Putins Krieg ist Putins Ende

Der Anfang vom Ende des Vladimir Putin
Vladimir Putin Foto: Kreml Lizenz: CC-BY 4.0

Die Invasion der Ukraine ist der Anfang vom Ende des Vladimir Putin. Er wird seine Macht verlieren und möglicher Weise auch seinen Kopf. Denn er kann den Krieg nicht gewinnen. Er hat wortwörtlich den Hals zu voll genommen. Er wird daran ersticken.

Auch wenn es derzeit anders aussieht: Putin kann den Krieg gegen die Ukraine nicht gewinnen. In der neueren Geschichte ist es niemandem gelungen, einen großen Nachbarn zu erobern, ihn sich Untertan zu machen und ihn dauerhaft zu befrieden. Napoleon schaffte es nicht und Hitler erst recht nicht. Selbst Stalins Sowjetunion wurde von außen, von seinen unwilligen Vasallenstaaten her, angefressen und blutete wirtschaftlich und politisch in Afghanistan aus. Schließlich führte dies zum inneren Zusammenbruch.

Putin mag zwar derzeit militärisch die Oberhand haben, aber die Logik politischer Macht hat er gegen sich. Wenn Clausewitz‘ Diktum stimmt, dass Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ist, dann muss es aber auch nach dem Krieg mit der Politik weitergehen. Kriege gewinnt man abschließend nur im Frieden.

Und genau hier greift die Logik der Macht, die Logik von Stärke und Schwäche. Wann auch immer die Waffen schweigen werden, Putin wird danach geschwächt sein. Er wird massive wirtschaftliche und militärische Ressourcen einsetzen müssen, um die ukrainische Bevölkerung im Griff zu behalten. Er wird ganz Europa und die USA gegen sich haben. Für seine Rohstoffe wird der Westen Ersatz finden, seine Wirtschaft wird leiden und seine Bevölkerung auch. Selbst China wird er nicht auf seiner Seite haben, weil die Chinesen neben den USA nicht einen zweiten starken geostrategischen Gegner gebrauchen können.

Putins politische und wirtschaftliche Ressourcen werden nicht reichen, um gleichzeitig gegen eine NATO und eine EU, die sich beide engerschließen werden, gegen die dauerhaft blutende Wunde Ukraine und gegen die Chinesen behaupten zu können. Er steht jetzt auf dem Zenit seiner Macht, aber von nun an wird er schwächer und schwächer.

Schwäche aber zieht andere Machthungrige an. Seine Schwäche wird Putin nicht mehr erlauben, die Interessen und Gier der mafiös-oligarchischen Elite Russlands zu befriedigen und gedeckelt zu halten. Seine Bevölkerung wird trotz ihrer langmutigen Leidensfähigkeit früher oder später aufbegehren, weil die Gleichung Machtverzicht gegen Wohlstandsgewinn nicht mehr aufgehen wird. Putin wird von innen her angegriffen werden, wahrscheinlich an mehreren machtpolitischen Fronten gleichzeitig.

Putin hat mit der Ukraine weit mehr in den Mund genommen, als er verdauen kann. Die Krim hat ihn auf den Appetit gebracht, hat ihn berauscht und hat ihn zu siegessicher, ja überheblich gemacht. Aber an der Ukraine wird er ersticken. Wenn er Glück hat, verliert er nur seine Macht, wenn nicht, auch seinen Kopf.

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15 Kommentare

  1. #1 | Hella Sinnhuber sagt am 26. Februar 2022 um 17:51 Uhr

    Danke für die kluge kurze Beschreibung.

  2. #2 | Christian Scharlau sagt am 26. Februar 2022 um 18:52 Uhr

    Ich weiß, die Stimmen mehren sich, auch von russischer Seite, daß dieses ungeheure Verbrechen, das da im Moment verübt wird, der Anfang vom Ende eines blutrünstigen, machtgeilen Diktators sei. Ich würde diese Einschätzung so gerne teilen, allein, nach 22 langen Jahren faschistischer Diktatur in Rußland fehlt mir noch der Glaube. Zumindest daran, daß dieses Ende in einer absehbaren Zeit eintreten wird.

