Die fragwürdige Zivilcourage der „toleranten Dorfjungs“

tolerante freunde

Mit der Aktion „Mach schluss[sic!] mit Freunden, die die AfD mögen!“ will die Kreativagentur Dorfjungs Facebook-Benutzer dazu anhalten, AfD-Unterstützer in der eigenen Freundesliste zu identifizieren und anschließend zu entfreunden. Dabei etablieren die Dorfjungs einen perfiden Mechanismus gegenseitiger Überwachung in sozialen Medien- und kompromittieren die öffentliche Meinungsbildung auf dem Marktplatz der Ideen.

Was bedeutet es, auf der Facebook-Seite der AfD auf like zu drücken? Wenn es nach der Seite www.freundedieafdmoegen.de geht, handelt es sich um ein Bekenntnis, mit dem der falsche Facebookfreund unzweideutig zum Ausdruck bringt, dass er „eine Partei unterstützt, die sich vordergründig den Bürgern verschrieben hat, letztendlich jedoch antidemokratisches und faschistisches Gedankengut fördert.“ Das Konzept der Seite beruht auf der irrigen Annahme, dass ein „Like“ als „Zustimmung“ zu allen Inhalten einer Facebookseite gedeutet werden muss.

Mit Gratismut gegen „falsche Freunde“

Wer dem Irrtum über den sozialen Erklärungsgehalt des Likens folgt, steht vor einem Problem. Über Jahre hinweg haben sich hunderte Facebook-Freunde angesammelt. Nur mit sehr viel Mühe lässt sich kontrollieren, wer sich am falschen Ende des Meinungsspektrums aufhält. Der findige Nutzer erkennt die falschen Freunde mit Sympathien für die AfD oft am Teilen von Zeitungsartikeln mit einschlägig fremdenfeindlichen Inhalten. Doch einige der falschen Freunde konsumieren passiv die falschen Informationen. Zwar kann man die Seite des Bundesverbands der „Alternative“ für Deutschland besuchen und die dort gelisteten falschen Freunde manuell entfernen. Jedoch gibt es eine nicht überschaubare Zahl von AfD-affinen Seiten.

Die Dorfjungs wollen diesem „Missstand“ Abhilfe schaffen:

„Wenn es dir genauso geht, dann finde heraus, welche deiner „Freunde“ dieser Partei eine Plattform und Reichweite verschaffen.

Per Mausclick können die toleranten Freunde der Dorfjungs auch heimliche Sympathisanten kleinerer AfD-Gruppen wie z.B. der „Homosexuellen in der AfD im Landesverband Rheinland-Pfalz“ oder des „AfD – Kreisverbands Lörrach“ als solche erkennen und entfreunden. Das ist so komfortabel wie die Teilnahme an Campact-Petitionen. Mit wenig Aufwand kommt der Nutzer in den Genuss einer wohltuenden Mischung aus Entlarvungsstolz und dem Gefühl, in der eigenen Sozialsphäre „mal so richtig aufgeräumt“ zu haben.

entfreundungstool

Zivilcourage als Selbstmarketing

Damit der feierliche Akt des Entfreundens nicht still vor sich geht, liefern die „Dorfjungs“ dann auch gleich das passende Hashtag #tolerantefreunde. Durch die Zurschaustellung des eigenen Entfreundungsmutes können die toleranten Freunde der Dorfjungs gleichzeitig Zivilcourage zeigen, soziales Kapital akkumulieren und –ganz nebenbei- Werbung für eine kleine, hippe Kreativagentur aus Karlsruhe machen.

dorfjungs

Der falsche Freund sollte nach Möglichkeit nicht etwa überzeugt werden. Eine direkte Interaktion könnte den toleranten Freund schließlich mit dem Makel der Kontaktschuld versehen. Tolerante Freunde operieren vornehmlich durch die Abgrenzung von Sozialsphären. Mit der virtuellen Kehrwoche ist zwar kein einziger falscher Freund umgestimmt worden. Der social-media-Ostrakismos verhindert auch nicht, dass „sog. “Freunde” Hetzkampagnen auf Facebook teilen, verbreiten und somit zur allgemeinen Hetze beitragen“. Es ist ausreichend, dass der falsche Freund ist nicht mehr sichtbar ist. Die Dorfjungs kämpfen nicht um die besseren Ideen, sondern um Deutungshoheit und Repräsentation im öffentlichen Raum.

