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Palästinasolidarität: „Adolf hatte damals Recht“


Von der Solidarität mit den Palästinensern ist der Weg nicht weit zu Antisemitismus und Rechtsradikalismus, wie das Facebook-Forum „Freiheit für Palästina“  zeigt. Von unserem Gastautor Tobias Huch.

Schon Anfang 2014 wurde das Facebook-Netzwerk von einer Welle gefälschter Fotos und Videos überschwemmt, die angeblich aus Gaza stammten. Tatsächlich handelte es sich durchweg um Fotos und Videos, die entweder gestellt oder in den Kriegsgebieten von Irak, Syrien oder Afghanistan aufgenommen worden waren. Doch in den betreffenden Posts wurde einfach behauptet, abgebildet seien die Zustände in Gaza, und verantwortlich dafür seien „die Zionisten“ – ein politischer Hetzbegriff für Israel, der in Wahrheit aber alle Menschen jüdischen Glaubens meint. Ganz im Sinne der Propagandisten, die das manipulierte Material eingestellt hatten, entlud sich unter den Fotos und Videos prompt ein enthemmter, blanker Judenhass, der dem „Stürmer“ und der Nazirhetorik im Dritten Reich in nichts nachstand. Die üble Masche, Israel- und Judenhass im Netz zu bündeln und ungehindert auszuleben, verbreitete sich seitdem auf Facebook munter weiter. Dabei stehen Hetz- und Hassseiten wie „Freiheit für Palästina“ mit mittlerweile fast 100.000 „Fans“ nach wie vor im Zentrum der antisemitischen Bewegung. Einer der Admins und Gründer dieser Seite war ein gewisser Bilal G., der sich selbst als ISIS-Fan outete und unter anderem über die genannte Seite unverhohlen Reklame für ISIS-nahe Salafisten in Deutschland machte. Dank seiner Facebook-Gruppe kann er für seine Anti-Israel-Propaganda und seine pro-salafistische Bauernfängerei die perfekte Zielgruppe erreichen, quasi ohne Streuverluste: Bildungsferne junge Menschen und Zivilversager, die selbst meist keine Ahnung vom eigentlich Islam haben, aber ihre persönlichen Probleme durch einen erfundenen, propagandistisch verzerrten Glauben kompensieren. „Islam“ ist für diese Anhängerschaft das, was ihnen Hassprediger ins Hirn trichtern. Da ist es kein Wunder, dass man jegliche Kritik oder gar Ablehnung islamistischer Terrorgruppen wie ISIS, Al Qaida, Al Nusra oder Hamas auf den einschlägigen Facebook-Seiten vergebens sucht.

Alleine die genannte Seite „Freiheit für Palästina“ wurde bis heute unzählige Male bei Facebook gemeldet, doch ohne jeglichen Erfolg. Und das, obwohl hier zur Ermordung aller Christen und Juden im Nahen Osten aufgerufen und verkündet wurde, sunnitisch-radikale Muslime seien die einzigen, die ein Recht zu leben hätten. Sowas kommt beim Publikum gut an: Fans der Seite fordern ganz offen die Vollendung des Holocaust, verlangen aber darüber hinaus, dass man außer den Juden auch alle Christen und Drusen der Region in die Gaskammern steckt und physisch vernichtet. Facebook weigert sich die Seite zu löschen, da die Forderung nach einem neuen Holocaust und dem Genozid an Juden und Christen „nicht gegen die Gemeinschaftsstandards verstößt“, so die offizielle Standardreplik. Denn für Facebook – und dies ist leider kein Geheimnis – ist der Hass auf Juden kein Sperrgrund, sondern vielmehr eine willkommene Traffic-Ressource für Werbeeinnahmen. Anders lässt sich nicht erklären, dass das Netzwerk trotz einschlägiger, oft strafbarer Inhalte die Seiten nicht löscht; denn Hass-Seiten ziehen eine werbe-affine Klientel an. Paradoxerweise werden hingegen Gegner dieser Seite gesperrt, die über die Inhalte öffentlich aufklären. So erging es nicht nur mir, dem Autor dieses Artikels – auch der israelfreundliche CDU-Politiker Felix Leidecker wurden zum Opfer von „Shadowbanning“ und ähnlichen Schikanen, indem er beispielsweise Follower und Abonnenten auf mysteriöse Weise verliert.

