20

Pleitgens Pleite

Keine große Kulturhauptstadtparty in der Arena, keine abendliche Übertragung im ZDF. Warum hat man eigentlich Fritz Pleitgen zum Direktor der Kulturhauptstadt gemacht.

Firtz Pleitgen Foto: Ruhr2010

Firtz Pleitgen ist eine Journalistenlegende. Er moderierte souverän den Presseclub und gehörte zu den großen Auslandskorrespondenten. Für das Ruhrgebiet hat sich der in Duisburg geborene Pleitgen indes nie eingesetzt und daraus ist ihm kein Vorwurf zu machen: Seine beruflicher und privater Lebensweg führte in aus dem Revier heraus. Kein Problem.  Aber warum wurde er Direktor der Kulturhauptstadt? Weil er lange Jahre Intendant des WDR war. Pleitgen sollte die Aufmerksamkeit der öffentlich-rechtlichen Senderfamilie sichern. Sein Renommee und seine Kontakte sollten bei der medialen Vermarktung des Ruhrgebiets helfen. 

Daraus wurde nichts: Weder gelang es ein tragfähiges Konzept für eine große Kulturhauptstadtshow zu entwickeln, noch konnten ARD oder ZDF dazu gebracht werden, eine solche Sendung in ihr Abendprogramm aufzunehmen.

Keine große Kulturhauptstadtparty in der Arena, keine abendliche Übertragung im ZDF. Warum hat man eigentlich Fritz Pleitgen zum Direktor der Kulturhauptstadt gemacht?

Firtz Pleitgen Foto: Ruhr2010

Firtz Pleitgen ist eine Journalistenlegende. Er moderierte souverän den Presseclub und gehörte zu den großen Auslandskorrespondenten. Für das Ruhrgebiet hat sich der in Duisburg geborene Pleitgen indes nie eingesetzt und daraus ist ihm kein Vorwurf zu machen: Seine beruflicher und privater Lebensweg führte in aus dem Revier heraus. Kein Problem.  Aber warum wurde er Direktor der Kulturhauptstadt? Weil er lange Jahre Intendant des WDR war. Pleitgen sollte die Aufmerksamkeit der öffentlich-rechtlichen Senderfamilie sichern. Sein Renommee und seine Kontakte sollten bei der medialen Vermarktung des Ruhrgebiets helfen. 

Daraus wurde nichts: Weder gelang es, ein tragfähiges Konzept für eine große Kulturhauptstadtshow zu entwickeln, noch konnten ARD oder ZDF dazu gebracht werden, eine solche Sendung in ihr Abendprogramm aufzunehmen.

Ein solche Sendung vom Konzept her zu entwickeln, kann so schwer nicht sein. Die Zutaten für eine große Samstagsabendshow sind bekannt. Prominente, Prominente und noch einmal Prominente. Sie hätte die Aufmerksamkeit garantiert, die Menschen dazu gebracht hätte sich für die Kulturhauptstadt zu interessieren und  – vielleicht – das Ruhrgebiet zu besuchen. Sie hätte dazu beitragen können, das Image des  Ruhrgebiets zu verbessern. Letzteres ist meiner Ansicht nach die wichtigste Aufgabe der Kulturhauptstadt. Also: Peter Lohmeyer und Iris Berben führen durch den Abend, Grönemeyer singt,  Chöre der Opern im Ruhrgebiet treten auf und die Orchester spielen populäre Melodien.

Dann Schalten zu prominenten Ruhrgebietlern im Ausland: Funke und Möller aus Hollywood erzählen, wie toll es im Revier war und wie gerne sie immer wiederkommen. Ein paar Fußballstars treten auf, etwas Comedy und von mir aus noch ein wenig Ballett. Fettich is.

Das wäre ein Aufschlag gewesen, der die Kulturhaupstadt populär gemacht hätte. So ein Konzept hätte entwickelt und ZDF oder ARD hätten es übertragen müssen. Am besten die Sender hätten eine solche Show gleich konzipiert. Aber allen voran die Mainzelmännchen haben sich geweigert, diese Leistung zu erbringen. Mehr noch: sie haben zwei Millionen Euro von der Ruhr 2010 GmbH gefordert. Sonst würde nicht gesendet. Das ist beinahe so etwas wie eine Erpressung, die als Beteiligung an den Produktionskosten getarnt ist. Das ist eine Unverschämtheit für einen Sender, der gefühlt wöchentlich den Samstagabend fröhlichen Volksmusikanten als Vermarktungsplattform für Konzerte und CD-Verkäufe zur Verfügung stellt.