Kehrwoche in der social bubble

Mit dem Entfreunden ist auch kein einziges Argument der AfD widerlegt. Wer die AfD und ihre mutmaßlichen Sympathisanten aus seinem Like-Portfolio entfernt, soll gleichzeitig freiwillig auf den Zugang zu falschen Meinungsäußerungen verzichten. Hinter dieser Form von Sozialhygiene steht ein Menschenbild: Der vulnerable Empfänger von AfD-Meldungen ist nach Auffassung der Dorfjungs nicht mündig genug, sich der Verführung durch unerwünschte Akteure entziehen.

Bemerkenswert ist, dass die Dorfjungs in der Begründung der Entfreundungskampagne nahezu vollständig auf Argumente verzichten und sich stattdessen auf die Akkumulation gängiger Bannwörter beschränken. Das ist zumindest konsequent. Denn die Dorfjungs propagieren die Abkehr von der öffentlichen Meinungsbildung auf einem Marktplatz der konkurrierenden Ideen. Die Entfreundung von mutmaßlichen oder tatsächlichen AfD-Sympathisanten fördert so die Entstehung politisch und moralisch homogenisierter social bubbles, in denen sich segregierte Klientele gegenseitig in ihrer Weltsicht bestätigen. Wer mit der AfD hadert, lässt sich durch Entfreundung ebenso wenig umstimmen wie ein überzeugtes Parteimitglied. Und auch wer sich nur bequem in der eigene Timeline über Positionen und Inhalte der AfD informieren lässt, setzt sich dem Verdacht der Abweichung aus und begibt sich unter Rechtfertigungszwang. Die Beendigung von realen, sozialen Beziehungen zwischen Nutzern wird dabei bereitwillig als Kollateralschaden des Bereinigungsprozesses hingenommen.

Zivilcourage als Konformitätstest

Die Aktion der Dorfjungs ist nicht nur in Hinblick auf ihre falschen Prämissen lehrreich. Die Kampagne ist auch repräsentativ für eine gängige Technik niedrigschwelliger sozialer Kontrolle. Der Nutzer des Entlarvungs- und Bereinigungstools dient als Agent einer wechselseitigen Zurichtung. Dadurch, dass der Supporter der Dorfjungs das gewünschte Verhalten zeigt und durch Bekundung des eigenen Wohlverhaltens als Multiplikator fungiert, erzeugt er eine Erwartungshaltung. Die Kampagne animiert auch andere Facebooknutzer, die AfD aus Sorge vor Entfreundungswellen zu entliken. Wechselseitige soziale Kontrolle wirkt dann am besten, wenn der Adressat sie antizipiert und auch ohne Einwirkung das gewünschte Verhalten zeigt. Denn dann muss er nicht tatsächlich entfreundet oder durch freundschaftliche Hinweise dazu angehalten werden, sein Fehlverhalten korrigieren oder zu rechtfertigen. Mit dem Aufbau einer bestimmten Erwartungshaltung ist das Ziel schon erreicht.

Der Supporter der Dorfjungs erzieht sich gleichzeitig selbst zur Compliance und gibt sukzessiv seine Unbefangenheit im virtuellen Raum auf. Denn wer als Agent wechselseitiger Zurichtung fungiert, muss sich darauf einstellen, zukünftig im Falle auch minimaler Non-Compliance selbst zum Objekt der Zurichtung zu werden. Dieses Selbstmanagement macht den Benutzer empfänglich für weitere Konformitätstests durch seine toleranten Freunde und ihre Kampagnen.

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27 Kommentare

  1. #1 | paule t. sagt am 11. März 2016 um 18:28 Uhr

    Zum Zitat: "Das Konzept der Seite beruht auf der irrigen Annahme, dass ein „Like“ als „Zustimmung“ zu allen Inhalten einer Facebookseite gedeutet werden muss."

    Ja, ich bin ja nicht bei Facebook und versteh das möglicherweise falsch, aber irgendwie hätte ich tatsächlich gedacht, das "like" oder "gefällt mir" irgendwie so bedeutet, dass das, was der Person "gefällt" (also zB eine AfD-Gruppe), der Person – ja nun – gefällt. Vielleicht nicht in allen Inhalten, aber doch überwiegend. Was ist an dieser Annahme jetzt irrig, und warum?

