
Die Wirtschaft schrumpft, bei der Bildung belegt Nordrhein-Westfalen unter 16 Bundesländern den 14. Platz, und wer ein Rechenzentrum bauen will, muss unter Umständen zehn Jahre darauf warten, bis er ans Stromnetz angeschlossen wird. Man könnte meinen, ein Bundesland, in dem es so schlecht läuft, nimmt jede Chance wahr, sich an Initiativen zu beteiligen, die Innovation und Wachstum beschäftigen. Nicht so in NRW. In einer Antwort auf eine kleine Anfrage der FDP-Landtagsabgeordneten Angela Freimuth und Dietmar Brockes zum Thema Kernfusion antwortete Wirtschaftsministerin Mona Neubaur auf die Frage, ob die Landesregierung, da sie nicht gefragt wurde, beabsichtigt, sich aktiv um einen Beitritt zur Fusionsallianz der Bundesländer Bayern, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Schleswig-Holstein zu bemühen: „Die Landesregierung sieht derzeit keine unmittelbare Notwendigkeit, einen Beitritt zur Fusionsallianz der Bundesländer aktiv zu verfolgen. Die Forschungseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen sind hervorragend aufgestellt und leistungsfähig. Sie gestalten ihre Kooperationen eigenständig und sind in nationalen wie internationalen Netzwerken sowie Forschungskooperationen eingebettet.“
Während andere Bundesländer, an denen die Grünen teilweise wie in Hamburg oder Schleswig-Holstein an den Regierungen beteiligt sind, aktiv werden, um an Zukunftstechnologien wie Kernfusion dabei zu sein, legt man in Düsseldorf die Hände in den Schoß. Derweil ist die Wirtschaft aktiv geworden: Der Energieversorger RWE unterstützt die Fusionsforschung, und auf einem ehemaligen Kraftwerksgelände des Unternehmens soll bis 2035 der Prototyp eines Fusionsreaktors entstehen und Strom liefern. Das soll aber nicht in NRW, sondern im hessischen Biblis geschehen.

Naja. Wenn man an der Überschrift, in der es um „Zukunftstechnologien“ (Plural!) geht, an denen die Ministerin angeblich nicht interssiert ist, und an einigen gewohnt alarmistischen Einleitungssätzen vorbei ist, erfährt man dann irgendwann auch, was tatsächlich Thema ist: Die Kernfusion.
Also nicht „Zukunftstechnologien“ allgemein (auf verschiedene Zukunftstechnologien wie erneuerbare Energien hat Neubauer bekanntermaßen sehr wohl Bock), auch nicht mehrere Technologien, sondern genau eine ganz bestimmte. Und zwar eine, bei der es völlig in den Sternen steht, ob sie irgendeine Zukunft hat, weil ihre Machbarkeit immer noch erforscht werden muss.
Schließlich wurde m.W. noch nirgendwo auf der Welt auch nur eine einzige Kilowattstunde elektrische Energie aus dieser Technologie erzeugt, sondern nur rein theoretisch gezeigt, dass bei der Reaktion selbst mehr Energie entstehen kann, als unmittelbar hineingesteckt wurde. Ob man daraus aber eine Technologie entwickeln kann, mittels derer mehr Strom produziert werden könnte, als der Betrieb der ganzen Anlage verbrauchen würde, istz völlig unklar.
Aber wenn man das so sachlich schreiben würde, wäre ja a) kein unkritisches Bejubeln dieser Zukunftsfantasien möglich und b) auch keine Verunglimpfung einer grünen Politikerin. Logisch also, dass das nicht geht.