„Reden sie mit ihren Abgeordneten und sagen sie ihnen, dass sie gegen das Selbstbestimmungsgesetz stimmen sollen“

 

Marie-Luise Vollbrecht spricht im DKH Foto: Laurin


Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes lud gestern in Dortmund zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Was ist eine Frau?“.

Wohl im kommenden Jahr werden SPD, Grüne und FDP das sogenannte Selbstbestimmungsgesetz verabschieden. Es soll jedem ab 14 Jahren ermöglichen, auf Wunsch jährlich die „Geschlechtsidentität“ zu wechseln. Mag ein Mann dann keine Frau mit Penis sein, müssen nach einem Aktionsplan der Bundesregierung die Krankenkassen die notwendigen Operationen und Therapien ohne Prüfung bezahlen. Eine Regelung, von der Brillenträger nur träumen können. Das Gesetz überführt postmoderne Ideologie in geltendes Recht.

Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes diskutierte gestern auf einer Veranstaltung im Dietrich-Keuning-Haus (DKH) in der Dortmunder Nordstadt unter der Überschrift „Was ist eine Frau?“ die Folgen des Gesetzes für Frauen.

Allein über dieses Thema nur reden zu wollen rief dann an die 80 Demonstranten auf den Plan, die auf Transparenten die Feministinnen im kleinen Saal als Faschisten beschimpfte. Und so fand die Podiumsdiskussion unter Polizeischutz statt. Im kleinen Saal der DKH schützten zudem Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma die Diskussion.

Feminstinnen werden als Faschisten denunziert Foto: Laurin

Das Podium war prominent besetzt. Alle, die hier saßen sind das, was man „umstritten“ nennt. Umstritten, das ist heute jeder, der den postmodernen Ideologen nicht folgen will. Ein Wort, dass denunzieren soll, aber auf den zurückfällt, der es verwendet. Es diskutierten die Berliner Biologin Marie-Luise Vollbrecht, die in Mönchengladbach lebende Juristin und Autorin Eva Engelken sowie Sabeth, eine Frau, die ihre Transition abbrach, die sie äußerlich in einen Mann verwandeln sollte.

Vollbrecht wurde in diesem Jahr bekannt durch die Proteste gegen einen von ihr geplanten Vortrag in der Nacht der Wissenschaft an der Berliner Humboldt Universität in dem es um die biologischen Grundlagen der Geschlechter ging. Engelkens Buch „Trans*innen? Nein, danke!: Warum wir Frauen einzigartig sind und bleiben“ geht in dieselbe Richtung, zeigt aber auch die rechtlichen Folgen des Selbstbestimmungsgesetzes auf.

Engelken ist seit 2018 Mitglied der Grünen. Vollbrecht sieht sich als linke Feministin. Sabeth stößt in der Transszene auf Ablehnung, weil ihre Geschichte der abgebrochenen Transition der Erzählung widerspricht, eine Behandlung mit Hormonen und Operationen seine der einzige Weg zum Glück für Menschen, die sich wünschen, ein anderes Geschlecht zu haben.

Engelken machte deutlich, was es für Frauen bedeutet, wenn bald jeder Mann, der möchte sich ohne jede Prüfung durch einen Arzt oder Psychologen als Frau gilt. Solche Männer mit Penis hätten dann das Recht, in Frauensaunen zu gehen oder, wie bereits in Berlin geschehen, als Straftäter die Haftzeit in einem Frauengefängnis zu verbringen. Sie nannte Beispiele aus Großbritannien und den USA, wo Sexualstraftäter diese Möglichkeiten ausnutzten. Zu den Unterstützern der Transbewegung zählt sie Unternehmen aus dem Medizinbereich, die das große Geschäft wittern und Männer: „Die wollen den Begriff Frau aushöhlen und beliebig machen.“ Frauenrechte und Schutzräume, für die Feministinnen seit Jahrhunderten gekämpft hätten, würden wegfallen.

Vollbrecht wiederholte Teile ihres Vortrags und erklärte, dass die Gameten, die Geschlechtszellen, entscheidend für das Geschlecht seien und nicht das Gefühl von Menschen. Das Wiedergeben schlichter Biologischer Tatsachen habe dazu geführt „,dass ich jetzt als Transfeindin gelte.“ Dabei sei sie nicht grundsätzlich gegen eine Transition. Es gäbe Menschen, die einen so hohen Leidensdruck hätten, dass ein solcher Weg für sie eine Lösung sein könne.

