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Nokia: Auf dem Weg zum Gummistiefel

Auch Ex-Microsoft Manager Stephen Elop wird Nokia als Nachfolger von Olli-Pekka Kallasvuo kaum noch retten können. Das Unternehmen hat nicht mehr die Ingenieurskapazitäten, um bei seiner breiten Produktpalette dauerhaft mithalten zu können.

Traditionsbruch bei Nokia: Mit Stephen Elob wird erstmals ein Manager von aussen an die Spitze des Unternehmens geholt. Er soll den kränkelnden Weltmarktführer retten. Das wird nicht einfach. Was sich vor ein paar Jahren schon bei den Klapphandys zeigte, wurde bei den Smartphones überdeutlich: Nokia besitzt nicht die technische Innovationskraft, um vorne mitspielen zu können. Preiswert in der Masse herstellen – das ist heute Nokias Stärke. Aber in den vergangenen Jahren wurden mehrere Entwicklungszentren eingestellt: Bochum und Vancouver gibt es ganz oder teilweise nicht mehr. Wichtige Entwicklungsaufgaben sind längst an Fremdfirmen wie Sasken abgegeben worden. Vom rauen japanischen Markt hat sich das Unternehmen  zurückgezogen. In den USA spielte Nokia nie eine sonderliche Rolle. Und der Wechsel vom Hardwarehersteller zum Inhaltsanbieter, für den Olli-Pekka Kallasvuo und sein geplatztes Projekt Ovi steht ist auch misslungen – und kostete letzten endes Kallasvuos Kopf. Nokia hat nicht mehr die Kraft zu wachsen. Vielleicht sollte das Unternehmen zu seinen Wurzeln zurückkehren: Holzwirtschaft und Gummistiefelproduktion sind auch was schönes.

Einen Scheiß-Job hat  Elop da angetreten. Aber immerhin wird das Schmerzensgeld ordentlich sein.

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7 Kommentare zu “Nokia: Auf dem Weg zum Gummistiefel

  • #1
  • #2
    Alexander Burde

    Im Gegenteil;)
    Einen der interessantesten Jobs hat Elop da angetreten. Zumindest kann er kaum etwas falscher machen, als Kallasvuo. Ob er seine Sache aber richtig macht, wird sich zeigen. Ein so heruntergewirtschaftetes Unternehmen auf Vordermann zu bringen dürfte recht spannend sein. Glücklicherweise schwimmt Nokia (nehme ich mal an) immer noch im Geld, der Laden ist von einer solchen Höhe aus mit Kallasvuo gestartet, dass der Mann es gar nicht ganz ruinieren konnte. Einen Elefanten zu Fall zu bringen geht nicht so schnell.
    Vielleicht wird der nächste Umbau ein Rückbau, nicht zurück zu Gummistiefeln, sondern zurück zur Technik, zur Innovation, zur Hardware. Dann kann das klappen. Die Wurzeln (zumindest der erfolgreichsten Zeit von Nokia) sind nicht die Gummistiefel, sondern gute elektronische Geräte.
    Traurig ist nur, dass Kallasvuo sich so lange halten konnte, hatten es doch die Spatzen von den Dächern gepfiffen, was der Mann alles verbockt hat. Heerscharen von Ingenieuren standen kopfschüttelnd bei Nokia und fragten sich, was die absurden Handlungen des nun geschassten wohl zu bedeuten hatten. Aber das zeigt auch, dass der Aufsichtsrat wenig mitbekommen hat, was wirklich im Unternehmen gedacht wurde. Weltfremd, abgehoben, beratungsresistent schien das alles. Wenn der Aufsichtsrat jetzt weitere 4 Jahre schläft, sollte Elop das nicht in den Griff kriegen, dann ist wirklich Gummistiefelzeit. Und Elop wird es nicht einfach haben, wenn man die Riege unter ihm nicht auch auswechselt.

    Nokia war mit der Wahl von Kallasvuo (und einiger anderer) ein schönes Beispiel für das angewandte Peterprinzip: http://www.youtube.com/watch?v=OjlxGMbUo6M
    Damit wird auch klar, warum man nun einen Externen gewählt hat 🙂

  • #3
    Torti

    Also so ganz kann ich die hier beschriebene Nokiaphobie nicht teilen.
    Und was die Technik angeht, empfehle ich einen Blick in die Testliste von Chip
    guckst Du hier:
    http://www.chip.de/bestenlisten/Bestenliste-Business-Handys–index/index/id/735/

    Schade, dass Nokia nicht mehr in Bochum baut und entwickelt, aber wenn ich mein Nokia Smartphone aufmache steht da, Made in Finnland. Das ist ein EU-Land nicht gerade mit Billiglöhnen.