  2. #2 | Julius Hagen sagt am 11. März 2016 um 18:53 Uhr

    #1
    Sicherlich bedeutet ein "Like" in vielen Fällen "Zustimmung". Allerdings ist es sehr gängig, eine Facebook-Seite mit "Gefällt mir" zu markieren, damit die Beiträge eines Seitenbetreibers laufend in der eigenen Timeline erscheinen und man nicht erst durch Betätigen des Suchfeldes eine bestimmte Seite aufrufen muss. Die Betätigung des "Like"-Buttons kann also auch -wertfrei- als Interesse an einem komfortablen Zugang laufenden Wortmeldungen einer bestimmten Seite gedeutet werden.

  3. #3 | kassandro sagt am 11. März 2016 um 19:04 Uhr

    Als AfD-Unterstützer möchte ich mich bei den Dorfjungs für ihre Aktion bedanken. Sie stärkt die Bindung der Entfreundeten an Deutschlands große Alternative.

  4. #4 | bob hope sagt am 11. März 2016 um 21:32 Uhr

    #3 kassandro:

    Jetzt mal nicht untertreiben: Es geht hier ja wohl um Deutschlands größte Alternative aller Zeiten, mindestens.

    Bin selber kein Facebook-Nutzer, auch weil dieses like-/dislike-Ding ja wenig mit persönlichen Freundschaften zu tun hat. Abgesehen davon, ist die Tatsache, dass es mittlerweile auch in meinem Freundeskreis zwei, drei Leute gibt, die der AfD verdächtig nahe gekommen sind – ehemalige Sozialdemokraten, die ihr nationales coming out haben. Die dislike ich dann eher in der Diskussion, beim Bier, das seitdem auch nur noch halb so gut schmeckt. Ohne inhaltliche Auseinandersetzung geht es eben nicht, das müssen beide Seiten aushalten, auch wenn es schwer fällt. Soziale Netzwerke sind dafür wohl nicht die richtige Plattform, zumal es da eben selten um Inhalte geht und eben auch nicht um echte Freundschaften.

  5. #5 | Jens Schmidt sagt am 11. März 2016 um 21:50 Uhr

    Wer die anderen entfreundet, anschwärzt, als dummen Pöbel beleidigt, begibt sich damit genau auf das Niveau der politischen Auseinandersetzung herab, das AfD und PEGIDA eingeführt haben: Ressentiments statt Tatsachen, Schimpfen statt Meinungsaustausch, persönliche Schmähung statt Argumente. Das Letzte, was wir wollen sollten, ist eine polarisierte Gesellschaft, in der ein Riss durch Familien geht, weil die einen für "refugees welcome", die anderen für Schießbefehl sind.

  6. #6 | nussknacker56 sagt am 11. März 2016 um 22:18 Uhr

    Ein Danke an Julius Hagen für einen notwendigen Artikel gegen die pc-Krankheit. „Mit dem Entfreunden ist auch kein einziges Argument der AfD widerlegt.“ Damit ist alles gesagt und wen ich in meinem Freundeskreis aushalte, entscheide ich ganz alleine.

    Wenn ich sowas lese, weiß ich nicht mehr, was ich als unerträglicher empfinde: Den überzeugten AfD-Sympathisanten oder dessen „Kritiker“, der vor billiger Selbstgerechtigkeit nur so strotzt und glaubt, aufgrund seiner Gegnerschaft zu diesem Verein der bessere Mensch zu sein. Und dabei nicht ahnt, wie nahe er dem Ziel seiner Kritik in Wirklichkeit ist.

  7. #7 | Klaus Lohmann sagt am 12. März 2016 um 00:12 Uhr

    @#5 Jens Schmidt: Solange ein nicht gerade kleiner Teil unserer Gesellschaft aber abhängig von den Verdummungsmechanismen von Fratzenbuch oder anderen sogenannten "social networking"-Vergrobungs-Apps bleibt, ist diese Polarisierung unvermeidbar, weil zwecks einfachster Umsatzmaximierung für die Betreiber/Investoren gewollt. Erklärungen, Diskussionen, These/Antithese, Entwicklungen, Selbstkritikfähigkeit, soziale Kompetenz und Co. passen nun mal nicht in zwei, drei Clicks.

