweisen und auf Verbindungen, die in zweiseitigen Verträgen festgelegt sind, sondern vor allem daran erinnern, daß wir gemeinsam und gleichermaßen eintreten für eine Gesellschafts- und Staatsordnung, die getragen wird von den Ideen der Aufklärung, vom Bekenntnis zu Freiheit/Geichheit und Brüderlichkeit und von der Vorstellung, daß eine freiheitlich-demokratische Gesellschafts- und Staatsordnung die beste unter allen denkbaren ist.
    Und Letzteres ist es, was mich in besonderer Weise – nachdem ich die o.a. Analyse gelesen habe-. erschreckt, aufschreckt und sehr, sehr nachdenklich macht. Für Von Rohr sind die Morde von Nizza Anlaß -anders als von uns praktiziert-, darüber nachzudenken und zu schreiben, was diese Morde in die französische Gesellschaft bewirken können – . im Kontext mit alldem, was sich an Vergleichbaren bereits bis dato in Frankreich getan und was bereits bisher in der französischen Gesellschaft "tiefe Narben" hinterlassen hat Und das sind Narben, die nicht nur das Gesicht der liberalen Gesellschaft in Frankreich zu entstellen drohen, sondern auch das aller liberalen Gesellchaften in der sog westlichen Welt und nicht zuletzt das der -noch-liberalen Gesellschaft in Deutschland.

    Also insofern eine Analyse, entstanden aus einer anderen Sicht als der unserer und deshalb, so meine ich, auch für Euch -der,der…und Helmut Juinge-interessant.

  • #12
    Eberhard K

    @ W.Stach
    Der Liberalismus hat schon lange ein Problem mit dem Islam. Es ist höchste Zeit das der Islam Probleme mit den Liberalismus bekommt. Wenn Sie befürchten, das da der Liberalismus Narben davonträgt ist das besser wie wenn der Liberalismus in einem fort Tote und Verwundete beklagen muss. Die Zeit des Kuschelns mit dem Islam muss endlich zu Ende gehen. man kann diesen Kampf natürlich auch den Blaubraunen überlassen.Mit schlimen Folgen für uns.

  • #13
    Helmut Junge

    @Walter Stach, mal abgesehen von seinen guten Khttps://www.sueddeutsche.de/politik/habeck-nizza-islamismus-1.5099901?fbclid=IwAR2DCBWdJXoC0r4WT0gkfPu08tA_p8DDqxiZHlsmaaMhWXzOvMf5elhz_5cnntnissen über Frankreich, über die ich nicht verfüge, sehe ich bei den Aussagen des Mathieu von Rohr keinen anderen Blick. Auch er steht hinter Macron.
    Für mich wesentlich ist aber die Meinungsentwicklung deutscher Politiker von Rang. Und dafür ist dieser Artikel ein gutes Beispiel, der die Diskussion innerhalb der linken Gruppierungen beschleunigen wird.
    https://www.sueddeutsche.de/politik/habeck-nizza-islamismus-1.5099901?fbclid=IwAR2DCBWdJXoC0r4WT0gkfPu08tA_p8DDqxiZHlsmaaMhWXzOvMf5elhz_5c

  • #14
    Walter Stach

    Eberhard K –12-

    Ich habe "wohl bedacht" von liberaler Gesellschaft bzw. von liberalen Gesellschaften gesprochen und bewußt nicht von "Liberalismus". Letzterer ist für mich die Ideologie, die für Freiheit ohne Verantwortung steht, die letztendlich ursächlich ist für die weltweit existierende Ungleichheit zwischen einerseits grenzenlosem Reichtum einiger Weniger und andererseits unaufhörlich wachsender Verelendung Vieler, aber auch für die Vernichtung der Natur durch deren grenzenlose Ausbeutung zu Gunsten der Gewinnmaximierung einiger Weniger.

    Freiheit, die ich durch Faschisten, Neo-Nazis, radikal-fanatischen Islamisten bedroht sehe -weltweit, in Europa, aktuell vor allem in Frankreich-geht für mich einher mit Verantwortung -ohne Verantwortung des einzelnen für sich und für die Gemeinschaft, in die er hinein geboren wurde und der er vielfältig verpflichtet ist, kann es Freiheit für Viele (für möglichst Alle) nicht geben, wohl aber Willkür der Stärkeren gegenüber allen ihnen gegenüber Schwächeren.