    Das Iphone wird in China von Foxconn zu frühkapitalistischen Bedingungen produziert, wie übrigens fast alle der auch so stylischen Produkte von Apple.

    Ich bin offengesagt ziemlich angewidert von iphone Benutzern ,die ein derartiges Menschenfresserprodukt benutzen.

  • #4
    Alexander Burde

    Phobie bedeutet Angst. Das meinst Du, Torti aber vermutlich nicht, oder?
    Technik des N97 (oder anderer Smartphones von Nokia) soll gut sein? Vielleicht. Bestreitet keiner, auch wenn keiner gesagt hat, dass es gut sei.
    Tatsächlich ist Nokia aber auf dem Smartphonemarkt unter seinem sonstigen Durchschnitt vertreten.
    Hier ging es um Kallasvuos Ablösung, und die war nach dessen Geisterfahrt überfällig. OVI wurde genannt. Das ist die Zusammenfassung eines bis dato gescheiterten Umbaus zur Servicefirma.

    Made in Finnland: Bochum und Finnland waren zuletzt etwa gleich teuer in der Produktion (auch wenn man immer noch hohe Gewinne damit eingefahren hat). Ausserdem kann es gut sein, dass Nokia die Platine in China hat fertigen lassen und in Finnland das Plastik drumgemacht hat.

    Nokia hat wenigstens ein sehr grosses Werk in China, viele Zulieferer sind in China. Teile, die Nokia verbaut sind (oder waren zumindest früher) auch von Foxconn hergestellt falls ich mich nicht stark irre.
    Nokia lässt weltweit produzieren, ob in China, Brasilien, Ungarn etc. Die Produktion, was die Arbeitnehmerrechte angeht, orientiert sich an den jeweiligen Landesgesetzen. Und wenn irgendwo 12 Stunden täglich über Monate hinweg erlaubt sind, dann wird das dort so gemacht. Auch wenn man das in D nie so hätte machen dürfen bzw. auch in Finnland (wo die Unternehmensführung sitzt) heute meines Wissens nach nicht erlaubt und als gesundheitsschädlich angesehen wird.

    Du siehst, es ist nicht immer ganz schwarz-weiss, wie man meinen möchte.

    Der Preisdruck, den Nokia an Zulieferer weitergibt, den bekommt Nokia von Kunden und Aktionären, nicht anders als Apple. Und in manchem Werk führt das zu menschenunwürdigen Arbeitsverhältnissen ( die selbst in den jeweiligen Ländern illegal sind). Bei Foxconn ist dieser Druck am Ende ganz unten angekommen und nach Selbstmorden publik geworden.
    Das bedeutet aber nicht, dass diese Auswüchse von Apple oder Nokia gewollt sind. Es ist vermutlich noch nicht einmal kontrollierbar.

    Versteh mich nicht falsch, ich heisse Arbeitsverhältnisse, die schlechter als in Deutschland sind nicht gut. Und selbst hier liegt einiges im Argen (ich kenne Leute selbst aus dem Einzelhandel, die wesentlich mehr arbeiten, als erlaubt).

    Aber das Iphone als Menschenfresserprodukt zu bezeichnen ist eine einfache, aber höchst einseitige Aussage.
    Man wird kaum noch ein elektronisches Gerät finden, wo nicht irgendetwas von Foxconn drin ist. Du findest kaum etwas, in dem nicht irgendetwas aus China steckt, und wenn es Dein Toaster oder Dein Moped ist. Höchstwahrscheinlich hast Du gerade Foxconn kritisiert mittels eines Computers mit Bauteilen dieser Firma.

    Es wäre richtig, die Globalisierung und ihre Auswüchse zu kritisieren, aber Apple als einzigen Buhmann hinzustellen ist sicherlich falsch.

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  • #7
    Simon

    Nokia ist definitiv eine Firma, die ein riesiges Potenzial aufweist und mit den richtigen Führungskräften kann ich mir einen langfristigen Erfolg auch wieder gut vorstellen. Man sollte sich in Sachen Smartphones auf jeden Fall an HTC und Apple orientieren und erstmal ebenbürtige Konkurrenten auf den Markt bringen. Völlig eigenständige Innovationen können sich daraus ja immernoch entwickeln.

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