    Abgesehen von den klugen Überlegungen und Denkanstößen in diesem Beitrag kann man eine gewisse Hoffnung auf ein langfristiges "Bröckeln" des Koloss Putler-Herrschaft daraus ziehen, daß der Diktator mit seinem Fernsehauftritt Anfang der Woche, mit dem er den Einmarsch einleitete, sein bisheriges Image bei einem erheblichen Teil der Bevölkerung total ruiniert hat. Ja, Putin war immer ein gewalttätiger Verbrecher, und das wußten alle, Anhänger wie die wenigen Oppositionellen, aber einer, der sich nach außen immer als eiskalt kalkulierender, rational-pragmatischer Machtpolitiker präsentierte, dessen großes Lebensziel es war, das sowjetische Imperium zurückzuerobern – womit er der Stimmung bei einer großen Mehrheit der Bevölkerung entsprach.

    Diesmal haben Millionen von Russen live im TV einen Präsidenten erlebt, der eine absolut wirr-bizarre Rede hielt, der vor Haß geiferte und dessen Stimme sich immer wieder ins hysterisch Kreischende überschlug. Ganz wie eine billige Hitler-Karikatur. Und das hatte plötzlich so gar nichts Rationales und Pragmatisches mehr und hat offenbar doch recht vielen Menschen Angst gemacht…

    Jetzt entschlossene Maximal-Sanktionen gegen den Eroberungskrieg – Sanktionen, die auch der großen Mehrheit der Putler-Anhänger in der Bevölkerung RICHTIG wehtun, damit sie spüren, daß Putlers Verbrechen nicht wie bisher nur das russische Reich schrittweise vergrößern, für die Bevölkerung aber ohne weitergehende negative Konsequenzen sind… Und die Inaussichtstellung, daß eine Rückkehr zu "normalen" Beziehungen zur Welt erst dann ermöglicht wird, wenn das System Putler weg ist – und wer weiß, was so alles passieren könnte in Rußland…

  3. #3 | Christof Bieker sagt am 26. Februar 2022 um 18:53 Uhr

    Abwarten wie sich Putin seine 'Macht' aufgebaut hat und Russen selbst damit umgehen! Cribie

  4. #4 | nussknacker56 sagt am 26. Februar 2022 um 19:56 Uhr

    Rein aus persönlicher Eitelkeit und weil er sich vor seinem Abgang gerne noch ein persönliches Denkmal setzen wollte, hat Putin einen Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen. Dass er damit mittelfristig die russische Bevölkerung in ein wirtschaftliches Desaster stürzt und alle zarten Ansätze einer pluralistischen Gesellschaft zunichtemacht, ist ihm gleichgültig. Darin gleicht er anderen lügnerischen Potentaten, die vorgeben im Interesse ihres Volkes zu handeln.

    Dass er mit seiner Aggression Russland in hohem Maße in die Abhängigkeit von China bringt, ist den Russen jetzt vielleicht noch nicht klar – sie werden es aber noch merken. Putin und Konsorten stürzen Europa in ein dunkles Zeitalter, das lange Zeit überwunden zu sein schien.

  5. #5 | Christian Scharlau sagt am 26. Februar 2022 um 22:55 Uhr

    @ nussknacker56: Im großen und ganzen würde ich dem zustimmen. Nur – was ist mit den "zarten Ansätzen einer pluralistischen Gesellschaft" (ich denke, zu ergänzen wäre "in Rußland") gemeint? Wenn Vladol'f Vladol'fovič Putler in den vergangenen 22 Jahren ETWAS erreicht hat (abgesehen von der persönlichen Leistung, durch Ausplünderung des Landes zum mutmaßlich reichsten Mann der Welt zu werden – ist ja auch schon was…), dann ist es, daß er in Rußland jedes auch nur noch so kleine und zarte Pflänzchen von Pluralismus und Zivilgesellschaft, das aus der El`cin-Zeit übrig war, brutalst zertreten hat. "Ausländische Agenten", das war und ist Putlers Zauberformel, um jegliche Form von nichtstaatlicher Organisation im Keim zu unterbinden. Das allerletzte prominente Opfer, noch eine zivilgesellschaftliche Institution aus der Gorbačev-Zeit, dessen Repressionierung auch im Westen Aufmerksamkeit gefunden hat, war Memorial, eine Organisation, die sich vor allem für die Aufarbeitung der Verbrechen der Sowjetdiktatur einsetzte.