  • #15
    der, der auszog

    @Helmut (#13)

    Mir persönlich ist der Beitrag von Mathieu von Rohr im Spiegel zu trivial. Sicherlich kann man alles unterschreiben, was er da von sich gibt, aber letztendlich sind es inhaltlich die immer wiederkehrenden selben Bausteine, derer sich die meisten Journalisten bedienen, wenn irgendwo in Europa der Islamismus seine hässliche Fratze zeigt. Die Tat wird beschrieben, als Angriff auf unsere Werte (hier: Meinungsfreiheit) verurteilt und anschließend wird zwischen dem islamischen Terror (Islamismus) und dem Glauben der Mehrheit der Muslime (Islam) unterschieden. Als "Nährboden des Islamismus" beschreibt M. von Rohr neben der Radikalisierung durch das Internet, die Situation der Jugendlichen in französischen Vorstädten, aus dem viele der Extremisten stammen. Und Schuldige hat von Rohe ebenfalls schon ausgemacht. Zitat: "es ist Frankreichs Politikern seit vielen Jahrzehnten nicht gelungen, sie durch das Bildungssystem und die Wirtschaft besser zu integrieren, sie bleiben über Generationen am Rand der Gesellschaft. Auch das hat dazu geführt, dass sich die totalitären islamistischen Ideologien hier so gut ausbreiten konnten."
    Da ist erst einmal nichts gegen zu sagen, wäre da nicht der Umstand, dass der Täter von Nizza gar nicht aus einem dieser französischen Banlieues stammt, sondern vor gerade mal sechs Wochen über Lampedusa (Italien) nach Frankreich eingereist ist. Der Täter von Nizza wurde in Tunesien sozailisiert und nicht in Frankreich und er ist als vermeintlicher Flüchtling gekommen.

    Darüber hinaus finde ich es schade, dass sich von Rohe zwar die Mühe gibt, den Islam aus der Schusslinie zu bringen, er aber offensichtlich nicht in der Lage ist zu erkennen, dass die eigentlichen Opfer nicht die in Frankreich lebendenden Muslime sind, sondern die in Frankreich lebenden Christen. Der Dreifachmord von Nizza war nicht nur ein Angriff auf westliche Werte, sondern auch ein Angriff auf das Christentum. Das ist wichtig, weil gerade Frankreich von seiner Konstitution her ein laizistischer Staat ist, in dem die Trennung von Kirche und Staat ein wesentlicher Bestandteil der Verfassung ist (im Gegensatz zu Deutschland zum Beispiel). Ich bin mir sicher der Autor hätte für die Opfer andere Worte gefunden, wenn es ein Attentat auf eine Synagoge oder eine Moschee gegeben hätte. So waren es nur "drei Menschen… in einer Kirche"
    Worüber man sich in diesem Zusammenhang klar werden sollte, was allerdings viele Menschen vergessen: Das Christentum ist die weltweit am stärksten unterdrückte Religionsgemeinschaft und die Länder, in denen Christen am meisten verfolgt werden, sind mehrheitlich Staaten, in denen der Islam die Religion der Mehrheitsbevölkerung ist. Frankreich ist übrigens nicht nur das Land im westlich orientierten Europa, indem die meisten Muslime leben, sondern auch das Land mit der größten jüdischen Community, wobei die jüdische Gemeinde immer kleiner wird, weil viele Juden das Land wegen des Antisemitismus, verlassen, der übrigens nicht nur von Le Pen und irgendwelchen extrem Rechten kommt, sondern auch von vielen der dort lebenden Muslimen. Und seit Nizza müssen nun auch die Christen Angst haben ihre Religion auszuleben. in diesem Zusammenhang das Hauptaugenmerk auf den rechtsextremen Sumpf in Frankreich zu lenken, der die Mitte der Gesellschaft erreicht hat, ist zwar hip, aber unterm Strich dann doch zu einfach.