Für Sabeth war es nicht die Lösung. Sie hat die Transition abgebrochen und ist froh, dies zu einem Zeitpunkt getan zu haben, als noch nicht der Uterus entfernt worden war. Doch auch die Hormonbehandlung berge hohe Risiken, vor allem für Jugendliche: „Die Hormonbehandlung kann bei Jugendlichen Osteoporose auslösen. In Schweden ist ein Fall bekannt, wo das Rückgrat betroffen war.“ Schweden habe mittlerweile die Behandlung von Jugendlichen mit solchen Pubertätsblockern gestoppt. Auch würden Studien belegen, dass eine Transition nichts an der hohen Selbstmordrate unter Transsexuellen ändern würden. Die Betroffenen bräuchten Zugang zu guten und langfristigen Therapien.

Der Transzug, auf dem Deutschland mit dem Selbstbestimmungsgesetz nun aufspringen wolle, sagte Engelken, sei in mehreren Ländern mittlerweile gestoppt. In Großbritannien wird die größte britische „Transklinik“ geschlossen, nachdem dort Jugendliche ohne ausreichende Beratung operiert worden waren. Der neue Premierminister des Landes, Rishi Sunak, will wieder zurück zu einer Definition des Geschlechts nach biologischen Kriterien. In den USA wurde die Debatte über den Umgang mit transsexuellen Gefangenen durch Vergewaltigungen und Schwangerschaften befeuert: Ein rechtlich als Frau geltender Mann hatte im Frauengefängnis mehrere Frauen geschwängert.

„Reden sie mit ihrem Abgeordneten und sagen sie ihnen, dass sie gegen das Selbstbestimmungsgesetz stimmen sollen“, sagte Eva Engelke zu Abschluss. „Die Opfer dieses Gesetzes werden die Frauen sein.“

 

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19 Kommentare

  1. #1 | Esther Bockwyt sagt am 23. November 2022 um 11:19 Uhr

    „Und so fand die Podiumsdiskussion unter Polizeischutz statt. Im kleinen Saal der DKH schützten zudem Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma die Diskussion.“

    Das ist für mich die erschreckendste Gegebenheit in der gesamten Genfer-Thematik. Die woken Vertreter predigen belehrend über Vielfalt, Toleranz und Sichtbarkeit, aber, was freiheitliche Demokratie bedeutet, haben sie offenkundig nicht gelernt und verinnerlicht.

  2. #2 | Peter Pasetti sagt am 23. November 2022 um 15:06 Uhr

    Einzig dieser Satz versemmelt die meines Erachtens wichtige Berichterstattung dann doch wieder: „Mag ein Mann dann keine Frau mit Penis sein, müssen die Krankenkassen die notwendigen Operationen und Therapien ohne Prüfung bezahlen.“ Denn er ist falsch! In den Eckpunkten zum Selbstbestimmungsgesetz wird explizit erwähnt, dass ausschließlich die Änderungsmöglichkeit des Geschlechtseintrags und der Vornamen im Personenstandsregister neu geregelt wird. Geschlechtsangleichende medizinische Maßnahmen werden NICHT davon berührt.

  3. #3 | Stefan Laurin sagt am 23. November 2022 um 15:17 Uhr

    @Peter Pasetti: Das steht dann im Aktionsplan drin, der das Gesetz begleitet: „Die Kosten geschlechtsangleichender Behandlungen müssen vollständig von der GKV übernommen werden
    gemäß dem anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse.“
    https://www.bmfsfj.de/resource/blob/205126/857cb513dde6ed0dca6759ab1283f95b/aktionsplan-queer-leben-data.pdf

  4. #4 | Peter Pasetti sagt am 23. November 2022 um 15:53 Uhr

    @Stefan Laurin: Okay, aber der Aktionsplan und das Selbstbestimmungsgesetz sind nicht dasselbe. Die Argumentation, dass das eine zum anderen führe, ist zumindest unvollständig.

  5. #5 | Stefan Laurin sagt am 23. November 2022 um 17:07 Uhr

    @Peter Pasetti: Der Aktionsplan wird dem Gesetz folgen. Das ist der Plan der Bundesregierung.

  6. #6 | Eva Engelken sagt am 23. November 2022 um 17:35 Uhr

    Aktionsplan und „Selbstbestimmungsgesetz“ gehen Hand in Hand. „Es ist die Aufgabe des seit Januar 2022 berufenen Queerbeauftragten der Bundesregierung, den Aktionsplan umzusetzen und das Selbstbestimmungsgesetz auf den Weg zu bringen. Eine Aufgabe, für die er einen Jahresetat von 70 Millionen Euro hat.

