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Nokia nicht unfehlbar?

Die Nokia-Spitze begründet das Aus für den Standort Bochum mit wirtschaftlichen Notwendigekeiten. In einer Reaktion des Betriebsrates auf das Interview von Nokia-Chef Kallasvuo in der FAZ machen die Nokia-Mitarbeiter indes Versäumnisse des Vorstandes für das Nokia aus verantwortlich. Nokia-Betriebsrat: Kallasvuo will von eigenen Versäumnissen ablenken. Gisela Achenbach, Betriebsratsvorsitzende bei Nokia Bochum:  „Kallasvuo will von den Versäumnissen der Unternehmensleitung ablenken." Der Grund für die Schließung des Standortes seien nicht die angeblich zu hohen Kosten, sondern Versäumnisse in der Strategie des Managements. „Nokia hat meiner Ansicht nach Überkapazitäten geschaffen, aber es gleichzeitig versäumt, genügend neue unterschiedliche attraktive Produkte zu entwickeln", so Achenbach. Obwohl bei Nokia in Bochum noch vor der Einführung des iPods Konzepte für Musikhandys entwickelt worden seien und die Ingenieure ab Mitte 2001 das 3300 – ein Handy…

Die Nokia-Spitze begründet das Aus für den Standort Bochum mit wirtschaftlichen Notwendigekeiten. In einer Reaktion des Betriebsrates auf das Interview von Nokia-Chef Kallasvuo in der FAZ machen die Nokia-Mitarbeiter indes Versäumnisse des Vorstandes für das Nokia aus verantwortlich. Nokia-Betriebsrat: Kallasvuo will von eigenen Versäumnissen ablenken. Gisela Achenbach, Betriebsratsvorsitzende bei Nokia Bochum:  „Kallasvuo will von den Versäumnissen der Unternehmensleitung ablenken." Der Grund für die Schließung des Standortes seien nicht die angeblich zu hohen Kosten, sondern Versäumnisse in der Strategie des Managements. „Nokia hat meiner Ansicht nach Überkapazitäten geschaffen, aber es gleichzeitig versäumt, genügend neue unterschiedliche attraktive Produkte zu entwickeln", so Achenbach. Obwohl bei Nokia in Bochum noch vor der Einführung des iPods Konzepte für Musikhandys entwickelt worden seien und die Ingenieure ab Mitte 2001 das 3300 – ein Handy mit MP3Player und Musik auf Speicherkarten – entwickelt hatten, hätte das Management die konsequente Markteinführung einer neuen Produktpalette gestoppt. „Damals", so Achenbach „war die Botschaft des Senior Vice President Entertainment: „Music is not our Business", wohl weil man sich nur noch auf Spielehandys konzentrieren wollte. Das Geschäft mit portablen Musikplayern, die damals schon hätten in Mobiltelefone integriert werden können, machte schließlich Apple. Erst jetzt fängt auch Nokia an, Musik über das Internet zu vertreiben, ein Vorschlag der Bochumer Ingenieure, der 2002 niemanden in Finnland interessiert hat.

Gisela Achenbach: „Hätte Nokia auf seinen Standort Bochum mit hervorragend qualifizierten Mitarbeitern in der Produktion und einem Entwicklungszentrum mit mehr als 400 Ingenieuren gehört, würde keiner vom iPod reden. Dann hiesse es vielleicht NPod oder NPhone und diese Produktlinie würde garantiert in Bochum entwickelt und produziert"

Nokia hätte in der folgenden Zeit auf den Bereich Games gesetzt – aber unterlassen, eine attraktive Softwarebasis für die entsprechenden Geräte sicher zu stellen. „Die Bochumer Multimediaabteilung hat frühzeitig vor der Entwicklung gewarnt." Der Erfolg des Spielehandies N-Gage lag dann auch weit hinter den Erwartungen zurück. Auch, dass Nokia als Weltmarktführer mehr als ein Jahr nach Einführung des iPhones noch keine Antwort auf Apple gefunden hat sei peinlich. Achenbach: „Technisch und konzeptionell könnten wir Apple innerhalb weniger Monate überholen – wenn man uns lassen würde."

Stattdessen würde sich Nokia auf den Verkauf von Billighandies für Schwellenländer und Internetdienstleistungen konzentrieren. „Preisgünstige Modelle für die Märkte in den Schwellenländern sind zwar wichtig, aber ebenso wenig ein tragfähiges Zukunftsmodell wie das Geschäft mit Internetdienstleistungen." Dort hätten Amazon, Google und Ebay ihre Claims abgesteckt – für Nokia sei dort kaum noch Platz.

„Nokia sollte sich auf das konzentrieren, was es kann: Spitzenhandys entwickeln und bauen. Das hat der Standort Bochum seit fast 20 Jahren auch getan. Der Vorstand sollte endlich eine zukunftsträchtige Vision für das Unternehmen entwickeln, anstatt die Mitarbeiter für das eigene Unvermögen leiden zu lassen."

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