    … und was Robert Habeck (in #13) angeht, so wird ihm nach Nizza nichts anderes übrig bleiben, als in die Offensive zu gehen und klare Kante zu zeigen. Immerhin ist der Attentäter wohl mit einem der Rettungsboote à la Seawatch, Alan Kurdi oder wer da sonst noch Boatpeople aus dem Meer fischt, nach Europa gekommen. Spätestens wenn darüber diskutiert wird, solche Verbrecher in ihre Heimatländer abzuschieben, werden ihn seine Parteifreunde wieder zurückpfeifen, da bin ich mir sicher…

  • #16
    Helmut Junge

    der, der auszog, ich bin froh, daß du den zitierten Artikel von Mathieu von Rohr noch einmal genauer unter die Lupe genommen hast. Ich dagegen war mit dem wenig konkreten deshalb zufrieden, weil ich glaube, daß der Weg von der Gefahrenleugnung über die Gefahrenignoranz, der Gefahrerkennunug bis zur Gefahrenabwehr nicht in 2 Tagen absolviert werden kann. Es ist ein politischer Umdenkprozeß, der sich in den Köpfen vieler Menschen innerhalb etlicher politschen Gruppierungen abspielt. Und das dauert. Ideologische Denkstrukturen verschwinden nicht von heute auf morgen. Das muß erst einige Zeitlang in den Parteien diskutiert werden. Auch das dauert. Kühnert, Bartsch und Habeck haben jeweils einen Anfang gemacht, und innerhalb ihrer Parteien sind noch viele Nüsse zu knacken. Ich habe Habeck erwähnt, weil die Grünen in ihren Reihen zwar Moslems haben, aber das sind selten solche, die Rechts orientiert sind. Die Grünen haben also zumindest intern kaum solche Probleme wie die beiden anderen Parteien, die @Walter Stach gerne als linkes Bündnis zusammen erwähnt. Und daraus entsteht ein Knackpunkt. Die zwei anderen Parteien müssen mitziehen, wollen sie diesen Anschluß nicht aufgeben. Und daß der Attentäter von Nizza garnicht aus Frankreich stammt, zeigt doch immerhin, daß es dem IS oder wem auch immer aus dem terroristischen Block , offenbar nicht gelingt, genügend Täter aus dem moslemischen Bevölkerungsteil, der in Frankreich Aufgewachsenen zu rekrutieren. Daß es die auch gibt weiß ich schon, aber der IS muß zusätzlich aufstocken. Was die Grünen dazu sagen werden, weiß ich nicht. Aber sie werden zwangsläufig darüber reden müssen. Und dann werden die zwei anderen "linken" Parteien es auch tun müssen. Sie werden von solchen Kommentaren, wie du ihn geschrieben hast auch immer wieder erinnert, daß sie noch eine Aufgabe nicht erledigt haben.

  • #17
    Walter Stach

    der, der….
    und
    Helmut Junge

    Mir geht es in meinen Meinungsäußerungs-Beiträgen, z.B. im Zusammenhang mit den "Nizza-Morden", z.B. im Zusammenhang mit rechtextremistischen Morden in Deutschland -vom NSU bis.. primär darum, zu erklären, zu begründen, daß der sog. politische Islamismus -daß die von mir sog. radikal fanatischen Islamisten- und der Faschismus , der rechtsradikale Nationalismus – daß die Faschisten und die Nazis- gleichermaßen als gewaltige und gewalttätige Bedrohung aller Gesellschaften und Staaten verstanden werden müssen, die sich den Prinzipen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit und einer freiheitlich-demokratischen-rechtstaatlichen Ordnung verpflichtet sehen.

    Folglich:
    a.)
    Für mich gibt es keine nachvollziebare Begründung, in sog. westlichen Gesellschaften, z.B. in Deutschland und, in Frankreich und seitens der betreffenden Staaten zu differenzieren und zu relativeren, wenn es darum geht, die Feinde "unserer" Gesellschafts- und Staatsordnung als solche zu benennen und zu bekämpfen und erstrecht gilt das für jeden politisch-religiös begründeten Mord.
    Leider, so jedenfalls mein Eindruck, gibt es immer wieder diese Versuche zu differenzieren und zu relativieren, je nach "(partei-)politischer Überzeugung, nach gesellschaftlicher Grundeinstellung, nach….
    Und das gilt sowohl für das "linke" wie für das rechte "Lage" , je nachdem, ob "man" sich mit radikal-fanatischen Islamisten oder Faschisten/Nazis befaßt.

    b.)
    Ich wehre mich gegen alle Bemühungen, Staatsbürger a priori als mehr oder als weniger gefährlich für "unserer" Gesellschafts-/Staatsordnung zu deklarieren, je nachdem, zu welcher Religion sie sich bekennen, welche Hautfarbe sie haben, woher sie bzw. ihre Vorfahren stammen.
    Menschen mit dunkler Hautfarbe und muslimischen Glaubens sind für mich a priori nicht radikal-fanatischen Islamisten und ebenso sind Menschen weißer Hautfarbe und christlichen Glaubens deshalb nicht a priori allesamt überzeugte Verfechter einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft ( Sehr, sehr viele Evangelikaler in den USA beweisen derzeit hinreichend wie weit weg sie in ihrer Überzeugung von den Prinzipien einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft sind.)