Fritz Pleitgen hätte der Mann sein müssen, der das anders hinbekommt, der hinter den Kulissen den Druck organisiert, um eine solche Show möglich zu machen. Ein Ex-Intendant ist immer auch ein Strippenzieher – und als Strippenzieher hat Pleitgen versagt.

Zur Not hätte man das ZDF öffentlich angreifen müssen, hätte der WDR sich für das Ruhrgebiet ins Zeug legen müssen, denn hier leben über fünf Millionen Menschen und verdammt viele von ihnen bezahlen Fernsehgebühren mit denen solche kulturellen Höhepunkte wie die Übertragung des Neusser-Schützenumzugs, Karnevalssendungen oder der Fassanstich auf dem Oktoberfest finanziert werden. Die Übertragung einer Show aus der Arena und von mir aus auch die Unterstützung bei der Konzeption sind schlichte Pflichtaufgaben für Sender, die von den Bürgern finanziert werden. Das muß einfach gehen – auch während der Wirtschaftskrise. 

Nun wird am 9. Januar am Samstagmittag die offizielle Eröffnung auf Zollverein live im ZDF übertragen. Zwischen den Pausen eine Biathlonsendung. Honoratioren TV vom Feinsten. Viele Sportfreunde werden sich über die lange Pinkelpause freuen.

RuhrBarone-Logo

20 Kommentare zu “Pleitgens Pleite

  • #1
    Mit-Leser

    @Laurin: Ehrlich gesagt bin ich froh, dass uns das von Ihnen beschriebene Showkonzept erspart geblieben ist. ­čÖé

    Wegen der Kulturhauptstadt: Das wird schon was… Bei jeder Olympiade platzen in der Vorbereitung viele (hochtrabende) Pl├Ąne – in anderen L├Ąnden bekommt man davon gar nichts mit.

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Mit Leser: Es gehr bei so einer Veranstaltung nicht um Kultur sondern um Marketing. Bei einer Olympa-Er├Âffnung geht es ja auch nur nebenbei um Sport. Und wenn so eine einmal geplatzt w├Ąre, h├Ątte wir es mitbekommen…

  • #3
    Arnold Vo├â┼Ş

    K├Ânnte es sein, dass 2010 das erste Jahr in der Geschichte des Ruhrgebietes wird, das schon ein Jahr vorher zu Ende gegangen ist? Das vorbei ist ehe es angefangen hat? Das schnellste Jahr aller Zeiten sozusagen?

  • #4
    Mit-Leser

    Wie gesagt: Das wird schon was. Bisher hat es jede europ├Ąische Kulturhauptstadt geschafft, interessierte Besucher in die Gegend zu ziehen – selbst eine Stadt wie Linz. ­čśë

    Das ZDF erreicht sowieso keine interessante Zielgruppe. Das Ruhrgebiet muss eher an die J├╝ngeren ran – denen aber auch was Frisches zu bieten haben. Gute Unterk├╝nfte in spannenden und lebendigen Stadtquartieren zum Beispiel. Das finde ich viel wichtiger als eine Art Mini-“Wetten Dass?” im Geronten-TV. Die Generation 70+ wird eh ├╝ber Kaffeefahrten den Weg in die Kulturhauptstadt 2010 finden. ­čśë

  • #5
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Mit Leser: Nein, die Bilanz der verschiedenen Kulturhauptst├Ądte f├Ąllt sehr unterschiedlich aus. Es gibt keine Erfolgsgarantier (Siehe: J├╝rgen Mittag (Hg.): Die Idee der Kulturhauptstadt Europas. Anf├Ąnge, Ausgestaltung und Auswirkungen europ├Ąischer Kulturpolitik, Essen 2008)
    Zudem: Die Ans├Ątze wie man die junge Zielgruppe erreichen will sehe ich leider auch nicht. Da w├Ąre mir eine Show im ZDF allemal lieber als gar nichts. Die spektakul├Ąren Projekte (Zweite Stadt, Land for Free) fallen raus – reiner Verlust. Oder setzt Du auf junge Menschen in Ch├Âren? Oder auf Autobahnpicknicker?

  • #6
    Dennis

    Ich habe das pers├Ânliche Gef├╝hl, das Ganze ist nichts weiter als eine riesengro├če Geldverdienveranstaltung f├╝r inkompetene Funktion├Ąre.