    „Aufgaben des Queer-Beauftragten
    Der Beauftragte der Bundesregierung für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt koordiniert die queerpolitischen Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag und bringt sie zusammen mit den beteiligten Bundesministerinnen und -ministern auf den Weg. Er stimmt außerdem die Erstellung und Umsetzung des Nationalen Aktionsplans für Akzeptanz und Schutz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt ab und die damit verbundene Information der Öffentlichkeit. Deutschland soll mit dem Aktionsplan zum Vorreiter beim Kampf gegen Diskriminierung werden.

    Im Aufgabenbereich des Queer-Beauftragten liegt auch die Abschaffung des Transsexuellengesetzes, das durch ein Selbstbestimmungsgesetz ersetzt werden soll. Das neue Gesetz wird in gemeinsamer Federführung des Bundesfamilienministeriums und des Bundesjustizministeriums erarbeitet. Zudem soll das Familienrecht modernisiert werden. Unter anderem sollen lesbische Mütter mit heterosexuellen Paaren beim Abstammungsrecht gleichstellt und Mehrelternschaften rechtlich absichert werden.“
    https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/ministerium/behoerden-beauftragte-beiraete-gremien/queer-beauftragter-der-bundesregierung-194278

  7. #7 | Anna sagt am 23. November 2022 um 19:03 Uhr

    Danke, dass ihr berichtet habt.

    Wenn Buschmann und Co behaupten, es ginge einzig und alleine nur um die Änderung im Personenstandsregiszter, ist das einfach nur absichtlich irreführend.
    Abgesehen davon, dass die GAOps folgen sollen, führt die Änderung im Personenstandsregister auch dazu, dass männliche Personen dadurch Zugang zu Frauenräumen, die bisher single-sex sind, erlangen können. Und wenn sie rechtlich Frauen sein sollen, können sie ja auch am Frauensport teilnehmen…
    Wobei die dgti, der DFB und Sven Lehmann schon ausgekungelt haben, dass Transfrauenund sogenannte Non-Binäre sich zukünftig aussuchen dürfen, in welcher Mannschaft sie spielen wollen. Also, Transmänner können das auch, aber wer würde annehmen, dass ein Transmann sich mit stärkeren Männern messen will?
    Und vor allem: die Transpersonen und Non-binären werden gefragt. Die Frauen im Sport wurden eher nicht gefragt, zumindest habe ich davon nichts gehört .
    Wer mit offenen Augen durchs Leben geht, sieht doch sofort, dass männliche Menschen nichts im Frauensport verloren haben, weil auf diese Art Frauen um ihre Preise, Gelder, Erfolge, Stipendien gebracht werden.
    https://www.zeit.de/sport/2022-06/fussball-dfb-trans-personen-spielrecht-sport?page=5

    Die Rechte von Frauen und Lesben, die sich eben nicht als „queer“ bezeichnen (was sowieso mehr ein politischer Begriff ist als alles andere) werden immer mehr beschnitten. Die breite Öffentlichkeit bekommt davon relativ wenig mit – auch weil Transaktivisten wie hier gestern gesehen alles daran setzen, dass das ganze Thema gar nicht erst diskutiert werden darf.
    Grüne, SPD und FDP forcieren diese Beschränkungen, allen voran der Queerbeauftragte Lehmann.
    Wie frauenfeindlich das alles ist, sieht man. Und wie frauenfeindlich die Demonstranten gestern waren, konnte man auch sehen.

  8. #8 | Heidi Reiser sagt am 23. November 2022 um 19:19 Uhr

    Danke für die Berichterstattung!!!
    Es ist leider nicht tolerant und demokratisch, dass jeder Versuch das Gesetz kritisch zu hinterfragen autoritär abgeblockt oder als transphob, faschstoid oder Hassreden geframt wird! Dieses Gesetz hat weitreichende Folgen für Kinder und Jugendliche, Eltern und Frauen zugunsten einer winzigen Minderheit. Es muss sorgfältig geprüft werden welche Folgen und Rechtsfolgen daraus entstehen. Wir leben schließlich nicht in einer Diktatur!

  9. #9 | Peter Pasetti sagt am 24. November 2022 um 09:33 Uhr

    @ Stefan Laurin : Die Verbindung sehe ich ja jetzt auch. Leider steht das nicht im Artikel, was das Argument angreifbar macht.

