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NRW will Verbot von Giftschlangen in Privathaushalten

Monokelkobra Foto: Thomas Jaehnel Lizenz: CC BY 2.0

Tagelang wurde  in Herne-Holthausen nach einer 1,40 lange Monokelkobra gesucht. Vier Häuser wurden evakuiert, 30 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. Nun diskutiert die Politik in Nordrhein-Westfalen ein Gefahrtiergesetz.

Jeder zehnte ihrer Bisse ist tödlich, sie kann bis zu 2,30 Meter groß werden und ist vor allem in der Dunkelheit aktiv. Eine Monokelkobra gehört sicher nicht zu den Tieren, denen man im Hausflur begegnen möchte. Der Notruf der 17jährigen, der das in Herne-Holthausen geschah löste eine  aufwendige Suchaktion und die Evakuierung von vier Häusern aus. Dem Schlangenbesitzer, der sagt, die entflohene Kobra würde ihm nicht gehören, beschlagnahmte die Stadt weitere 22 Schlangen. Er hielt sie in einer kleinen Mietwohnung.

Nun wird in Nordrhein-Westfalen wieder über ein Verbot der Haltung von Gefahrtieren diskutiert. Ein erster Anlauf für ein solches Gesetz durch den damaligen Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) scheiterte am Widerstand der Kommunen und der SPD. Die Städte und Landkreise scheuten den teuren bürokratischen Aufwand, den Remmels Regelwerk mit sich gebracht hätte. Der zog 2016 sein Gesetz zurück. Und so gibt es bis heute jenseits des Artenschutzes keine Bestimmungen für private Halter. Wer will, kann mit Giftschlangen und Spinnen unter einem Dach wohnen. Und damit steht NRW im bundesweiten Vergleich nicht alleine. In den meisten Bundesländern kein Verbot der Haltung gefährlicher Tiere. Berlin, dass Privatpersonen das Halten gefährlicher, wildlebender Tiere wie der Monokelkobra verbietet, ist eine Ausnahme. Unter den Herner Landtagsabgeordneten herrscht denn auch Einigkeit was das Verbot von Gefahrtieren betrifft. Alexander Vogt (SPD) setzt auf eine gesetzliche Regelung: „Ich befürworte definitiv einen erneuten Anlauf in NRW, um die Haltung giftiger und gefährlicher Tiere zu verbieten. Auch sein Herne FDP-Kollege Thomas Nückel spricht sich gegen die Haltung von gefährlichen und giftigen Tieren in Privatwohnungen aus. „Was zurzeit in Herne passiert ist den Menschen nicht zumutbar.“  Nückel verweist allerdings  darauf, „dass viele Tier- und Artenschutzverbände die Pläne ablehnen.“

Auf Anfrage sagte die Bundestierärztekammer, dass sie ein Verbot der Haltung von Gefahrtieren ablehnt. Die Tierärztekammer will stattdessen die Erlaubnis zum Kauf solcher Tiere von verbindlichen Sachkundenachweisen abhängig machen. Der Landestierschutzverband Nordrhein-Westfalen sieht das anders. Sein Vizepräsident, der Tierarzt Ralf Unna, hofft auf ein Verbot der Haltung von Gefahrtieren: „Ein Gefahrtiergesetz in NRW ist überfällig.“ Es sei ein Unding, dass man für einen Labrador einen Führerschein brauche, aber Kobras in seiner Wohnung halten könne. Auch für den Steuerzahler würde diese Laxheit teuer werden: „Die beschlagnahmten Schlangen sind Wirbeltiere und dürfen nicht getötet werden. Sie können noch Jahrzehnte leben und die Stadt muss nun für sie aufkommen.“ Auf um die zehn Euro pro Schlange und Tag schätzt Unna die Unterhaltskosten. Geld, das die Stadt nur theoretisch von dem Halter zurückfordern kann: „Ich habe noch nie erlebt, dass solche Leute in der Lage waren, die Kosten von aufwendigen Suchaktionen oder Unterbringungen zu tragen.“ Doch Unna fordert nicht nur ein Gefahrtiergesetz in NRW: „Das Bundesumweltministerium muss eine Liste von Wildtieren herausgeben,  die man privat besitzen darf. Auf der wird dann die eine oder andere Würgeschlange zu finden sein, aber eine Monokelkobra sicher nicht.“