  • #7
    Mit-Leser

    Ich pers├Ânlich habe nie daran gezweifelt, dass die einzelnen Gigantomania-Projekte scheitern werden. Das waren potemkische D├Ârfer, die nirgendwo funktioniert haetten. Das Label “Kulturhauptstadt” ist trotzdem gut f├╝r das Revier. Weil es das Ruhrgebiet auf diverse Landkarten hieven wird. Bislang denken die meisten, dass es im Norden von D├╝sseldorf nichts als Wald gibt. ­čśë

    Ich pers├Ânlich war zB vor ein paar Jahren auch nur in Graz, weil es KH war – und ich zuf├Ąllig in Wien war. Ohne den Titel w├Ąre ich damals nicht dorthin gefahren. Spektakul├Ąr fand ich dort ├╝brigens auch nicht, aber atmosph├Ąrisch. Und das hat f├╝r einen bleibenden Eindruck gereicht. ­čśë

  • #8
    Barbara Underberg

    Warum eigentlich eine ZDF-Sendung? Die ARD mit dem WDR w├Ąre ja viel naheliegender und strippenzieherfolgversprechender.
    @Stefan: Genau, es geht um Marketing und bekannte Namen. Wen m├╝sste man da zusammentrommeln? Gr├Ânemeyer nat├╝rlich, Fritz Eckenga, Friedrich K├╝ppersbusch, Hagen Rether, Jochen Malmsheimer, Ex-Missfits, meinetwegen auch Hennes Bender. Atze Schr├Âder aber bitte nicht und das Fernsehballett auch nicht.
    Rudi Assauer und noch ein bisschen Musik, irgendwas Poppiges, Bekanntes, Allgemeinvertr├Ągliches. Fertig, da braucht es noch nicht einmal Riesenkonzept.

    Wichtig w├Ąre noch: M├Âglichst wenige bis keine Politiker und Kulturfunktion├Ąre, die wenig mitrei├čend die Vorz├╝ge des Ruhrgebiets anpreisen.

    Und man sollte aus der Fernseh├╝bertragungserfahrung mit der Extraschicht lernen. Am Anfang hat der WDR ein paar Mal Sondersendungen zur Extraschicht gemacht. Das war ziemlich gruselig. Abgefilmtes promifreies B├╝hnenprogramm abwechselnd mit ein bisschen Industriekultur by Night – das reicht dann doch nicht.

    Auch die Promis sollten die Region nicht anpreisen wie Sauerbier. Sowas ist immer ganz schnell ziemlich peinlich und geh├Ârt eher ins WDR-Nachmittagsprogramm “Unser sch├Ânes NRW”. Witzig sollte es sein, originell, ein bisschen selbstironisch. Das m├╝sste doch hinzukriegen sein.
    Naja, wohl eher nicht. Aber der Gedanke gef├Ąllt mir.

  • #9
    Barbara Underberg

    Hape Kerkeling nicht zu vergessen, der kommt aus Recklinghausen. Achim Hagemann und die Popolskis passen dann auch prima. Herbert Knebel! Stoppok.

  • #10
    Mit-Leser

    @Frau Underberg: Ich wei├č nicht, womit Sie Ihre Br├Âtchen verdienen – aber ich hoffe, es ist kein Entertainment. Nicht b├Âse gemeint: Aber ich habe mich bereits bei Herrn Laurins Posting gefragt, ob seine Zeilen Satire sind. Denn die Feststellung, dass eine gute Show Prominente braucht, hat ungef├Ąhr die gleiche Tiefe wie die Erkenntnis, dass ein Auto Reifen zum Fahren braucht.

    Das ganze Fernsehprogramm ist voller Prominente. Daher w├╝rde auch niemand eine Show ├╝ber das Ruhrgebiet nur deswegen einschalten weil dort irgendwelche Prominasen auftauchen, die sowieso ├╝berall zu sehen sind. Zumal die genannten “Ruhrgebiets-Prominenten” nicht allesamt die gleiche Relevanz haben bzw. Reichweite erzeugen.

    Die Postings, so wie sie hier mit Nullen und Einsen gedruckt vor meinen Augen erscheinen, wirken? na ja? (sicherlich ungewollt) gr├Â├čenwahnsinnig und bauernschlau. Und irgendwie auch ├Ąu├čerst zynisch.