  6. #6 | Bochumer sagt am 26. Februar 2022 um 23:44 Uhr

    Future is always uncertain. Es ist auch möglich, dass er das Land nach dem Muster Tschetschenien befriedet und ein langer kalter Krieg anbricht. Oder das es einen Krieg zwischen der Nato und Russland gibt. Oder eine enge Allianz zwischen Russland und China.
    Alles nicht zu hoffen, aber auch denkbar.

    Ich glaube aber, dass Putin gerade nach Jahren kluger Machtpolitik durchdreht und sehr krank ist. Aber auch das basiert nicht auf Fakten.

  7. #7 | Christian Scharlau sagt am 27. Februar 2022 um 00:43 Uhr

    Noch ein Nachtrag zu meinem Kommentar unter #2 und Putlers "bizarrem" TV-Auftritt. Nein, ich glaube definitiv NICHT, daß er jetzt (oder irgendwann vorher) den Verstand verloren hat. Ich bin davon überzeugt, daß der große Manipulator sich diesmal ver-manipuliert hat. Ich glaube, daß der Auftritt im Stil eines tollwütig gewordenen Rumpelstilzchens eiskalt kalkuliert war und vor allem auf die ausländischen Beobachter dieses Auftritts gezielt hat. "Mein Gott, jetzt ist er durchgedreht, redet davon, daß er jeden, der sich ihm in den Weg stellt, mit Atomraketen angreifen wird… Jetzt müssen wir mit ihm GANZ vorsichtig sein, sonst drückt er wirklich auf den Knopf," – das wäre aus meiner Sicht, vereinfacht ausgedrückt, die erhoffte Wirkung auf die Weltöffentlichkeit. Daß gleichzeitig zig Millionen Russen diesen Auftritt live sehen und ein 22 Jahre sorgfältig aufgebautes Image vom eiskalten, pragmatischen, rationalen "Macher" mit einem Streich zum Teufel geht, ist wohl in der vorweggenommenen Siegestrunkenheit irgendwie durchgegangen….

  8. #8 | Christof Bieker sagt am 27. Februar 2022 um 09:46 Uhr

    Abwarten wie sich Putin seine 'Macht' aufgebaut hat und Russen selbst damit umgehen! es könnte dauern der zweite Weltkrieg dauerte auch…beurteilen aller Umstände sind….

  9. #9 | Jens sagt am 27. Februar 2022 um 10:33 Uhr

    Die Ukraine wird Putins Falkland- Moment. Solange der Westen Waffen liefert.

  10. #10 | Georg Hofrichter sagt am 27. Februar 2022 um 12:16 Uhr

    @ 4 nussknacker

    "Dass er mit seiner Aggression Russland in hohem Maße in die Abhängigkeit von China bringt, ist den Russen jetzt vielleicht noch nicht klar – sie werden es aber noch merken. Putin und Konsorten stürzen Europa in ein dunkles Zeitalter, das lange Zeit überwunden zu sein schien."

    Aus meiner Sicht einer der wesentlichen Punkte. Die neue Weltordnung wird sich deutlich zugunsten Chinas verschieben. Xi Jinping und Putin eint ihre Opposition gegenüber den USA und ihrer hegemonialen Weltordnung, und beide brauchen sich auf dem internationalen Parkett. Nur scheint diese Achse belasteter, als man annehmen mag. Am Freitag sagte Xin Jinpin: ""China unterstützt Russland und die Ukraine dabei, die Angelegenheit durch Verhandlungen zu lösen.". Für chinesische Verhältnisse ist das eine sehr deutliche Aussage, die sich gegen die militärische Invasion durch Russland stellt.