  10. #10 | Brügger Lena sagt am 24. November 2022 um 20:21 Uhr

    Es ist ja alles gut und schön mit dem Selbst Bestimmungs Gesetz. Ich bin der Meinung das es nicht für jede Person gelten sollte.
    Es sollte tatsächlich sich auf transgender beziehen die tatsächlich mit hilfe eines Therapeuten nachweisen kann. Das sie /er auch tarnz ist .
    Hier sollte eine Indikation erfolgen mit der dann der Name geändert werden kann. Blödsinn ist doch das irgendwie jährlich der Name bzw das Geschlecht geändert wird Auch Jugendliche die diesen Weg gehen sollten auch nur nach guter Tp diesen Weg gehen dürfen.

  11. #11 | Arnold Voss sagt am 25. November 2022 um 10:27 Uhr

    Die Faschos jeden Geschlechtes standen vor der Tür und hielten sich für Antifaschos. Das ist der neue Faschismus.

  12. #12 | Helmut Junge sagt am 25. November 2022 um 13:43 Uhr

    Arnold, manch einer versteht unter“ Faschos“ Nationalisten. Aber du meinst sicher etwas anderes.

  13. #13 | Arnold Voss sagt am 26. November 2022 um 11:11 Uhr

    @ Helmut Lange # 11

    Fascho ist für mich eine Abkürzung wie Demo oder Resto und meint natürlich Faschist. Es gibt übrigens einen erhellenden und zugleich vorausschauenden Aufsatz von Umberto Eco zum aktuellen Faschismus, der neu erschienen ist. Der Titel des schmalen aber inhaltsvollen Büchleins lautet: „Der ewige Faschismus“ und ist im Hanser Verlag erschienen.

  14. #14 | Brigitte Leyh sagt am 27. November 2022 um 17:12 Uhr

    Das sog. Selbstbestimmungsgesetz ist eine Büchse der Pandora: Wenn das – leider ist der Name genial gewählt, denn wer hat schon etwas gegen Selbstbestimmung? – durchkommt, dann kann das Geschlecht jedes Jahr gewechselt werden, dann haben Frauen plötzlich auch Männerkörper, weil sie einfach sagen, sie sind Frauen. Dann können gewalttätige Männer als sog. Frauen auf der Suche nach ihrer geflüchteten Partnerin problemlos die Frauenhäuser stürmen. Dann besetzen sie alle Quotenplätze in Beruf und Politik und Siegerpodeste im Sport.
    Schlimmer noch: Zehnmal so viele junge Mädchen wie Jungen möchten in diesen Tagen zum anderen Geschlecht überwechseln. Das neue Gesetz soll ihnen erlauben, ohne jede Kontrolle ab 14 J. die schwerwiegende Hormonbehandlung anzufangen.

    Mädchen und Frauen wachsen auf in einer Welt, in der Macht und Gewalt v.a. in männlicher Gestalt daherkommen. Ein Mann, der mit den Vorteilen des Männlichseins aufgewachsen ist, hat eine ganz andere Sozialisation erlebt. Er/Sie hat mein Mitgefühl, leicht ist das sicher nicht, aber eine Frau ist er/sie nicht.d

  15. #15 | paule t. sagt am 28. November 2022 um 01:10 Uhr

    Allgemein fragt sich immer noch, inwiefern bei dieser Veranstaltung eine Diskussion stattgefunden haben soll. Das setzt ja nach meinem Verständnis des Begriffs voraus, dass unterschiedliche Meinungen zu Wort gekommen wären. Das kann man aus dem Artikel nicht erkennen.

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    Es ist auch relativ typisch für die „Diskussions“-Weise der Antitrans-Aktivisten:innen (ein Selbstverständnis als berichtender, also auch mal Behauptungen überprüfender Journalist hat der Autor bei diesem Thema offenbar nicht), dass die erste Falschdarstellung schon im vierten Satz kommt und nach ihrer Aufdeckung nicht etwa beschämt ein Fehler eingestanden wird, sondern die Falschdarstellung verteidigt wird.

    Denn wie Peter Pasetti in #2 völlig richtig schreibt, geht es im geplanten Selbstbestimmungsgesetz ganz ausdrücklich nicht um medizinische Maßnahmen, also auch nicht um dii Kostenübernahme dafür. Daran ändert sich auch überhaupt nichts dadurch (wie #3,5,6 als Rechtfertigung behaupten), dass diese in einem anderen Dokument thematisiert wird. Wenn es in dem Gesetz nicht um medizinische Maßnahmen geht, geht es auch nicht um Kostenübernahme, und anderslautende Behauptungen sind spätestens nach der Korrektur in #2 eine bewusste Lüge.

