Punkoirama – Der letzte Tanz

Punkoi-Festival in Spremberg Foto: Antje Jelinek


Ganz weit draußen in Ostdeutschland, an der polnischen Grenze, gibt es noch echte Punk-Festivals. Letztes Wochenende durfte ich bei einem dabei sein.

Das Festival, das unter dem Motto „unkommerziell und von der Szene für die Szene“ steht, nennt sich Punkoirama und findet seit 2018 in Spremberg statt. Genauer gesagt in Klein Buckow. Das sind eigentlich nur ein paar Häuser mitten im Wald, die formal zu der kleinen brandenburgischen Stadt gehören. In dieser Region ganz weit im Osten unseres Landes, wo die Ortsschilder zusätzlich die sorbische Bezeichnung tragen, haben sich ein paar coole Leute zusammengetan, um ein wunderbares Festival zu organisieren.

Wie der Name schon sagt, war es ein Festival für Punks und Ois. Und es waren viele kleine und große, bunt gekleidete Punks und akkurat gekleidete Skinheads als Besucher gekommen. Ob Bands wie Biertoifel, F.B.I., Skassapunka, Boigrub, Oi!sturm asozial, Pogoexpress oder der Liedermacher Götz Widmann, es war für jeden was dabei. Die KOIs, die Festival-Lieblinge, waren gefühlt immer präsent und haben die Leute sogar geweckt, damit sie aus ihren Zelten und Autos kriechen, um die Musik nicht zu verpassen. Mir haben die Ton Steine Scherben-Cover-Band Kalle und natürlich die Frauen von Östro430 besonders gut gefallen. Östro430 gehören zu den Urgesteinen des Punks. Vielleicht kennt noch jemand die alten Hits „Weiber wie wir – Randale und Bier“ oder „Das quietschende Bett“.

Moderner und genauso frech ist „Wörterpolizei“, ein Lied, mit dem man heutzutage schon mal ordentlich anecken kann in der Punkszene.

 

Aber nicht beim Punkoirama. Hier hat man sich über die taffen Ladies sehr gefreut. Neben der Musik fand am ersten Tag eine Lesung statt. Am zweiten wurde ein Podcast aufgenommen. Abends gab es Gemütlichkeit an der Feuertonne. Mein persönliches Highlight war Nordwand, die lustige Oipunk-Band aus Ostberlin. Ich werde euch die Jungs, die mich so herrlich zum Lachen gebracht und Schallplatten mit mir getauscht haben, noch hier im Blog vorstellen.
Und natürlich war meine Wenigkeit dabei. Sogar auf der Bühne! Dass meine Ein-Frau-Punk-Band Öarks spielen konnte, war alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Zum Glück gab es wegen mir keine Absagen von Bands und Gefahr drohte in dieser Gegend wohl eher von den Nazis aus den umliegenden Dörfern als von irgendwelchen woken Pseudopunks. Rawside sicherte sich mit einem halbseidenen Statement auf Facebook und Instagram ab . Sie schrieben sinngemäß, die Szene im Osten muss gegen die Nazis zusammenhalten, auch wenn bei dem Gig eine problematische Person wie ich dabei ist. Immerhin spielten sie trotzdem. Man muss ihnen zugutehalten, dass sie sicher mit Nachrichten bombardiert wurden, wie jede Band, jeder Veranstalter und jetzt sogar auch noch Vermieter von Räumlichkeiten für entsprechende Veranstaltungen mit mir. Das sind Hetznachrichten, in denen vor meiner Person gewarnt wird und die die Leute meist mit Erfolg unter Druck setzen, sich von mir zu distanzieren.

Antje live: Foto: Privat

Ja, ich gebe es zu, ich sage laut, dass es nur zwei Geschlechter gibt, ich will Männer oben ohne sehen und schreibe für Cicero. Ich finde Ulf Poschardt gut und bin pro Israel. Das reicht in der Punkszene ja schon, um problematisch zu sein. Vielleicht hätte ich mich nicht mit Punktoo, dem Denunzianten-Portal, anlegen sollen, deren Recherche-Team besonders aktiv ist.

Wie dem auch sei, die Veranstalter haben sich trotz massiver Anfeindungen nicht unterkriegen lassen und ich durfte auftreten. Es war großartig. Das werde ich euch nie vergessen.

Ich habe mich dort beim Punkoirama sauwohl gefühlt und die Zeit dort sehr genossen. Ganz ohne Awareness-Team und Pogo-Regeln wurde ausgelassen gefeiert. Ich habe eine Transfrau gedrückt und nette Leute kennengelernt, z. B. den Sänger Einhorn, der mit seiner Frau auf Punk-Tour war und am zweiten Tag gespielt hatte. Während der Zeit beim Festival bin ich niemandem begegnet, der ein Problem mit mir hatte. Bei meinem Auftritt hatte ich tatsächlich Publikum und das hat sogar geklatscht.

Aber es war dieses Jahr leider „Der letzte Tanz“ beim Punkoirama. Das Festival wird es in dieser Form leider nicht mehr geben. Zu umständlich waren die Auseinandersetzungen mit den Ämtern, die behördlichen Auflagen mit zu viel entsprechenden Kosten und Mühen verbunden. Ich hoffe, dass es irgendwie weitergeht für die Punks und Skins in Klein Buckow. Vielleicht kommt das Festival in ähnlicher Form, aber viel kleiner und feiner, wieder. Vielleicht werden es nicht mehr drei, sondern nur noch zwei Tage sein. Statt zwei gibt es vielleicht nur noch eine Bühne. Vielleicht wird es eine private Vereinsveranstaltung werden. Es gab da Gerüchte… Wir werden sehen. Ich würde mich jedenfalls freuen und als Gast noch einmal gern in die brandenburgische Provinz fahren, um den Punk zu feiern, mitten im Wald, in Freiheit und bei guter Musik.

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Peter
Gast
Peter
3 Monate zuvor

Antje, du warst dufte beim Punk Oi Rama und ich hoffe sehr, dass wir uns im nächsten Jahr, an gleicher Stelle, Wiedersehen.

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