    c.)
    Ich versuche in meinen Meinungsbekundungen zudem dazu beizutragen, daß Bewußtsein zu stärken, nach dem mehr denn je und stärker denn je die Gesellschaften und die Staaten zueinander finden müssen, die ihrer Prinzipien wegen im sog. politischen Islamismus und gleichrmaßen (!!) im Faschismus/Nationalsozialimus ihre stärkste Bedrohung ausmachen. Das gilt nicht nur, aber für mich in besonderer Weise für "die" Deutschen und für "die " Franzosen".

    der, der…
    und Helmut Junge,
    ein weiterer Hinweis meinerseits auf hier interessante Literatur:

    In der TAZ (taz-am wochende 31.10./1.11., politisches buch-S 15- gibt es eine "Buchbesprechung" zu:

    Pascal Bruckner
    "Der eingebildete Rassismus", Tiarnat, Berlin

    Aus der Buchbesprechung folgende Zitate, die Euer Interesse wecken könnten.

    Zur "Schonhaltung" der Linken wird aus dem Buch zitiert:
    "Was für einem eigenartigen Spektakel wohnen wir bei. Man kann beobachten, wie frühere Priesterfresser vor dem Hintern der Islamisten in die Knie gehen".

    "Die Gotteskrieger zerstören alles, was an der islamischen Zivilisation bewundernswert war."

    Und zu der Frage des Umganges mit dem politischen Islam wird "angeregt".

    Liberalen Muslimen die Hand reichen ,sie unterstützen.
    Aufklärung über islamistische Netzwerke und über ihre Verflechtung mit "Wohltätigkeitsorganisationen über die Geldflüsse aus dem Ausland.

    Ich denke, wenn "wir" allesamt, überzeugt von den Grundwerten unserer Gesellschaftsordnung und völlig losgelöst von unserer parteipolitischen Ausrichtung , unabhängig von unsere Hautfarbe, von unserem Glauben oder Nichtglauben für unsere Grundwerte gemeinsam unserer Feinde als solche bennen und unbeirrbar bekämpfen, u.a. die Islamisten wie oben angedeutet, dann wäre das " gut so" -für jeden einzelnen von uns, für unsere Kinder und Kindeskinder-

  • #18
    Walter Stach

    Nachtrag:

    "Der religiöse Faschismus".

    Das ist ist die Überschrift zu der unter -17-angesprochenen Buchbesprechung in der TAz von Edith Kresta.

    Für mich ein Begriff, mit dem ich zukünftig oftmals arbeiten werde, wenn es um Faschismus/Nationalsozialismus/Islamismus geht.
    Nachdenken über den Begriff "religiöser Faschismus" hat mich -u.a- fragen lassen, ob nicht nur der "politisierende Islamismus " dieser Begrifflichkeit zuzuordnen ist, sondern auch der sich zunehmend radikal gebärende "politisierende Evangelikalismus".

    Wann wird es soweit sein, daß sich Politik-, Religionswissenschaftler, Soziologen pp. mittels diverser Studien daran machen -daran machen müssen-, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen diesen beiden (Unter-)Arten "religiösen Faschismus" zu befassen?

    Wann wird "man" in freiheitlich-demokratisch verfaßten Gesellschaften und Staaten, z.B. in Europa-, zu unterscheiden und zu entscheiden haben zwischen "islamistischem Faschismus" und "evangelikalem Faschismus", beide mit einem weltbeherrschenden Anspruch, der eine vor allem propagiert und angeführt vom Iran, der andere propagiert und angeführt von den USA, als Land "des weiter entwickelten Trumpismus"?

    Wann wird "man" in der sog. zivilisierten Welt nicht mehr darüber streiten können, welche konkrete Gesellschaftsordnung, welche konkrete Staatsordnung am ehesten, am besten geeignet ist, der Idee von "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit " dienlich sein zu können und darüber, wie "man" diese gegen ihre Feinde zu gewährleisten, zu verteidigen hat, sondern nur noch darüber, welche "Unter-" Art des religiösen Faschismus man bevorzugt?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.