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Pro und Contra: Kein Euro mehr für Winterberg?

Ortsansicht von Winterberg Foto: H. Helmlechner Lizenz: CC BY-SA 4.0

Simon Ilger und Michael Westerhoff haben zum Thema Reisen nach Winterberg verschiedene Meinungen – und sie haben sie aufgeschrieben.

Liebe Winterberger,

da habt ihr mit euerm Geschrei ja richtig was erreicht. Wir sollen uns (bei hoher Inzidenz) nur noch im Umkreis von 15 Kilometer bewegen. Ausflüge. Auch verboten. Wir können also nicht mehr kommen. So wie Ihr euch das seit der ersten Schneeflocke wünscht.

Wir sollten die Debatte vielleicht einmal von der emotionalen auf die rationale Ebene bringen: Niemand, der aus dem Ruhrgebiet ins Sauerland gefahren hat, hat etwas Illegales getan. Weder Autofahren noch Rodeln noch Spazierengehen ist verboten. Auch nicht als Ruhri im Sauerland. Und gefährlich ist es schon gar nicht. Große Ansteckungsgefahr besteht in geschlossenen Räumen und ich muss mich dann auch noch mindestens 15 Minuten mit der infizierten Person im geschlossenen Raum aufhalten. Das alles trifft weder auf Eure Wälder noch auf Eure Rodelhänge zu.

Dass der böse Ruhri das noch bösere Virus zu euch ins Dorf trägt, ist ein höchst irrationaler Gedanke. Mir ist bisher jedenfalls kein einziger Fall bekannt, dass es an frischer Luft zu Ansteckungen gekommen ist. In Ischgl ist es in Schunkelkneipen zu Übertragungen gekommen. Die sind aber geschlossen. Wo ist also die Gefahr? Eure zeitweise auch sehr hohen Werte im Sauerland (aktuell nicht) habt ihr wohl eher dem engen Kontakt der Dorfbewohner untereinander zu verdanken als irgendeinem Menschen aus Dortmund, dem Kreis Unna oder Bochum.

Ihr in Euren Einfamilienhäusern, die ihr vermutlich auch noch aus dem finanziert habt, was Touristen in anderen Jahren bei euch lassen, habt leicht Reden. Hier bei uns wohnen 4-köpfige Familien auch gern mal auf 70 Quadratmetern. Wenn sie Glück haben, haben sie einen Balkon. Manche hocken jetzt seit Monaten im Homeoffice und Kurzarbeit. Zwischendrin die Kinder, die auch schon seit Wochen nicht zur Schule gehen. Dass diese Leute mal raus fahren, ist jedenfalls besser als wenn sie sich zuhause die Köpfe einschlagen. In dieser Pandemie geht es nämlich nicht nur um Ansteckung, sondern auch um psychische Gesundheit. Der nervliche Stress kann in einer eng bebauten Großstadt mit wenig Grün erheblich sein. Dass euch das fremd ist, ist euer Glück. Dass aber auch noch Politiker wie unser Ministerpräsident ins selbe Horn wie ihr stößt, ist unverantwortlich.

Der eine Tag im Schnee kann eine wunderbare Erholung sein. Familien können Kraft für das schwere Leben im Lockdown tanken. Ich hoffe nur eins: Dass diese Menschen, die ihr durch Parkplatz-Sperrungen und Appelle vertreiben wollt, nie wieder zu euch fahren. Keinen Euro mehr in euren Kneipen lassen, wenn sie mal wieder auf sind. Nicht für teures Geld eure Skipässe kaufen. Schmallenberg, Wildewiese oder Nordhelle sind auch ganz wunderbare Orte, um Geld auszugeben.

