Nun hat das Ruhrgebiet einen Plan

Verwaltungsgebäude des Regionalverbands Ruhr in Essen Foto: Flux Garden~commonswiki Lizenz: CC BY-SA 2.5


Das Ruhrgebiet hat erstmals seit den 60er-Jahren einen selbst beschlossenen Regionalplan. Es war eine schwierige Geburt.

Im Jahr 2007, als der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen noch Jürgen Rüttgers (CDU) hieß, beschloss der Landtag, dass das Ruhrgebiet künftig selbst über seine Regionalplanung entscheiden dürfe. Das war seit den 60er Jahren nicht mehr der Fall. Damals hatte die SPD im Land beschlossen, dass es für das Revier besser sei, wenn die Planung für das Ruhrgebiet auf die Regierungsbezirke Düsseldorf, Arnsberg und Münster aufgeteilt würde. Ein starkes Ruhrgebiet schien den Genossen damals offenbar nicht erstrebenswert zu sein.

Anders die CDU, die ab den 90er Jahren im Ruhrgebiet unter der Führung des späteren Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (CDU) mit einem Bekenntnis zur Region punkten konnte. Nun, 16 Jahre später, hat das Ruhrparlament, so nennt sich die Verbandsversammlung des Regionalverbandes Ruhr, am 10. November ihren ersten Regionalplan verabschiedet. Der Weg dorthin war steinig; 2019 wurde sogar der damalige RVR-Planungschef Martin Tönnes (Grüne) entlassen, weil sämtliche Zeitziele gerissen wurden. Der Plan regelt, wo im Ballungsraum mit fünf Millionen Einwohnern künftig Wohnungen gebaut werden dürfen, sich Industrie ansiedeln kann oder in welchen Wäldern sich Hase und Igel auch in Zukunft in aller Ruhe „Gute Nacht“ sagen können. Und dafür haben sie viel Platz: Der Regionalplan umfasst eine Fläche von 443.709 Hektar. Davon entfallen knapp die Hälfte auf unbebaute und landwirtschaftliche Flächen. 23 Prozent sind allgemeine Siedlungsbereiche und 20 Prozent sind Wald. Gemäß dem Plan können nun auf rund 3.200 Hektar neue Wohnbauflächen für etwa 140.000 zusätzliche Wohnungen entstehen.

Diese werden dringend benötigt, denn in den vergangenen Jahren sind wieder mehr Menschen in den Pott gezogen. Auf 5.400 Hektar wurden neue Gewerbegebiete erschlossen. Das klingt nach mehr, als es ist: Allein das Tesla-Werk im brandenburgischen Grünheide beansprucht 300 Hektar, und weitere 100 sollen hinzukommen. RVR-Regionaldirektorin Karola Geiß-Netthöfel sagte nach der Abstimmung: „Nachdem unser Vorläufer, der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk, 1966 bundesweit den ersten Regionalplan vorgelegt hat, knüpft der Regionalplan Ruhr an diese Tradition an. Der einheitliche Regionalplan für die Metropole Ruhr trägt durch eine verantwortungsvolle und bedarfsorientierte Flächenausweisung den Herausforderungen der Zukunft Rechnung.“ Metropole Ruhr ist die vollkommen ironiefreie offizielle Bezeichnung des Ruhrgebiets. Der Regionalplan hat auch festgelegt, dass weiterhin am Niederrhein Kies abgebaut werden kann. Ein Thema, über das es zwischen der Industrie, Teilen der Bürgerschaft und den Naturschutzorganisationen immer wieder Streit gab. Um 20 Prozent soll sich die Kiesabbaufläche verringern, aber der wichtige Baustoff darf weiterhin gefördert werden, und die Arbeitsplätze in der Industrie bleiben erhalten. Die Kiesindustrie ist zufrieden; Lokalpolitiker, unter anderem der CDU, kritisieren die weiteren Eingriffe in die Natur.

Der Text erschien in einer ähnlichen Version bereits in der Welt am Sontag

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