    Ich bin jedenfalls froh, dass keine weiteren Energien f├╝r eine d├Ąmliche 0815-Show im Altersheim-TV verschwendet werden. Die Show w├Ąre sowieso ein einziger Flop geworden, weil das Thema “Ruhrgebiet” allein nicht ausreicht, um die Menschen zwischen Flensburg und M├╝nchen zum Einschalten zu bewegen. Dies hat, um regionalen Minderwertigkeitskomplexen vorzubeugen, im ├╝brigen auch nichts mit dem Ruhrgebiet zu tun. Eine Show ├╝ber Frankfurt w├╝rde sich auch kaum jemand anschauen. Es sei denn, man w├╝rde das Thema “Kulturhauptstadt” in ein eingef├╝hrtes und reichweitenstarkes Format wie den “Musikantenstadl” einbinden – aber w├╝rde das nicht dem eigentlichen Thema zuwiderlaufen? ­čśë

  • #11
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Mit Leser: Es geht um Aufmerksamkeit und soll die Kultuhaupstadt etwas bringen muss sie diese Aufmerksamkeit au├čerhalb des des Kulturteils bekommen. Die Abendveranstaltung auf Schalke w├Ąre eine Chance gewesen. Die wurde vertan und das ist dumm. Eine Frechheit ist das ZDF und ARD Geld f├╝r eine solche Sendung haben wollen.

  • #12
    Mit-Leser

    @Laurin: Das ist keine Frechheit, sondern die Realit├Ąt des Lebens? Wie gesagt: Die geplante Show w├╝rde dem ZDF auch kaum Einschaltquoten bringen. Das TV-Gesch├Ąft ist nicht so einfach, wie es hier gedacht wird. Es geht um die Aufmerksamkeit von Millionen. Und der Neusser Sch├╝tzenverein l├Ąuft auch nicht Samstagabends zur Prime Time im ZDF. Dies hat alles seine Gr├╝nde. Einer davon ist die Relevanz von Themen. Der andere ist, dass die Planer im Ruhrgebiet st├Ąndig gr├Â├čenwahnsinnige und bauernschlaue Versprechen a la “Zweite Stadt” machen – solche Versprechungen kann n-i-e-m-a-n-d einhalten. Weil sie schlichtweg v├Âllig an der Realit├Ąt vorbeigedacht sind.

  • #13
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @ Mit Leser: F├╝r das ZDF sollte das TV-Gesch├Ąft aber nicht nur ein Gesch├Ąft sein, zumal nicht am werbefreien Samstagabend. Ihre Argumente treffen f├╝r RTL, Sat1 und Pro7 etc. zu, nicht aber f├╝r die ├Âffentlich-rechtlichen Sender.
    Erst einmal: Die Kulturhauptstadt 2010 ist kein regionale Ereignis sondern ein nationales. Deutschland durfte eine Stadt ausw├Ąhlen, die dann von der EU akzeptiert wurde. Ein solches Ereignis das nur sehr selten vorkommt sollte von ZDF und ARD entsprechend pr├Ąsentiert werden – auch im Rahmen eine Sondersendung, von mir aus auch eine Show, zur besten Sendezeit. Geb├╝hrenfinanzierte Sender sehe ich hier in der Pflicht auch mit dem Geld ihrer Zuschauer f├╝r ein solches Projekt einzutreten. Das Millionenpublikum kann man hinbekommen, wenn man die Sendung entsprechend gestaltet. Es gibt genug Produktionsunternehmen die so etwas k├Ânnen (und nein, sie m├╝ssen nicht unbedingt aus dem Ruhrgebiet kommen).
    Es w├Ąre der Job von Pleitgen gewesen so etwas f├╝r Ruhr2010 kostenneutral hinzubekommen. Und er hat es nicht geschafft…

  • #14
    Dirk E. Haas

    Wie es der Zufall will: Vorgestern noch sprach ich mit einem Kollegen aus Liverpool, auch ├╝ber deren Er├Âffnungsfeier in 2008. Auch dort hat sich die BBC lange geziert, die Veranstaltung live zu ├╝bertragen; letztendlich wurde es ein Livestream im Internet, der Liverpool08 sicherlich nicht allzu viel Aufmerksamkeit beschert haben d├╝rfte.