    Das gilt erst recht, weil die Darstellung gerade auch in Bezug auf das zur Verteidigung herangezogene andere Dokument, den Aktionsplan der Bundesregierung, falsch ist. Denn natürlich sollen die Kosten nicht „ohne Prüfung“ übernommen werden, sondern „gemäß dem anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse“ – wie bei anderen medizinischen Maßnahmen auch müsste also selbstverständlich ärztlich geprüft werden, ob die jeweilige Behandlung medizinisch sinnvoll ist. Was genau gändert werden soll, steht im Aktionsplan nicht, aber maximal kann es heißen, dass die bisherige Regelung abgeschafft wird, dass bei geschlechtsangleichenden Maßnahmen außer der ärztlichen Befürwortung vorher noch eine zusätzliche, gesonderte Prüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung notwendig ist. Damit gäbe es aber gerade keine _Bevorzugung_ solcher medizinischer Maßnahmen, sondern es würde lediglich eine _benachteiligende_ Regelung abgeschafft.

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    Eine besondere Rolle in der Argumentation nimmt ja der Zugang zu geschützten Räumen ein, speziell Frauenhäusern (s. #14). Erst einmal halte ich den Gedanken sowieso für abwegig, dass ausgerechnet gewalttätige (Ex-)Partner erst einmal zum Standesamt gehen würden, um dort den Geschlechtseintrag ändern zu lassen, und sich erst dann an die Verfolgung ihrer (Ex-)Partnerinnen zu machen. Zweitens ist das Argument auch rechtlich unsinnig: Niemand hat einen _Rechtsanspruch_ auf Aufnahme in oder auch nur Zugang zu einem Frauenhaus, ganz egal ob Mann oder Frau – das regeln vielmehr die jeweiligen Träger selbst. Ein geänderter Geschlechtseintrag würde daran rein gar nichts ändern. Die Behauptung, gewalttätige Männer könnten mithilfe des Selbstbestimungsgesetzes Frauenhäuser „stürmen“, ist also völliger Unfug; und da exakt das auch wieder in den Eckpunkten zum Gesetz steht, stellt sich auch an diesem Punkt die Frage, ob die Antitrans-Aktivist:innen sich überhaupt richtig mit dem Gesetz beschäftigt haben, gegen das sie protestieren – oder ob sie bewusst lügen.

    Übrigens wendet sich auch die Frauenhauskoordinierung e.V. explizit gegen diese Argumentation:
    https://www.frauenhauskoordinierung.de/fileadmin/redakteure/Publikationen/Stellungnahmen/2022-09-08_FHK_PositionierungGewaltschutzTransInterNicht-Binaer.pdf

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    Nicht ganz so dramatisch, aber mMn ähnlich an den Haaren herbeigezogen sind die anderen angeblichen Gefahren. Ich will nicht auf alles eingehen, nur zwei Beispiele:

    a) Umkleiden: Da gibt es doch in der Regel zwei Varianten: Entweder der Öffentlichkeit zugängliche Umkleiden wie in Schwimmbädern. Da gibt es doch nun i.d.R. sowieso Einzelumkleiden. Ein Spanner müsste also auch in diese irgendwie eindringend – und ein solches übergriffiges Verhalten wäre so oder so verboten, solche Männer können so oder so rausgeworfen werden.
    Oder es geht um Schulsport, Vereine u.Ä. Da mag es zwar Sammelumkleiden geben – aber man kennt auch alle Personen, kann also Einzellösungen finden und missbräuchlichen Zugang zu Frauienbereichen verhindern.
    In allen Fällen kommt es aber auch auf das Selbstbestimmungsgesetz kaum an, da am Eingang ja wohl kaum der Eintrag im Personalausweis kontrolliert wird.

    b) Sport: Ja, biologische Männer haben Vorteile. Das wissen die Sportverbände aber auch und können dementsprechend eigene, zur jeweiligen Sportart passende Regelungen finden – und tun das auch.

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    Dann war also auch Vollbrecht wieder da und hat wieder einmal einen von den Gameten erzählt. Kann sie irgendwann mal verstehen, dass dieser Aspekt (!) des biologischen Geschlechts (a) jedem, der sich mit diesen Diskussionen befasst, absolut hinreichend bekannt ist, ihre diesbezüglichen Belehrungen also völlig überflüssig sind, dieser Punkt aber (b) für diese Diskussion einfach egal ist? Das ist ja gerade der Punkt bei Transgeschlechtlichkeit, dass Geschlechtsidentität und körperliches Geschlecht nicht übereinstimmen. Thema verfehlt.

