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Radioaktivität: Hat das Land in Hamm schlampig gemessen?

Trockenkühlturm des THTR-300 in Hamm-Uentrop kurz vor der Fertigstellung des Kraftwerks. Der Turm wurde 1991 abgerissen. Bild: Rainer Knäpper, Lizenz: artlibre

1986 gab es Thorium-Hochtemperaturreaktor (THTR) in Hamm einen Störfall: Radioaktivität trat aus. Beim Störfall ausgetretene Substanzen  lassen sich bis heute nachweisen. Die Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm wirft dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) vor, durch falsche Messungen in diesem Jahr die Reste der Strahlung übersehen zu haben. 

Der Thorium-Hoch-Temperaturreaktor (THTR) in Hamm war neben dem Kernkraftwerk in Würgassen der einzige kommerzielle Reaktor in Nordrhein-Westfalen.  1989 wurde der Reaktor endgültig stillgelegt, doch 1986 kam es, nur wenige Tage nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zu einem Störfall: Größere Mengen radioaktiven Materials traten aus. Reste davon fand in diesem Jahr eine Schülerin im Rahmen des Projekts “Jugend forscht.” Im Umkreis des ehemaligen Reaktors fan eine 11jährige  zahlreiche Kleinstkügelchen. Die wurden zur Untersuchung an das NRW-Landesinstitut für Arbeitsgestaltung (LIA) und dann an die LANUV weitergegeben. Das Ergebnis der Untersuchungen: In den Kügelchen wurde keine Radioaktivität gemessen.

Der Gutachter  Gutachter Heinz-Werner Gabriel hat nun nach einer  Mitteilung der Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm die Messmethoden des LANUV kritisiert:

Die LANUV  will eine Gesamt-Elementbestimmung mit Hilfe der Röntgenfluoreszensanalyse und der Rasterelektronenmikroskopischen  (REM) durchgeführt haben. Als Ergebnis wird behauptet, dass es sich bei der eingereichten Probe nur  um Eisenoxid-Partikel handelt, die keine weiteren chemischen Elemente mit hoher Ordnungszahl (wie die Thorium, Uran, Plutonium) enthalten.

Auffällig bei den von der LANUV veröffentlichten Werten der Gamma-Spektrometrie ist, dass der Messbereich für Thorium (93 keV = Emissionsenergie) ausgeblendet wird, weil der LAMUV-Bericht den Messbereich erst ab dem Wert größer als 100 keV darstellt.

Auch wenn bedacht wird, dass das Spektrum aller Folgeprodukte von Thorium in dem Bereich größer als 100 keV oftmals als „Fingerabdruck“ für die Stoffe mit einer geringeren Emissionsenergie als 100 keV Verwendung findet, sollte das gesamte Messprotokoll mit allen Messbereichen öffentlich gemacht werden.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass von der LANUV nur eine Probemasse von ca. 1 Gramm für die Dauer eines einzigen Tages gemessen wurde. Dies ist angesichts der Brisanz der Kügelchenfunde unzureichend. Selbst bei der rudimentären LANUV-Veröffentlichung sind bei dem Diagramm im Gamma-Spektrum des Thorium-Folgeproduktes Blei (PB 212) radioaktive Partikel verzeichnet! Aus den veröffentlichten Messergebnissen kann also kein Nichtvorhandensein von Radioaktivität und Kernbrennstoff abgeleitet werden.

Wenn das Zutrifft, hat das LANUV, das im Verantwortungsbereich von NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) liegt, schlicht im falschen Bereich und zu wenig Material gemessen. Die Bürgerinitiative fordert nun die Veröffentlichung alle Messergebnisse und eine Wiederholung der Messung auch in den Strahlenbereichen, in denen THTR typische Substanzen nachzuweisen wären.

Wir haben das Umweltministerium um eine Stellungnahme gebeten.

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5 Kommentare zu “Radioaktivität: Hat das Land in Hamm schlampig gemessen?

  • #1
    Walter Stach

    Evino, Ruhr-Zink-Datteln, jetzt Hamm usw.usw……

    Immer wieder kommt es zu einem hinreichend begründeten Anfangsverdacht, daß relevante Belastungen von Boden,Luft,Wasser durch den industriellen Produktionsprozesse entstanden sind, entstehen werden oder nach Betriebsschließung -sh.Bodenbelastungen-nicht hinreichend beseitig wurden.

    Und dieser Anfangsverdacht hat sich bisher sehr häufig bestätigt, dann allerdings oft erst dann, wenn durch die Belastungen irreparabele Schäden entstanden sind.

    Und was bewirken solche Erkenntnisse, so wie Du sie jetzt bezogen auf Hamm beschreibst?
    Was haben z.B. die Erkenntnisse in Sachen Evino wann (!!) und wie(!!) -sh.besonders die gesundheitlichen Schäden der Arbeiter- bewirkt?

    Und in Datteln -Ruhr-Zinkt- gibt es Bürger, die aufgrund eines hinreichend begründeten Anfangsverdachtes nunmehr -nach Betriebsschließung- eigenständig in die Prüfung der Ursachen für die irreparabele Belastung einsteigen wollen. Und was werden sie bewirken? Eines ganz sicher nciht, daß der angeblich bis zu einer Tiefe von 12 m -15 m ?-stark kontaminierte Boden auf rd.55.000 qm völlig, wie auch immer, entkontaminiert oder durch “sauberen” Boden komplett ersetzt wird?. Vermutlich kommt, wie wir das im Ruhrgebiet kennen, lediglich “ein Deckel ‘drauf” -Betoninierung der gesamten Fläche-, und das belastete Grundwasser und seine Strömung werdenweiterhin “beobachtet.”

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  • #4
    wubbli

    Absoluter Unfug, die Messungen sind alle in Ordnung und hier will nur jemand Stimmung machen für seine Zwecke. Siehe
    http://www.lia.nrw.de/themen/strahlenschutz/umgebungsueberwachung/messung_hamm_uentrop/index.html

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