Es sind aber nicht allein ausgewiesene Hetz-Seiten salafistischer Privatpersonen, die den Hass schüren und Fakenews verbreiten. Auch etablierte Medien mit (bisher) gutem Ruf nutzen den überall neu aufkeimenden Judenhass für sich und schüren ihn. So gilt die Facebook-Seite der Tagesschau (ARD) mittlerweile geradezu als Insidertipp für Antisemiten. Immer wenn die Redaktion der Tagesschau eine neue Meldung zum Thema Israel online stellt, können sich antisemitische Follower über eine verzerrte bzw. falsche Darstellung freuen, die tendenziös bis offen antiisraelisch ist. Regelmäßig tobt sich daraufhin ein Mob von Judenhassern – auch deutschen – in den Kommentarspalten des Facebook-Auftritts der Tagesschau aus. Gerade nach Trumps Jerusalem-Beschluss vergangene Woche schäumen die Reaktionen über. Als der IS Millionen Menschen vertrieb, versklavte und ermordete, war nicht ein Bruchteil der Empörung zu vernehmen, die sich nun über die USA und Israel entlud. Man muss sich ernsthaft fragen, warum die Verantwortlichen der ARD nicht endlich eingreifen und vor allem auch gegen unverhohlenen Antisemitismus in der eigenen Redaktion vorgehen; und dass dieser existiert, lässt sich nicht bestreiten – die Beweislage ist erdrückend.

Und der auf Facebook gesäte Hass frisst sich immer weiter, auch außerhalb der sozialen Medien. Auf „Anti-Israel“-Demos wird auf arabischer oder türkischer Sprache offen gegen Juden gehetzt, manchmal sogar offen auf Deutsch „Hamas! Hamas! Juden ins Gas!“ gebrüllt. Am Freitag wurde in Berlin unter den Rufen „Allahu Akbar!“ ein großes Tuch mit jüdischem Davidstern verbrannt. Dass so etwas in Deutschland je wieder möglich sein würde, noch dazu in unmittelbarer Nähe des Holocaust-Mahnmals, hätte vor wenigen Jahren keiner geglaubt. Die Teilnehmer dieser Anti-Juden-Demos bestehen fast ausschließlich aus Personen aus dem türkischen und arabischen Migrantenumfeld. Auf ein hartes Durchgreifen durch die Staatsmacht wartet man bisher vergebens.

Es ist Zeit für jeden Demokraten, Solidarität mit den Menschen in Israel zu zeigen, die tagtäglich von den barbarischen Regimes und Terrorgruppen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft bedroht werden. Und es ist höchste Zeit für jeden Demokraten, auch für unsere jüdischen Mitbürger in Deutschland aufzustehen.

Antisemitismus ist in jeder Form verachtenswert – ob er sich als offen zeigt oder als Israelhass maskiert. Er gehört entschieden mit allen Mitteln bekämpft, auch von Facebook, von der ARD, von der Politik und von der gesamten Zivilgesellschaft.

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11 Kommentare zu “Palästinasolidarität: „Adolf hatte damals Recht“

  • #1
    Kartlito

    Passend dazu:

    http://www.achgut.com/artikel/heute_jerusalem_morgen_neukoelln

    Jerusalem sei die „drittheiligste Stätte“ des Islam, basierend auf der unbewiesenen Annahme, mit der in Sure 17 Vers 1 erwähnten „fernen Moschee“ sei die Al Aqsa in Jerusalem gemeint, obwohl diese Moschee erst rund hundert Jahre nach dem erwähnten Ereignis gebaut wurde und das Wort Jerusalem im Koran nicht ein einziges Mal vorkommt.

  • #2
    thomas weigle

    Mich reut mittlerweile jede Mark, die ich als linker Student vor vielen Jahren für "die gerechte Sache Palästinas" in DER GROßEN HALLE DES VOLKES der Bielefelder Uni abgedrückt habe. Wie konnte ich nur? Und dies trotz München 72!!