    @ 7 Christian Scharlau

    Sie haben es nicht eine Nummer kleiner zur Hand?
    Ich lege Ihnen diesen Spiegel-Artikel ans Herz, der sich mit der von Ihnen propagierten Demosntrationen und Solidaitätsbekundungen auseinander setzt:

    https://www.spiegel.de/ausland/krieg-in-der-ukraine-die-deutschen-muesse-sich-mehr-einmischen-a-8714651c-6a18-4595-855e-eac69f2d179c

    Wenn Ihnen der Frieden so am Herzen liegt, warum ist Ihre Rhetorik dann so aggressiv?
    Es ist ja schon ein Fortschritt, wenn sich nicht unter jedem Beitrag Putin und seinen Getreuen, die Sie unnötiger Weise hitlerisieren, den Tod wünschen.

  11. #11 | Helmut Junge sagt am 27. Februar 2022 um 13:51 Uhr

    Ein guter, weil sachlicher Artikel. Kriege werden schon sehr lange nicht mehr mit Schaum vor dem Mund, sondern mit dem Kopf gewonnen. Putin ist eben kein so guter Schachspieler, wie manch einer glaubt, sondern einer, der sich von seinen Gefühlen leiten läßt. Vielleicht kann er überhaupt nicht Schach spielen, sondern läßt sich lediglich vor dem Brett fotografieren. Weil seine Truppen stecken geblieben sind, läßt er jetzt mit noch größerer Militärmacht ballern. Das aber ist auch keine Garantie dafür, daß er diesen Krieg gewinnt.
    Im Gegenteil, er schafft sich noch mehr Feinde, und die tun ihm auch richtig weh. Deutschland schickt jetzt Waffen, die die Ukrainer gut gegen ihn nutzen können. Ich glaube übrigens nicht, daß man eine Großstadt wie Kiew einnehmen kann, wenn die sich wehrt. Putin wird also scheitern, Und das selbst, wenn er einige Gebiete erobern kann. Doch er hat seine Pläne ausgesprochen, was aber leider nicht ernst genommen wurde. Und die Pläne sind für die ganze Welt gefährlich. Deshalb muß er auch gestoppt werden. Das geht aber nicht mit Atomwaffen, wie ein Kommentator gestern glaubte. Denn Atomwaffen hat Putin auch genug um die Erde komplett unbewohnbar zu machen. Nein, nach meinem bescheidenen Verständnis vom Krieg hat die russische Armee große Verluste durch zerstörte Brücken, die sie ersetzen müssen, während sie beschossen werden. Die dadurch entstehenden Verluste demoralisieren seine Soldaten. Und seine Soldaten müssen sich außerdem fragen, wieso sie von ihren Brüdern nicht willkommen geheißen werden. Sie werden nicht einmal in der Ostukraine willkommen geheißen. Nicht einmal dort, wo die Russen in der Bevölkerung überwiegen. Allerdings wird Putin so lange weitermachen, wie er kann. Er könnte sogar Natoschiffen versenken, um alles auf eine Karte zu setzen. Auch dazu hat er die entsprechenden Waffen. Und weil das so ist, mag ich sachliche Artikel, wie diesen mehr als Artikel mit Schaum.

  12. #12 | Marita sagt am 27. Februar 2022 um 18:05 Uhr

    Ich zitiere ein Bibelwort, das Jesaja vor ca.2650 Jahren aussprach :: Weh aber dir, du Verstörer. Meinst du, du wirst nicht verstört werden ? Und du Räuber ? Meinst du, man werde dich nicht berauben ? Wenn du das Verstören vollendet hast , so wirst du auch verstört werden , wenn du des Raubens ein Ende gemacht hast, so wird man dich wieder berauben. Das wird sich bewahrheiten.
    Der Mann aus Russland hat jetzt selbst sein Ende eingeleitet oder eingeläutet, ohne dies zu ahnen.
    Danke für diesen so überzeugenden Beitrag.