  8. #8 | Tom Hess sagt am 12. März 2016 um 10:27 Uhr

    Was die betreiben, ist in höchstem Maße gefährlich. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Und die wird damit untergraben. Freiheit gibt es auch in anderen Bereichen, beispielsweise der Religion. Sollen Christen nun muslimische und buddhistische Freunde entfreunden und umgekehrt? Europäer Asiaten? Oder Asiaten Europäer? Entfreunden wir dann die, die nicht Biolebensmittel kaufen oder vegetarisch oder vegan leben? Katzenfreunde könnte Hundeliebhaber entfreunden. Ja, mag sich alles schräg anhören, ist aber nichts anderes. Es gibt keine Diskussion mehr und keinen Kompromiss daraus. Jeder lebt nur noch in seiner kleinen heilen Miniinternetwelt.

  9. #9 | Thomas Weigle sagt am 12. März 2016 um 10:47 Uhr

    Wenn angeblich kleine oder auch wirklich "kleine Leute" eine Gruppierung namens AfD wählen und "liken", die so erkennbar in Sachen Mindestlohn oder Steuerreform eben nicht die Interessen der "kleinen Leute" vertritt, dann fragt man sich schon nach der Sinnhaftigkeit des Tuns dieser Wähler. Die Abschaffung bspw. der steuerfreien Nacht-oder Sonntagszuschläge trifft die Betroffenen allemal sehr viel härter als selbst die Errichtung einer Massenunterkunft für Bürgerkriegsflüchtlinge im eigenen Wohnort, so diese überhaupt eine merkbare Beeinträchtigung darstellt. Auch die propagierte Abschaffung der Erbschaftssteuer scheint mir nicht unbedingt im Interesse der "kleinen Leute" zu liegen, denn die haben eher nicht so viel zu vererben, die Abschaffung würde aber insgesamt die Schere zwischen arm und REICH noch weiter öffnen.

  10. #10 | Klaus Lohmann sagt am 12. März 2016 um 11:23 Uhr

    @Thomas Weigle: Die "Interessen der kleinen Leute" sind der AfD demnächst ganz offiziell egal, wenn man SPONs Bericht über den Entwurf zum neuen Parteiprogramm glauben darf: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-programm-islamkritik-soll-schwerpunkt-werden-a-1081842.html

  11. #11 | Arnold Voss sagt am 12. März 2016 um 11:43 Uhr

    Der Nationalismus, egal welcher politischen Färbung, war noch nie im Interesse der sogenannten kleinen Leute. Aber sie lassen sich immer wieder gerne dafür verheizen.

  12. #12 | Frank Heinze sagt am 12. März 2016 um 12:19 Uhr

    Die Selbstbezeichnung "Dorfjungs" für eine Crew akademischer, weisser Großstadthipster erinnert an
    progressiv postmoderne West-Linke, die sich gerne mit Palitüchern um den dünnen weissen Hals über den bedrohten Frieden in Nahost besorgt zeigen.

    Wer eine solche Funktion nutzt, hat es eben nötig.
    Aber vielen Dank für diese tolle Analyse.

  13. #14 | der, der auszog sagt am 12. März 2016 um 14:11 Uhr

    @Arnold

    Würde Deine Behauptung stimmen, wäre der Nationalismus im letzten Jahrhundert nie so erfolgreich gewesen, wie er es letztendlich war. Die Verquickung von Nationalismus und Sozialismus erkennt man nirgendwo so deutlich wie im Begriff National-Sozialismus. Die NSDAP und auch ihre Vorgängerparteien DAP, später DNSAP, waren typische Arbeiterparteien, die nicht nur, aber besonders den "kleinen Mann" angesprochen haben. Im Gegensatz zum linken Sozialismus, der auf Internationalität ausgerichtet war und ist ("Völker hört die Signale…"), richtet sich der nationale Sozialismus indes an eine ganz bestimmte Volksgemeinschaft, die sich durch eine rassistisch-völkische Ideologie von anderen Volksgemeinschaften abgrenzt.

    @Thomas Weigle
    Seit Lucke weg ist, marschiert die AlteNaive immer weiter nach links und spricht gezielt diejenigen an, die Angst haben, sie könnten etwas verlieren oder weggenommen bekommen. In Sachen Mindestlohn fordert Petry mittlerweile einen Lohnzuschuss vom Staat und auch von einer Garantie der Renten ist die Rede.

