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PCB-Skandalfirma Envio sitzt jetzt in Hamburg – Anklage gegen Dirk Neupert

Gestern hat die Staatsanwaltschaft Dortmund gegen den Envio-Geschäftsführer Dirk Neupert und drei seiner Mitarbeiter Anklage erhoben. Sie sollen gegen Umweltgesetze verstossen und Körperverletzung in 51 Fällen begangen haben.

Endlich. Nach über einem Jahr der Ermittlungen hat gestern die Staatsanwaltschaft Dortmund Anklage gegen Envio-Chef Dirk Neupert und drei seiner Mitarbeiter erhoben. Sie sind die Hauptverantwortlichen im größten PCB-Skandal der letzten Jahre. Um Geld zu sparen haben sie gegen alle Auflagen beim Recycling von PCB-Belasteten Transformatoren verstossen. Die Folge waren vergiftete Mitarbeiter und ein in Teilen mit PCB belasteter Stadtteil: Die regelmässigen Lesern dieses Blogs gut bekannte Dortmunder Nordstadt.

Die Anklage gegen Dirk Neupert und seine Mitarbeiter ist umfangreich. Leider wurde niemand aus den Kreisen der Bezirksregierung angeklagt – Lasche Kontrollen und großzügige Ausnahmegenehmigungen waren mit Verantwortlich für die Katastrophe.

Neupert und seine Spießgesellen haben sich längst aus Dortmund verabschiedet. Sie sitzen jetzt in Hamburg. Adresse: Fischertwiete 2. Und ein U Unternehmen wurde unbenannt: Aus Envio Biogas wurde Bebra-Biogas.

Frontal21 hat vor kurzem gezeigt, dass Envio  im PCB-Geschäft so asozial sind wie früher. Nur jetzt in Korea, wo sie weiter im Transformatoren-Recycling tätig sind.

Und vielleicht sollte man auch erwähnen, dass es Neupert gelungen ist, sich einen Aufsichtsrat für seine AG zu zimmern, in dem ein paar Leute sitzen, die für ein seriöses Image sorgen sollen, aber nicht anderes machen, als mit ihren Namen ein Unternehmen unterstützen, das eigentlich aufgelöst und enteignet gehört. Denn die Unternehmenstochter in Dortmund ist längst insolvent und für die Kosten des PCB-Schaden wird der Steuerzahler aufkommen müssen.

Ihren Namen für die Unternehmenspolitik als Aufsichtsräte der Envio AG geben her:

Marco Romswinkel, Steuerberater

Prof. Dr.-Ing. Thomas Hartkopf, Professor an der TU Darmstadt

Thomas Nettenheim aus Wuppertal

Envio bei den Ruhrbaronen:

PCB-Skandal: Envio außer Kontrolle

Envio: Gute Zukunftsaussichten mit PCB

So warb die GTZ für den PCB-Verseucher Envio

Envio: PCB und PR

Envio: Das Öko-Image und die PCB-Lady

PCB: Hätte die Envio-Verseuchung verhindert werden können?

Envio auf Der Westen:

Klaus Brandt von der Westfälischen Rundschau hat den Envio Skandal maßgeblich aufgeklärt. Auf der Westen findet sich auch ein umfangreicher Schwerpunkt zu  dem Thema.


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9 Kommentare zu “PCB-Skandalfirma Envio sitzt jetzt in Hamburg – Anklage gegen Dirk Neupert

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  • #2
    Katharina

    Dazu paßt der Kommentar, den ich gerade las:
    Ein Gastbeitrag von Walter B. (gekürzt) le bohemien

    In Europa breitet sich Empörung aus.——- Wo kommt sie her, die Empörung? Wo führt sie hin? – Ein Deutungsversuch zwischen Hoffen und Bangen.

    Ist es Zufall oder nicht? Am Anfang stand das schmale Bändchen «Empört euch!» von Stéphane Hessel, in dem er die Jugend dazu aufruft, sich durch die Missstände in Gesellschaft und Politik empören zu lassen. Ohne Empörung gebe es keine Veränderung. Inzwischen sorgen die Empörten auf den Strassen Madrids,
    Athens und vieler weiterer Städte Europas für Aufsehen und fordern lautstark, aber friedlich einen grundlegenden Wandel in Politik und Gesellschaft. Die Empörung wächst quer durch alle Generationen und (fast) alle Gesellschaftsschichten. Bald muss man – pardon, kann man von einer europaweiten, wenn nicht globalen Empörung sprechen. Und wie von Hessel angemahnt, sind die Demonstrationen und Protestcamps weitgehend friedlich und gewaltlos, zumindest seitens der Empörten.
    —————————————–
    Die Empörung richtet sich zunächst gegen die Politiker des eigenen Landes, die Wasser predigen und Wein trinken und die Bedürfnisse der einfachen Menschen völlig aus den Augen verloren haben. Wie sonst kann man erklären, dass zwar willfährig Banken gerettet, aber das Gemeinwesen und der Sozialstaat systematisch demontiert werden. Die Empörung richtet sich auch gegen die Aushöhlung demokratischer Prozesse durch wirtschaftliche Interessen.
    ——————————————————————–
    Die Empörung richtet sich ferner gegen die entfesselte Wirtschaft des 21. Jahrhunderts, die längst zum Selbstzweck verkommen ist und für zusätzliche Profite buchstäblich über Leichen geht. Schliesslich richtet sich die Empörung auch gegen den Nihilismus einer Gesellschaft, die fest entschlossen scheint, den nachfolgenden Generationen einen geschundenen, erschöpften Planeten zu hinterlassen. Die Empörung wächst im selben Mass, wie die Dreistigkeit und der Machiavellismus der elitären Globalisierung zunimmt. Die Finanzindustrie nimmt hier eine hervorragende Stellung ein, hat sie sich doch längst von der Realwirtschaft abgekoppelt. Mehr noch: Sie hat Realwirtschaft und Politik in Geiselhaft genommen, soweit sie nicht ohnehin mit beiden verbandelt ist, und diktiert uns allen, wo es lang gehen soll. Gleichzeitig trägt sie nichts, aber auch gar nichts Gedeihliches zu Wirtschaft und Gesellschaft bei.

    Sie verkörpert das, was auch die Revolution der Armen gegen die Reichen genannt wird. «Wenn Ihr uns nicht träumen lässt, werden wir euch nicht schlafen lassen.» Wohin führt die Empörung? Wen wundert’s, dass sich die Menschen empören und zu Tausenden auf die Strasse gehen.
    ———————————————–
    Doch Empörung kann nur der Anfang sein

  • #3
    Thomas

    @Katharina:

    Wow – habe schon lange nicht mehr so einen Kitsch gelesen. Ich wünsche mich auch hundert Jahre zurück – da war die Welt noch besser, und wenn doch nicht, dann lebte da zumindest noch Rosa Luxemburg 😉

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