Politiker Paziorek versucht Schalke zu retten

Foto: Peter Paziorek, Regierungspräsident von Münster

Hier was neues, wie die Politik in NRW versucht Schalke zu retten. Wie ich erfahren habe, versuchte bereits im Sommer ein ranghoher Mitarbeiter der Landesverwaltung von Nordrhein-Westfalen neue Sponsoren für den schwächelnden Fussballclub zu finden. Konkret habe der Präsident der Bezirksregierung Münster, Peter Paziorek (CDU), den Energieversorger RWE angesprochen, ob sich dieser mit mehreren Millionen die Namensrechte an der Arena sichern wolle, sagte man mir heute bei den Schalkern. Paziorek untersteht direkt dem NRW-Innenministerium. Und er gerät damit in schweres Fahrwasser. Der ehemalige Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium verquickt privates mit professionellen. Hat er eigentlich eine Nebentätigkeitserlaubnis für die Sponsorenakquise für Schalke, 🙂 ?

Bislang besitzt die Brauerei Veltins die Namensrechte an der Sporthalle noch bis zum 30. Juni 2015, plus eine Option auf weitere fünf Jahre. Allerdings heißt es, Veltins sei bereit zu Gunsten eines höheren Angebots auszusteigen. Aus der Schalker Spitze wird zudem berichtet, es gebe in dem Sponsorvertrag mit Veltins für den Verein die Möglichkeit frühzeitig auszusteigen – wenn ein Sponsor bereit sei, wesentlich mehr als vier Mio Euro zu zahlen. Veltins wollte diesen Vorgang nicht kommentieren.

An dieser Ausstiegsklausel setzt aber offensichtlich die Anfrage von Paziorek an. So soll er dem Versorger RWE gesagt haben, die Namensrechte bekommen zu können, sobald der Ausstieg mit Veltins fix sei. Dies müsse aber noch verhandelt werden. Aus dem Umfeld der Landesregierung sagte man mit: „Paziorek wollte vermitteln.“ Das Gespräch sei zwischen dem Präsidenten der Landesverwaltung und einem Vorstandsassistenten geführt worden.

Der Vorgang ist aus zwei Gründen pikant. So ist der in Gelsenkirchen gebürtige CDU-Politiker einer von fünf Mitgliedern im Schalker Ehrenrat. Bis 2006 saß er außerdem im Aufsichtsrat des Vereines. er weiß also besser als andere über die Schalker Probleme bescheid. Zudem hat die Landesregierung der Arena Gesellschaft im Jahr 1997 eine Landesbürgschaft gewährt, um damit die Baukredite der Hamburgischen Landesbank abzusichern. Sollte Schalke und damit in Folge die Arena Besitzgesellschaft Pleite gehen, kann die Bank das Land über die Bürgschaft in Anspruch nehmen. Die Bürgschaft wurde über 92.032.538,62 Euro bewertet, wie aus Bilanz-Unterlagen des Vereins hervorgeht.

Als Regierungspräsident ist Paziorek übrigens auch verantwortlich, wenn es um Kraftwerksbauten geht. Etwa bei dem E.on-Projekt in Datteln. Dort wollte er bislang keinen Baustopp verhängen. Mit der Sponsorensuche gerät man hier ganz schnell in schwieriges Fahrwasser. Was wäre gewesen, wenn RWE gesagt hätte, sie wollen Millionen zahlen? Und Paziorek ein paar Monate später ein Biomassekraftwerk genehmigt hätte? Damit will ich nicht sagen, dass Paziorek sich jetzt korrumpiert hat. Er hat nur ganz dünnes Eis betreten. Denn es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen Paziorek und einem normalen, gewählten Politiker, der an der Spitze der Landesregierung steht. Der CDU-Mann ist Mitglied der Verwaltung nicht der Regierung. Da gelten andere Regeln.

Den Informationen zufolge habe es RWE abgelehnt, die Namensrechte zu erwerben. Dies passe derzeit nicht in die Konzernstrategie. Der Konzern selber wollte sich nicht zu internen Gesprächen äußern.

Bereits vor einigen Jahren hatten Schalke und RWE über ein Sponsoring gesprochen. Allerdings entschied sich der Versorger damals als Großsponsor bei Bayer Leverkusen einzusteigen. Bei Schalke blieb es bei einem kleineren Engagement. Aktuell ist RWE in der Bundesliga noch im kleineren Umfang beim MSV Duisburg engagiert.

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6 Kommentare

  1. #1 | Jens sagt am 27. Oktober 2009 um 21:01 Uhr

    Na das passt ja zu Günter Jauchs Vermutung, dass die Landesregierung in NRW Schalke helfen will bzw. wird.

  2. #2 | Matthias sagt am 28. Oktober 2009 um 02:22 Uhr

    leider leider schleichen sich in die Artikel über Schalke (nicht nur hier) immer wieder Fehler ein. Die untergraben dann natürlich auch die korrekten Fakten. Beispiel hier: der MSV Duisburg spielt nicht in der (1.) Bundesliga. RWE sponsort hauptsächlich RWE (hier: Rot Weiß Essen…Überraschung…).

    Auch in Duisburg gab es mal Gerüchte um einen Verkauf des Stadionnamens an RWE – nichts ist passiert, das Stadion heißt immer noch MSV Arena. Und in Duisburg hatte vermutlich weder dieser Politiker die Finger im Spiel noch steht der MSV kurz vor dem Ruin. Deshalb ist die ganze Geschichte vermutlich völlig uninteressant – passiert ist ja offensichtlich auch nichts. Ansonsten erwarte ich von Aufsichtsräten etc. übrigens auch, dass sie sich für „ihr“ Unternehmen einsetzen.

  3. #3 | Frank sagt am 28. Oktober 2009 um 07:09 Uhr

    Könnte man als nächstes nicht auch die Namensrechte von Herrn Assauer zu Gunsten der Schalker Vereinskasse vermarkten?

  4. #4 | David Schraven sagt am 28. Oktober 2009 um 08:04 Uhr

    @ Matthias

    auch die 2. Liga heißt seit einiger Zeit Bundesliga. Das nur als Tipp. Und Rot-Weiß Essen spielt leider nur in einer weiter untergeordneten Liga.

    Zum MSV – da sind wir dran 🙂 Geduld

  5. #5 | lebowski sagt am 28. Oktober 2009 um 08:29 Uhr

    Immer wieder komisch. Als der Mann noch für unseren Wahlkreis im Parlament saß, hat er nicht einen brauchbaren politischen Vorschlag abgeliefert. Aber wenn es um Schalke geht, wird der auf einmal rege.
    Das bestätigt wohl eine Sottise des Kabarettisten Rogler: „Politiker mischen sich in alles ein, nur nicht in die Politik. Da halten sie sich raus.“

  6. #6 | Münsteraner Regierungspräsident Paziorek erklärt sich in Sachen Schalke für befangen. » ruhrbarone sagt am 12. November 2009 um 19:09 Uhr

    […] befangen erklärt. Sicher nicht zu unrecht, hatte er doch erst vor wenigen Wochen versucht, selber noch einen neuen Namenssponsor für die Arena zu finden. An seiner statt soll nun in Zukunft seine Stellvertreterin Dorothee Feller-Elverfeld über […]

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