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Rassismus in der Fußball-Bundesliga kein echtes Problem? – ‚Sky90‘-Debatte scheitert kläglich

Die Sky-Zentrale in München. Foto: Robin Patzwaldt

Es waren starke Gesten, die die Fußball-Bundesliga am vergangenen Wochenende nach außen sendete. Spieler und Offizielle vieler Teams knieten sich vor Spielbeginn für eine auch optisch sehr beeindruckende Gedenkminute rund um den Anstoßkreis hin und zeigten so offen ihre Unterstützung im Kampf gegen Rassismus und für die ‚Black Lives Matter‘-Bewegung.

Das war alles andere als selbstverständlich in einer Liga, in der noch in der Vorwoche diskutiert wurde, ob Spieler, die ihre auf dem Spielfeld gezeigte Solidarität mit dem ermordeten US-Bürger George Floyd demonstrierten, nicht sanktioniert gehören. Der DFB ermittelte, ließ die beteiligten Spieler am Ende aber etwas überraschend straffrei. Nun zog das Ganze eine Woche später noch größere Kreise, was für weitere Aufmerksamkeit sorgte.

Das Aufsehen rund um das Thema wurde in Sportkreisen sogar so groß, dass am Sonntag bei der Talkshow ‚Sky90‘ darüber ausgiebig diskutiert wurde. Doch schon hier zeigte sich wieder das grundlegende Problem, das die Sportwelt häufig mit diesen Themen hat.

Waren sich in der Runde bei Moderator Patrick Wasserziehr doch grundsätzlich auch alle einig, dass das von den Protagonisten in den Stadien eine tolle Aktion gewesen sei, dass Rassismus selbstverständlich zu verurteilen und zu bekämpfen sei, gingen die Meinungen im Detail direkt kräftig auseinander.

Während Ex-Trainer und Funktionär Armin Veh sofort darüber redete, dass er Rassismus in seinen vielen Jahren in der Branche zum Glück nicht in nennenswertem Maße erlebt habe, das ‚dem Fußball‘ so etwas eigentlich fremd sei, die Reinigungsprozesse in einer Mannschaft dies gar nicht zulassen würden, berichtete Fredi Bobic, der Manager von Eintracht Frankfurt, davon, dass ihm als ehemaligen Jugoslawen in der Jugend auch etliche Sprüche um die Ohren geflogen seien, dass dies für ihn aber eigentlich gar kein großes Problem gewesen sei.

Erst eine Schalte mit Ex-Profi Pablo Thiam, ließ die Runde spürbar aufmerken. Thiam berichtete von etlichen Fällen, in denen er als Farbiger, aber auch etliche Bekannte von ihm, im Alltag massiv unter Rassismus zu leiden gehabt hätten und auch noch bis heute zu leiden haben.

Veh und Bobic versuchten dies in der Folgezeit abermals zu relativieren. Bobic gab, als er vom Moderator Wasserziehr auf mögliche Konsequenzen angesprochen wurde, sogar unumwunden an, dass er bei ‚seiner‘ Eintracht gar nicht sonderlich auf das Thema eingehen müsse, da das bei seinem Klub ja alles gut laufe.

Das machte einen als Zuschauer natürlich sehr nachdenklich. Glauben Armin Veh und Fredi Bobic wirklich, dass in der Bundesliga soweit alles ‚im Griff‘ ist, die Probleme nur im Alltag, in der restlichen Gesellschaft präsent sind?

Wäre nicht der Podcaster Max-Jacob Ost mit in der Runde vertreten gewesen, der die Mitdiskutanten wiederholt vom Gegenteil zu überzeugen versuchte, man hätte fast glauben können die Liga sei ein Ort der Glückseeligen, was das Thema Rassismus betrifft.

Dass dem natürlich nicht so ist, das machte erst kürzlich Ex-Nationalspieler Toni Rüdiger wiederholt sehr deutlich, als er sich in emotionalen Statements, noch weit vor der aktuellen Thematik übrigens, massiv über Rassismus in seinem Alltag als farbiger Profi beschwerte.

Der Versuch von Sky das Thema in seiner Sendung ‚Sky90‘ am Sonntag aktuell aufzugreifen, er ging jedenfalls mächtig schief. Die Sendung hat nur gezeigt, dass einige führende Köpfe des Fußballs in diesem Lande das Problem noch immer nicht ansatzweise an sich herangelassen haben, es offenkundig weiterhin, wenn auch unabsichtlich, zu verharmlosen versuchen.

So war dadurch jedenfalls ganz klar zu erkennen, dass die Kniefälle vom Wochenende bisher leider noch immer viel zu viel ein reines Symbol und zu wenig echte Erkenntnis waren….

Keine schöne Erfahrung!

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3 Kommentare zu “Rassismus in der Fußball-Bundesliga kein echtes Problem? – ‚Sky90‘-Debatte scheitert kläglich

  • #1
    Günter Rense

    Veh war ja schon immer eins, aber Fredis Wandlung vom sympathischen Spieler zum abgezockten Manager-Ar…loch mit dumpfer Stammtisch-Attitüde macht mich schon etwas traurig.

  • #2
  • #3
    Jens

    Auch Kahn wurde schon mit Bananen beworfen, dann muss man nicht immer alles so eng sehen.

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