    Auf das Ruhrgebiet nachhaltig ?aufmerksam? wird man durch unorthodoxe Projekte, die es anderswo so nicht gibt ? und durch Initiativen resp. Prozesse, die diese Region dringend braucht, sie sp├╝rbar ver├Ąndern und die f├╝r andere gro├čen Ballungsr├Ąume Beispiel gebend sein k├Ânnten. Das ist der Ma├čstab, und das war der Anspruch, mit dem die Kulturhauptstadt gestartet ist; ob sie ihn einzul├Âsen vermag, entscheidet sich nicht an der Er├Âffnungsveranstaltung oder der einen oder anderen Ausstellung, die nun nicht kommen wird.

    Wer die Kulturhauptstadt jedoch als touristisches Event in der ?Vermarktung des Ruhrgebiets? sieht, muss sich ohnehin keine gro├če Sorgen machen: Es wird ein sch├Ânes Jahr mit vielen guten (und einigen richtig guten) Veranstaltungen werden.

  • #15
    Arnold Vo├â┼Ş

    @ Dirk

    Ein “sch├Ânes Jahr mit vielen guten (und einigen richtig guten) Veranstaltungen” hatte das Ruhrgebiet auch schon 2008, 2007, 2006, 2005 …… Dazu braucht man nun wirklich keine Kulturhauptstadt. Ansonsten gebe ich ihnen recht. Nur wer etwas macht, was andere nicht machen, erregt nachhaltig Aufmerksamkeit. Aber auch da m├╝ssen die Medien mitspielen, denn auch der “Kampf ums Unikat” oder zumindest das Pilotprojekt ist im weltweiten St├Ądtewettbewerb mittlerweile ein ruin├Âser geworden. Was die nationale Ebene betrifft, h├Ątte Peitgen da sehr wohl sein Scherflein beizutragen. Bislang ist da leider au├čer Spesen nicht viel gewesen. Ach ja, da war ja noch der uns├Ągliche Vergleich vom Ruhrgebiet als dem New York Europas.

    P.S. H├Ątte doch noch ein Frage an sie: Gibts im Programm von 2010 denn ein weltweites oder ein europ├Ąisches oder zumindest ein nationales Unikat/Pilotprojekt ? Helfen sie mir auf die Spr├╝nge, denn mir f├Ąllt im Moment keins ein was ich als solches ernst nehmen k├Ânnte…

  • #16
    Mit-Leser

    @Laurin: Nationales Ereignis… Klingt sehr hochtrabend. Man sollte die Kirche mal im Dorf lassen! Die Fu├čball WM ist ein nationales Ereignis – oder die Schweinegrippe. ­čśë Die Kulturhauptstadt ist in erster Linie f├╝r das Revier interessant. Weil man – wie Dirk E. Haas – schon gesagt hat mit unorthodoxen Projekten auf sich aufmerksam machen kann.

    Mal ehrlich: Es ist doch saupeinlich, einen Sender dazu zwingen zu wollen, ├╝ber etwas zu berichten, dass ihn nicht interessiert…

  • #17
    Barbara Underberg

    @Mit-Leser: Gr├Ânemeyer und Kerkeling etc. sind eben gerade nicht der Neusser Sch├╝tzenverein.
    Und ├Âffentlich-rechtliche Sender haben bestimmte gesellschaftliche Aufgaben, die sie erf├╝llen m├╝ssen. Daf├╝r bekommen sie schlie├člich die Fernsehgeb├╝hren.

    Selbstverst├Ąndlich muss die Kulturhauptstadt um (inter-)nationale Aufmerksamkeit bem├╝ht sein. Und das geht vor allem mit der ganz simplen Marketingkeule.

    Dass es bei der Kulturhauptstadt im Kern um viele wegweisende Projekte gehen soll, die mittel- und langfristig und oft vor allem nach innen wirken, stimmt genauso. Das schlie├čt sich ja nicht aus. Komplexe Kulturprojekte sind aber nicht unbedingt dazu geeignet, in M├╝nchen, Buxtehude und Erfurt Leute aufs Ruhrgebiet neugierig zu machen und sie als Besucher hierher zu locken. Und Leute von au├čerhalb f├╝rs Ruhrgebiet zu begeistern, sollte schon auch EIN Ziel der Kulturhauptstadt sein.

  • #18
    Mit-Leser

    @Underberg: Irgendwie drehen wir uns hier im Kreis. Nat├╝rlich sind Gr├Ânemeyer und Kerkeling gute Zugnummern. Aber sind die schon engagiert? Haben die an dem anvisierten Austrahlungstermin ├╝berhaupt Zeit?

