Ohne Waffen kein Frieden

Leopard 2A6 im Gelände Foto (Ausschnitt): synaxonag Lizenz: CC BY 2.0


Überall in Europa gibt es Menschen, die Illusionen für wahr halten. Sie glauben, dass Freiheit und Frieden auf Rücksicht, Diplomatie und gutem Willen beruhen. Dabei übersehen sie geflissentlich historische und aktuelle Fakten. Von unserem Gastautor Arne Kruse.

Die Freiheit und der Frieden in Westeuropa seit dem Zweiten Weltkrieg beruhen auf Bomben und der Drohung mit Krieg. Ohne den Kampf der westlichen Alliierten gegen die Nazis wäre Europa entweder unter die Herrschaft der Nazis oder der Sowjets gefallen. „Friedensverträge“ haben Hitler und Stalin vorher genutzt, um ihre Kriege in Ruhe vorbereiten zu können. Im Kalten Krieg war es wiederum die militärische und atomare Abschreckung des Westens, die verhindert hat, dass Sowjetrussland weitere Staaten in Europa besetzt. Waffen haben den Frieden und vor allem die Freiheit in Europa bewahrt. Das gleiche gilt für Taiwan, für Südkorea und für Israel. Und für die Ukraine gilt umgekehrt: Der Verzicht auf ihre Atomwaffen 1994 und die fehlende NATO-Mitgliedschaft haben Russland ermöglicht, sie ab 2014 anzugreifen.

Waffen sichern den Frieden und die Freiheit in Deutschland

Auch Deutschland für sich genommen wäre ohne Waffen weder friedlich noch frei. Bewaffnete Sicherheitsorgane wie die Polizei setzen Recht und Gesetz durch – notfalls mit Gewalt. Täten sie es nicht, könnten Kriminelle und Extremisten sich ungehindert austoben. Es wäre sofort vorbei mit dem Frieden und der Freiheit. Wer ruft „Frieden schaffen ohne Waffen“ tritt daher für nichts anderes ein als eine Lebenslüge. Eine Illusion, die nichts mit der Realität zu tun hat. Und er tritt ebenso für Kapitulation ein. Für Unterwerfung gegenüber den Feinden der Freiheit, Kriminellen und Extremisten. Wer auf Waffen verzichtet, lädt seine Feinde ein, ihn anzugreifen, auszurauben und zu unterwerfen.

Die Welt ist kein Ponyhof

In Europa glauben nicht wenige Menschen, dass die Welt ein Ponyhof sei. Ein Ort, an dem lauter gutmütige, zahme und harmlose Ponys in Ruhe und Frieden leben wollen. Wie kommen sie nur auf diese absurde Idee? Ein Blick in die politisch-gesellschaftliche Realität vieler Länder könnte sie aufwecken. Sie könnten dann erkennen, dass es lauter Diktaturen unter Regimen mit Kriegsabsichten gibt wie Russland, China, Iran und Nordkorea. Sie könnten erkennen, dass in vielen Gesellschaften Ideologien an der Macht sind, die Freiheit ablehnen und unterdrücken. Sie könnten erkennen, dass die UN alles Mögliche ist, nur kein Versammlungsort von Demokraten mit guten Absichten. Sie könnten erkennen, dass es weltweit Menschen gibt, die gerade an den Angriffskriegen, Völkermorden und Terrorwellen der Zukunft basteln.

Werte, Waffen, Wohlstand

In Europa leben lauter Menschen, die glauben, Freiheit und Frieden seien selbstverständlich und natürlich. Fakt ist aber, dass diese Errungenschaften nicht vom Himmel gefallen sind. Sie beruhen auf Werten. Sie wurden mit Waffen erkämpft. Sie müssen mit Waffen verteidigt werden. Waffen wiederum kosten Geld – weshalb allgemeiner Wohlstand, also eine starke Wirtschaft, genauso wichtig ist.

Verantwortlich Politik heißt, sich auf Krieg vorzubereiten

Die aktuellen politischen Entwicklungen rund um Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine zeigen deutlich, wie gefährlich und verantwortungslos es ist, eine Schwächung von Militär und Wirtschaft zuzulassen oder sogar aktiv zu betreiben. Europa ist so schwach bzw. verhält sich so schwach, dass Trump und Putin versucht sein könnten, auf Kosten der Ukraine und auf Kosten Europas einen „Friedensplan“ umzusetzen. Nur wäre es wohl kein Friedensplan, sondern ein Waffenstillstand auf Zeit. Russland würde für seine Eroberung belohnt. Die Ukraine hätte keinerlei echte Sicherheitsgarantien. Russland könnte gestärkt durch die Aufhebung der Sanktionen ungehindert aufrüsten und weitere Kriege vorbereiten. Torsten Heinrich hat das hier – wie so oft – gut erklärt.

Die Zukunft Europas heißt Aufrüstung

Wenn Europäer auch in Zukunft in Freiheit und Sicherheit leben wollen, müssen sie daher aufrüsten – und zwar massiv. Sie müssen aus der Geschichte und der Gegenwart lernen. Wem Werte wie Menschenrechte, Freiheit und Demokratie wichtig sind – wer in Frieden leben will – der muss potentielle Feinde abschrecken, bevor sie auf dumme Ideen kommen. Das gilt innenpolitisch gegenüber Kriminellen und Extremisten. Das gilt außenpolitisch gegenüber revisionistischen Regimen wie Russland. Es ist immer besser, sich verteidigen zu können und abzuschrecken, als leichte Beute zu sein. Die Welt ist eben kein Ponyhof, sondern ein Haifischbecken.

Wenn alle etwas tun, müssen nicht alle alles tun

Eine Sache, die vielen vernünftigen Beobachtern des Ukraine-Kriegs heute wehtut, ist der Fakt, dass die Ukraine viel besser dastehen könnte, wenn einfach alle ihre Unterstützer noch mehr unterstützen würden. Es würde etwas mehr Belastung für jeden bedeuten – hätte aber zusammengenommen eine große Wirkung. Das gleiche gilt für die NATO als Ganzes: Sie ist stark, wenn alle etwas beitragen. Sie ist schwach, wenn einige viel beitragen und viele wenig oder nichts. Wer Angst vor Krieg hat, sollte sich folgendes vor Augen führen: Je schwächer Europa ist, desto wahrscheinlicher werden weitere Angriffskriege durch Russland. Die Frage ist am Ende immer, was besser ist: Ein schwaches Militär mit der großen Wahrscheinlichkeit, dass ein echter Krieg ausbricht, weil Russland sich stark fühlt. Dann müssen alle an die Front. Oder ein starkes Militär, was den Preis Wehrpflicht, Einsatzbereitschaft und Kosten hat, aber eben einen Krieg verhindert. Niemand muss an die Front – aber viele müssen einen begrenzten Beitrag in Form von Übungen leisten. Was ist besser? Ich lebe lieber eine Gesellschaft, die immer nur Krieg übt, als in einer, die in Zukunft das Opfer von Räubern wird und dann in den Krieg muss. Ich lehne Krieg ab. Ich will nicht an die Front. Ich will nicht, dass meine Kinder und Enkel an die Front müssen. Ich will aber auch nicht in Unfreiheit leben unter der Fuchtel eines Kriegsverbrechers aus Moskau. Und genau deswegen trete ich dafür ein, dass die freie Welt kollektiv aufrüstet.

Der Text erschien bereits auf dem Blog von Arne Kruse

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