    Jüngst gab es dazu einen interessanten Artikel in der Welt von Martin Greive und Andre Tauber:

    http://www.welt.de/wirtschaft/article153181020/Warum-Europas-Rechtspopulisten-linke-Ideen-lieben.html

  14. #15 | Thomas Weigle sagt am 12. März 2016 um 16:00 Uhr

    @dda Wo soll der Staatszuschuss herkommen, wenn man das Steuerkonzept des Herrn Kirchhoff haben will oder wie Herr Cameron die EU "verschlanken" will, was letztendlich auf eine Liberalisierung der Unternehmerrechte und Abbau von Arbeitnehmerrechten hinausläuft, wie wir es ja auch bei der sog. Schuldenbremse sehen, die m.W. ebenfalls den Beifall der AfD findet.
    Dass der Nationalismus bei den kleinen Leuten Beifall gefunden hat, wie @ Arnold schreibt, heißt aber doch nicht, dass er in ihrem Sinne war, denn er hat doch zu zwei ziemlich heftigen Kriegen geführt, der, nun ja, die kleinen Leute ziemlich viel gekostet hat, einigen Millionen kleiner Leute sogar das Leben.

  15. #16 | kE sagt am 12. März 2016 um 16:26 Uhr

    @15:
    Was spricht gegen einen schlanken Staat, der aber seine Kernaufgaben (Sicherheit, Soziale Ausgaben für Notfälle etc. ) und insbesondere die Kontrolle der Gesetze wahrnimmt?

    Dem kleinen Mann mit seiner kleinen Frau hilft kein Nanny Staat, der alles regelt, dafür aber Initiativen und Eigenverantwortung dauerhaft bremst.

    Was bringen Mindestlohn, Kündigungsschutz etc. wenn die Unternehmen immer weniger Arbeitsplätze anbieten bzw. in der Pleite sind?

  16. #17 | Arnold Voss sagt am 12. März 2016 um 16:31 Uhr

    @ Thomas Weigle # 14/15
    Aber das genau meinte ich, Thomas. Dass er ihnen nichts nützt, sie sich aber immer wieder gerne dafür verheizen lassen. Es muss also eine"Kleine Leute" Attracktivität des Nationalismus geben, die jenseits von Kosten-Nutzen-Kalkülen liegt.Nach der Art, wenn ich schon sonst keine gesellsschaftliche Anerkennung bekomme, dann doch zumindest als stolzer Deutscher, Franzose, Italiener, Russe usw.

  17. #18 | Alreech sagt am 12. März 2016 um 18:37 Uhr

    @Jens Schmidt
    Ressentiments statt Tatsachen, Schimpfen statt Meinungsaustausch, persönliche Schmähungen statt Argumente sind keine Erfindung von PEGIDA und AfD.
    Sondern seit jeher bewährte Mittel aller besorgten Bürger, egal ob es gegen Flüchtlinge, Killerspiele, Großprojekte wie Bahnhöfe und Kraftwerke oder politische Schweinereien wie TTIP geht.

  18. #19 | paule t. sagt am 12. März 2016 um 18:54 Uhr

    Sicher ist die Aktion, die hier beschrieben wird, relativ grobschlächtig. Sicherlich ist argumentative Auseinandersetzung vorzuziehen. Dabei spricht allerdings nach einer solchen Auseinandersetzung mE auch nichts dagegen, persönliche Konsequenzen zu ziehen – und bei Facebook-"Freunden", die man uU im RL gar nicht kennt, die öffentliche Debatte an die Stelle der direkten Auseinandersetzung treten zu lassen, und die Konsequenzen also sofort zu ziehen.

    @#2 Julius Hagen, Zitat: "Sicherlich bedeutet ein "Like" in vielen Fällen "Zustimmung". Allerdings ist es sehr gängig, eine Facebook-Seite mit "Gefällt mir" zu markieren, damit die Beiträge eines Seitenbetreibers laufend in der eigenen Timeline erscheinen […]"
    Damit beruht die Kritik an der Aktion also darauf, dass in der Aktion das Liken auch so verstanden wird, wie es heißt, wie es gedacht ist, wie es von den meisten Leuten verstanden wird und wie es von den Empfängern auch argumentativ benutzt wird (Liken wird als empfangene Unterstützung benutzt, das sollte man nicht vergessen!). Schlimm soll also sein, dass die Initiatoren der Aktion es vernachlässigen, dass es Leute gibt, die das Liken zweckentfremden und sich nicht darum scheren, dass sie dadurch als Unterstützer erscheinen.
    Das scheint mir argumentativ doch arg wirr.