    Man kann nicht einfach so irgendwelche Promi-Namen in den Raum werfen – und denken, dass die Show schon von alleine l├Ąuft. Mein Punkt ist aber ein ganz anderer: Ich lege meine Hand daf├╝r ins Feuer, dass die hier herumgeisternde Show nicht einen Bruchteil des von Ihnen angedachten Effekts h├Ątte.

    Ich will den Marketing-Effekt auch gar nicht komplett herunterreden. Doch daf├╝r muss man genauer hinschauen. Zum Beispiel darauf, dass nicht jede ZDF-Abendshow solche Zahlen wie “Wetten dass?” aufweisen kann. Dann muss man bedenken: “Kulturhauptstadt” ist nicht “Olympia”. Die Relevanz des Themas ist daher nicht so hoch. Und: Ein unbekanntes Showformat w├╝rde nur mit gro├čem Werbeeinsatz die Zuschauerzahlen bekommen, die Ihnen vorschweben. Zumal das ZDF wirklich nur eine ├╝beralterte Zielgruppe bedient – und ein Gro├čteil der Zielgruppe interessiert sich gar nicht f├╝r “Kultur” oder “St├Ądtetourismus”.

    W├Ąre es nicht kl├╝ger sich auf Dinge zu konzentrieren, die keine Luftschl├Âsser sind? Auf eine gute “Show” vor Ort zum Beispiel. Viel wichtiger als die Zahl der Besucher ist doch das jene, die kommen, im Ruhrgebiet ein paar sch├Âne Tage verleben. Und zwar so unvergesslich, dass sie ihren Freunden raten auch mal ins Ruhrgebiet zu fahren. Virales Marketing funktioniert weitaus besser als TV-Werbung und kostet nicht soviel. Glasgow zum Beispiel hat den Kulturhauptstadt-Titel damals genutzt, um sich nachhaltig neu zu positionieren – und das Stadterlebnis f├╝r Touristen zu verbessern. Ohne TV-Show. Und gro├čen Firlefanz. Hat funktioniert: Weil man nicht in Gr├Â├čenwahn verfallen ist, wusste was man erreichen kann und will.

    St├Ąndig liest man hier von irgendwelchen ambitionierten ├ťberprojekten. Von zweiten St├Ądten, New-York-Vergleichen, beheizten Autobahnen (gut davon nicht…). Warum denkt man nicht endlich mal realistisch? Ich finde, hier wird viel zu oft gejammert. Ehrlich.

  • #19
    Dirk E. Haas

    @ Arnold: Ja, dass das Ruhrgebiet auch bisher schon sch├Âne Jahre mit guten Veranstaltungen hatte, ist so falsch nicht (-: Ich denke aber, dass die 65500000 des RUHR.2010-Etats dieses erreichte Niveau im kommenden Jahr hier und da noch ein wenig steigern helfen. Dar├╝ber hinaus wird es vermutlich ein paar sch├Âne Non-RUHR.2010-Events geben; schlie├člich ist es schon unter aufmerksamkeits├Âkonomischen Gesichtspunkten durchaus sinnvoll, Projekte zu machen, die auf das RUHR.2010-Logo ganz explizit verzichten.

    Und was die Frage nach den konzeptionell wirklich herausragenden, im besten Sinne beispiellosen RUHR.2010-Projekten anbetrifft: Da bin ich ehrlich gesagt ein bisschen zu befangen, um das hier mit einem guten Gef├╝hl beantworten zu k├Ânnen; und sp├Ątestens seit wir Land for Free als Projektvorschlag offiziell zur├╝ckgezogen haben (das Projekt ist einfach nicht kompatibel mit den gegenw├Ąrtigen Bedingungen in und um die Kulturhauptstadt), bin ich auch nicht mehr nah genug dran. ? Vielleicht wird ja aus dem Designkiosk.2010 der Anfang einer regionalen, klassen├╝bergreifenden ?Marke Eigenbau/Arts & Crafts?-Bewegung im Ruhrgebiet; vielleicht wird das mit den ?Autobahn-wird-Stadtraum?-Projekten doch noch was ? vielleicht aber reiten wir im n├Ąchsten Jahr einfach nur auf st├Ârrischen Mauleseln durchs Ruhrgebiet, ohne R├╝cksicht auf ?Hochpunkte?, ?Br├╝cken?, ?Spielwiesen? und dergleichen.

    Ich wei├č es nicht.

  • Pingback: Jahresr├â┬╝ckblick 2009: April » ruhrbarone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht ver├Âffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.