Mit freundlichen Grüßen aus Dortmund

Michael Westerhoff

„Wer nicht hören will muss fühlen.“

…hat meine Oma schon immer gesagt. Als Kind fand ich das immer albern, heute muss ich sage: sie hatte recht.
Lothar Wieler ruft seit Wochen – ach was – seit Monaten Woche für Woche und Tag für Tag eindringlich dazu auf die Kontakte auf das „absolute Minimum“ zu reduzieren. Angela Merkel bittet wie eine Schallplatte in Dauerschleife darum Kontakte weiter herunterzufahren und Christian Drosten warnt seit Beginn der Pandemie davor jede Reisetätigkeit auf ihre zwingende Notwendigkeit hin zu überprüfen.
Erwin aus Dortmund und Jupp aus Bochum scheren sich aber einen feuchten Kehricht um das was die drei Spaßverderber und viele andere Experten und Verantwortliche seit Monaten predigen, schnappen ihre Familen und fahren nach Winterberg. Hilfweise fährt auch Klaus aus Hannover in den Harz und Ronny aus Dresden ins Erzgebirge, aber da wir noch immer die Ruhrbarone sind interessieren uns Erwin und Jupp am meisten. In Winterberg kacken und pissen sie den Anwohnern in den Straßengraben und veranstalten Happenings. Glücklicherweise unter freiem Himmel, das ist zwar nicht so kritisch wie in geschlossenen Räumen, aber gänzlich unkritisch ist es nicht. Aktuell sterben 1200 Menschen pro Tag an Covid-19, aber Erwin und Jupp interessiert das nicht. Vielleicht sind sie selbst nicht ausreichend betroffen, kennen nur die Frau der Friseurin der Nachbarin, die gerade im Bergmannsheil auf der Intensivstation um ihr Leben kämpft. Vielleicht sind sie auch zu dumm um das alles zu begreifen. Es ist auch schwer greifbar, da habe ich sogar etwas Verständnis für. Am wahrscheinlichsten ist allerdings, dass sie einfach egoistische, verantwortungslose, ignorante Scheißtypen sind. Statt nach Winterberg zu fahren, obwohl alle, wirklich alle(!) darum bitten einfach mal zuhause zu bleiben hätten sie auch in die nächste Klinik fahren können und den Pflegenden und Ärztinnen und Ärzten dort ins Gesicht spucken können. Erwin und Jupp ist es scheißegal, dass Angela Merkel bereits im März an alle appelliert hat Verantwortung zu übernehmen und solidarisch zu sein. Sie entscheiden sich ganz bewusst verantwortungslos und unsolidarisch zu sein. Und niemand will Erwin und Jupp verbieten im Kortumpark oder am Kemnader See spazieren zu gehen, es wurde lediglich darum gebeten etwas nachzudenken und nicht dem halben Ruhrgebiet nach Winterberg hinterherzufahren. Da Erwin und Jupp aber nicht hören wollten, müssen sie halt fühlen. Und bei einer Inzidenz von über 200 – die ja schon reichlich hoch gegriffen ist, wenn man bedenkt, dass 50 als der kritische Wert betrachtet wird – im 15km-Radius bleiben. Wer sich wie ein kleines, trotziges Kind benimmt, der wird auch so behandelt.

Simon Ilger

RuhrBarone-Logo

17 Kommentare zu “Pro und Contra: Kein Euro mehr für Winterberg?

  • #1
    Hubertus Mantoan

    Herr Westerholt, Sie wollten die Diskussion auf eine sachliche Ebene bringen und bedienen sich dabei versteckter und offener emotionaler Aspekte und Unterstellungen. Durch Ihre Beschreibung werden bewusst Emotionen geweckt. Das dürfte Absicht sein. Sie verkehren das Verursacherprinzip, indem Sie das "Geschrei" der Winterberger als Auslöser der Maßnahmenverschärfung anführen. Nein, nicht der Ausdruck des Missfallen war der Mitauslöser, sondern das irrationale Verhalten tausender "Ausflügler".
    Und die vermeintliche "Erholung" durch einen Tag im Schnee, die Sie bei den "Ausflüglern" vermuten, ist spätestens nach den zwei Stunden Stopp and Go auf der Rückfahrt zwischen Winterberg und Olsberg (20,8 km) mehr als verbraucht. Wetten?
    Ist meine Information korrekt, dass Dortmund eine der "grünsten" Städte im Ruhrgebiet ist, mit schönen Naherholungsgebieten?

  • #2
    Susan Keseberg

    Sehr geehrter Herr Westerholt, mir hat ein Ruhri unter meinen Kommentar zu einem Bericht von Winterberg geschrieben: Augen auf bei der Ortswahl und wo man lebt.
    Erwarten Sie jetzt ernsthaft Verständnis, dass jemand zu viert auf 70 qm wohnt? Ach ja, und mein Haus ist nicht von Touristen finanziert.
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

  • #3
    Angelika, die usw.

    "…Autofahren..Rodeln..Spazierengehen… "
    "…Und gefährlich ist es schon gar nicht…"

    Doch, Herr Westerhoff. Denn das ist die Geschichte:
    Tanja und Sven nahmen neben ihrer vierjährigen Tochter (Noch nieeeee Schnee gesehn! Dat arme Kindken! …) eine KITA-Freundin der Tochter mit (die hatte nämlich auch noch nieeeee Schnee gesehn! Auch sonn armet Kindken). Und Tanja und Sven fuhren gewissermaßen in einem Konvoi. Voran fuhren Lars und Tina (mit zwei Nichten, die sie vor der Fahrt ins Sauerland in einer anderen Stadt abgeholt hatten – man will den Patenkindern ja mal was bieten und so …). Nächstes Fahrzeug im Konvoi Per und Natascha (mit ihren zwei Kindern und – weil noch Platz war – die Blagen sind ja noch klein, noch ein Nachbarskind in die Karre gepackt …).