  • #3
    Sara

    In Schweden Angriffe auf Synagogen, in Deutschland wiederholte übelste antisemitische Hetze. Worte von Politikern helfen nicht, es muss gehandelt werden. Nur weil die Täter Migranten sind darf man das doch nicht dulden. Die olle Haverbeck wird doch auch verurteilt.

  • #4
    Peter Mohr

    Der Artikel wäre seriös,wenn zur Behauptung der antiisraelichen bzw. tendenziösen Berichterstattung im Facebook-Auftritt der Tagesschau auch Zitate dieses belegen. Mein Eindruck ist eher, dass Kritik an der israelischen Politik voreilig mit einer antiisraelischen/antisemitischen Einstellung gleich gesetzt wird.

  • #5
    Gerd

    „Adolf hatte damals Recht“

    Besser kann man sich nicht entlarven. Jetzt müsste das nur von den MSM zur Kenntnis genommen werden. Zum Glück nimmt der Einfluss von Blogs zu. 🙂

  • #6
    EinLipper

    Das ist wirklich bitter, dass sowas bei uns – und besonders in Berlin – ohne Eingreifen der Polizei stattfinden kann, noch bitterer ist aber, dass erst nach Tagen offizielle Statements aus der Politik erfolgen (und dann auch noch mit dem Tenor dass man sowas "nicht dulden könne" wo es doch offensichtlich geduldet wurde), fragt sich nur, wo jetzt da die erste Lichterkette oder Gegendemo erfolgt, wo sind Kirchen, Jusos, Grüne, Linke???

  • #7
    Gerd

    @5:

    Die planen die Demo gegen die wirklich üblen Gestalten:

    http://www.israelhayom.com/2017/12/10/anti-israel-discourse-in-germany-a-disgrace-lawmaker-says/

    Oder wie sagte Broder noch: "Wieviele von denen fordern einen Boykott Israels?" Wir leben schon in verrückten Zeiten.

  • #8
    Arnold Voss

    @ Peter Mohr # 4

    Ihr Kommentar wäre seriös, wenn sie, obwohl es diese Zitate im Artikel gibt, nicht behaupten würden, dass es an Belegen fehlt. Mein Eindruck ist eher, dass sie voreilig die berechtigte Kritik an den antisemitischen Reaktionen vieler Palästinenser mit einer grundsätzlichen antipalästinensischen/antimuslimischen Haltung gleichsetzen.

  • #9
    Mika

    In Deutschland werden halt nur tote Juden inbrünstig verteidigt. Nämlich dann, wenn es als Kampfmittel gegen sog. Rechte taugt. Dieser Mut ist billig. Für die lebenden Juden ist der Einsatz erheblich geringer. Über wohlfeile Phrasen geht das nicht hinaus. Teils aus Opportunismus im Hinblick auf die schon herrschenden Zustände, teils aus tatsächlichem Antisemitismus.
    Beides ist für sich schon schlimm. In der Kombination aber eine wahre Katastrophe für das deutsche Selbstverständnis.
    Statt des ewigen "sowohl-als-auch" Geblubbers wäre hier der Punkt um tatig Position zu beziehen. Warum wird politische Feigheit als polizeiliche Deeskalation bezeichnet? Wo ist eigentlich die deutsche Botschaft in Israel?

  • #10
    Peter Mohr

    @ Arnold Voss
    Ich habe mich in meinem Beitrag auf die nicht belegte Kritik zum Facebook-Auftritt der Tagesschau bezogen, diesem Auftritt wird eine tendenziöse/antiisraelische Haltung unterstellt.
    Um meine Position zu verdeutlichen: ich hoffe, dass es in absehbarer Zeit zu einer Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern kommt. Rabin und Arafat haben gezeigt, dass es möglich wäre. Leider wurde dann Rabin von radikalen orthodoxen Juden getötet.

  • #11
    David Senib

    Wenn ich so was lese denke ich das die Debatte über Familiennachzug um die Position Familienabzug erweitert werden muss. Solche Menschen haben in Deutschland nichts verloren auch wenn unser GG es anders sieht, denn wer das GG ablehnt oder nur für eigene Zwecke missbraucht, sollte wenn möglich ohne wenn und aber ins Land seiner Vorfahren abgeschoben werden.

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