  13. #13 | Christian Scharlau sagt am 27. Februar 2022 um 20:14 Uhr

    Hier übrigens die Einschätzung von Vladimir Sorokin, einem der bekanntesten russischen Gegenwartsschriftsteller:

    https://www.theguardian.com/commentisfree/2022/feb/27/vladimir-putin-russia-ukraine-power

    Ich denke, daß ist die englische Version eines Artikels, der ebenfalls in der Süddeutschen Zeitung erschienen unter dem Titel "Putin ist geliefert" – und den ich dort hinter der Paywall nicht gelesen habe…

    #10: Ich weiß jetzt wirklich nicht, was an meinem Kommentar unter #7 "eine Nummer kleiner" sein sollte. Ich kann mir diesen Kriegsverbrecher nicht in voller Länge anschauen und habe insofern nur einschlägige Ausschnitte seines Auftritts gesehen – aber die waren wirklich "beeindruckend". Ansonsten stützt sich die Bewertung des Auftritts als "wirr-bizarr" auf die Einschätzung in ganz unterschiedlichen Medien, von eher bürgerlich-konservativen bis z.B. zum linksliberalen britischen Guardian (von dem stammt "bizarre"). Und, wie ich an anderer Stelle schon mal erwähnte: ja, ich stehe voll und ganz hinter meinem "Tod den Putler-Faschisten". Wenn ich durch ein Wunder die Möglichkeit hätte, den blutrünstigen Diktator und seine ganze korrupt-verbrecherische Entourage mit einem Schnips aus der Welt zu schaffen – ich würde nicht eine Sekunde überlegen. Genausowenig wie ich bei Hitler und Stalin gezögert hätte. Ich kann nur Stefan Laurin zustimmen mit seinem Satz, daß dieses Morden zuende sein wird, wenn Putin entweder tot oder geschlagen ist. Und ich würde hinzufügen: am besten die Kombi, "totgeschlagen".

  14. #14 | Christian Scharlau sagt am 27. Februar 2022 um 20:23 Uhr

    P.S. @ Marita: Danke für das Bibelwort. Leider mahlen Gottes Mühlen ja noch langsamer als die der Regierung Scholz… Ich persönlich halte es im Moment mit Psalm 109, 6-19 – mein allabendlicher, vielleicht nicht so ganz frommer Wunsch für den Diktator im Kreml. Wahlweise auf deutsch oder in der ältesten slawischen Übersetzung ins Altkirchenslawische – wo es doch gegen einen russischen Verbrecher geht 😉 Manchmal doch gut, wenn man eine umfangreiche slawistische Bibliothek im Haus hat…

  15. #15 | Walter Stach sagt am 28. Februar 2022 um 13:31 Uhr

    -13-
    Werntreu Golmeran,
    danke für den Hinweis.

    Ich empfehle, wenn Zeit zum Lesen bestehen sollte:

    1,
    Einen Beitrag -ergänzend zum gen. Interview – von Herfried Münkler im SPIEGEL*) unter der Überschrift

    "Das Ende der alten Weltordnung"
    Putins Angriff auf die Ukraine beendet die Hoffnung des Westens auf ein gemeinsames "Wir" der
    der Menschheit.

    Ein Beitrag, der hilfreich für all diejenigen sein dürfte, die fähig und willens sind, trotz oder gerade wegen aller verständlichen und naheliegenden Besorgnisse um die Menschen in der Ukraine und um die Zukunft ihres Staates, den "Blick über den Tellerrand" zu wagen.

    +) DER SPIEGEL Nr. 9/26.2. 2020 S.46/47

    2.
    Ähnliches gilt für einen Beitrag von Carlo Masala ebenfalls erschienen im SPIEGEL *) unter der Überschrift "Wir treten in eine Phase rücksichtsloser Großmachtpolitik ein". Und mit "Großmacht" meint Masala die USA, China und nicht nur, aber eben auch -und unter Putin immer radikaler – Russland. Masala folgert daraus u.a. in seinem Beitrag: "Und dass Europa die Bildung von Gegenmacht viel stärker in den Blick nehmen muß als bisher". Das ist zu wünschen, das ist zu hoffen und vielleicht aufgrund existentielle Gefahren, die Europa von Außen bedrohen, jetzt ehe denkbar als in den letzten Jahrzehnten.