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) will  nun aktiv werden: „Ich persönlich bin gegen die Haltung sehr gefährlicher Tierarten in Wohnungen oder Häusern. Einerseits aufgrund der Gefährlichkeit der Tiere, andererseits habe ich Zweifel, ob die Haltung solcher Tiere in Wohnungen in allen Fällen art- und tiergerecht ist.“ Das Umweltministerium prüfe nun, für welche besonders gefährlichen Arten eine Haltung untersagt werden kann: „Wir prüfen derzeit die bestehenden rechtlichen Vorgaben und potentiell weitergehende Regelungen, eventuell auch eine Bundesratsinitiative.“

Der Artikel erschien in ähnlicher Version bereits in der Welt am Sonntag

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8 Kommentare zu “NRW will Verbot von Giftschlangen in Privathaushalten

  • #1
    thomas weigle

    "Jedem Bürger seinen Würger!" Dieser Spruch aus einer Quintessenzsendung im WDR2, den ich während der Fahrt auf der A45 zwischen A1 und A2 im März 1980 hörte, ist mir ob seiner Schärfe unvergessen. Das Problem ist also nicht neu.

  • #2
    Pluto

    Sollten sich besser für ein Verbot von bissigen Kötern einsetzen, deren Besitzer sich noch einen Spass draus machen, die Viecher unangeleint auf Wald-und Feldwegen Radler anspringen zu lassen.

  • #3
    Ke

    Mir fehlt jedes Verständnis für die Haltung solcher Tiere.
    Ich bin aber sowieso kein Haustierfan und würde es begrüßen, wenn mit dem Zeit und Geldaufwand wilde Tiere oder Zoos unterstützt würden.

  • #4
    thomas weigle

    @ ke "wilde Tiere oder Zoos…" Was zur Folge hätte, dass Millionen von Haustieren einem ungewissen Schicksal überantwortet würden. Nur in Deutschland. Von der oft nicht artgerechten Tierhaltung in Zoos mal abgesehen. Ein Problem, dass auch mit noch so viel Geld für nicht wenige Tierarten nicht gelöst werden kann, weil schlicht der Platz fehlt, um bspw Großkatzen, Bären, Vögeln usw den Raum zu bieten, den sie für ein artgerechtes Leben brauchen.
    Dazu kommt die nicht artgerechte Haltung von Nutztieren, die oftmals reine Quälerei ist. Nöö, da haben es der seit Zehntausenden von Jahren auf den Menschen geprägte Hund und die Freigängerkatze in der Regel um einiges besser. Das gilt natürlich nicht für in Käfigen gehaltene Vögel oder bspw. "Stallhasen" u.a. absolut nicht artgerecht gehaltene Haustiere.

  • #5
    Yohak

    Ich muß sagen, daß ich einem solchen Verbot sehr skeptisch gegenüber stehe. Wer vernünftig ist, hält ohnehin keine gemeingefährlichen Tieren. Wer hingegen verantwortungslos ist, kümmert sich sich sowieso nicht um die Gesetzeslage. Außerdem ist es schwierig, die Grenze zu ziehen, ab der
    gefährliche Tiere verboten werden. Da gibt es ja des öfteren verschiedene Meinungen, wie man zum Beispiel an der aktuellen Diskussion um Wölfe sieht. Je nach Standpunkt des Kommentators sind entweder Wölfe gemeingefährlich, oder für Menschen harmlos, solange diese nicht die Wölfe sinnlos provozieren. Schließlich gibt es auch noch die Gefahr, daß nach dem Verbot bestimmter Tiere verantwortungslose Halter desselben diese einfach irgendwo freisetzen, um sie loszuwerden.
    Mir wird in Deutschland zu schnell nach noch mehr Verboten gerufen.

  • #6
    thomas weigle

    Gefährlichkeit hin oder her, es geht ja auch um eine artgerechte Haltung. Ich habe schon Zweifel, ob Schlangen in Zoos artgerecht gehalten werden können, in irgendwelchen Terrarien in Privatbesitz in der Regel aber ganz sicher nicht.

  • #7
    ke

    @4 thomas weigle
    Der STeppenläufer Mensch lebt auch häufig nicht artgerecht.

    Aber wer interessiert sich insbesondere für alte Menschen etc.

  • #8
    thomas weigle

    @ke Der "Steppenläufer Mensch" hat sich aber schon vor Jahrtausenden für das Verlassen der Steppe entschieden. Der nicht artgerecht gehaltene Löwe, Python etc. hat diese Entscheidung nie getroffen. Sie wurde immer von Menschen getroffen. Ein kleiner aber doch entscheidender Unterschied, wie ich meine.

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