    @#8 Tom Hess, Zitat: "Was die betreiben, ist in höchstem Maße gefährlich. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Und die wird damit untergraben."
    Und da haben wir es schon wieder, das große "Meinungsfreiheit"-Mimimi, wenn Rechten widersprochen wird. Wird da jemandem verboten, die AfD zu liken? Hat derjenige irgendeine Bestrafung zu fürchten? Wird seine freie Meinungsäußerung in anderer Weise irgendwie eingeschränkt? Alles nicht. Die Meinungsfreiheit ist durch diese Aktion in gar keiner Weise berührt.
    Was passiert, ist lediglich, dass andere Leute zu dieser Meinungsäußerung wieder ihre Meinung äußern bzw. Konsequenzen für die persönliche Beziehung ziehen. Das darf man. Das ist nämlich wiederum Ausübung der Meinungsfreiheit.
    Man sieht hier wieder, wie Meinungsfreiheit gerne, nun ja, "verstanden" wird, wenn es um rechte Meinungen geht: Die Rechten sollen sich frei äußern dürfen, Kritik soll aber nicht geäußert werden, weil das würde ja die Meinungsfreiheit einschränken. Nee klar. Kosequenz: Rechte hätten Meinungsfreiheit, ihre Kritiker nicht.

  19. #20 | bob hope sagt am 12. März 2016 um 19:58 Uhr

    #6 nussknacker56:

    Der Begriff "pc-Krankheit" ist natürlich auch so eine Phrase ohne Substanz und trifft der Kern hier nicht wirklich. Für die Kritik an der AfD gibt es jedenfalls gute Argumente: Ubd Leute, die mit einer Partei sympathisieren, die mit rassistischen Ressentiments spielt, für die die Volksgemeinschaft alles und das Individuum nichts ist und die alles "Fremde" und "Undeutsche" als "feindlich" bezeichnet, müssen sich ebenfalls Kritik gefallen lassen. Und das hat nichts mit PC oder Gutmenschentum zu tun. Ob die Art und Weise der "Dorfjungs" ok ist, ist andere Sache.

  20. #21 | thomas weigle sagt am 12. März 2016 um 22:17 Uhr

    @ Arnold Voss 17 Das habe ich auch genau so verstanden.
    @16 Was dagegen spricht? Nun ja, seit Helmut Schmidt wird unentwegt abgebaut, zusammengefasst, verschlankt und was der beschönigenden Begriffe mehr sind. Und das Ergebnis? U.a. zwei Millionen Kinder in unserer Republik, die in Armut leben. Scheint mir keine lohnende Investition in die Zukunft zu sein!

  21. #22 | nussknacker56 sagt am 12. März 2016 um 22:18 Uhr

    #20 bob hope

    Haben Sie meinen Beitrag wirklich genau gelesen? Ich habe erläutert, wogegen sich meine Kritik richtet. Dass die AfD rassistisch und fremdenfeindlich ist und zumindest in Teilbereichen faschistoide Tendenzen aufweist, steht außer Frage.

    Vor zwei Wochen fand in der Alten Feuerwache in Köln eine Party für eine eindeutig faschistische Terrororganisation statt (ruhrbarone berichtete), ausgerichtet bzw. unterstützt von den Betreibern dieser aus Steuergeldern (mit)finanzierten Einrichtung. Außer einer ziemlich überschaubaren Gegendemonstration gab es keinen weiteren nachhaltigen Protest zu verzeichnen. Es gab keine Versuche, die Unterstützer dieser menschenverachtenden Jubelfeier bloßzustellen, geschweige denn, sie über Facebook zu „entfreunden“. Wo waren denn da die ganzen „Arsch-hoch-und-Zähne-auseinander“-Freunde, die „Dorfjungs“ und die ganze kritische Kölner Schickeria? Vielleicht am mitfeiern?

    Um genau diese politische Schizophrenie und Verlogenheit ging es mir in meinem Beitrag.

  22. #23 | kE sagt am 12. März 2016 um 23:28 Uhr

    @21:
    Wo liegt der Zusammenhang zwischen 2 Mio Kinder in Armut und einem sog. schlanken Staat?
    Es wird viel geredet und dann gibt es im öffentlichen Dienst immer mehr Koordinatoren, Kümmerer etc. Also Leute, auf die man eigentlich gut verzichten könnte.