    Und nun mal über Infektionskettengedöns nachdenken, Herr Westerhoff.

    Und die haben die ‘geliehenen’ Kinder ja noch zurückgebracht und dann hatte man Kontakt mit den Familien dieser Kinder (Kommt ma rein! Zeit für’n Käffken habbter doch wohl! …).

    Genau so war es!

  • #4
    André Titus

    Wenden Sie sich bitte an die Regierung und nicht an das Sauerland! Wenn Sie sagen das an der frischen Luft sein kein Problem ist und es dort nicht zu Übertragung von Viren kommt. (Ich stimme Ihnen zu!) Adresse sollte allerdings "Frau lieber 5km als 15km Radius Merkel" sein.

  • #5
    Sarah F.

    Beide Texte sind doch polemisch. Aber ich muss sagen – ich würde auch keinen Cent mehr in Winterberg ausgeben. Denn beide Seiten haben sich daneben benommen. Das Gejaule der sonst großen Profiteure der Sauerländer Schneelandschaften (also die Winterberger in dem Fall) ist unerträglich. Das Problem besteht auch bei jedem Festival. Also nie mehr Rock am Ring und Co, oder was? Aber ich würde sowieso zu Nicht-Coronazeiten nicht ins Sauerland fahren 😉

    Nichtsdestotrotz – irgendwohin zu fahren, wo keine Toiletten sind und dann alles irgendwo rauslassen, das geht genau so wenig. Was denkt man sich dabei? Selbst auf wenig belaufenen Wanderwegen in anderen Regionen findet man an so mancher Stelle ein "Taschentuchfriedhof". Eklig ist das. Wenn ich wandere, ja, dann muss ich auch mal. Aber dann nehme ich einen Plastikbeutel mit, in den ich dann das Klopapier oder Taschentuch reinpacke. Und dann kommt der ganze Rotz in den nächsten Mülleimer. Es blutet mir das Herz zu sehen, wie die Natur mit Füßen getreten wird.

    Und an den Schreiberling des zweiten Kommentars: Und wenn ihr nicht brav seid, werdet ihr noch mehr gezüchtig, oder was besagt Ihre Schadenfreude über einen eventuellen 15km-Radius? Wir reden hier von Grundrechten und nicht von "wenn-ihr-lieb-seid-gewähren-wir-euch-vielleicht-Bewegungsfreiheit". Ich hoffe, dass sich dann genügend Widerstand formiert und die Polizei sowieso mit Kontrollen überfordert wäre.

    Grüße aus Bochum!

  • #6
    Werntreu Golmeran

    Wenn ich so etwas lese:

    "Große Ansteckungsgefahr besteht in geschlossenen Räumen und ich muss mich dann auch noch mindestens 15 Minuten mit der infizierten Person im geschlossenen Raum aufhalten. Das alles trifft weder auf Eure Wälder noch auf Eure Rodelhänge zu."

    wird mir klar, wieso die Zahlen gerade nicht runter gehen.

    Wenn ich seiner eigenen Homepage glauben schenken darf, hat Herr Westerhoff mindestens irgendeine Hochschulreife erreicht und ein Studium absolviert. Wahrscheinlich hat er seinen Schulabschluss bekommen, ohne dass ihm dabei die grundlegendem logischen Basisitools vermittelt worden somd. Das Kriterium mit den 15 Minuten mit einer Person in einem Raum basiert auf einer Risikoabwägung. Es ist nicht so, dass sich jeder, der sich 15 Minuten mit einer infizierten Person in einem Raum aufhält, automatisch ansteckt und es ist auch nicht so, dass jemand der kürzer als 15 Minuten sich mit einer infizierten Person in einem Raum aufhält, sich nicht ansteckt.

    Die erste Person, die ich persönlich kannte, die an COVID erkrankt ist, war ein Rentner, der für sein Alter eigentlich kerngesund und quietschfidel war. Er hatte nur ganz kurz im Terppenhaus Kontakt mit einem Infizierten und war 10 Tage später tot. Keine 15 Minuten und auch nicht in einem kleinen geschlossenen Raum. Ein kurzes Gespräch im Treppenhaus kann ausreichen. Fragen Sie mal die Familie von Kajo Neukirchen, wie krank der vorher war und wie er sich angesteckt hat.

    Ich gebe Herrn Westerhoff gerne Recht, dass es im Zweifel umproblematisch ist, wenn eine Familie zum Schlittenfahren in den Wald fährt, wer aber so blöd ist, nicht zu kapieren, dass es wenig hilfreich ist, wenn in der jetzigen Situation alle nach Winterberg fahren, dem ist nicht mehr zu helfen.