    +) DER SPIEGEL Nr. 9/26. 2. 2020 S. 32

    Zusätze aus aktuellem Anlass:
    1,
    "Irgendwo " habe ich heute morgen gelesen, daß ein Militärexperte in den USA (!!) angesichts der russischen Drohung eines möglichen Einsatzes von Nuklearwaffen anregt , im sog. Westen darüber nachzudenken, ob und wie (mit welchen Zugeständnissen ?) es für den "Westen" geboten sein könnte, Putin Möglichkeiten/Wege aufzuzeigen, die es ihm möglich machen könnten, "gesichtswahrend " in eine Politik der Deeskalation einzutreten bzw. bei einer solchen mitzumachen mit dem primären Ziel, einen Nuklear-Krieg zu vermeiden, der kurzfristig denkbar und möglich erscheint..
    Wenn ich das hier bei den Ruhrbaronen erwähne, geschieht das nicht trotz, sondern gerade wegen der hier bei den Ruhrbaronen vorherrschenden Meinung, solche Gedanken, solche Erwägungen seien letztendlich die von Putin wohlgesinnten "russlandfreundlichen Gutmenschen"; sei es `drum.
    2.
    Nach wie vor gibt es seitens der USA als westlicher Führungsmacht keinerlei Anzeichen,
    ihre Ölimporte aus Russland reduzieren, geschweige denn gänzlich einstellen zu wollen.
    Heuchelei dieser Führungsmacht, wenn sie vehement Sanktionen seitens aller sog.westlichen Staaten gegen Russland fordert und durchzusetzen vermag , nicht zuletzt bezogen auf die Energieversorgung Deutschlands / Europas?

    Es spricht Vieles dafür, daß das Eigeninteresse der US-Wirtschaft an einer gesicherten Energieversorgung – nicht zuletzt mit Blick auf die Kongress-Wahlen im Nov. 2020- Vorrang hat vor einschlägigen Sanktionen gegenüber Russland. Heuchelei? Ehe wohl "knallharte" US-Interessenspolitik.

    3.
    Unter "Heuchelei" verbuche ich -erneut !- bezogen auf die russische Aggression in der Ukraine die "Berufung des Westens" auf das Völkerrecht, wenn es darum geht, Russlands als Aggressor anzuprangern. Das Völkerecht, gegen das die russische Aggression zweifellos verstößt, hat den sog Westen ganz und gar nicht interessiert als es z.B. um den sog. Kosovo-Krieg und den sog. Irak-Krieg ging- vom Vietnamkrieg nebst US- Napalm-Bomben gegen die dortigen Zivilbevlkerung ganz zu schweigen.

    Helmut Junge –11-
    In Deinem Sinne:
    Ich bemühe mich um alle möglichen Informationen und Meinungsbekundungen, die mir hilfreich erscheinen, mich gedanklich lösen zu können, von dem, was derzeit hierzulande -auch bei den Ruhrbaronen- m.E. einseitig, zweckgerichtet. oft sehr emotional und wider jede Vernunft publiziert und kommentiert wird.
    Ich nehme mich jedoch mehr und mehr zurück mit Meinungsbekundungen meinerseits über den russischen Krieg in der und gegen die Ukraine , denn von Tag zu Tag zunehmend werden -auch hier bei den Ruhrbaronen- die Grenzen des Respektes vor Meinungsäußerungen, die nicht der momentan gängigen Mehrheitsmeinung zu entsprechen scheinen, enger gezogen.

    Helmut Junge,
    das ist jedoch völlig belanglos, angesichts der konkreten, der realen Ängste und Sorgen der Menschen in der Ukraine-, denn die sorgen sich tagtäglich um ihr Leben. aber auch belanglos angesichts der zwar nicht vergleichbaren, aber immer mehr sicht- und spürbar werdenden Ängste und Sorgen der Menschen hierzulande. Und die sind nach meiner Wahrnehmung seit Bekanntgabe der Entscheidungen der Bundesregierung gestern im Bundestag nicht geringer, sondern größer geworden, worin ich allerdings keinen Beleg zu erkennen vermag , der gegen den Inhalt dieser Entscheidungen spricht.

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