    Dass der Postbeamte nicht mehr nötig ist, um ein Telefon anzuschließen ist sicherlich auch eher positiv zu bewerten.

    Wenn von 2 Mio Kindern in Armut geredet wird, muss auch auf den Armutsbegriff verwiesen werden, der auch kritisch zu beleuchten ist.

    Wenn Menschen in Armut leben hat das wohl eher auch etwas mit Chancen auf dem Arbeitsmarkt und Netto-Löhnen zu tun. Guten Lohn gibt es aber nur für nachgefragte Arbeitsleistungen und Produkte, die im Wettbewerb bestehen können. Dann muss nach Versicherungen, Steuern etc. auch noch etwas für die Mensch übrig bleiben.

    Insgesamt ist ein schlanker Staat wohl eher sinnvoll. Ebenso ein Staat, der mit nur wenig Sozialausgaben/Transferausgaben auskommen kann.

  23. #24 | john federman sagt am 12. März 2016 um 23:57 Uhr

    #22 ich stimme ihnen in ihren beiträgen zu. bei uns in münster hat herr polenz von der cdu den politischen gegner am mittwoch (in der nadann) als rechtsradikal beschimpft.
    bei spon wird zu einem bundesligaspiel des fc bayern eine mehr als fragwürdige plakatierung der ultras herausgestellt. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-alles-wichtige-zum-sieg-von-bayern-muenchen-gegen-werder-bremen-a-1082018.html
    das ist unsere momentane debattenkultur.
    und das pendel wird nicht nicht zurückschwingen.
    ein trauerspiel.

  24. #25 | john federman sagt am 13. März 2016 um 00:00 Uhr

    und ich wähle natürlich die partei die partei. weil ich keinen bock auf diese ganzen schmierigen, steuergeldsaugenden …menschen… habe.
    und ich fühle mich genötigt, dass hier herauszustellen, um nicht in eine konservative oder sogar rechtsextreme ecke gedrängt zu werden. (wo ich dennoch ohne zweifel hingehöre :D*das war ironie!!)

  25. #26 | bob hope sagt am 13. März 2016 um 02:11 Uhr

    #24 john federman:

    Ich finde, dass die Banner der Bayern-Ultras es auf den Punkt bringen. Seehofer und Herrmann spielen mit vermeintlichen und realen Ängsten "besorgter Bürger". Das beim Namen zu nennen ist aus meiner Sicht völlig ok und legitim. Anfang der 1990er gab es von Seiten der Politik ähnliche Äußerungen. Damals wie heute haben "besorgte Bürger" die Volksvertreter beim Wort genommen. Die Folge waren die Ausschreitungen von Hoyerswerda oder Lichtenhagen und die Mordanschläge von Solingen, Hünxe und Mölln. Ich halte es sogar für einen Fortschritt, dass die Ultras von heute die Sachen kritisieren und nicht wie die Hools Anfang der 1990er Jahre in den rassistischen Chor einstimmen.

    #22 nussknacker56:

    Mir geht dieses Milieu (gibt es eigentlich noch Leute, die Friedensbewegte, Ökos oder Grüne mit dem Begriff "alternativ" in Verbindung bringen?) auch auf den Geist, da sie mit ihren naiven gesellschaftspolitischen Ansichten die Widersprüche völlig ausblenden und sich mitunter mit Arschlöchern gemein machen. Den Begriff "pc-krankheit" finde ich dennoch fragwürdig, da er sich oft auch gegen berechtigte und fundierte Kritik an AfD, Pegida, "besorgten Bürgern", kurz: den ganzen völkischen Mist richtet.

  26. #27 | Thomas Weigle sagt am 13. März 2016 um 12:18 Uhr

    @23 Jau, der Armutsbegriff ist relativ und unsere Armut ist eine andere als in der 3.Welt. Gleichwohl ist diese Armut in diesem reichen Land für die Betroffenen durchaus spürbar und macht in der unteren Mittelschicht den Menschen Angst, auch denen, die noch nicht davon betroffen sind. Hinzu kommt, dass diejenigen, die Armut "relativ" sehen, in der Regel von jener Armut nicht betroffen sind. Es lässt sich fern von Armut trefflich über relative Armut räsonieren.

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