    Übrigens gilt sie natürlich nicht deswegen als Transfeindin, weil sie „schlichte biologische Tatsachen“ wiedergeben würde. Sie gilt deswegen als Transfeindin (und zwar völlig zu Recht), weil sie diese Aspekte zu den allein relevanten Punkten hinischtlich menschlicher Geschlechtlichkeit erklärt und damit Transpersonen schlichtweg ihre Identität abspricht.

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    Irgendwie lustig auch, dass die britische Regierung unter Sunak lobend erwähnt wird. Das ist die Regierung, in der „die religiöse Abtreibungsgegnerin Maria Caulfield zuständig für die Gesundheit und die Gleichstellung von Frauen“ ist (laut hpd*). Wenn man sich in dieser reaktionären Ecke wohlfühlt …
    * https://hpd.de/artikel/dystopia-britannica-20835

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    Zum Schluss noch zu einer besonderen Widerwärtigkeit, dem eingebetteten Tweet von Basad: Auf den abgebildeten Transparenten steht kein Mordaufruf. Da stehen zwei parallele Aussagesätze, einer im Singular, einer im Plural. Zusätzlich zur Parallelität belegt auch der Punkt am Ende, dass „Terfs töten.“ ein Aussagesatz mit dem Subjekt „Terfs“ ist (und eben keine Aufforderung mit einem Objekt). Man kann von diesem Vorwurf halten, was man will – ein Mordaufruf ist es nicht; Basads Behauptung ist also schlichte Verleumdung.
    Aber was will man von jemander halten, die die „Bild“-„Zeitung“ verlässt, weil Springer (!) ihr zu „woke“ (!) ist. Wieder: passende Gesellschaft.

  16. #16 | Stefan Laurin sagt am 28. November 2022 um 07:27 Uhr

    @paule t: Die Kostenübernahme steht findet sich im Aktionsplan des Familienministeriums. All das wird noch für viel Aufregung sorgen: In vielen Bereichen entscheiden Ärzte ob ein Eingriff nötig ist oder nicht, in diesem Fall soll es anders werden. Und ohne Framing geht es wohl nicht, oder? Wird Leuten wie Ihnen in den kommenden Konflikten schlicht nichts nutzen. BTW: Basad hat bei der NZZ volontiert.

  17. #17 | Arnold Voss sagt am 28. November 2022 um 08:47 Uhr

    @ Paule t

    Sie wäre auf der Veranstaltung mit Sicherheit nicht daran gehindert worden, ihre Argumente vorzutragen . Aber dann hätten sie hier ja nicht schreiben können, dass es dort keine Diskussion gab.

  18. #18 | Stefan Laurin sagt am 28. November 2022 um 09:07 Uhr

    @Arnold Voss: Es geht Paule doch nicht um Tatsachen sondern um Framing. So funktioniert die postmoderne Propaganda. Und wenn der Backslash kommt werden sie alle ganz laut jammern und um Solidarität betteln 😀

  19. #19 | Anna sagt am 28. November 2022 um 10:20 Uhr

    Man kann auf Instagram übrigens selbst sehen, wie die Veranstaltung verlief.
    https://www.instagram.com/initiative_lfs/reels/

    Die UN-Sonderberichterstatterin für Gewalt gegen Frauen und Kinder Reem Alsalem hat sich gegen Self-ID ausgesprochen. sie hat gute Gründe dafür angegeben.
    Ihr Brief: https://spcommreports.ohchr.org/TMResultsBase/DownLoadPublicCommunicationFile?gId=27681 (englisch)
    Ein Kommentar dazu: https://mama-arbeitet.de/feminismus/un-sonderberichterstatterin-warnt-vor-selbstbestimmungsgesetz

    Ich staune manchmal ein bisschen darüber, dass bestimmte Männer so sehr auf das Selbstbestimmungsrecht drängen. Für Männer ändert sich nicht viel, was Toiletten, Umkleiden, Sport und so weiter angeht, denn es wird nur sehr wenige transidentifizierte Frauen geben, die unbedingt in Männerbereiche wollen. Umgekehrt sieht es ganz anders aus. Es sind in ganz großer Mehrheit die Frauen, die die Nachteile, Folgen und Risiken tragen müssen.

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