    Wenn das Parken auf irgendwelchen landwirschaftlichen Flächen und Pinkeln in Vorgärten für Herrn Westerhoff kein Problem darstellt, kann er gerne seine Adresse hier posten, damit die Winterbeger mal bei ihm vorbei kommen können, um in seinen Vorgarten zu strullen.

  • #7
  • #8
    Belli

    Es Bedarf gar keiner Diskussion wir haben eine Pandemie da braucht man keinen Tourismus das ist Fakt. Also jeder bleibt wo er hingehört und dann hoffen wir alle das es bald wieder normal zugeht. Wenn sich jeder einschränkt und die Anordnungen durchzieht dann wird das schon wieder da bin ich von überzeugt. In dem Sinn bleibt alle gesund und sachlich.

  • #9
    Ruipert M.

    Michael Westerhoff,

    zum ersten sind in Winterberg nicht alle vom Tourismus abhängig.
    2. Hätten sich alle entsprechend verhalten wäre sicherlich nicht eine Hundertschaft der Polizei angerückt.
    Ich weiß von sehr vielen Platzverweisen und zig verstößen gegen die Coronaschutzverordnung.

    Wir sind auch zuhause geblieben. Den Müll der einfach in die Gegend geworfen wurde, kommen sie doch vorbei und räumen ihn weg. Aber nein, Sie wollten nur Spaß, da sind dann die dummen Bauern aus Winterberg für zuständig.

  • #10
    Eifeljung

    Anscheinend zu viel Feinstaub inhaliert! Selten so einen Synapsenerguß gelesen.

  • #11
  • #12
    Emscher-Lippizianer

    Die Aussagen zum Infektionsrisiko beruhen halt auf Rechenmodellen. Hier ein Beispiel:

    https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-11/coronavirus-aerosole-ansteckungsgefahr-infektion-hotspot-innenraeume

  • #13
    Carsten

    Werntreu Golmeran,
    sehr gut geschrieben!
    Und unter seiner Internetseite steht seine Adresse, da kann man mal zum „spazieren“ hin gehen, ist ja kein Problem für den Herrn!!!😜

  • #14
  • #15
    Hollis Brown

    Der Kommentar von "Michael Westerhoff" ist eine Unverschämtheit; mehr fällt mir dazu nicht ein.
    @ Wernereu Golmeran: Sehr guter Kommentar.
    @ Sarah F.: Schön zu wissen, dass Sie Ihr Geld lieber den völlig uneigennützigen Rock am Ring & Co.- Veranstalten geben möchten als den "Profiteuren der Sauerländer Schneelandschaften". Auch schön zu wissen, dass Sie nicht gerne in das Sauerland fahren. Das kann von mir aus auch gerne so bleiben. Frage: Findet "Rock am Ring" nicht auf dem Nürburgring statt? Der liegt glaube ich mehr als 15 km von Bochum entfernt. Ich freue mich daher jetzt schon auf die bundesweite, von den Grünen und von den Linken unterstützte Widerstandsbewegung FFRAR ("Fridays for Rock am Ring and for the endgültige Abschaltung des Sauerlands bis zum Jahr 2025"). Das wird bestimmt sehr lustig; und ich habe jetzt schon ganz schreckliche Angst vor dem sich formierenden Widerstand der militanten Grundrechtebewahrer.

  • #16
    GMS

    Die beiden Autoren legen selbst für die Ruhrbarone ein sehr hohes Maß an Realitsverweigerung, Bildungsferne und Misanthropie an den Tag.
    Allein dieses "wer nicht hören will muss fühlen" erinnert mich an dieselbe Geisteshaltung die Leute "jedem das seine" sagen lässt.
    Auch ein "nur in Räumen und ab 15 Minuten" stesckt man sich an zeugt doch dacvon dass man sich in den letzten Monaten sehr effektiv von alllem ferngehalten hat was den den Virus betrifft.

  • #17
    Immel isabell

    Sicher hat jeder irgendwo Recht aber Leute wir haben eine Seuche die sehr sehr ansteckend ist. Vergesst das bitte nie und niemals. Es ist gefährlich das ist Fakt und da kann man nicht mal eben irgendwo hin und her fahren und das Ganze weiter verbreiten. Also ziehen wir das alle gemeinsam durch……es kann dann nur besser werden. Und hört doch auf immer nur zu meckern und zu motzen es kann doch niemand etwas dafür dsd es im Moment so ist. Bleibt alle standhaft das wird wieder. Denkt daran die Hoffnung stirbt zusetzt.

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